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Bibelexegese Matthäus 3,1 - 17

Johannes der Täufer und die Taufe Jesu

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Neuschrift des Textes: Matthäus 3,1 – 17

III. Synchrone Textanalyse
1. Textbeschreibung: Die sprachliche Analyse
1.1 Analyse der Story – Das Wirken Johannes des Täufers
1.2 Analyse des Textes: narrative und linguistische Strategien, die Jesus als erwarteten Messias kennzeichnen
1.3 Analyse des Erzählvorganges
1.3.1 Erzählerprofil - der abwesende Erzähler
1.3.2 Leserprofil – Judenchristen als Adressaten
1.3.3. Textpragmatik - Aufforderungen zur Umkehr

IV. Synoptischer Vergleich: Die Eigenheiten des Matthäus - Evangeliums

V. Diachrone Textanalyse
1. Gattungsbestimmung
2. Traditionsgeschichte: Johannes, Propheten und die Taufe
3. Redaktionskritik

VI. Zusammenfassung

Literatur

I. Einleitung

Die Grundlage für die vorliegende Arbeit bilden zwei Perikopen aus dem Matthäus – Evangelium. Für die Neuschrift des Textes Mt 3,1 – 17 diente die Bibel – Einheitsübersetzung[1] als Vorlage. Für diese Bibel habe ich mich entschieden, weil sie zu den wortgenaueren Übersetzungen zählt[2]. Für die Exegese – Arbeit ist eine Textvorlage, die dem griechischem Original möglichst nahe kommt, wichtiger als eine sprachlich schöne, unserer heutigen Ausdrucksweise angepasste Form. Die beiden Perikopen scheinen in einem untrennbaren Zusammenhang zu stehen. Mit Hilfe der Exegese soll versucht werden zu klären, in welchem Verhältnis Johannes als der Held der beiden Perikopen und Jesus als theologischer Held, Sohn Gottes und Verkünder der frohen Botschaft des Evangeliums zueinander stehen. Die zahlreichen Zitate aus dem AT scheinen Johannes dem Täufer eine ganz bestimmte Rolle im Matthäus - Evangelium zuzuweisen. Denn bei Mt 4,17 übernimmt Jesus die Verkündigung des Johannes (3,2): „Kehrt um! Das Himmelreich ist nahe“. Um der Antwort näher zu kommen, soll zuerst auf der Textebene die Story analysiert werden und der Text selbst mit Hilfe des narratologischen Verfahrens, wobei das linguistische Verfahren nur gezielt für die Frage, in welchem Zusammenhang die beiden Perikopen zueinander stehen, angewendet werden soll. Im nächsten Schritt wird der Erzählvorgang näher betrachtet und dafür das Erzähler- sowie das Leserprofil und die Textpragmatik ermittelt. Nach dem synoptischen Vergleich der Matthäus – Perikope mit den entsprechenden Perikopen des Markus- bzw. Lukas- Evangeliums wird mittels der diachronen Betrachtungsweise die Textgattung ermittelt. Im Rahmen der Traditionsgeschichte soll versucht werden, dem ideellen und gesellschaftlichen Hintergrund des Matthäus – Evangeliums etwas näher zu kommen. Umfassend wird dies allerdings aufgrund der begrenzten Zugänglichkeit der notwendigen Quellen und fehlender Sprachkenntnisse zur Analyse dieser nicht möglich sein. Auf eine Literarkritik wird in dieser Arbeit verzichtet, da aufgrund der Zwei – Quellen – Theorie, nach welcher mit dem Markus – Evangelium ein Vorstufentext des Matthäus – Evangeliums bereits vorliegt. Somit können die Veränderungen, die Matthäus an dieser Textvorlage vorgenommen hat, gut mit Hilfe des synoptischen Vergleichs festgestellt werden[3]. Schließlich wird in der Redaktionskritik der Frage nachgegangen, warum der Verfasser im Vergleich mit den beiden (drei) anderen Evangelien in seinem Text andere Akzente gesetzt hat, an welche Leserschaft er sich wendet und welche Botschaft übermittelt werden soll.

II. Neuschrift des Textes: Matthäus 3,1 - 17

Johannes der Täufer: 3,1 – 12

(3,1) In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: (3,2) Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. (3,3) Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat:

Eine Stimme ruft in der Wüste: / Bereitet dem Herrn den Weg! / Ebnet im die Straßen!

