Lade Inhalt...

Die europäische Hochschulreform - Der Bologna-Prozess

Bringt der Bologna-Prozess ein besseres Hochschulsystem hervor oder ist er lediglich eine ideologische Katastrophe?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 16 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Motivation und Ziel der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Die Chronologie des Bologna–Prozesses
2.1. Die Ursprünge des Bologna - Prozesses
2.2. Die Sorbonne Erklärung
2.3. Die Bologna Erklärung
2.4. Prager Kommuniqué
2.5. Berliner Kommuniqué
2.6. Bergener Kommuniqué
2.7. Londoner Kommuniqué
2.8. Leuvener Kommuniqué

3. Die Umsetzung der Bologna–Ziele
3.1. Bachelor, Master und Promotion
3.2. Leistungspunktsystem
3.3. Modularisierung
3.4. Diploma Supplement
3.5. Evaluation und Akkreditierung

4. Problematiken und Chancen des Bologna-Prozesses
4.1. Probleme der Reform
4.2. Chancen der Reform

5. Zusammenfassung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Motivation und Ziel der Arbeit

Ohne Zweifel ist die europäische Hochschulreform, besser bekannt als Bologna-Prozess, eines der zentralsten Themen in der Bildungspolitik der Gegenwart. Hinter uns liegen 10 Jahre eines Reformprozesses, an dem mittlerweile 45 europäische Staaten teilnehmen. Seit der Umsetzung der Reform ist diese ein viel diskutiertes Thema, welches immer wieder für Gesprächsstoff sorgt.

Im Juni vergangenen Jahres demonstrierten tausende von Studenten, beim sogenannten Bildungsstreik, gegen das neue Hochschulsystem. Immer lauter wurden dabei Proteste, die zu einer Umgestaltung oder sogar einer Abschaffung der Reform aufriefen. Seit dieser Zeit wird der Bologna-Prozess häufig als ideologische Katastrophe betitelt. Diese Aussage, sowie das eigene Unwissen über die genaue Entstehung, die Ziele und die Umsetzung der Reform, gaben mir den Anstoß mich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob der Bologna-Prozess tatsächlich eine Katastrophe für alle Beteiligten darstellt oder ob es sich hier um unbegründete Schwarzmalerei handelt. Das Ziel meiner Arbeit ist einerseits zu klären, wann und warum entstand die Idee zur Reform des europäischen Hochschulsystems und wie wurde sie umgesetzt. Andererseits möchte ich versuchen eine Antwort auf die Frage, ob der Bologna-Prozess ein besseres Hochschulsystem hervorbringt oder ob er lediglich eine ideologische Katastrophe ist, zu finden.

1.2. Aufbau der Arbeit

Zunächst möchte ich über die Ursprünge des Bologna-Prozesses informieren und darstellen wie es zu dieser Reform kam. Dabei wird verdeutlicht, welche Ziele durch die Reform verwirklicht werden sollten und wie diese im Verlauf des Prozesses weiterentwickelt und neu formuliert wurden. Daraufhin wird aufgezeigt, wie die Ziele umgesetzt wurden und welche Veränderungen dies für die Hochschulen und ihre Studierenden mit sich brachte. Anschließend soll einerseits dargelegt werden, welche Probleme die Umgestaltung des Hochschulsystems mit sich bringt und andererseits welche Chancen sich aus dieser für die Hochschulen und Studenten ergeben. In Bezug darauf soll die Frage, ob der Bologna-Prozess ein besseres Hochschulsystem hervorbringt oder lediglich eine ideologische Katastrophe ist, beantwortet werden.

2. Die Chronologie des Bologna–Prozesses

2.1. Die Ursprünge des Bologna-Prozesses

Die Ursprünge des Bologna-Prozesses liegen weit zurück. Seit vielen Jahren gibt es Initiativen und Vorschläge, wie der europäische Hochschulraum harmonisiert werden könnte. Begonnen hat der Prozess bereits vor über 50 Jahren, mit den Römischen Verträgen. Diese wurden 1957 verabschiedet und bildeten wichtige Grundsteine für die spätere Gründung der Europäischen Union. In den darauffolgenden Jahren entstanden weitere Verträge und Programme, wie die Joint Study Programme, das Erasmus – Programm, die Magna Charta Universitatum und das Memorandum zur Hochschulbildung.

Die Joint Study Programme von 1976 sind „bilaterale Verträge“[1] zwischen zwei Universitäten bzw. deren Fakultäten. Im Rahmen dieser Programme können Studierende für einen bestimmten Zeitraum, der in der Regel ein Semester beträgt, an einer anderen Universität studieren und die Studienleistung anerkennen lassen. Durch diese Programme sollen Studienaufenthalte im Ausland gefördert werden. Im Jahr 1987 gründete die Europäische Union das Erasmus – Programm mit dem Ziel, die Zusammenarbeit von Hochschulen innerhalb Europas zu fördern. Weiterhin sollte das Programm die Mobilität von Studenten und Dozenten unterstützen. Am 18. September 1988 wurde die Magna Charta Universitatum im italienischen Bologna entwickelt und von den Universitätspräsidenten und –rektoren, die sich anlässlich der neunten Jahrhundertfeier der ältesten europäischen Universität in Bologna versammelt hatten, unterzeichnet. Die wesentlichen Grundsätze der Charta, waren einerseits die Freiheit der Forschung, Lehre und Ausbildung, sowie die unmittelbare Zusammengehörigkeit von Forschung und Lehre und andererseits die Wahrung der Autonomie der Universitäten.[2] Ganz allgemein kann gesagt werden, dass die Magna Charta Universitatum eine Vision, für die Entwicklung der Universitäten in Europa, darbot. Das Memorandum von 1991 enthält allgemeine Aussagen zur Entwicklung des Hochschulwesens in der Europäischen Gemeinschaft und wurde damals von zahlreichen Ländern kritisiert, da diese befürchteten, die jeweilige Hochschulkultur jedes einzelnen Landes könnte verloren gehen.

