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Die Rolle der Diamanten im Bürgerkrieg von Sierra Leone

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Sonstige Staaten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Sierra Leone, der Krieg und das Danach
2.1 Sierra Leone
2.2 Der Bürgerkrieg in Sierra Leone
2.3 Die Nachkriegszeit in Sierra Leone

3. Die Theorie der Gewaltmärkte von Georg Elwert

4. Die Rolle der Diamanten im Bürgerkrieg von Sierra Leone
4.1 Die Geschichte des Diamantenabbaus in Sierra Leone
4.2 Der internationale Diamantenhandel
4.3 Diamanten und die Revolutionary Unites Front

5. Fazit - Konfliktdiamanten als Treibkraft für den Bürgerkrieg?

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Diamonds are a girl’s best friend” - Dieser berühmte Songtitel von Marilyn Monroe in den 1950er Jahren gewann besonders in den letzten Jahrzehnten enorm an Dynamik und Bedeu­tung, wenn auch ungewollt von der Initiatorin. In Europa und Nordamerika, in Australien und vielen anderen Ländern der so genannten „westlichen“ Welt ist der Diamant das Symbol für Reinheit und Liebe: dort werden die meisten der hochkarätigen Edelsteine verkauft. In Afrika aber, wo der Großteil der Edelsteine abgebaut wird, bedeuten sie oftmals Krieg, Vertreibung, Tod. Viele der afrikanischen Konflikte wären so nicht möglich gewesen, wenn sich die Kriegsparteien nicht durch den Verkauf der kleinen aber wertvollen Steine finanzieren könn­ten - wie etwa in den Kriegen in Angola und im Kongo, aber auch im elfjährigen Bürgerkrieg in Sierra Leone, dem Land das im Frühjahr diesen Jahres durch den Hollywoodstreifen „Blood Diamond“ zu zweifelhaftem Ruf gekommen ist. So klein und so handlich, wie sie sind, so wertvoll sind Diamanten auch. Die ideale Schmuggelware im Tausch gegen Waffen und Drogen, aber auch zur Bereicherung des eigenen Clans. Es ist fast zwangsläufig, dass um diesen Tauschgegenstand Konflikte entstehen. Das Skurrile im Fall der Diamanten ist jedoch, dass sie trotz dieser grauenhaften Tatsachen in der westlichen Welt mit den oben genannten Attributen versetzt werden, die der Realität des Abbaus so entgegengesetzt stehen. Bischof Joseph Humper aus Freetown Sierra Leone bringt diese Verzweiflung mit dem simplen Zitat zum Ausdruck: „Ihr müsst den Menschen im Norden sagen, dass um diese Schätze Kriege toben“.[1]

In der vorliegenden Arbeit soll auf diese Problematik der Blutdiamanten eingegangen und untersucht werden, welche Rolle Diamanten im Bürgerkrieg in Sierra Leone gespielt hat, stellvertretend für weitere afrikanische Bürgerkriegen.

Im zweiten Teil der Arbeit wird zunächst das Land Sierra Leone, der Bürgerkrieg und die Nachkriegszeit abgebildet. Diese kurzchronische Nachzeichnung stellt einen wichtigen Be­standteil dar, der zum Verständnis der Zusammenhänge in Sierra Leone beiträgt.

Der dritte Teil befasst sich mit der Theorie der Gewaltmärkte von Georg Elwert, dessen es­sentielle Schlussfolgerungen für den vierten Teil der Arbeit eine wichtige Rolle spielen. Hier wird die Bedeutung der Diamanten im Bürgerkrieg Sierra Leones diskutiert und analysiert. Insbesondere soll der Zusammenhang zwischen dem internationalen Diamantenhandel mit dem Kartell DeBeers, der Zivilbevölkerung Sierra Leones und der drei beteiligten Kriegspar­teien, allen voran der Revolutionary United Front, dargestellt werden.

Als fünfter Teil steht ein Fazit welches zusammenfasst, inwieweit die so genannten Konflikt­diamanten die Treibkraft für den Krieg in Sierra Leone waren und wie sich das Konfliktpoten­tial der Edelsteine in den letzten Jahren verändert hat und weiterhin verändern kann.

2. Sierra Leone, der Krieg und das Danach

Um die Zusammenhänge zu verstehen, ist es von wesentlicher Bedeutung die politische Situa­tion Sierra Leones und den Kriegsverlauf zu kennen. Das folgende Kapitel wird in drei Teile gegliedert, die kurz auf das Land an sich, den Kriegsverlauf und die Nachkriegszeit eingehen.

2.1. Sierra Leone

Das westafrikanische Land Sierra Leone ist reich an Bodenschätzen wie Diamanten, aber auch Bauxit, Gold und Rutil[2] aber mit einer Bevölkerung, die zu einer der ärmsten der Welt gehört. Seit Jahren rangiert das Land auf einem der untersten Plätze des Human Development Index der Vereinten Nationen.[3] Korruption und Misswirtschaft stehen an der Tagesordnung und werden überall als das kleinste Übel hingenommen.

