Lade Inhalt...

Das Gesundheitskonzept von A. Antonovsky - Zur Bedeutung der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft

Vordiplomarbeit 2003 20 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Bedeutung des Salutogenesekonzeptes für die Gesundheitswissenschaft
1.1 Definition von Gesundheitswissenschaften

2. Salutogenetische Modell der Gesundheit von A. Antonovsky
2.1 Das Gesundheits- Krankheits- Kontinuum
2.2 Gesundheit als Resultat aus Ressourcen und Risiken
2.2.1 Die Ressourcen
2.2.2 Die Risiken
2.3. Kohärenzgefühl (SOC)
2.3.1. Die Verstehbarkeit
2.3.2. Die Handhabbarkeit
2.3.3. Die Bedeutsamkeit / Sinnhaftigkeit

3. Einfluss und Wirkung des Kohärenzgefühls auf die Gesundheit
3.1. Das Gehirn als Gesundheitsversorgungssystem
3.2. Persönliche Einstellung und Aktivitätsniveau jedes Einzelnen
3.3 Die Auswahl gesundheitsfördernden Verhaltens

4. Kritiken und Schwächen des Salutogenesemodells

5. Zusammenfassung

6. Schlussfolgerung und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Der Gesundheitsbereich wurde in der Vergangenheit lange Jahre von der Humanmedizin, der Pathogenesel dominiert und abgeleitet. Die Vorläufer der Gesundheitswissenschaft in Deutschland reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, wo wissenschaftliche Publikationen während der medizinischen Aufklärung über die medizinische Notwendigkeit und Möglichkeit der Förderung und Erhaltung von Gesundheit erschienen sind. Im 19. Jahrhundert wurde der Zusammenhang von Gesellschaft, Kultur und Wirtschaftsbedingungen mit der Gesundheit der Bevölkerung und Rolle der aktiven öffentlichen Gesundheitspflege zur Vermeidung von Krankheiten in den Mittelpunkt gestellt.

Die Humanmedizin beschäftigt sich mit der Entstehung und Heilung von Krankheiten. Sie geht der Frage nach, wie sich die Gesundheit des Menschen erhalten lässt, in dem Krankheiten einfach vermieden werden.

Ziel der Gesundheitswissenschaft war und ist es, den Blick auf die somatischen, psychischen, sozialen und ökologischen Bedingungen der Gesunderhaltung
sowieVermeidung von Krankheiten zu richten (vgl. Thieme 2000, S. 79).

Die Salutogenese wird im Hauptteil in den wichtigen theoretischen Anteilen dargelegt:

- Das Gesundheits - Krankheits – Kontinuum
- Gesundheit als Resultat aus Ressourcen und Risiken
- Beschreibung der Risiken
- Beschreibung der Ressourcen (insb. Kohärenzgefuhl)
- Auswirkung auf das Gesundheitswesen

Diese Arbeit endet mit einer Zusammenfassung und einer Schlussfolgerung, wie das Salutogenesemodells in das bestehende Gesundheitssystem integriert werden könnte.

Grundlage dieser Hausarbeit bildet eine Literaturrecherche in gängiger Literatur, im Internet mit Stichwort suche in Datenbanken wie Salutogenese, Aaron Antonovsky und Kohärenzgefuhl. Ferner wurden Beiträge und Aufsätze aus Pflegezeitschriften, Studienbriefe und Lehrbüchern recherchiert und verarbeitet.

1 (Gesamtheit an der Entstehung und Entwicklung einer Krankheit beteiligten Faktoren)

1. Bedeutung des Salutogenesekonzeptes für die Gesundheitswissenschaft

In verschiedener Hinsicht wird eine Bedeutung des Salutogenesekonzeptes für die

Gesundheitswissenschaft gesehen:

Die interdisziplinäre gesundheitswissenschaftliche Forschung zu Ressourcen und Schutzfaktoren (Protektivfaktoren) wird durch dieses Konzept stimuliert. Es erweitert den Blick auf die bisher zu wenig beachtete Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den gesundheitlichen Risiken und Schutzfaktoren sowie den schützenden Bedingungen.