Des Weiteren stellen der Vertrag von Maastricht, das Sokrates–Programm und das Lissabon-Abkommen wichtige Bausteine, zur Schaffung des europäischen Hochschulraumes, dar.

Als Vertrag von Maastricht wird der Vertrag über die Europäische Union bezeichnet. Dieser wurde im Jahr 1992 verabschiedet und beinhaltet die Umwandlung der Europäischen Gemeinschaft in die Europäische Union. Auf Grund dessen ist er nach den Römischen Verträgen der wichtigste Vertrag für Europa. Das Sokrates–Programm startet 1994 und löst das Erasmus–Programm, mit einigen grundlegenden Änderungen in der Struktur, ab. Bis heute stellt es das zentrale Programm für Aktivitäten der Europäischen Union im Bereich der Hochschulbildung dar. Seine Ziele umfassen die Verbesserung der europäischen Sprachkenntnisse, die Förderung der Mobilität, der Chancengleichheit und der Zusammenarbeit in allen Bildungsbereichen. Weitere Ziele sind die Verstärkung der europäischen Dimension der Bildung auf allen Ebenen, sowie die Unterstützung der Innovation im Bildungswesen.[3] Mit dem Lissabon Abkommen des Europarates und der UNESCO von 1997 wurde eine rechtliche Grundlage für die Anerkennung von Studienleistungen innerhalb Europas geschaffen. Bei diesem Abkommen wurde unter anderem festgelegt, dass Studienzeiten, Studiengänge, akademische Grade, sowie Reifezeugnisse europaweit gleichwertig anerkannt werden.[4]

2.2. Die Sorbonne-Erklärung

Der eigentliche Geburtsort des Bologna–Prozesses ist die Pariser Universität Sorbonne. Dort trafen sich am 25. Mai 1998, anlässlich der 800-Jahr-Feier dieser Universität, die Bildungsminister Frankreichs, Deutschlands, Italiens und Großbritanniens. Sie unterzeichneten die Sorbonne-Erklärung und formulierten erstmals das Vorhaben einer strukturellen Harmonisierung der europäischen Hochschulsysteme als Ziel. Die wichtigsten inhaltlichen Aspekte der Erklärung sind die Steigerung der Mobilität von Studenten und Dozenten, die Förderung einer noch engeren Zusammenarbeit im europäischen Hochschulraum, der Wunsch nach internationaler Anerkennung der akademischen Abschlüsse, sowie die Verbesserung der Berufsfähigkeit der Studenten.[5]

2.3. Die Bologna-Erklärung

Bereits ein Jahr nach der Verabschiedung der Sorbonne-Erklärung trafen sich die Bildungsminister, von 29 europäischen Ländern, im italienischen Bologna und unterzeichneten die Bologna-Erklärung. Das zentrale Ziel dieser Erklärung ist die Schaffung eines gemeinsamen Europäischen Hochschulraumes bis zum Jahr 2010, in welchem Studierende, Lehrende, aber auch das Verwaltungspersonal der Hochschulen mobiler sein können. Weiterhin sollen die Hochschulsysteme einheitliche Strukturmerkmale und Äquivalenzen aufweisen, um die Attraktivität der Hochschulen im globalen Wettbewerb der Bildungssysteme zu erhöhen. Darüber hinaus soll eine Verbesserung der Berufsfähigkeit der Studienabsolventen angestrebt werden.[6] Zur Erreichung dieser Ziele sieht die Bologna Erklärung folgende Veränderungen im Hochschulwesen vor:

[...]


[1] URL:http://www.boku.ac.at/jointstudyout.html [Stand: 25.01.2010]

[2] Vgl. URL: http://www.magna-charta.org/pdf/mc_pdf/mc_german.pdf [Stand: 25.01.2010]

[3] Vgl. Eckhardt 2005, S.27

[4] Vgl. Hochschulrektorenkonferenz 2006, S.255

[5] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung in Eckhardt 2005, S.106ff

[6] Vgl. URL: http://www.hrk-bologna.de/bologna/de/home/1979.php [Stand: 27.01.2010]

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640599806
ISBN (Buch)
9783640600298
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149471
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Ursprünge Bologna Prozess Sornonne Erklärung Bologna Erklärung Konnuniques Bachelor Master Leistungspunktsystem ECTS Module-Modularisierung Akkreditierung Evaluation Diploma Supplement Probleme und Chancen der Reform

Autor

Zurück

Titel: Die europäische Hochschulreform - Der Bologna-Prozess