Etwa so groß wie Bayern und Baden-Württemberg, mit einer Einwohnerzahl von etwas über 5 Mio. gehört Sierra Leone zu den kleinsten Ländern Afrikas[4] und ist wie viele andere afrikani­sche Länder seit Anfang der sechziger Jahre unabhängig von der britischen Krone. Trotz der offiziellen Bezeichnung als parlamentarische Demokratie hat es Sierra Leone jedoch in den Jahrzehnten vor dem Bürgerkrieg nie geschafft eine eindeutig demokratische Regierung auf­zustellen. Nach der ersten Wahl im Jahre 1962 gewann Sir Milton Margai der nach seinem Tod vom Bruder Albert Margai abgelöst wurde, die beide hinter der „Sierra Leone People’s Party“ standen. 1967 begann die Zeit einer Einparteienherrschaft unter dem „All People’s Congress“ der den Präsidenten Siaka Stevens stellte. Verschiedene Militärcoups bedrohten in den darauf folgenden Jahren die politische Stabilität Sierra Leones.

1985 wird Joseph Saidu Momoh gewählt, der als letzter Präsident vor dem Einsetzen des Bür­gerkrieges das traditionelle korrupte und eigennützige Verhalten der sierra leonischen Politik weiterführt.[5] Korruption und Misswirtschaft gelten in der Literatur auch als Hauptgrund für die Verarmung Sierra Leones in den Jahrzehnten vor dem Bürgerkrieg.[6]

2.2. Der Bürgerkrieg in Sierra Leone

Am 23. März 1991 brach der Konflikt in Sierra Leone aus, als bewaffnete Truppen der damals noch unbekannten Revolutionary United Front (RUF) die Grenze von Liberia nach Sierra Leone überquerten, mit dem offiziellen Ziel, das korrupte und tyrannische System von Präsi­dent Momoh zu stürzen.[7] Dieser Tag markierte den Beginn einer Welle voll Gewalt, die das Land überrollte und über ein Jahrzehnt dauern sollte. Der Konflikt reduzierte sich auf eine schockierende Brutalität gegen die Zivilbevölkerung, die mit erschütternden Taktiken einher­ging welche die RUF nutzte um die Zivilbevölkerung zu unterdrücken und zu demoralisieren. Es gibt zahlreiche Berichte über Amputationen, Entführungen von Frauen und Kindern, die Rekrutierung von Kindern als Kämpfer, Sexsklaverei, Kannibalismus und erschreckende Zer­störungen von ungezählten Dörfern und Städten.

Dies war ein Krieg, der nicht nur zwischen den Kriegsparteien ausgetragen wurde, sondern bei dem alle Bevölkerungsteile enorm in Mitleidenschaft gezogen wurden, ob als direktes Opfer, als Schutzschild der Rebellen gegen die Regierungstruppen, ob als Druckmittel oder als Einwohner eines Dorfes welches zur Beschaffung neuer Munition und Nahrung überfallen und zerstört wurde.

Den Höhepunkt erreichte der Konflikt im Januar 1999, als die RUF die Hauptstadt Freetown weitgehend zerstörte und die Bevölkerung massakrierte. Wie jeder kriegerische Konflikt hin­terließ auch dieser Bürgerkrieg bei allen Einwohnern Sierra Leones unauslöschliche Eindrü­cke. Jedoch war der Bürgerkrieg in Sierra Leone einer der Kriege, die an Brutalität und un­menschlicher Gewalt kaum zu übertreffen sind.

Im Juli 1999 fand der Krieg in Lome in Togo mit einem Friedensabkommen ein vorläufiges Ende, welches die Kämpfe jedoch vorerst nicht einzudämmen vermochte. Ein Prozess be­gann, der einen langsamen Frieden ins Land bringen sollte. Hilfreich hierbei war sichtlich die Präsenz einer der größten bisherigen UN-Friedensmissionen, der United Nations Assistance Mission in Sierra Leone (UNAMSIL), die stark darauf hinwirkte, den Konflikt so weit wie möglich abzuschwächen. Um vorzubeugen, dass der Krieg erneut ausbricht, fand Anfang der 2000er Jahre eine der größten Entwaffnungsaktionen statt bei der über 40.000 Waffen ver- nichtet wurden.[8]

[...]


[1] Brot für die Welt (2003): Saubere Diamanten? S. 9.

[2] Vgl.: Perez (2000): Der Bürgerkrieg in Sierra Leone - ein gnadenloser Wirtschaftskrieg.

[3] Vgl.: Human Development Report 2006 des United Nations Development Programme.

[4] Vgl.: Der Fischer Weltalmanach: Sierra Leone.

[5] Vgl.: Afrika auf einen Blick: Sierra Leone.

[6] Brot für die Welt (Hrsg.) (2003): Saubere Diamanten? S. 10.

[7] TRC Report (2005): S.12.

[8] TRC Report (2005): S.12ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640613465
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150197
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Sierra Leone Diamant Bürgerkrieg ökonomische Gewalt Afrika

Autor

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