Lade Inhalt...

Unser Vorschlag für B, wie Betreuung. Betreuung an der Uni durch ein kombiniertes Tutoren- und Mentorenprogramm

von Sara Ebru Kisioglu (Autor) Torsten Philipp (Autor)

Hausarbeit 2003 19 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Darstellung der Betreuungssituation im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal
2.1 Das Tutorenprogramm
2.2 Das Mentorenprogramm an der Bergischen Universität Wuppertal

3 Das Programm „ ME TOO“
3.1.1 Phase I - Vorbereitung der Orientierungsphase
3.1.2 Phase II – Durchführung der Orientierungsphase
3.1.3 Phase III – Nachbetreuung durch Tutoren und das Seminar zum wissenschaftlichen Arbeiten
3.1.4 Phase IV – Mentorenbetreuung
3.1.5 Phase V – Erfolgskontrolle und Evaluierung des Programms „ME TOO“

4 Probleme bei der Durchführung
4.1 Finanzierung
4.2 Mögliche Konfliktpotenziale

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Das „Centrum für Hochschulentwicklung“ hat im Oktober 2002 erstmals einen Ideen­wettbewerb unter dem Motto „Küss die Uni wach - Ideen für die Hochschule von morgen“ gestartet.[1] Einsendeschluss war der 28. Februar. Die Autoren haben mit dem Thema „Betreuung an der Universität“ an diesem Wettbewerb teilgenommen.

In den Hochschulgesetzen der Länder ist die Forderung nach Betreuung von Studenten[2] verankert.[3] Diese Regelungen lassen jedoch einen großen Spielraum an Umsetzungsmöglich­keiten offen. Dieser Spielraum sowie die Erfahrung mit ehemals durchgeführten Betreuungs­programmen[4] waren der Anlass zur Entwicklung eines Konzeptes mit dem Ziel, die Stärken von Mentoren[5] sowie Tutoren[6] miteinander zu kombinieren und somit eine optimale Betreuung der Studenten zu erreichen. Die Stärken des Mentors liegen vor allem in fachlicher Kompetenz, Erfahrung in der Arbeit mit Studenten, Kontakten zur Wirtschaft sowie den Einblick in die Tätigkeit der Lehre von Kollegen. Tutoren bieten dem Studienanfänger den Vorteil, unverkrampft Fragen zu stellen, den Aufbau sozialer Bindungen innerhalb der Studentenschaft zu fördern und ihnen bei der Problemlösung von universitären Fragen zur Seite zu stehen.

Die Betreuung an einer Universität sollte einen hohen Stellenwert einnehmen, da mit steigender Anzahl der Studienanfänger die Unübersichtlichkeit und die Anonymität wachsen. Die Konfrontation mit einer „neuen Welt“ stellt neue Anforderungen an die „Erstsemester“. Dies wird insbesondere bei der Umstellung von der stark betreuten Umgebung der Schule, in das eher schwach betreute Umfeld einer Universität deutlich. Die Anonymität kann für den Einzelnen zur Folge haben, dass er auf sich alleine gestellt und somit gezwungen ist, relevante Informationen selber zu beschaffen und dabei die Wichtigkeit der Informationen ohne Erfahr­ungswerte nur schwer beurteilen kann. Summieren sich nach einigen Monaten negative­ Erfahrungen, beispielsweise durch Fehlversuche bei Klausuren, ist der vorzeitige Abbruch des Studiums eine mögliche Folge. Ein weiteres Problem der Anonymität besteht darin, bei einer Anfängeranzahl von ca. 500 Studienanfängern sozialen Anschluss und damit eine Orientier­ung zu finden. Noch schwieriger wird die Situation für einen in die Universitätsstadt zuge­zogenen Studenten, da der Kontakt zur Familie und zu Freunden nur eingeschränkt aufrechterhalten werden kann. Neben dem beschriebenen Anonymitätsproblem besteht ein Kommunikationsdefizit zwischen Student und Lehrenden. Wie die Autoren aus eigenen Erfahrungen wissen, sind Studenten gehemmt Professoren in Vorlesungen Fragen zu stellen oder Sprechstunden in Anspruch zu nehmen. Dabei sollte gerade die Kommunikation zwischen Professoren und Student­en die Basis für den Aufbau eines Netzwerks von universitären und außer­universitären Aktivitäten bilden. In der Schulzeit fungieren die Lehrer als Bezugspersonen, welcher unter anderem bei Orientierungsschwierigkeiten Hilfestellung leisten. Viele Studenten suchen nach solch einer Bezugsperson, welcher z.B. bei Verlust der Orientierung konsultiert werden kann. Das von den Autoren entwickelte Programm soll helfen, die genannten Startschwierigkeiten zu überwinden.

