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Augustus und die Nachfolge im Prinzipat

Seminararbeit 2010 25 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

l. Einleitung

2. Das Wesen des Prinzipats – Augustus' Ausnahmestellung

3. Die Schwierigkeit der Nachfolgegestaltung – Augustus' Optionen

4. Die Nachfolgepolitik des Augustus
4.l Marcellus, Agrippa und die Krise des Jahres 23 v. Chr
4.2 Gaius und Lucius – Das Prinzipat den Iuliern
4.3 Die Adoption des Tiberius: Ein Claudier soll die Nachfolge antreten

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Octavian, der Adoptivsohn Iulius Caesars, wurde in Rom als großer Friedensbringer gefeiert, da er die auf Caesars Ermordung (44 v. Chr.) folgenden Bürgerkriege beenden konnte (Vell. Pat. II, 89.). 27 v. Chr. gab Octavian die ihm vom Senat übertragenen Vollmachten zurück. Diese Handlung der demonstrativen Machtrückgabe würdigte der Senat, indem er dem siegreichen Feldherrn den Ehrennamen Augustus (der Erhabene) verlieh (Aug. Res Gestae 34.).

Theoretisch lag nun die Herrschaft über die von Augustus demonstrativ wiederhergestellte res publica wieder bei Senat und römischem Volk. Doch in der Folge wurden Augustus erneut eine Fülle von Ausnahmegewalten durch den Senat übertragen, die ihm zusammen mit zahlreichen Sonderregelungen eine Ausnahmestellung an der Spitze des Staates verschafften. Augustus gelang es, peu à peu ein neues Herrschaftssystem zu etablieren, das genau auf seine Person zugeschnitten war, das sog. Prinzipat. Augustus' Ausnahmestellung lag in seinen besonderen Leistungen für den Staat begründet. Seine Stellung als Princeps, als erster Mann im Staat,1 war somit an die Bedeutung seiner Person gebunden. Das Wesen der neuen Staatsform zeichnete sich dadurch aus, dass Augustus sich darauf verstand, auf einmalige Art und Weise monarchische und republikanische Elemente miteinander zu verschmelzen. Das Prinzipat bestand folglich innerhalb der res publica restituta, denn Augustus' Ziel musste es sein, stets den Anschein der Republik zu wahren, die er sich ja rühmte wiederhergestellt zu haben (Aug. Res Gestae 34.).

Augustus lebte, wie alle Römer, stark in aristokratischer Familientradition. Als Familienoberhaupt tat man alles, um den augenblicklichen Rang der Familie auf die nächste Generation zu vererben. Deshalb dachte Augustus natürlich gar nicht daran, seine erreichte Machtstellung mit seinem Tod zu einem Ende kommen zu lassen. Er wollte, dass das von ihm geschaffene Prinzipat weiterhin Bestand haben würde, und zwar innerhalb seiner Familie, den Iuliern.2 Der Princeps beabsichtigte, die ihm ad personam verliehene Ausnahmestellung an einen Kandidaten aus seiner Familie weiterzugeben. Doch sein Bestreben war mit großen Schwierigkeiten verbunden, war doch das Prinzipat eine Ausnahmeregelung, die de iure nicht erblich, also nicht übertragbar war.

Die vorliegende Hausarbeit macht es sich zur Aufgabe, aufzuzeigen, wie Augustus dennoch versuchte, in seinem Sinne eine Nachfolgeregelung zu treffen. Es wird im einzelnen die Rede von Marcellus, Agrippa, Gaius und Lucius sowie Tiberius als präsumtiven Nachfolgern sein. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Beantwortung folgender Frage: Nach welchen Kriterien wählte Augustus seine Nachfolgekandidaten aus, und mit welchen Methoden versuchte er jeweils, eine reibungslose Machtübergabe zu ermöglichen?

Dazu wird zunächst knapp das Wesen des Prinzipats dargestellt und seine Besonderheit im Hinblick auf die Nachfolgeproblematik herausgearbeitet. Es folgt ein kurzes Kapitel über die Optionen, die dem Princeps offenstanden, um seine Macht an einen Nachfolger weiterzugeben. Der letzte Abschnitt widmet sich dann ausführlich der Nachfolgepolitik des Augustus und der Beantwortung oben genannter Fragestellung. Abschließend wird ein Fazit nochmals die wesentlichen Aspekte der Hausarbeit resümieren. Als zentrale Quellen dient die Historia Romana von Velleius Paterculus, die Kaiserviten Suetons, die Annalen von Tacitus und das Geschichtswerk des Cassius Dio.