(3,4) Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung. (3,5) Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; (3,6) sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

(3,7) Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? (3,8) Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, (3,9) und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. (3,10) Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.

(3,11) Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. (3,12) Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Die Taufe Jesu: 3,13 – 17

(3,13) Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. (3,14) Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? (3,15) Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. (3,16) Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. (3,17) Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.

III. Synchrone Textanalyse

1. Textbeschreibung: Die sprachliche Analyse

1.1 Analyse der Story – Das Wirken Johannes des Täufers

Die dem Text zugrundeliegende Geschichte setzt sich aus einer Reihe von Events zusammen, die von Matthäus praktisch linear erzählt werden. In der chronologischen Rekonstruktion lässt sich eine Hintereinanderreihung folgender fünf Ereignisse erkennen: 1. In den Versen 3,1 bis 6 wird das Wirken von Johannes beschrieben. Hier lassen sich zwei Tätigkeiten festmachen: die Verkündigung des Himmelreichs mit der Begründung aus dem AT(3,1 – 3). Weiter die asketische Lebensweise und die Taufe der zu ihm Kommenden (3,4 – 6). 2. Danach ermahnt und belehrt Johannes in den Versen 3,7 bis 10 die Sadduzäer und Pharisäer. 3. Johannes kündigt das Kommen des Messias an (Verse 3,11 und 12). 4. Darauf folgt in den Versen 3,13 – 15 mit der Ankunft Jesu und dem Dialog zwischen ihm und dem Täufer das Bekenntnis von Johannes für Jesus, indem er ihn als den Stärkeren darstellt. 5. Zuletzt hebt die Stimme aus dem Himmel mit den Versen 3,16 und 17 Jesus als Sohn Gottes hervor, der dem Willen des Vaters Gehorsam leistet und so sein Wohlgefallen findet.

Die Figurenkonstellation stellt sich folgendermaßen dar: In den Versen 3,1 - 12 ist Johannes der Held, weil er als der Taufende im Mittelpunkt des Geschehens steht. Die Adressaten der Verkündigung und Taufe sind die Menschen aus Jerusalem, Judäa und der Jordangegend. Als Opponenten können die Pharisäer und Sadduzäer, die dem Wirken des Johannes und später auch dem Wirken Jesu feindlich gesonnen sind, gesehen werden. Denn aus der Predigt des Johannes zu entnehmen, dass sie die Taufe nicht mit dem ehrlichen Willen zur geforderten Umkehr verbinden, sondern einfach nur von ihren Sünden befreit werden wollen – was der Evangelist Matthäus im Gegensatz zu Markus und Lukas ausdrücklich nicht mit der Taufe des Johannes in Verbindung bringt. Als der Sender des Täufers kann Gott angesehen werden. Helfer finden sich in dieser Perikope nicht. Bei der Taufe Jesu in den Versen 3, 13 – 17 finden sich weder Helfer noch Opponenten. Der Sender bleibt Gott. Doch wen schickt er? Aus dem Gesamtkontext des Evangeliums ist Jesus eindeutig als der Held auszumachen. Die Perikope beginnt mit seinem Kommen und er steht im Mittelpunkt des Geschehens. Mit der Tauf - Perikope beginnt das öffentliche Wirken Jesu. Im Dialog zwischen ihm und Johannes finden sich die ersten gesprochenen Worte Jesu im Evangelium. Mit den Versen 3,13 bis 17 wird ein Übergang des Handelns von Johannes hin zu Jesus eingeleitet. Kann Johannes Aufgabe also als die des Wegbereiters Jesu gesehen werden?

[...]


[1] Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Hrsg.: die Bischöfe Deutschlands, Österreichs..7. Auflage, Stuttgart 2008.

[2] Fenske, Wolfgang: Arbeitsbuch zur Exegese des Neuen Testaments. Ein Proseminar. Gütersloh 1999. S. 80f.

[3] Ebner, Martin; Heininger, Bernhard: Exegese des Neuen Testaments. Ein Arbeitsbuch für Lehre und Praxis. Paderborn 2005. S. 157.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640617937
ISBN (Buch)
9783640617708
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149992
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für katholische Theologie
Note
2,0
Schlagworte
Bibelexegese Matthäus Johannes Täufer Taufe Jesu

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Titel: Bibelexegese Matthäus 3,1 - 17