Dieses Salutogenesemodell zeigt auf, wie wichtig die Rahmentheorie einer Gesundheit und Gesunderhaltung ist, auch wenn sie bisher nach heutigen Möglichkeiten noch nicht empirische überprüft werden konnte (vgl. Waller 2001, S.2S, BzgA 2001, S.93). Um dies im Salutogenesemodell näher verdeutlichen zu können, wird zunächst die Gesundheitswissenschaft definiert.

1.1 Definition von Gesundheitswissenschaften

Es muss zwischen den Begriffen "Gesundheitswissenschaften" im Vielfachen und

"Gesundheitswissenschaft" im Einzelnen unterschieden werden. Unter dem Begriff der Gesundheitswissenschaften werden verschiedene Wissenschaften zusammengefasst, die sich aus verschiedenen Blickrichtungen mit dem Thema Gesundheit wie Gesundheitsökonomie, -psychologie und -soziologie sowie der Sozial- und Umweltmedizin auseinandersetzen. Die Gesundheitswissenschaft im Einzelnen versucht Elemente und Sichtweisen der verschiedenen Fachdisziplinen in sich zu integrieren, um zu einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis zu gelangen und einen eigenständigen Wissenschaftsbereich zu gestalten. Gesundheitswissenschaften bestehen aus verschiedenen Einzeldisziplinen, die auf einen gemeinsamen Gegenstandsbereich wie Analyse von Gesundheits- und Krankheitsprozessen sowie die Ableitung von bedarfsgerechten Versorgungsstrukturen und deren Evaluation gerichtet sind (vgl. Hurrelmann 1998, S. 5).

2. Salutogenetische Modell der Gesundheit von A. Antonovsky

Der Begriff der "Salutogenese" wird als neues Denken und Herangehensweise in der Gesundheitswissenschaft, insbesondere der Medizin, die sich in Abgrenzung vom traditionellen Pathogenesedenken um ein Verständnis und eine Förderung gesundheitlicher Schutzfaktoren bemüht, bezeichnet. Antonovsky setzt in seinem salutogenetischen Modell verschiedene Konstrukte mit der Entstehung bzw. Erhalt von Gesundheit in Zusammenhang. Dieser beschreibt die Kräfte, die jedem Individuum helfen, die eigene Gesundheit zu entwickeln oder zu erhalten (vgl. Urban & Fischer 2001, S. 7). Er ging dem Phänomen nach, das Menschen, trotz einer Konfrontation mit einer Vielzahl von Gesundheitsrisiken, gesund blieben und nicht erkrankten (vgl. Waller 2001, S. 21). Gesundheit und Krankheit sind demnach keine dichotomen Größen, sondern auf einem Gesundheits- Krankheits- Kontinuum angeordnet. Die Gesundheit wird als Ergebnis von Homöostase erhaltenden Mechanismen des Individuums und der Umwelt angesehen. Im Salutogenesemodell werden die Wechselbeziehungen von Schutz- und Risikofaktoren berücksichtigt. Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit können sowohl an der Verringerung von Risikofaktoren als auch am Aufbau von Schutzfaktoren ansetzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. 1, BzgA 2001, S. 36)

In einer vereinfachten Darstellung (siehe Abb. 1) des Salutogenesemodells wird aufgezeigt, das die Lebenserfahrung das Kohärenzgefuhl formt. Ein ausgeprägtes Kohärenzgefuhl setzt die Lebenserfahrung des einzelnen voraus und sollte möglichst konsistent sein. Dies erlaubt eine wirksame Einflussnahme jedes einzelnen, die ihn dazu weder über- noch unterfordern sollte. Die erforderliche Lebenserfahrung wird durch das Vorhanden sein von generalisierten Widerstandsressourcen ermöglicht. Von den soziokulturellen und historischen Kontexten und den darin hervor scheinenden Erziehungsmustern und sozialen Rollen hängt eine Entstehung bzw. Vorhandensein der Widerstandsressourcen ab. Zufällige, unerwartete und große Ereignisse sowie persönliche Einstellungen haben einen zusätzlichen Einfluss auf die Widerstandsressourcen. Von der Stärke des Kohärenzgefühls hängt es ab, ob die einmal entstandenen Widerstandsressourcen wieder mobilisiert werden können. Mit nicht automatisch beantwortbaren Reizen konfrontieren Stressoren den Organismus und können Spannungszustände auslösen. Gelingt jedoch eine Spannungsreduktion, hat dies eine stärkende Wirkung auf das Kohärenzgefühl.