2. Das Wesen des Prinzipats – Augustus' Ausnahmestellung

Wie oben bereits erwähnt, war Augustus in der Zeit nach seiner demonstrativen Wiederherstellung der res publica immer mehr in eine Vormachtstellung an die Spitze des Staats gelangt. Formal war seine Ausnahmestellung durch die ihm vom Senat verliehenen öffentlich-rechtlichen Vollmachten gekennzeichnet. Hervorzuheben sind das imperium proconsulare (maius) und die tribunicia potestas, Ausnahmegewalten, die der Senat in dieser Form extra für Augustus geschaffen hatte.

Nach der demonstrativen Machtrückgabe an Volk und Senat 27 v. Chr. bat der Senat Augustus, die Hälfte der Provinzen wieder zu übernehmen, um sie vollends zu befrieden.3 Um die gefährdeten Provinzen verwalten zu können, stattete der Senat Augustus mit einem außerordentlichen Imperium aus, das auf die Dauer von zehn Jahren befristet war. Schon bald aber wurde diese Ausnahmeregelung noch erweitert und Augustus erhielt fortan das übergeordnete imperium proconsulare maius, das ihn dazu befugte, auch in den übrigen Provinzen einzugreifen. Die Besonderheit war, dass Augustus durch dieses Sonderimperium, das eigentlich nur in politischen und militärischen Ausnahmefällen vergeben wurde, über alle Amtsgewalten eines Magistrats verfügte, ohne dieses Amt jedoch bekleiden zu müssen.4 Die zweite wichtige Stütze seiner öffentlich-rechtlichen Stellung war die tribunicia potestas. Dank dieser besaß Augustus die vollen Amtsgewalten eines Volkstribuns, ohne wiederum dessen Pflichten erfüllen zu müssen. Sie stellte einen wichtigen Machtfaktor für Augustus dar, war sie doch mit einer Reihe weitreichender Privilegien verbunden.

Faktisch war Augustus' Ausnahmestellung durch sein fast unerschöpfliches Privatvermögen, seine riesige Klientel und sein auf persönlichen Leistungen gegründetes Prestige gekennzeichnet.5

Gerade mit Letzterem, seiner auctoritas 6, rechtfertigte er seine außerordentliche Macht, nämlich mit der öffentlichen Anerkennung seiner persönlichen Verdienste. Und diese waren zahlreich. Augustus hatte den Bürgerkrieg beendet und Recht und Ordnung wiederhergestellt. Aber auch „im Frieden“ machte er sich um den Staat verdient: Er errichtete zahlreiche Bauten und verschönerte Rom in einem solchen Ausmaß, dass er sich zurecht rühmen konnte, er hinterlasse eine Stadt aus Marmor, die er als Ziegelstadt übernommen habe (Suet. Aug. 28,3 f.).

Sein riesiges Privatvermögen wusste Augustus geschickt einzusetzen, sodass er den Staat in ein Abhängigkeitsverhältnis bringen konnte. Durch großzügige Geldzahlungen an die Soldaten sicherte er sich deren Treue und hatte somit im Heer einen entscheidenden Legitimationsfaktor seiner außerordentlichen Machtposition. Weiterhin wurden zahlreiche Ämter durch sein privates Vermögen bezahlt, was zur Folge hatte, dass die römische Administration nicht ohne die Geldeinlagen des Princeps funktionieren konnte.7 Bei Sueton erfahren wir beispielsweise, dass Augustus die Getreideversorgung garantiert habe, denn wenn es zu Schwierigkeiten kam, soll er mit seinen eigenen Geldern ausgeholfen haben. Auch berichtet Sueton von häufigen Spenden an das Volk (Suet. Aug. 4l.). Die Liste könnte noch lange weitergeführt werden, z.B. ließ der Princeps Heiligtümer wiederaufbauen und beschenkte diese reich, für das Volk veranstaltete er eine Vielzahl von Schauspielen (Vgl. Suet. Aug. 30/43.).

