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Die Epistemologie Russells anhand der Erkenntnis allgemeiner Prinzipien in „Probleme der Philosophie“

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Empirismus und Rationalismus
2.1 Empirismus
2.2 Rationalismus
3.3 Konflikt und Vereinbarkeit

3. Die Erkenntnis allgemeiner Prinzipien

4. Die Erkenntnis der Erfahrung

5. Zusammenfassung und Schluss

1. Einleitung

Gegenstand dieser Hausarbeit ist im wesentlichen das 7. Kapitel „Unsere Erkenntnis allgemeiner Prinzipien" aus Bertrand Russells Werk „Probleme der Philosophie" und die voraus bzw. darüber hinaus gehenden Gedanken. Meine Ausführungen beginnen zunächst, nach einer kurzen historischen Einführung, mit einer Darstellung der Strömungen des Empirismus sowie des Rationalismus und deren wichtigsten Vertreter. In kritischem Bezug auf Russell, werde ich dann auf den Konflikt, aber auch die Vereinbarkeit dieser beiden Positionen eingehen, um von dort aus Russells Auffassung zur Erkenntnis allgemeiner Prinzipien zu erörtern. Dabei werde ich zunächst darstellen was allgemeine Prinzipien nach Russell sind, um dann exemplarisch die Prinzipien der Induktion und Deduktion zu erläutern. Anschließend wird sich die Frage stellen wie wir uns dieser Prinzipien bewusst werden und welche Rolle sie im Prozess der Erkenntnis zusammen mit der Erfahrung spielen. So werden ihre Möglichkeiten aber auch Grenzen aufgezeigt. Näher werde ich mich mit den von Russell angeführten Beispielen der Mathematik und der Ethik auseinandersetzen, denen er beiden einen apriorischen Charakter zu spricht. Diese Ansicht sowie die Argumente die zu ihr führen werden kritisch hinterfragt.

Nach der Behandlung der allgemeinen Prinzipien, die wie gezeigt wird unbezweifelbar einen Teil der Erkenntnis ausmachen, folgt eine Darstellung des anderen Teils der Erkenntnis, der Erfahrung, mit einem Augenmerk auf die von Russell seinem Werk „Human Knowledge" dargestellte Problematik der Subjektivität in Zeit und Raum.

Abschließend werden die gesammelten Erkenntnisse und die daraus resultierenden weitergehen Probleme und Fragen zusammenfassend dargestellt.

2. Empirismus und Rationalismus

2.1. Rationalismus

Die Zeit des ausklingenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts steht im Zeichen des Aufschwungs und Fortschritts der Naturwissenschaften (Höffe 2001:149). Dadurch ausgelöst entsteht eine Debatte über den richtigen Weg zu neuer Erkenntnis. Der Zusammenhang dieser beiden Entwicklungen wird deutlich, wenn man die weiteren oder zum Teil ursprünglichen Tätigkeitsfelder der bedeutendsten Philosophen dieser Zeit betrachtet. Sie sind Mathematiker und Naturwissenschaftler. Beachtenswert ist außerdem, dass niemand von ihnen als Universitätslehrer tätig ist (Höffe 2001:150). Diese Faktoren tragen zu einer Pragmatisierung der Philosophie bei.

Auf der Suche nach „zweifelsfreien Wissen" (Höffe 2001:154) bilden sich die beiden Denkschulen des Rationalismus und Empirismus heraus. Die Rationalisten sind hauptsächlich Mathematiker des kontinentalen Europas. Als Begründer des neuzeitlichen Rationalismus gilt der Franzose Rene Descartes (1596 - 1650). Von der Mathematik und Metaphysik kommend ist für ihn die Mathematik das methodische Vorbild jeglicher Erkenntnis (ebd.). In Überwindung des Skeptizismus entwickelt er die Methode von den „einfachsten, unbezweifelbaren Elementen" (ebd.) ausgehend ein „System des gesamten Wissens aufzubauen"(ebd.).