Das Programm „ME TOO“ ist so konzipiert, dass es unter Berücksichtigung individueller Anforderungen in den verschiedenen Fachbereichen an Universitäten, Fakultäten bzw. Fachhochschulen implementiert werden kann.

Ausgehend von einer Darstellung der gegenwärtigen Situation der Betreuung von Studenten an der Bergischen Universität, sollen daran anschliessend die Strukturen und der Ablauf des Konzeptes „ME TOO“ beschrieben werden. Finanzierungsvorschläge und mögliche Konflikt­potenziale zu diesem Programm, sowie Vorschläge zu deren Lösung sind in Teil vier zu finden. In Kapitel fünf folgt das Fazit, welches das Konzept und dessen möglichen Umsetzung abschliessend reflektiert.

2 Darstellung der Betreuungssituation im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal

2.1 Das Tutorenprogramm

Bevor das Mentorenprogramm an der Bergischen Universität Wuppertal eingeführt worden ist, wurde die Betreuung der Studenten für den Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissen­schaften seitens der Fachschaft und der Tutorenschaft durch eine Orientierungs­phase gewährleistet. Die Mitarbeit als Tutor beruhte auf freiwilliger Basis. Die Motivation zur Teilnahme erhielt der Tutor neben einer Teilnahmebescheinigung, welche vom Dekan ausgestellt wurde, dadurch, dass er die Möglichkeit erhielt, in professioneller Form für die Arbeit als Moderator geschult zu werden. Die Zusatzqualifikationen, wie Moderator oder Schulungsleiter einer Gruppe, können sich bei einer zukünftigen Stellenbewerbung positiv auswirken.

Mit Hilfe der Fachschaft[7] wurden ca. 45 freiwillige, sich mindestens im zweitem Semester befindende, Studenten gesucht. Diese Studenten fuhren ca. 5 Monate vor Beginn der Orientierungsphase auf ein Wochenendseminar. Dabei stand das Kennen lernen der einzelnen Tutoren untereinander im Vordergrund. Gegen Ende des Seminars wurden Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themengebieten gebildet. Kurz vor Beginn der Orientierungsphase fuhren die Tutoren auf ein fünftägiges Seminar, bei dem unter anderem das Erlernen von Gruppen­führung, Rhetorik und Motivation im Vordergrund standen. Auf diesem Seminar wurden die einzelnen Abläufe ein letztes Mal aufeinander abgestimmt und aufgetretene Probleme gemeinsam gelöst. Zwischen diesen beiden Seminaren wurden regelmäßige Treffen der einzelnen Arbeitsgruppen sowie der gesamten Tutorenschaft organisiert, um die verschiedenen Aufgaben vorzubereiten, zu bearbeiten und darüber hinaus die geplanten Abläufe aufeinander abzustimmen.

Vor Semesterbeginn wurden die Studienanfänger brieflich zur Orientierungsphase eingeladen. Der Dekan[8] und die Fachschaft haben am ersten Tag des Semesters eine Begrüßungsveranstaltung durchgeführt. In deren Verlauf wurden die Studenten in Kleingruppen zu ca. 30-40 Studenten aufgeteilt. Nach dieser Veranstaltung wurden die Gruppen in Seminarräumen eine Woche lang von 9-16 Uhr betreut. Während dieser Zeit wurden den Studienanfängern wichtige Informationen von den Tutoren vermittelt. Die Inhalte dieser Orientierungsphase waren unter anderem die Diplomprüfungsordnung, der Aufbau des Grundstudiums, die Vorstellung der einzelnen Fächer, ein erstes Professorengespräch, der Aufbau einer Universität mit ihren Institutionen. Neben diesen Inhalten wurde auch der soziale Aspekt, d.h. der „Spaßfaktor“ berücksichtigt. Neben einer Uniralley, um die Universität spielerisch kennen zu lernen, wurden Parties organisiert. Am Ende der Orientierungsphase wurden nach Bedarf Nachtreffen organisiert. Die Tutoren standen dadurch mit „ihren“ Studenten im Anschluss an die Orientierungsphase im Kontakt.