Sueton weist darauf hin, dass Augustus andererseits stets großen Wert auf Bescheidenheit legte. Der Princeps habe sich als normaler Bürger inszeniert und besonders darauf geachtet, dass ihm niemand eine übergeordnete Stellung zusprach (Suet. Aug. 52/53.).8 Diese demonstrative Nähe zum Volk ging angeblich so weit, dass er sein Forum auf engerem Raum habe bauen lassen, weil er es nicht gewagt habe, den Besitzern die angrenzenden Häuser so einfach wegzunehmen (Suet. Aug. 56.). Ob das wiederum wahrheitsgemäß ist, sei dahingestellt.

Wichtiger ist, dass Suetons Bericht die Grundproblematik, die hier herausgearbeitet werden soll, gut wiedergibt. Seine Aussagen scheinen plausibel zu sein, wenn man sich folgenden Gedankengang vor Augen hält: Das von Augustus begründete Prinzipat entbehrte jeglicher verfassungspolitischer Grundlage. Wie bereits festgestellt, handelte es sich um eine Ausnahmeregelung, die ihre Legitimation folgerichtig anderweitig beziehen musste. Egon Flaig hat in diesem Zusammenhang die sinnvolle These des Prinzipats als Akzeptanz-System aufgestellt.9 Demnach legitimierte sich Augustus' Machtposition über seine Akzeptanz in der Gesellschaft. Der Princeps musste also, um seine außerordentliche Stellung rechtfertigen zu können und gerade weil es sich um ein fragiles System handelte, ständig durch Leistungen für den Staat von sich reden machen. Er musste die verschiedenen Gruppen der römischen Bevölkerung zufrieden stellen. So ist es wenig verwunderlich, dass Sueton von Augustus' Bemühungen berichtet, ein gutes Verhältnis zu den Senatoren zu unterhalten. Demonstrativ habe er diese wie seinesgleichen behandelt, das Bild eines monarchischen Alleinherrschers mit größter Sorgfalt vermieden (Suet. Aug. 53 ff.).

Augustus bemühte sich auf jede denkbare Art und Weise, dass niemandem die neuen Verhältnisse missfielen (Suet. Aug. 28.). Wie gut es Augustus gelang, den römischen Staat zur allgemeinen Zufriedenheit zu leiten, ist daran zu erkennen, dass die Gesamtheit der Bürger ihn 2 v. Chr. zum „Vater des Vaterlandes“(pater patriae) ernannte (Suet. Aug. 57; Aug.Res Gestae 35.). Diese Ehrung wurde nur noch durch seine posthume Vergöttlichung übertroffen.

[...]


1 Wobei Augustus Wert darauf legte, als primus inter pares zu gelten, so betonte er stets seine angebliche Gleichrangigkeit (Amt) mit seinen Kollegen, nur an auctoritas habe er sie übertroffen.

2 Bringmann, 2007, S. 2l3. l

3 Bei Cassius Dio ist zu lesen, dass die Fürsorgebedürftigkeit des Staates als Begründung für Augustus' überragende Stellung angegeben worden sei. Vgl. Cass. Dio 53,l2,l ff.

4 Kienast, 2009, S. 87 f.

5 Bringmann/Schäfer, 2002, S. ll4.

6 Die auf Ansehen gegründete Macht des Kaisers, vgl. Medicus, Dieter, auctoritas, KIP I (l979), 729 – 730.

7 Vgl.: Christ, 2000, S. 464.

8 Dies erscheint glaubwürdig, wenn man bedenkt, dass Augustus unter allen Umständen versuchen musste, den Eindruck einer übergeordneten monarchischen Stellung zu vermeiden, um dem Volk auch weiterhin das Bild der res publica restituta vermitteln zu können.

9 Flaig, l992, S. 203. 4

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640610631
ISBN (Buch)
9783640610457
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150065
Institution / Hochschule
Universität Konstanz – Fachbereich Geschichte und Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Augustus Prinzipat römische Kaiser Nachfolgeregelung Marcellus Agrippa Gaius Lucius Tiberius Nachfolgepolitik des Augustus

Autor

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Titel: Augustus und die Nachfolge im Prinzipat