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Johannes Brahms als Komponist und Lehrer

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kompositionsgeschichte

3. Vorlesung

4. Brahms‘ Selbstverständnis als Komponist und seine Methoden als Lehrer
4.1 Biographischer Abriss mit Schwerpunkt auf Brahms‘ künstlerischen Werdegang
4.2 Brahms‘ Selbstverständnis als Komponist
4.3 Brahms als Kompositionslehrer

5. Abschließende Bemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit gliedert sich in drei Hauptteile. Die ersten beiden beziehen sich auf die Inhalte der Vorlesung Aspekte einer Kompositionsgeschichte des 19. Jahrhunderts, die im Sommersemester 2009 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gehalten wurde. Während sich das erste Schwerpunktthema mit der Frage auseinandersetzt, wie die Kompositionsgeschichte von der musikalischen Kulturgeschichte einerseits und der Musiktheorie andererseits abgegrenzt werden kann, dient der zweite Abschnitt dem zusammenfassenden Abriss über die gesamte Vorlesung. Der dritte Schwerpunkt der Hausarbeit bezieht sich schließlich auf die Person des Johannes Brahms und beleuchtend zum einen sein Leben und seinen künstlerischen Werdegang, zum anderen sein Selbstverständnis als Komponist sowie seine Tätigkeit als Kompositionslehrer. Es soll verdeutlicht werden, in wie fern sein musikhistorisches Denken diese beiden Aspekte seines künstlerischen Daseins beeinflusste.

Die Grundlage für den Themenbereich um Brahms‘ Denken und Handeln als Komponist bildet vor allem Christian Martin Schmidts Kapitel Verhältnis zur Geschichte in seinem Buch Johannes Brahms und seine Zeit, in dem dieser Fragenkomplex eingehend erläutert wird. Wie Brahms als Kompositionslehrer auftrat, wird hingegen aus persönlicher Erfahrung von Gustav Jenner als Brahms‘ Kompositionsschüler in seinem Buch Johannes Brahms als Mensch, Lehrer und Künstler. Studien und Erlebnisse geschildert. Als Ergänzung dazu wurden die Ergebnisse Konrad Huschkes in Johannes Brahms als Pianist, Dirigent und Lehrer und die darauf bezugnehmende Studie Johannes Behrs Johannes Brahms – Vom Ratgeber zum Kompositionslehrer. Eine Untersuchung in Fallstudien ausgewertet[1].

2. Kompositionsgeschichte

Grenzen Sie die Kompositionsgeschichte von einer musikalischen Kulturgeschichte einerseits und der Musiktheorie (insbesondere der Formenlehre) andererseits ab!

Die musikalische Kulturgeschichte ist der allumfassendste Betrachtungswinkel, aus dem heraus Musik analysiert werden kann. Sie setzt sich aus der Kompositionsgeschichte, der Musiktheorie und den Aspekten der allgemeinen Kulturgeschichte zusammen, kann jedoch von ihren einzelnen Subthematiken abgegrenzt werden. So befasst sich die Musiktheorie zum Beispiel mit der Formen- und Harmonielehre und beleuchtet hierbei vorwiegend formale Aspekte in Gestalt von Werkanalysen. Kompositionsgeschichte wird zwischen Kulturgeschichte und Musiktheorie verortet. Über die Analyse der Werke hinaus versucht sie die Problemgeschichte des Komponierens zu rekonstruieren. Die Werkanalyse stellt hierbei jedoch eine voraussetzende Grundlage dar, über die hinaus dann die Sicht auf die musikalischen Aufgaben erweitert wird, mit denen sich die Komponisten in ihrer Zeit konfrontiert sahen. Hierbei stellt die kompositionstechnische Norm einer spezifischen historischen Epoche und der Ausbruch aus dieser Norm die eine Seite dar, während andererseits der angestrebte Ausdruck und Klang der Musik die Komponisten vor immer neue Herausforderungen stellte. Die musikalische Kulturgeschichte schließlich fasst die Ergebnisse der Musiktheorie und der darauf aufbauenden Kompositionsgeschichte nur als Teilstück der Musikgeschichte auf und stellt diese vor den Hintergrund der kulturellen Situation, in der ein Komponist lebte und schuf. Diese beeinflusste den Schöpfungsakt mit ihren historischen Ereignissen, den sozialen und politischen Verhältnissen sowie anderen kunst- und kulturgeschichtlichen Entwicklungen einer bestimmten Zeit.

3. Vorlesung

Stellen Sie den groben Aufbau der Vorlesung dar!

Neben der Abgrenzung der Kompositionsgeschichte gegenüber der allgemeinen Musikgeschichte und der Musiktheorie (vgl. Abschnitt 2) wurden in der Vorlesung folgende Schwerpunkte gesetzt: Aspekte des vorklassischen und des klassischen Satzes, Thema und Form, Beethoven, Schubert, sowie Musik in unterschiedlichen räumlichen Strukturen.