In einem Gedankenexperiment entdeckt er dieses kleinste, unbezweifelbare Elemente im res cogitans, im denkenden Wesen. Denn wer an allem zweifelt, erkennt sich selbst als zweifelndes Wesen an. Dies ist meiner Erachtens nach jedoch problematisch, da wer an allem zweifelt, zweifelt auch an der Notwendigkeit der Kausalität. Somit könnte er die Person, die zweifelt, als Illusion erachten und ein reines Zweifeln könnte einfach unabhängig von Person, Raum und Zeit sein.

Die Rationalisten des 17. Jahrhunderts gehen also vom Vorhandensein eines unbezweifelbaren Wissens aus. Dieses Wissen liegt in den angeborenen Ideen und Prinzipien, welche für die Rationalisten unabhängig von jeglicher Erfahrung sind (Russell 2007:66).

2.2 Empirismus

Der Empirismus ist die philosophische Strömung der Erkenntnistheorie, welche im direkten Kontrast zum Rationalismus steht und ihre Anfänge ebenfalls im 17. Jahrhundert hat. Seine wichtigsten Vertreter und Begründer waren die britischen Philosophen Thomas Hobbes (1588 - 1679), John Locke (1632 - 1704) und David Hume (1711 - 1776). Ein wichtiger Vordenker und direkter Gegenspieler Descartes' war der Franzose Pierre Gassendi. Unter Rückgriff auf Epikur und dessen Sensualismus vertrat er die Auffassung eines von Geb]urt an leeren Verstandes, welcher durch Sinneseindrücke gefüllt wird. Diese Idee griff Locke auf. Er bezeichnete den Verstand als „tabula rasa", als leere Tafel. Somit sind für Empiristen Sinnesdaten, also Erfahrungen, die Grundlage und der Ausgangspunkt für jegliches Wissen. Dennoch sind sie sich bewusst, dass um aus Sinnesdaten abstraktes Wissen zu schaffen der Verstand notwendig ist (Thiel 1997:83). Diese Fähigkeiten des Verstandes bezeichnet Locke als faculties (Thiel 1997:40). Mit diesen faculties sei der Mensch in der Lage allgemeine Prinzipien und Ideen zu bilden (ebd.).

2.3 Konflikt und Vereinbarkeit

Der Konflikt scheint, so wie er auch von Russell dargestellt wird, deutlich und offensichtlich. Für die Empiristen ist alles Wissen Wissen durch Erfahrung. Rationalisten gehen von einem Wissen aus, welches a priori, also vor jeglicher Erfahrung dem Menschen gegeben ist.

Bei genauerer Betrachtung unterscheidet sich jedoch die Auffassung Lockes, welcher unbezweifelbar als einer der Hauptvertreter des Empirismus gilt, kaum von der Descartes. Für Descartes macht es keinen Unterschied ob die Fähigkeiten (faculties) allgemeine Prinzipien und Ideen zu bilden oder diese allgemeinen Prinzipien und Idee selbst angeboren bzw. a priori den Menschen gegeben sind.(Thiel 1997:42,43) Dadurch ist eine absolute Trennung zwischen Rationalismus und Empirismus in der Ideenlehre nicht möglich. Vielmehr ist es so, dass Rationalisten empirische Erfahrungen und Empiristen rationale Prinzipien als Bedingung für jegliches Wissen anerkennen, die verschiedenen Elemente in ihrer Bedeutung jedoch unterschiedlich gewichten. Russells Darstellung des Konfliktes ist somit sehr oberflächlich und dient lediglich dem Aufbau bzw. der Verdeutlichung seiner Argumentation.

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Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640615919
ISBN (Buch)
9783640616343
Dateigröße
892 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150137
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Philosophisches Semniar
Note
2,0
Schlagworte
Russel Erkenntnistheorie theoretische Philosophie Rationalismus Empirismus

Autor

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