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Bullying unter Schülern

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 21 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Bullying?
2.1 Eine Begriffsklärung
2.2 Bullying, eine Definition
2.3 Bullying, die Formen
2.4 Erscheinungsformen

3. Verbreitung / Prävalenz

4. Ursachen
4.1 Bullies
4.2 Opfer
4.3 Schulische Risikobedingungen

5. Die Folgen

6. Maßnahmen gegen Bullying

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bullying ist ein neu-deutsches Wort für ein relativ altes Phänomen einer bestimmten Form von Gewalt, dessen Muster vielen Menschen bekannt ist.

Abgesehen von Assoziationen zu meiner eigenen Schulzeit – auch eine Motivation zu dieser Arbeit – habe ich in diversen Gesprächen festgestellt, dass das Phänomen, wenn auch aus den unterschiedlichsten Perspektiven, eigentlich jedem Menschen geläufig zu sein scheint. Dass aber die Erfahrungen so unterschiedlich waren, lenkte mein Augenmerk auf den Ausgangspunkt (und eine zentrale Erkenntnis) der vorliegenden Arbeit: Unter dem Begriff Bullying werden verschiedene Formen der Gewalt zusammengefasst. Da in dem Umgang und der Erklärung des Begriffes bereits der Schlüssel für eine der Thematik innewohnende Problematik liegt, beginnt meine Arbeit mit dem Versuch einer Begriffsklärung, gefolgt von einer Definition und einer Beschreibung des Phänomens. Dann folgt ein kurzer Abschnitt über die Verbreitung von Bullying, bevor ich mich möglichen Ursachen – und danach den Folgen - zuwende. Den Abschluss bilden die Maßnahmen gegen Bullying. Es handelt sich um eine Übersichtsarbeit, die dem wichtigen und umfangreichen Thema nicht wirklich gerecht werden kann. Insbesondere bei den Maßnahmen habe ich mich auf die exemplarische Beschreibung nur eines Programmes (von vielen) in der Hoffnung beschränkt, dass ich im Verlaufe meines Referendariats vielleicht noch Gelegenheit erhalten werde, mich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen.

2. Was ist Bullying?

2.1 Eine Begriffsklärung

Ende der Siebziger Jahre begann die Aufmerksamkeit für bestimmte Gewaltphänomene in Gruppen, die meist unter dem Begriff „Mobbing“ zusammengefasst wurden. Für den Bereich Schule war es der norwegische Experte Dan Olweus, dessen Pionierarbeit auf dem Gebiet Ausgangspunkt für viele europäische Forschungsarbeiten war. Da in Skandinavien „mobbning“ oder „mobbing“ im Zusammenhang mit Gewalttätigkeit gebraucht wird und sich diese Terminologie auch mit dem englischen Wort „mob“ (für Pöbel) überschneidet, hat sich zunächst das Wort „Mobbing“ durchgesetzt[1] und Eingang in die Alltagssprache gefunden. Allerdings wird „Mobbing“ vornehmlich im Handlungskontext Arbeit gebraucht. Im angelsächsischen Sprachraum hat sich auch bezogen auf den Schulbereich der Begriff Bullying durchgesetzt, der soviel wie tyrannisieren, einschüchtern oder schikanieren bedeutet. Im Amerikanischen findet hingegen häufig „vicitmization“ Verwendung. Auch in den deutschsprachigen Ländern herrscht uneinheitliche Anwendung der Termini (und Übersetzungen) vor, insbesondere „Mobbing“ und „Bullying“ werden oft synonym gebraucht. Da einheitliche Verwendung der Begrifflichkeiten Voraussetzung für die Vergleichbarkeit von Forschung ist, diese sich aber andererseits mit zunehmender Quantität auch immer stärker spezifiziert, trägt die unterschiedliche Terminologie immer wieder zu Unschärfen und Missverständnissen bei. Sicherlich auch im Zusammenhang mit dieser Problematik scheint es, dass sich auch in Deutschland die Verwendung von „Bullying“ bezogen auf den Schulbereich zunehmend durchsetzt, darüber hinaus entspricht sowohl die Bedeutung als auch die Konnotation von „Bullying“ dem Phänomen am besten, daher verwende ich in meiner Arbeit den Begriff „Bullying“ für die Tat und Bully / Bullies für die Täter. Auch das Verb viktimisieren findet Verwendung, bezeichnet es m.E. passend und ohne falsche Konnotation den Prozess des zum-Opfer-Werdens. Aufgrund der Ausgangslage findet sich aber auch der Begriff „Mobbing“ gelegentlich in Zitaten wieder, in diesen Fällen sollte Mobbing synonym zu Bullying verstanden werden.

