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Eine Interpretation der Kurzgeschichte "Eleonora" von Edgar Allan Poe

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehungsgeschichte

3 Biographische Hintergründe mit Relevanz zum Thema

4 Strukturelle Auffälligkeiten
4.1 Der Titel als ein dem Haupttext vorausgestelltes Signal
4.2 Motto
4.3 Einteilung

5 Eleonora
5.1 Autobiographisch
5.2 Analyse und Interpretation
5.2.1 Ich -Erzähler
5.2.2 Landschaftsbeschreibungen und Fiktivität
5.2.3 Die Beziehung zwischen Eleonora und dem Erzähler
5.2.4 Ermengarde
5.3 Verbindung zu Coleridge
5.4 Tuberkulose – Krankheit als Metapher
5.5 Der Ich-Erzähler bei Poe

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird die Kurzgeschichte „Eleonora“ interpretiert, die aufgrund ihrer romantischen Merkmale eine Sonderstellung im Gesamtwerk des amerikanischen Schriftstellers und Dichters Edgar Allen Poe einnimmt. Grundlage für die Interpretation sollen eigene Interpretationsansätze unter Einbeziehung bereits bestehender Ansätze sein. Die Arbeit wird zunächst auf bestimmte, für die Interpretation relevante Abschnitte der Biographie des Autors eingehen. Ferner soll ein Schwerpunkt auf dem von Poe gewählten Motto und dem Titel liegen. Weiterhin wird eine Unterteilung der Kurzgeschichte stattfinden, die die einzelnen Sinnabschnitte der Arbeit augenscheinlich machen soll. Abschließend soll die Kurzgeschichte in einzelnen Abschnitten interpretiert werden, um eine kohärente Interpretation des gesamten Textes zu ermöglichen.

2 Entstehungsgeschichte

Die Kurzgeschichte stammt aus dem Jahr 1841, wo sie erstmals in „The Gift: A Christmas and New Year´s Present for 1842“ veröffentlicht wurde. Nach der Erstveröffentlichung fügte Poe der Kurzgeschichte ein Motto hinzu. Die Kurzgeschichte wurde dann 1845 erneut unter Einbeziehung verschiedener Änderungen seitens des Autors veröffentlicht.

3 Biographische Hintergründe mit Relevanz zum Thema

Edgar Allan Poe (1809-1849) heiratet 1836 die noch dreizehnjährige Virginia Clemm. 1842 erkrankt seine junge Frau an Tuberkulose, von der sie sich nicht mehr erholt. Sie stirbt am 30. Januar 1847. Bereits ein Jahr später lernt er die 45-jährige Helen Whitman kennen, der er noch im selben Jahr einen Heiratsantrag macht. Poe, der bereits im Alter von elf Jahren erste Couplets schrieb, ist heute für zahlreiche Kurzgeschichten, darunter, The Fall of the House of Usher“, „The Tell-Tale Heart“, „The Black Cat“ und einer Vielzahl von Gedichten bekannt.

Auffällig ist die Häufigkeit, mit der Poe den Tod in allen möglichen Variationen zum Gegenstand seiner Kurzgeschichten macht. Möglich ist, dass ohne das Erlebnis des Sterbens geliebter Personen in seinem Leben, das Schreiben seiner Kurzgeschichten nicht oder in anderer Form stattgefunden hätte. Es ist daher anzunehmen, dass Poes Erlebnisse maßgeblichen Einfluss auf seine Geschichten hatten.

4 Strukturelle Auffälligkeiten

Auffällig an der Kurzgeschichte „Eleonora“ ist das äußere Erscheinungsbild. Unter den Titel „Eleonora“, setzt der Poe das Motto „Sub conservatione forme specifiæ salva anima – Raymond Lully“ . Ferner erfolgte eine offensichtliche Einteilung der Geschichte in vier Teile, die der Autor durch Absätze und Leerzeilen kenntlich macht.

4.1 Der Titel als ein dem Haupttext vorausgestelltes Signal

Der Titel einer Geschichte gibt dieser einen Namen und bestimmt zugleich, welche Assoziationen im Leser hervorgerufen werden sollen und worum es in der Geschichte geht. Der Titel „Eleonora“ ist eng mit Helen, dem Namen seiner Verlobten verbunden, da es sich bei Eleonora um eine Form des Namens Helen handelt. Es ist jedoch auszuschließen, dass Poe den Namen aus diesem Grund wählte, da er Helen Whitman erst im Jahr 1848 kennen lernte, während die Kurzgeschichte bereits 1841 erschien. Auch nennt er die weibliche Hauptfigur gerade nicht Helen, sondern gibt ihr den klangvollen Namen Eleonora. Bereits die Melodie des Namens weckt in dem Leser bestimmte Assoziationen. Während Helen kurz, knapp und bodenständig klingt, initiiert der Name „Eleonora“ etwas Weiches, Träumerisches und Phantasievolles. Bereits der Name lässt vermuten, dass der Leser in eine Phantasiewelt entführt werden soll. Auch lässt der weiche Klang auf etwas Liebevolles in der Figur der Eleonora schließen. Das Träumerische lässt eine Welt der Phantasie vermuten, in der, wie im Traum, alles möglich scheint und doch nichts der Realität entsprechen kann.

