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Vergangenheitsbewältigung und Zeitkritik in den Erzählungen „Wanderer kommst du nach Spa...“ und „Lohengrins Tod“ von Heinrich Böll

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Heinrich Böll - Sein Leben und Schreiben

3 „Wanderer kommst du nach Spa...“

4 „Lohengrins Tod“:

5 Vergangenheitsbewältigung und Zeitkritik:
5.1 Darstellung und Kritik in „Wanderer kommst du nach Spa...“
5.2 Darstellung und Kritik in „Lohengrins Tod“
5.3 Resümee der Erzählungen

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich mich mit dem Thema der Vergangenheitsbewältigung und Zeitkritik in den Werken Heinrich Bölls beschäftigen. Dazu werde ich mir die beiden Erzählungen „Wanderer kommst du nach Spa...“ und „Lohengrins Tod“ genauer anschauen, die Böll 1950 in dem Erzählband „Wanderer kommst du nach Spa...“ veröffentlicht hat. Sie spielen beide zur Zeit des Zweiten Weltkriegs oder in der Nachkriegszeit. Hierbei wird vor allem wichtig sein, wie Böll das Leben und die Menschen zu dieser Zeit darstellt und was er kritisiert.

Böll hat den Zweiten Weltkrieg selbst als Soldat miterlebt und dies spürt man auch in seiner Literatur über diese Zeit. Er zeigt das Leben so wie es war, ohne etwas zu beschönigen.

Meist erschreckend ehrlich und dramatisch schildert er die Ereignisse und lässt den Leser mit den Protagonisten mitempfinden. Er äußert starke Kritik am NS-Regime, am Krieg und an den Lebensumständen für die Menschen.

Zunächst werde ich jedoch über den Autor Heinrich Böll berichten. Hierzu nenne ich Ereignisse und Daten aus seinem Leben und Schreiben, wie zum Beispiel das Erscheinen seiner wichtigsten Werke und Auszeichnungen, die er erhalten hat.

Daraufhin werde ich den Inhalt beider Erzählungen in kurzer Form wiedergeben. Dabei handelt es sich bei „Wanderer kommst du nach Spa...“ um eine Erzählung, die während des Zweiten Weltkriegs spielt. Es geht um einen jungen Soldaten, der im Krieg verwundet wurde und in seine alte Schule gebracht wird, die nun als Lazarett dient. Böll kritisiert darin den sinnlosen Einzug von Jugendlichen in den Krieg.

In „Lohengrins Tod“ geht es ebenfalls um einen Jungen, der verletzt in ein Krankenhaus gebracht wird. Er ist ca. 13 Jahre alt und muss alleine für seine jüngeren Geschwister Sorgen. Die Erzählung spielt im Nachkriegsdeutschland und Böll kritisiert hier die Lebensverhältnisse der Menschen, deren Familie durch den Krieg zerstört wurde und die nicht genug Nahrung zum leben haben.

Im Anschluss werde ich mich mit der Analyse und Interpretation der beiden Erzählungen beschäftigen.

In der Analyse werde ich vor allem darauf eingehen, wie Heinrich Böll das Leben in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und im Nachkriegsdeutschland beschreibt und darstellt. Zudem werde ich seine einzelnen Kritikpunkte anhand des Textes deutlich machen und erklären.

Zum Schluss werde ich dann ein Resümee aus den beiden Erzählungen und Bölls Kritik ziehen.

2 Heinrich Böll - Sein Leben und Schreiben

Heinrich Böll wird am 21. Dezember 1917 in Köln, als Sohn eines Schreinermeisters, geboren.

Von 1924 bis 1928 besucht er eine katholische Volksschule. Darauf wechselt er an das staatliche humanistische Kaiser-Wilhelm-Gymnasium, an dem er 1937 sein Abitur absolviert. Nach dem Abitur beginnt Böll eine Lehre zum Buchhändler, die er jedoch nach 11 Monaten abbricht.

1939 schreibt sich Heinrich Böll an der Universität Köln ein, um dort Germanistik und klassische Philologie zu studieren. Doch noch bevor sein Studium richtig begonnen hat, wird er in den Kriegsdienst eingezogen.

Böll beginnt mit dem Schreiben schon 1936, noch bevor er sein Abitur absolviert. Vor dem Krieg beendet er seinen ersten Roman „Am Rande der Kirche“. Jedoch während seines Kriegsdienstes verfasst Böll hauptsächlich Briefe.

Erst nach 1945, nachdem er aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, beginnt er mit dem Schreiben von Romanen und Kurzgeschichten. 1946 erscheint sein Roman „Kreuz ohne Liebe“ und einige seiner Kurzgeschichten erscheinen 1950 in dem Sammelband „Wanderer kommst du nach Spa...“.

