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Krisenfaktor Ratingagenturen Wandel oder Status quo

Seminararbeit 2010 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. RATINGAGENTUREN
2.1 Aufgaben und Funktionen von Ratingagenturen
2.2 Bewertungskriterien/ Ratingcodes
2.3 Ratingprozess

3. KRITIK AN DEN RATINGAGENTUREN
3.1 Politische Debatte im angloamerikanischen Raum
3.2 Politische Debatte im europäischen Raum

4. FAZIT

5. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Ohne Ratingagenturen wäre ein derartiges Wachstum der internationalen Finanzmärkte im Verlauf der letzten 20 Jahre kaum möglich gewesen. Sie haben einen vereinfachten „Sprach- code" entwickelt, der es Investoren ermöglicht hat, den Grad des Risikos und eine erwartete Rendite gewisser Finanzprodukte zu erkennen und besser verstehen zu können. Gleichwohl haben die Auswirkungen der globalen US-Immobilienkrise den Glauben sowohl einiger Inves­toren als auch den der Bürger in den Finanzmarkt erschüttert und ein sehr starkes Misstrau­en erzeugt. Finanzprodukte wurden von Ratingagenturen zu lange zu gut bewertet und die „spekulative Blase" platzte, weil stetig mehr Immobilienbesitzer ihre Kredite nicht mehr ab­bezahlen konnten. Als Folge fielen die Immobilienpreise stark ab. Innerhalb kürzester Zeit wurden Vermögenswerte in Milliardenhöhe zerstört und haben sowohl einige Banken als auch Bürger in den Ruin getrieben. Nicht nur in den USA wurden infolge der Immobilienkrise einige traditionsreiche Unternehmen („AIG") verstaatlicht, die ohne stattliche Hilfe nicht weiter hätten bestehen können[1], sondern auch in Großbritannien („Northern Rock" und „Bradford & Bingley"), Belgien („Fortis") oder bspw. Deutschland („IKB" und „Hypo Real Es­tate") kam es zu staatlichen Rettungsaktionen, die den Steuerzahler einen milliardenschwe­ren Betrag kosteten.

Bei der Suche nach den Gründen der Krise wird deutlich, dass Ratingagenturen eine erhebli­che Mitschuld angelastet wird. Damit einhergehend wird der Ruf nach staatlicher Regulie­rung der Ratingagenturen immer lauter. Generell, so der Vorwurf einiger Wirtschaftswissen­schaftler, soll das „Monster" der freien Marktwirtschaft nicht ad libitum schalten und walten können, weshalb weltweit Diskussionen entstanden sind, die divergente Lösungsansätze generierten.

In dieser Hausarbeit vergleiche ich die beiden Debatten über Regulierung und Wandel von Ratingagenturen, die in der europäischen und der angloamerikanischen Politiklandschaft geführt werden. Soll ein Wandel von Ratingagenturen durchgeführt werden; wenn ja, wie stark und in welcher Form? Meine These dazu lautet: Ratingagenturen müssen zunehmend reguliert werden, um eine erneute Finanzkrise nachhaltig unterbinden zu können. In Kapitel 2 zeige ich die Aufgaben und die Funktion einer Ratingagentur auf, während ich in Kapitel 3 die generelle Kritik an Ratingagenturen analysiere und einen Vergleich der jeweiligen Debatten durchführe. In Kapitel 4 stelle ich die Fakten dar und gebe einen kurzen Ausblick.

2. Ratingagenturen

In diesem Kapitel stelle ich stark vereinfacht die Funktions- und Arbeitsweise von Rating­agenturen dar. Dabei zeige ich auf, nach welchen Kriterien eine Agentur bewertet wird bzw. welche „Codes" verwendet werden und wie ein Ratingprozess abläuft.

2.1 Aufgaben und Funktionen von Ratingagenturen

Ratingagenturen sind gewinnorientierte private Unternehmen, die die jeweilige Bonität so­wohl von Unternehmen diverser Branchen als auch von Staaten bewerten. Dabei wird die Kreditwürdigkeit von potenziellen Schuldnern geprüft und daraus eine Bewertung für Kapi­talanleger hergestellt. Die Bewertung wird anhand einer Buchstabenkombination durchge­führt - diese reicht von AAA (bestes Rating) bis hin zu D (schlechtestes Rating = zahlungsun­fähig) - und erfolgt nach sehr streng gefassten Kriterien. Grundsätzlich gilt: nahezu alle Un­ternehmen und Staaten, die auf dem Kapitalmarkt eine Anleihe begeben wollen, sind auf gute Ratings angewiesen. Denn je besser das Rating, desto niedriger muss eine Anleihe ver­zinst werden. Wie man jedoch an der gegenwärtigen Finanzkrise feststellen konnte, bieten gute Ratings keinerlei Garantie für die Sicherheit der Kapitalanlage.

Ratingagenturen haben ihren Ursprung in den USA. Anfang des 20. Jahrhunderts gründete John Moody die weltweit erste Ratingagentur, die Anleihen bewertete und diese Informa­tionen verkaufte.[2] Derzeit existieren rund 150 Agenturen auf dem Finanzmarkt, aber drei große Agenturen beherrschen diesen zu 95%: „Moody's" und „Standard & Poor's" zu jeweils 40% und „Fitch" zu 15%. Damit ist eine klare Oligopolstellung erkennbar. Von 2002 bis 2006 an erzielten die Agenturen einen Großteil ihrer Gewinne durch Gebühren, die sie den Emit­tenten für das Rating in Rechnung stellen. Hierbei ist ein Interessenskonflikt erkennbar, da im Zuge der Finanzkrise viele Finanzprodukte äußerst minderwertiger Qualität ein zu gutes Rating erhielten. Es bestehen zwar noch weitere kleine Ratingagenturen, denen aber die Anerkennung und Größe im Vergleich zu den drei großen Agenturen fehlt.

Eine weitere Form von Ratingagenturen bewertet nicht die Schuldnerbonität, sondern be­zieht sich auf die Beurteilung von Investmentfonds. Die beiden wichtigsten Anbieter in die­sem Bereich sind „Morningstar" und „Lipper".

Generell gilt: Neue Ratingagenturen unterliegen damit einer hohen Markteintrittsschwelle, wenn sie dieses Oligopol aufbrechen und sich etablieren wollen.

[...]


[1] Bräuer, Sebastian/ Fromme, Herbert (2008): US-Regierung verstaatlicht AIG, in: FTD vom 17.09.08, http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:Milliardenhilfe-f%FCr-Versicherer-USRegierung- verstaatlicht-AIG/414728.html [Zugriff am 31.03.10].

[2] Sylla, Richard (2001): A Historical Primer on the Business of Credit Ratings, New York, S.2.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640616916
ISBN (Buch)
9783640616534
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150260
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Schlagworte
Krisenfaktor Ratingagenturen Wandel Status

Autor

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Titel: Krisenfaktor Ratingagenturen Wandel oder Status quo