Auf Grund dieser erfolgreich ausgeführten Spannungsreduktion bleibt der Gesundheitszustand bzw. eine Lokalisation auf dem Gesundheits- Krankheits- Kontinuum erhalten. Die daraus wieder entstandene günstige Position auf dem Gesundheits- Krankheits- Kontinuum erleichtert anschließend den Erwerb neuer Widerstandsressourcen. Dagegen fuhrt eine erfolglose Spannungsreduktion bzw. -management zu einem Stresszustand der in Wechselwirkung mit vorhandenen pathogenen Einflüssen und Vulnerabilitäten steht, der sich negativ auf die Position auf dem Gesundheits- Krankheits- Kontinuum auswirkt (vgl. BzgA 2001, S. 36/37).

2.1 Das Gesundheits- Krankheits- Kontinuum

Antonovsky kritisiert die dichotome Trennung in Gesund und Krank, mit der die wissenschaftliche Humanmedizin und deren Versorgungssystem arbeiten (vgl. BzgA. 2001, S. 32). Er verwendet den Begriff "Gesundheit" als Bezeichnung für körperliches Wohlbefinden und den Begriff "Krankheit" als körperliches Missempfinden.

Da es Menschen nicht möglich ist, eine völlige Gesundheit oder Krankheit zu erreichen, trägt jeder gesunde Mensch kranke und jeder kranke Mensch gesunde Anteile in sich. Für Antonovsky stellt sich nicht die Frage, ob Personen gesund oder krank sind, sondern wie weit entfernt sie von Gesundheit und Krankheit sind. Im Mittelpunkt des Modells steht die Gesundheit. Antonovsky geht davon aus, dass es weitere Befindens-Dimensionen gibt, die ebenfalls Kontinuuen sind und mit der Gesund - Krank - Dimension korrelieren. Wo auf diesem Kontinuum sich ein Mensch ansiedelt, stellt sich als Ergebnis eines interaktiven Prozesses zwischen schützenden (Widerstandsressourcen) und belastenden Faktoren (Stressoren) im Kontext der Lebenserfahrung einer Person heraus. Zu den belastenden Faktoren werden potentielle psychosoziale, physische und biochemische Stressoren gezählt. Zu den Widerstandsressourcen werden umfassend körperliche, psychische, materielle, soziale, kulturelle und makro- strukturelle Faktoren gerechnet (vgl. Waller 2001, S.22). Die verschiedenen Stressoren erzeugen einen Spannungszustand, je nachdem, ob das Individuum diesen Spannungszustand erfolgreich bewältigen kann, bewegt es sich auf dem Kontinuum in Richtung Gesundheit oder Krankheit. Antonovsky stellt in seinem Modell den Aspekt der körperlichen Gesundheit in den Mittelpunkt.

2.2 Gesundheit als Resultat aus Ressourcen und Risiken

Wichtigste Tatsache eines Gesundheits-Krankheits-Kontinuums ist es, nicht nur Risikofaktoren und Stressoren zu untersuchen, sondern auch die heilsamen Faktoren, die zu einer aktiven Bewegung in Richtung gesundes Ende des Kontinuums beitragen. Es stellt sich die Frage, warum sollte es nur Sinn machen krankmachende Faktoren zu vermeiden, wenn man eine Verbesserung auf dem Gesundheits- Krankheits- Kontinuum genauso erreichen kann, wenn man sich um eine Stärkung der gesunden Anteile jedes Einzelnen bemüht (vgl. http://www.fachklinik-furth.de /vieh-haus.htm 25.01.2003). Zielmerkmale einer Gesundheitsförderung sind die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Dabei geht es in erster Linie um die Stärkung von Potenzialen und Ressourcen für mehr Gesundheit. Dabei werden auch die Verringerung von Belastungen und Risiken, (Zielmerkmale der pathogenetischen Perspektive) angesprochen (vgl. Trojan/ Legewie 1999, S.54).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640607198
ISBN (Buch)
9783640607396
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149810
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
2,0
Schlagworte
Gesundheitskonzept Antonovsky Bedeutung Salutogenese Gesundheitswissenschaft Thema Salutogenese

Autor

Zurück

Titel: Das Gesundheitskonzept von A. Antonovsky - Zur Bedeutung der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft