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Thomas Nagels „Moralischer Absolutismus“ als Antwort auf den gerechten Einsatz von Kriegsmitteln im 20. Jahrhundert?

Seminararbeit 2007 15 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Gliederung der Hausarbeit

1 Einleitung:
1.1 Die Notwendigkeit der Moral zu Kriegszeiten: Eine kurze Bestandsaufnahme der vorherrschenden Strategien in Kriegen des 20. Jhd. und deren Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. (Hinführung und Erläuterung der Fragestellung)
1.2 Systematische Darstellung zur Fragestellung. (Erklärung zur Vorgehensweise bei der Analyse)

2 Hauptteil:
2.1 Nutzen versus ethisch legitimes Handeln: Utilitarismus und Moralischer Absolutismus als gegensätzliche Theorien des „richtigen“ Verhaltens im Krieg. (Gegenüberstellung der Theorien)
2.2 Kriegsmittel und Kriegsparteien: Diskussion über Art und Verhältnismäßigkeit der Kriegsmittel und die daraus resultierenden Folgen für Kombattanten und Nicht-Kombattanten.

3 Schluss:
3.1 Die internationale Gemeinschaft als Steuerungselement der richtigen Kriegsmittel am Ende des 20.Jhd. (Schlusskommentar und Reflexion der angeführten Argumente mit Beantwortung der Fragestellung)
3.2 Der Moralische Absolutismus und seine Grenzen: Überprüfung des „ius in bello“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts. (Ausblick mit der Problematik „islamistischer Terrorismus“)

4 Literaturverzeichnis

Thomas Nagels „Moralischer Absolutismus“ als Antwort auf den Einsatz von gerechten Kriegsmitteln im 20. Jahrhundert?

1 Einleitung

1.1 Die Notwendigkeit der Moral zu Kriegszeiten: Eine kurze Bestandsaufnahme der vorherrschenden Strategien in Kriegen des 20. Jhd. und deren Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung.

Zu Beginn dieser Hausarbeit möchte ich erklären, aus welchen Gründen es im Jahre 1972 dazu kam, dass Thomas Nagel in seiner Schrift „War and Massacre“[1] einen nicht mehr neuen, aber wichtigen zu berücksichtigenden Gesichtspunkt diskutiert, der vor allem durch die Entwicklung der Kriegsmittel des 20.Jhd. eine hohe Bedeutung hatte: die moralische Verantwortung der Kriegsparteien gegenüber den Zivilbevölkerungen, die durch Kriege betroffen sind. Nagel zeigt dies am Beispiel des My-Lai-Massakers[2], bei dem während des Vietnam-Kriegs 503 Zivilisten von amerikanischen Soldaten ermordet wurden. Allerdings besteht bereits seit den beiden Weltkriegen Diskussionsbedarf über die Wahl der Kriegsmittel und deren verheerende Wirkung auf die Zivilbevölkerungen. Die Frage nach der moralischen Richtigkeit von Handlungen wie den Atombombenabwürfen über Japan ist zweifelsfrei zu negieren, vgl. G.E.M. Anscombes Kritik an Harry S. Truman[3]. Es herrschte eine stark Nutzen orientierte Einstellung zu den Kriegsmitteln vor, die auch große Opfer in Zivilbevölkerungen tolerierte. So sind im Jahr 1945 die Bombardierungen Dresdens mit bis zu 40.000 Toten und Tokios mit bis zu 100.000 Toten nur zwei Beispiele[4], die die begangenen Grausamkeiten an Zivilbevölkerungen mit konventionellen Waffen verdeutlichen. Aufgrund des sich dann immer weiter steigernden Wettrüstens der beiden Weltmächte USA und UdSSR und der damit verbundenen Neuentwicklung oder Modernisierung von Technologien wie A-Bomben und H-Bomben als reine Massenvernichtungswaffen gegen die Zivilbevölkerung oder Brand-/Napalm-Bomben oder Splitterbomben zur gezielten Verstümmelung, wurde der Widerstand gegen die Art der Kriegsführung und die Wahl der Mittel immer größer und fand seine politische Zusammenführung in der 68er-Friedens-Bewegung.

Thomas Nagel löst sich dabei von der bis dato vorherrschenden und anerkannten utilitaristischen Denkart und kritisiert sie mit seinem „absolutism“[5], der nach dem ethisch richtigen Handeln, in verschieden starken Abstufungen bis hin zum Pazifismus, fragt. So ist hier die Moral und nicht der Nutzen der zentrale Ansatz für die Analyse der Handlungen, welche bereits vor der Handlung zu ersehen ist.

1.2 Systematische Darstellung zur Fragestellung.

Nachdem die Problematik in der Kriegsführung, vor allem die der Kriegsmittel, nun kurz umrissen worden ist, folgt nun eine Darstellung der Vorgehensweise bei der Analyse:

Im nächsten Schritt werden die Grundzüge des Utilitarismus und des Absolutismus mit den Schwerpunkten Kriegsmittel, ihr Einsatz und die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung vorgestellt.

Im Anschluss wird dann der Einsatz dieser Kriegsmittel, die meist Massenvernichtungswaffen sind, betrachtet werden. Hierbei soll der Standpunkt des Absolutismus verdeutlicht werden, der die Wahllosigkeit der Vernichtung aufzeigt und damit einer zielgerichteten Kriegsführung widerspricht. Hierzu werden auch die Begriffe Kombattanten und Nicht-Kombattanten erläutert und die absolute Grenze der Handlungen in der Theorie als „a moral blind alley“[6] dargestellt.