Die erste Themengruppe des vorklassischen und klassischen Satzes zeigte eine Entwicklung des klassischen Satzes aus dem vorklassischen heraus auf. Letzterer kann vor allem durch die Schlagworte kadenzmetrischer Satz ohne thematische Schwerpunktgliederung, Figuren als reine Spielformeln und Akkordschläge charakterisiert werden, während bei dem klassischen Satze die motivisch-thematische Arbeit in den Vordergrund rückt. Neben der thematische Forcierung durch die Gruppierung abgeschlossener Themen war auch die Tendenz zur Dominanz des Motivischen zu beobachten. Hierbei spielte die Motivisierung von Figurationen eine entscheidende Rolle, die schließlich zu einer Öffnung der Form verwendet wurden. Diese Entwicklung wurde unter anderem in Beethovens Spätwerk beobachtet, in dem sich die Figuration verselbstständigte und als offenes Gebilde Form zu sprengen vermochte.

„Thema“ wurde im Gegensatz dazu als ein formstiftendes Gebilde betrachtet, wobei die Frage, wie Form aus Themen gewonnen wird, im Vordergrund stand. Zunächst wurde jedoch definiert, was „Form“ ist. So wurde festgestellt, dass Formgebung immer als eine Art der Grenzziehung verstanden werden müsse: es ist ein Prozess der Abgrenzung gegenüber dem, was außerhalb der Form liegt. Daher stößt Form auch immer an Nicht-Form an und muss sich demgegenüber selber tragen können. Sie baut sich aus einem Anfang, einer Mitte und einem Ende auf und ist im Stande, sich mit Hilfe von Musik innerhalb dieser Dimensionen selbst zu reflektieren. Im Zuge der Vorlesung wurden diese Bausteine – vor allem Anfang als Einleitung und Ende als Finali – näher betrachtet und die verschiedenen Typen wie gekappte oder langsame Einleitung, Kehraus und Schlussfuge charakterisiert. Hierbei wurde die Entwicklung zu einer Gewichtsverlagerung zum Finale hin beobachtet, auch wenn sich am Ende des 19. Jahrhunderts zu dieser Tendenz bereits wieder Gegenbewegungen ausprägten. Davon unbeeinflusst blieb jedoch die sich steigernde Emanzipation der Formen gegenüber den Gattungen, die sich auch darin zeigte, dass sich ein Loslösen von großen, sinfonischen Gebilden im Gegenzug zu einem sich Hinwenden zu kammermusikalischen Formen abzeichnete.

Um nun zu der Frage zurückzukehren, wie aus Themen Form gewonnen wurde, müssen die Stichworte der kontrastierenden Ableitung, der Thementransformation und der entwickelnden Variation genannt werden. Denn all dies waren Konstruktionsverfahren, mit deren Hilfe es gelang, aus Themen Form zu bilden. Zudem waren dies Methoden, mit denen sich die Komponisten des gesamten 19. Jahrhundert auseinander setzten und somit als einige der Hauptprobleme dieser Zeit bezeichnet werden können.

Weiter grundlegend für das 19. Jahrhundert war die Betrachtung von Musik in unterschiedlichen Raumstrukturen, namentlich als das Verhältnis von Musik zu Raum und zu Zeit. So versuchten die Komponisten unter anderem Nationalklänge zu erzeugen. Hierzu diente auch eine aufblühende Volksliedrezeption. Allgemeiner noch sollte Musik kulturgeschichtliche Räume beschreiben können, so zum Beispiel durch das Wiedereinführen alter Musik in aktuelle Zusammenhänge. Musik bekam dadurch nicht nur einen zunehmend selbstreflektierenden Charakter, sondern auch eine historische Qualität zugeschrieben, indem sie es möglich machte, auch bereits Vergangenes wieder zu beleben. Doch nicht nur diese Seite des Verhältnisses von Musik zu Zeit wurde näher beleuchtet. Denn darüber hinaus wurde auch die Frage aufgestellt, ob Musik über geschichtliche Zeiten hinweg eine epische Zeit darstellen könne. Es wurde danach gestrebt, auch rein instrumentaler Musik einen narrativen Charakter zu verleihen.

Beethoven und Schubert wurden im Zuge der Vorlesung besonders herausgestellt, da sie in ihrer jeweils eigenen Art und Weise nicht nur Lösungsansätze für die verschiedensten im 19. Jahrhundert aufgeworfenen Fragen bereitstellten, sondern auch Größen darstellten, die das Selbstbild der zeitgenössischen und nachfolgenden Komponisten maßgeblich beeinflussten. So blieb eine zentrale Frage nach Beethovens Tod die danach, was nach einem Meister wie ihm überhaupt noch komponiert werden könne. Schubert setzte genau an dieser Stelle an und versuchte um 1800 an Beethovens Werk anzuknüpfen und einen Weg aus dem schockierenden Erlebnis der Last des Beethovenerbes aufzuzeigen.

[...]


[1] Weitere und ergänzende Informationen wurden aus unterschiedlichen Publikationen gewonnen, die im Einzelnen dem Verweisapparat und Literaturverzeichnis zu entnehmen sind.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640618231
ISBN (Buch)
9783640618545
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150299
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Musikwissenschaftliches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Johannes Brahms Komponist Lehrer

Autor

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Titel: Johannes Brahms als Komponist und Lehrer