Thema seiner Werke ist vor allem die Verarbeitung seiner Erlebnisse aus dem Krieg. Er befasst sich nicht mit dem Kriegsgeschehen, sondern zeigt die Probleme der Bevölkerung auf und macht auf Missstände aufmerksam. Er kritisiert vor allem den Kriegseinzug der Jugend, die von der Schulbank direkt in den Krieg geschickt wurde. Dies wird in der Erzählung „Wanderer kommst du nach Spa...“ deutlich, welche den Titel seiner Erzählsammlung darstellt.

In den Jahren 1950 bis 1974 erscheinen Bölls wohl bedeutendste Werke „Wo warst du, Adam“, „Billard um halbzehn“ und „Ansichten eines Clowns“. Sein bekanntestes Werk „Die verlorene Ehre der Katherina Blum“ wurde 1974 veröffentlicht und in über 30 Sprachen übersetzt.

Böll befasst sich Zeit seines Lebens zunehmend mit politischen und sozialen Problemen und macht diese zum Thema seiner Literatur. Dabei bezieht er sich nicht nur auf Deutschland, sondern auch auf Länder wie Südamerika, Polen und die Sowjetunion, in denen es ebenfalls viele soziale Probleme gab.

Nach einer Krankheit stirbt Heinrich Böll am 16. Juli 1985 in seinem Haus in Langenbroich, bei ihm ist nur seine Frau Annemarie.

Er wurde in seinem Leben mit vielen Preisen für seine Werke ausgezeichnet. Darunter waren 1951 der Literaturpreis der „Gruppe 47“, 1967 der Georg-Büchner-Preis für sein Gesamtwerk und 1972 der Nobelpreis für Literatur, um nur die bedeutendsten zu nennen.[1]

3 „Wanderer kommst du nach Spa...“

In der Erzählung geht es um einen jungen Mann der während eines Gefechts im zweiten Weltkrieg verwundet wird. In einem inneren Monolog schildert er die Geschehnisse um sich herum, während er mit dem Auto in ein Lazarett gebracht wird. Bei dem Lazarett handelt es sich um eine Schule, deren Zeichensaal nun als Krankenstation dient. In diesen Zeichensaal soll auch der junge Mann gebracht werden.[2]

Auf diesem Weg wird er auf einer Bahre durch lange Flure getragen, welche mit allerhand Bildern und Büsten dekoriert sind. Zuerst sieht er Bilder von Medea und dem Dornauszieher und eine Nachbildung des Parthenonfrieses. Diesen antiken Abbildungen folgt dann eine Reihe von Bildern der Deutschen Herrscher, wie Hitler und Friedrich dem Großen. Darauf wird der junge Soldat an Abbildungen von Rassegesichtern vorbei getragen.

Die Träger rasen regelrecht mit ihm die Treppen hoch, so dass alles sehr schnell an ihm vorbeizieht. Zudem verspürt er große Schmerzen und hat hohes Fieber. Trotzdem nimmt er seine Umgebung ganz genau wahr.

Den Rassegesichtern folgen Büsten der großen Römer Cäsar, Cicero und Marc Aurel und am Ende des Flurs sieht er schon die Abbildung Zeus. Als er jedoch aus dem Fenster schaut, nimmt er den Feuerschein und die dicken Qualmwolken wahr, welche über der Stadt hängen, weil diese in Flammen steht. Doch es geht schnell weiter und er sieht neue Abbildungen von Nietzsche und ein Bild von Togo, auf dem etwas auf eine Banane gekritzelt wurde, was der junge Mann als seine Kritzelei wiedererkennt.

Nun haben sie den Zeichensaal erreicht, in dem es entsetzlich stinkt und laut ist. Sie setzen die Bahre ab und der Soldat fragt nach einer Zigarette, welche ihm ein Helfer in den Mund steckt. Während er raucht, denkt er über die Abbildungen nach, die er im Flur gesehen hat und die ihn alle an seine alte Schule erinnern, da dort die gleichen Abbildungen hingen. Doch dies ist alles kein Beweis für ihn, dass er sich in seiner alten Schule befindet. Er argumentiert mit sich selbst, dass es wahrscheinlich eine Regel für humanistische Gymnasien gibt, die besagt was wo zu hängen hat. Selbst seine Kritzelei auf der Banane sieht er nicht als Beweis an, da auch jemand anderes auf die Idee hätte kommen können und zudem hat er ja Fieber und könnte träumen. Er will nicht wahrhaben, dass er in seiner alten Schule ist, die er vor drei Monaten erst verlassen hat.