2.2 Bullying, eine Definition

Mit Bullying werden spezifische schädigende Verhaltensweisen bezeichnet, die sich nach Dan Olweus[2] wie folgt definieren lassen: „Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist (S.22).“ Bei Bullying handelt es sich also um eine spezifische Form aggressiven Verhaltens, wobei der wesentliche Unterschied zu anderen Gewaltformen darin besteht, dass die negativen Handlungen wiederholt und über einen längeren Zeitraum ausgeübt werden und dass ein Ungleichgewicht der Stärke zwischen Täter und Opfer besteht, d.h. um von Bullying sprechen zu können, muss ein asymmetrisches Kräfteverhältnis vorliegen. Konstituierend für das Phänomen Bullying ist darüber hinaus, dass es in dem Handlungsraum Schule stattfindet, d.h. der soziale Kontext spielt eine wesentliche Rolle. Diese Parameter engen Bullying auf ein gewisses Spektrum aggressiven Verhaltens ein, dennoch bleibt eine beachtliche Spannbreite gewalttätiger bzw. aggressiver[3] Handlungen, die unter dem Begriff Bullying subsumiert werden können. Im Folgenden soll es um die Möglichkeiten der weiteren Differenzierung gehen, diese wird häufig in Anlehnung an die Aggressionsforschung vorgenommen (vgl. Scheithauer, Hayer und Petermann, 2003, S.28ff.). Aufgrund der Diversität der Forschung bzw. Problematik zu Gewalt/Aggression gibt es auch hier oft auch Überschneidungen bzw. Unschärfen der verschiedenen Konzepte, die verwandten Begrifflichkeiten sind überdies abhängig von dem Forschungsgebiet, in dem sie angesiedelt sind.

2.3 Bullying, die Formen

Eine grundsätzliche Möglichkeit der Unterscheidung ist physisches versus psychisches Bullying[4]. Typische physische Bullying-Formen sind z. B. Schlagen, Schubsen oder Treten bzw. jedwede Form direkter körperlicher Gewaltanwendung, wohingegen psychisches Bullying alle Formen der Gewalt beinhaltet, die darauf zielen, primär psychischen Schaden und Schmerzen bei dem Opfer herbeizuführen (vgl. Scheithauer et al., 2003, S. 29). Der soziale Arbeitskreis soziale Bildung und Beratung differenziert das physische Bullying noch einmal in drei Unterformen:

a) Direkt: Stoßen, schlagen, prügeln, treten, boxen, kneifen, an den Haaren reißen, kratzen, beißen, ein Bein stellen, den Stuhl wegnehmen, mit Gegenständen bewerfen, würgen.
b) Indirektes, gegenständliches Mobbing durch Angriffe auf Eigentum/Gegenstände. Dinge verstecken, wegnehmen, stehlen, zerstören (des im Unterricht erarbeiteten Materials), Dinge wegwerfen (mitgebrachtes Essen in den Papierkorb oder in die Toilette werfen und runterspülen).
c) Handlungen mit physischen Aspekten, ohne Schläge: Abpassen, jagen, einfangen, fesseln, einsperren, Türe vor der Nase zuschlagen.