Weiterhin erklärt Poe in einem Schreiben an Mrs. Whitman nach 1848, dass er eine dauernde Vorliebe für den Namen Helen und dessen Variationen hat. Diese Vorliebe zeigt sich insbesondere im Titel der Kurzgeschichten „Lenore“ und „Eleonora“ und in den beiden Gedichten „To Helen“. Gerade in den Gedichten deutet sich ein möglicher Gegensatz zur Kurzgeschichte „Eleonora“ an, da sie sich an reale Personen wenden, die Figur der Eleonora jedoch fiktiv ist. Die Fiktivität der Figur legt auch die Fiktivität der Geschichte nahe. Dies wird jedoch noch zu prüfen sein.

4.2 Motto

Als Untertitel für seine Kurzgeschichte wählte Poe das Motto „sub conservatione forme specifiæ salva anima – Raymond Lully“. Bei der Person, auf die in dem Zitat verwiesen wird, handelt es sich Raimundus Lullus, Doctor Illuminatus. Der Grund, warum Poe das Zitat an den Anfang seiner Kurzgeschichte stellte, könnte in dem gemeinsamen Interesse der beiden Wissenschaftler an der Chemie liegen. Poe verzichtet auf eine Übersetzung des lateinischen Mottos. Dadurch wird erstens deutlich, dass Poe seine Ausbildung und Interessen an unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen in seine Geschichten einfließen lässt und zweitens auch davon ausgeht, dass der Leserkreis, den er ansprechen möchte, ebenfalls über ein gewisses Maß an Bildung verfügt. Auch die Metaphorik, die Poe für seine Landschafts- und Naturbeschreibung gebraucht, lässt auf einen solchen Leserkreis als Adressaten für die Kurzgeschichte schließen, da nur ein solcher die sprachlichen Bilder zu verstehen und zu deuten vermag.

Über die genaue Übersetzung des Zitates werden in der Literatur unterschiedliche Ansätze diskutiert. Alterton und Craig übersetzen das Motto mit „The safety of the soul lies in the preservation of the specific form“ („Die Sicherheit der Seele liegt in der Erhaltung einer bestimmten Form“). Eric W. Carlson schließt sich dieser Erklärung weitestgehend mit „In the Preservation of its specific form lies the safety of the spirit of life“ („In der Erhaltung der besonderen Form liegt die Sicherheit des Lebensgeistes“) an. Schließlich übersetzt Mabbot das Motto mit „Under the protection of a specific form, the soul is safe“ („Unter dem Schutz einer bestimmten Form ist die Seele sicher“).

Die unterschiedlichen Ansätze machen deutlich, dass eine eindeutige Interpretation des Mottos nicht erfolgen kann. Möglich ist daher, dass Poe das Motto wählte, da es viel Spielraum für Interpretationen lässt und den Leser damit zum nachdenken anregt.

4.3 Einteilung

Die englische Begriff Shortstory ist ein Sammelname für verschiedene Arten von Kurzepik. Wichtig für eine Shortstory sind dabei ihre Kürze und die damit verbundene Betrachtung als geschlossenes Ganzes. Innerhalb der Shortstory steht alles, was passiert, in einem engen Bezug zueinander. Trotz dieser Einheit lassen sich in Poes Kurzgeschichte „Eleonora“ bestimmte Brüche erkennen. So wird der letzte Teil der Geschichte am deutlichsten vom Rest durch eine Leerzeile abgegrenzt. Innerhalb der Geschichte werden jedoch auch andere Brüche deutlich. So bildet auch der erste Teil einen eigenen Sinnabschnitt. Im diesem Teil stellt sich der Erzähler dem Leser vor. Er schildert die Umstände, in denen er sich gegenwärtig, während er die Geschichte erzählt, befindet. Im zweiten Teilabschnitt erzählt der Ich-Erzähler von seiner ersten Liebe. Schließlich schildert der Erzähler in einem weiteren Teilabschnitt, wie es ihm nach dem Tod von Eleonora ergeht. Abschließend wird dem Leser in einem vierten Abschnitt von der Begegnung mit Ermengarde erzählt. Trotz dieser offensichtlichen Einteilung sind die einzelnen Abschnitte eng miteinander verbunden. So ist es von entscheidender Bedeutung für die im zweiten Abschnitt erzählte Geschichte, dass der Erzähler bereits am Anfang die Frage diskutiert, ob er wahnsinnig sei oder nicht. Auch die Begegnung mit Ermengarde wäre nicht möglich gewesen, ohne dass der Erzähler mit Eleonora in dem einsamen Tal zusammengelebt hätte, diese starb und er beschließt, dass nun trostlos gewordene Tal zu verlassen. Der kausale Zusammenhang, der zwischen den einzelnen Brüchen in der Geschichte besteht, ist damit Ausdruck des Gesamtzusammenhangs. Die Brüche ermöglichen dem Leser andererseits, den Erzähler aus unterschiedlichen Perspektiven und unter unterschiedlichen Bedingungen kennenzulernen und damit auch die anfangs aufgestellte These, dass der Erzähler wahnsinnig sei, ständig neu zu hinterfragen und zu prüfen. Jeder Einschnitt in der Geschichte ermöglicht dem Leser das zuvor Gesagte zu überdenken und sich über den Fortgang der Geschichte Gedanken zu machen.

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Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640613380
ISBN (Buch)
9783640613656
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150138
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Anglistik und Amerikanistik
Note
2,0
Schlagworte
Eine Interpretation Kurzgeschichte Eleonora Edgar Allan

Autor

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Titel: Eine Interpretation der Kurzgeschichte "Eleonora" von Edgar Allan Poe