Im Schlussteil werden zuerst die positiven Entwicklungen im Dialog um Kriegsmittel und ihren Einsatz aufgezeigt, sowohl internationale Beschlüsse wie freiwillige Selbstverpflichtungen. Es sollen aber auch in einem kurzen Ausblick auf die internationalen Bedrohungen, vor allem durch den supranationalen Terrorismus, noch nicht gelöste oder neu aufgetretene Probleme dargestellt werden.

2 Hauptteil

2.1 Nutzen versus ethisch legitimes Handeln: Utilitarismus und Moralischer Absolutismus als gegensätzliche Theorien des „richtigen“ Verhaltens im Krieg.

Um auf das Dilemma zwischen beiden Theorien im Krieg mit Bezug auf die Kriegsmittel darstellen zu können, müssen die beiden grundlegenden Betrachtungsweisen der Theorien bei einer Entscheidung über eine Handlung erklärt werden. Der Utilitarismus, der menschliche Handlungen beurteilt, „insofern sie richtig und unrichtig (falsch), erlaubt und unerlaubt sind“[7], ist eine „Theorie der „Verpflichtungsurteile““[8]. Weiterhin stellt er auch die Frage nach dem Normativ-Ethischen, also nach den Prinzipien, nach denen Menschen ethisch handeln sollen[9]. So leitet sich die Bezeichnung Utilitarismus vom Lateinischen utilitas ab, das Nutzen bedeutet. Als teleologische Theorie sind somit also die Konsequenzen einer Handlung positiv oder negativ zu beurteilen, indem ihr Nutzen durch die entstandenen Folgen zu beurteilen ist. Es sind also die Folgen, die die Richtigkeit seiner Handlung bestimmen. Hierbei ist allerdings festzuhalten, dass alle Konsequenzen einer Handlung in Betracht gezogen werden[10]. „Der Utilitarismus macht somit die Richtigkeit einer Handlung zur Funktion der Qualität ihrer Folgen.“[11] Das bedeutet, dass er von verschiedenen möglichen Alternativen dem Handelnden die als richtig vorgibt, die die bessere oder weniger schlechtere ist. Verallgemeinernd kann man so formulieren, dass im Utilitarismus jeder danach streben sollte, „to maximize good and minimize evil.“[12]

Gegensätzlich dazu stehen die deontologischen Theorien. Hier wird eine Handlung nicht nach ihrer Durchführung anhand ihrer Konsequenzen beurteilt, sondern bereits vor ihrer Durchführung sind den Beteiligten die ethischen und moralischen Folgen der Handlungen bekannt, nach denen dann eine Handlung als positiv oder negativ zu bewerten ist.[13] Der Absolutismus nach Thomas Nagel wird zu diesen deontologischen Theorien gezählt, da Nagel, wie alle Theoretiker der deontologischen Ethik, von einem Katalog über Prinzipien, Pflichten und Rechte ausgeht, nach denen sich jeder Mensch zu richten hat. Allerdings wird dabei auch das Prinzip des Tötens zur Selbstverteidigung und im Krieg angeführt. Nagel leitet daraus ab, dass durch Feindschaft als zwischenmenschliche Beziehung es immer zu Kriegen kommen wird. Somit muss geklärt werden, welche Gruppen von Menschen überhaupt in die Feindseligkeiten mit einbezogen werden dürfen, bzw. welche Gruppen auf keinen Fall das Ziel von Feindseligkeiten werden dürfen.[14] Und weiterführend muss dann auch für die Gruppen, die an kriegerischen Handlungen beteiligt sind, eine Grundlage an Richtlinien gebildet werden, um einen Verlust der gegenseitig aufgebrachten Menschenwürde zu vermeiden. Diese moralischen Richtlinien sind dann die Grundlage für die Bewertung der Handlungen nach deontologischer Vorgehensweise. Im Krieg bedeutet dies, dass auch seinem Feind gegenüber die Menschenwürde erhalten bleibt, da dieser weiterhin als Mensch angesehen wird.

[...]


[1] Nagel, Thomas: War and Massacre, in: Philosophy and Public Affairs, 1(2) 1972, S. 123-144

[2] Nagel, Thomas: War and Massacre, S. 123

[3] G.E.M. Anscombe: Mr. Truman’s Degree, 1958

[4] Der Brockhaus Geschichte - Personen, Daten, Hintergründe, 2. Auflage, FA Brockhaus, Mannheim, 2008

[5] Nagel, Thomas: War and Massacre, S. 125ff.

[6] Nagel, Thomas: War and Massacre, S. 143

[7] Norbert Hoerster: Utilitaristische Ethik und Verallgemeinerung, Verlag Karl Alber, München 1971, S.9

[8] Ebenda, S.9

[9] Manuel Garcia Pazos: Die Moralphilosophie John Stuart Mills Utilitarismus, Bonn, 1999, S.67ff

[10] Norbert Hoerster: Utilitaristische Ethik und Verallgemeinerung, S.11ff

[11] Ebenda, S.16

[12] Thomas Nagel: War and Massacre, S,125

[13] Norbert Hoerster: Utilitaristische Ethik und Verallgemeinerung, S.10f

[14] Thomas Nagel: War and Massacre, S.132ff

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640608522
ISBN (Buch)
9783640609017
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149616
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
2,7
Schlagworte
Moralischer Absolutismus Utilitarismus Thomas Nagel War and Massacre My-Lai-Massaker Wettrüsten Zivilbevölkerung

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Titel: Thomas Nagels „Moralischer Absolutismus“ als Antwort auf den gerechten Einsatz von Kriegsmitteln im 20. Jahrhundert?