Ein weiteres Gegensatzpaar der Differenzierung wäre direkte versus indirekte Aggression. Während direkte Aggression personale Konfrontation beinhaltet, kann indirekte Aggression verstanden werden als mittelbare Schädigung ohne direkte Konfrontation mit dem Opfer. Beispiele für indirekte Aggression sind auch das Ausschließen von gemeinschaftlichen Aktivitäten z.B. verbieten mitzuspielen, links liegen lassen, schneiden und auch Formen der sozialen Manipulation, bei der das eigentliche gemeinte Opfer auf Umwegen attackiert wird. Oftmals versucht der Täter so zu schädigen, dass er nicht mit der Tat in Verbindung gebracht werden kann bzw. dass es so aussieht, als wenn er nicht mit der Intention gehandelt hat, Schaden zu verursachen (vgl. Scheithauer et al., 2003, S.28).

Bedeutungsvoll im Zusammenhang mit Bullying ist die sogenannte relationale Aggression, deren Intention es ist, die sozialen Beziehungen einer Person zu schädigen. Typische Beispiele für relationale Aggression wären das Ausgrenzen aus der Gemeinschaft, Verleumdungen bzw. Lügen verbreiten, aber auch jede andere Art der sozialen Manipulation, die eine Schädigung des auserkorenen Opfers intendiert. Zwar gibt es große Überschneidungen zwischen relationaler und indirekter Aggression, dennoch sind die Konzepte nicht deckungsgleich (vgl. Schmid, 2005, S.23f). Wesentlich für die relationale Aggression ist das Verhalten der weiteren Beteiligten, die durch ihr (möglicherweise verändertes) Sozialverhalten eine wesentliche Rolle spielen. Relationale Gewalt spielt im Zusammenhang mit dem Gruppenphänomen Bullying oft eine bedeutsame Rolle.

Neben o.g. Formen der Aggressionen existieren noch weitere Konstrukte, wie beispielsweise das der relationalen Aggression gegenüberstehende Konzept der offenen Aggression (vgl. Werner&Hill, 2005, S.46), verbale versus nonverbale Aggression oder auch das Konstrukt der sozialen Aggression (vgl. Scheithauer et al., 2003, S.28f). Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen, sich zum Teil überschneidenden Konzepte schlagen Scheithauer et al. (2003, S.28ff) eine Einteilung in prototypische versus unprototypische Aggressionsformen vor. Prototypische Aggressionsformen wären demnach körperlich aggressive und verbale Formen wie z. B. Treten, Schlagen, Beißen o.ä., unprototypische Aggressionen beziehen sich auf die nicht so gut erforschten Formen aggressiven Verhaltens, also psychische relationale, indirekte oder soziale Aggression. Grundsätzlich ist diese Unterscheidung für das Thema Bullying insofern von Bedeutung, weil sich in dieser Gegenüberstellung Unterschiede in der Prävalenz bzw. Erfassung und Erforschtheit zeigen, aber auch weil sich angesichts der unterschiedlichen Erscheinungsformen möglicherweise andere Konsequenzen bezüglich der Prävention / Intervention ergeben.

[...]


[1] So wird in der Übersetzung von Olweus Standardwerk „Gewalt in der Schule“ 1996 „Mobben“ als Übersetzung für das Verb Bully eingeführt.

[2] Trotz aller Differenzierung in der Forschung ist Olweus Definition von 1996 herausragend unumstritten und nach wie vor die Basis (fast) aller Arbeiten zu dem Thema, so auch zu finden in Scheithauer et al.

[3] Da es sich bei Bullying um eine Unterform aggressiven Verhaltens handelt, sind die Konzepte / Definitionen zu Aggression und Gewalt von Bedeutung, auch hier kommt es aufgrund unterschiedlicher Begriffsverständnisse und -Anwendungen immer wieder zu Verzerrungen, mangelnde Vergleichbarkeit etc. Eine Aufarbeitung bzw. Darstellung dieser umfangreichen Thematik kann in diesem Rahmen nicht geleistet werden, daher, sofern für meine Ausführungen notwendig, begnüge ich mich mit Verweisen.

[4] Hayer und Scheithauer argumentieren 2008 gegen Verwendung der Kategorie psychisches Bullying, da „jede Form von Bullying mit erheblichen psychosozialen Belastungen einhergeht“. S.39.

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640613038
ISBN (Buch)
9783640612956
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150124
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Bullying Schülern

Autor

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Titel: Bullying unter Schülern