Um die Wirksamkeit eines Tutorenprogramms zu belegen, stellen die Autoren neben dem Tutorenprogramm der Bergischen Universität Wuppertal, das Betreuungsprogramm an der Universität Göttingen vor. Im Fachbereich Wirtschafts­wissenschaft an der Universität Göttingen wird als Betreuungskonzept ein Tutorenprogramm durchgeführt.[9] Seit ca. 25 Jahren organisiert eine Interessengemeinschaft eine Orientierungs­phase für Studenten des ersten Semesters. Diese Initiative steht unter der Schirmherrschaft des Lehrstuhlinhabers Herrn Prof. Dr. Treis. Studenten aus dem zweiten oder höheren Semester können sich dieser Interessengemeinschaft als Tutor anschliessen. Alle zwei Wochen findet ein Treffen statt, bei denen aktive Tutoren die nächste Orientierungsphase vorbereiten. Mit dem Ziel, Studienanfängern einen möglichst einfachen Einstieg in ihr neues Umfeld zu verschaffen, werden Arbeitsgemeinschaften gebildet, in den Tutoren verschiedene Themengebiete vorbereiten. Ähnlich wie die Orientierungsphase an der Bergischen Universität Wuppertal im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bereiten sich die Tutoren kurz vor der eigentlichen Einführungsphase auf zwei mehrtägigen Seminaren auf die Aufgaben eines Tutors vor. Daneben stehen die Tutoren den Studenten während des laufenden Semesters in einer Sprechstunde, in einem eigens dafür eingerichteten Tutorenbüro, für Fragen zur Verfügung. Das gesamte Vorhaben finanziert sich hauptsächlich durch Parties, die während der Orientierungsphase stattfinden. Beispielsweise hat die Abschlussparty im Wintersemester 2002/03 in der Stadthalle mit ca. 2800 Besuchern stattgefunden.

[...]


[1] Link unter: http://www.kuessdieuniwach.de/teilnahme.php.

[2] Personenbezeichnungen in maskuliner Form stehen grundsätzlich in gleicher Weise für männliche und weibliche Personen. Aus Gründen der Lesbarkeit verwenden wir die kürzere maskuline Form für beide Geschlechter.

[3] § 83 Abs. 1ff. Hochschulgesetz NRW.

[4] Näheres hierzu in Kapitel 2.

[5] Unter Mentoren werden im Rahmen dieser Hausarbeit Professoren oder wissenschaftliche Mitarbeiter eines Lehrstuhls bezeichnet, welche die Aufgabe haben, Studenten zu betreuen.

[6] Unter Tutoren werden im Rahmen dieser Hausarbeit Studenten aus höheren Semestern verstanden, die ihr Wissen unentgeltlich an Studienanfänger weitergeben.

[7] Alle Studierenden eines Fachbereiches bilden die Fachschaft. Die Fachschaft der Bergischen Universität Wuppertal wählt einmal im Jahr die 15 Mitglieder des Fachschaftsrates. Der Fachschaftsrat ist die studentische Interessenvertretung im Fachbereich. Der Fachschaftsrat ist Teil der studentischen Selbstverwaltung und daher der erste Ansprechpartner der Studierenden.

[8] Der Dekan ist laut § 27 Abs. 1 Hochschulgesetz NRW Leiter des Fachbereiches und vertritt ihn innerhalb der Hochschule.

[9] Link unter: http://www.stud.uni-goettingen.de/~o-phase/.

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638202404
ISBN (Buch)
9783656614401
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14991
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Fachbereich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Unser Vorschlag Betreuung Tutoren- Mentorenprogramm Küss

Autoren

Teilen

Zurück

Titel: Unser Vorschlag für B, wie Betreuung. Betreuung an der Uni durch ein kombiniertes Tutoren- und Mentorenprogramm