Bei einem Helfer, der ihm Wasser und eine Zigarette gibt, erkundigt er sich nach dem Ort in dem er sich befindet. Hierbei stellt sich heraus, dass er sich wirklich in Bendorf, seinem Heimatort, befindet.

Nun gesteht er sich langsam ein, dass er in einem humanistischen Gymnasium in seiner Heimatstadt ist, jedoch ist es für ihn immer noch keine Bestätigung, dass es sich um seine alte Schule handelt.

Draußen hört er die brennende Stadt leise knistern und die Artillerie weiter feuern.

Während er wartet fragt er sich wie schwer er wohl verwundet ist. Er weiß nur, dass er seine Arme und sein rechtes Bein nicht bewegen kann.

Doch der Arzt kommt und der junge Soldat wird hinter die Tafel getragen, wo man ihn operieren würde. Jedoch als sie ihn wegtragen, erkennt er einen kreuzförmigen Fleck an der Wand. Dieser erinnert ihn an seine alte Schule, da dort auch ein Kreuz hing, welches abgehängt wurde, als es in den Schulen nicht mehr gestattet war Kreuze aufzuhängen.

Als er auf dem Operationstisch liegt, erkennt er sich in der Glühbirne an der Decke. Er beschreibt sich als klein und zusammengeschrumpft und vergleicht sich mit einem Embryo.

Doch als er einen Blick auf die Tafel wirft wird ihm sofort klar, dass er sich wirklich in seiner alten Schule befindet, denn dort steht seine eigene Handschrift in der obersten Zeile. Alles andere war für ihn kein Beweis, doch die Identität seiner Handschrift konnte er nicht bezweifeln. Auf der Tafel stand geschrieben: „Wanderer kommst du nach Spa...“.[3]

Seine Aufmerksamkeit wird jedoch schnell wieder auf sich selbst gezogen, denn der Arzt hat ihn aus seinen Binden gewickelt. Nun wird ihm das Ausmaß seiner Verletzungen bewusst. Er hat beide Arme und sein rechtes Bein verloren. Im letzten Moment erkennt er noch in dem Feuerwehrmann, der ihm zuvor Wasser und Zigaretten gegeben hat, seinen alten Hausmeister wieder, der ihm immer Milch gegeben und ihn bei sich rauchen lassen hat, und sagt zu ihm mit letzter Kraft: „Milch“.[4]

4 „Lohengrins Tod“:

Die Erzählung beginnt damit, dass ein verletzter Junge von zwei Männern auf einer Bahre in ein Krankenhaus getragen wird. Diese beschweren sich, da sie noch so viel zu tun haben und noch andere Verletzte in das Krankenhaus bringen müssen. Der Junge auf der Bahre schreit die ganze Zeit vor starken Schmerzen. Als sie bei dem Arzt ankommen, versucht dieser ihn zu beruhigen und hat damit nur wenig Erfolg.

Die Träger stehen jedoch immer noch in der Tür, weil sie ihre Decke und ihre Bahre zurück haben wollen. Die Decke wurde von einer Frau ausgeliehen und da Decken im Moment sehr viel Wert sind, besteht der Träger darauf sie wieder mitzunehmen.

Der Junge ist in einem schrecklichen Zustand. Seine Kleider hängen in Fetzen und seine Beine sind blutverschmiert und voller Kohlenstaub. Als die Schwester es schafft ihm eine Beruhigungsspritze zu geben, hört er auf zu schreien und beruhigt sich schließlich.[5]

[...]


[1] Erbengemeinschaft Heinrich Böll: René Böll, Samay Böll, Nick Elliott. www.heinrich-boell.de. http://www.heinrich-boell.de/HeinrichBoellChronik.htm 17.09.2009.

[2] Böll, Heinrich: Wanderer kommst du nach Spa... Erzählungen. 25. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag. München 1983. S. 35-43.

[3] Böll, Heinrich: Wanderer kommst du nach Spa... Erzählungen. 25. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag. München 1983. S. 42.

[4] Böll, Heinrich: Wanderer kommst du nach Spa... Erzählungen. 25. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag. München 1983. S. 43.

[5] Böll, Heinrich: Wanderer kommst du nach Spa... Erzählungen. 25. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag. München 1983. S. 120-129.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640609802
ISBN (Buch)
9783640610181
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149909
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,0
Schlagworte
Heinrich Böll Lohengrins Tod Wanderer kommst du nach Spa Vergangenheitsbewältigung Zeitkritik Erzählung 2. Weltkrieg Nachkriegsdeutschland

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Titel: Vergangenheitsbewältigung und Zeitkritik in den Erzählungen „Wanderer kommst du nach Spa...“  und „Lohengrins Tod“ von Heinrich Böll