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John Locke´s Konzepte von Mensch, Substanz, Person und ihrer Identität

Kontroversen und Folgen für eine praktische Sozialethik

Seminararbeit 2009 19 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. About John Locke

II. Begriffe
11.1. Ideen, Identitat und Substanzen
11.2. „Ein gemeinsames Leben...“
11.3. „Mensch“, „Person“, „Substanz“

III. Kontroversen
111.1. Stillingfleet und Leibniz
111.2. Sergeant, Butler, Reid
111.3. Selbstzuschreibung - Fremdzuschreibung

IV. Folgen im Bereich der praktischen Sozialethik
IV. 1. Unsere Gesellschaft - Moralische Anerkennung
IV. 2. Lohn und Strafe

V. Fazit und Ausblick

Bibliografie

Einleitung

Bereits seit einigen Jahrhunderten beschaftigen sich Philosophen mit dem Problem, das Immanuel Kant scheinbar so einfach in dem Satz:[1] „Was soll ich tun?“ zusammenfasst. Doch muss nicht zuvor eine andere Frage gestellt werden, welche lautet: „Was kann ich tun“? Der englische Philosoph John Locke hat die Betonung nochmals anderweitig gelegt, namlich auf das „Ich“.

Das dieses Thema lange nicht so umfassend behandelt ist, wie es erscheint und somit immer noch von grower Aktualitat ist, zeigt z. B. der Erfolg einer Nachmittagsserie in der ARD. Eine Frau kann sich nach einem Sturz an nichts erinnern. Ihr Retter macht sie glauben, sie ware seine verstorbene Ehefrau, woraufhin sie unter anderem Namen unbewusst ihr fruheres Umfeld davon uberzeugt, trotz ihrem physischem Erscheinungsbild nicht die alte Barbara zu sein.[2] Als ihr nach und nach einige ihrer fruheren Taten - sie ist eine Morderin - bewusst werden, stellt sich allen die Frage, ob sie dafur noch haften muss. Ist sie jetzt nicht ein neuer Mensch? Eine neue Person mit einer neuen Identitat? [3]

So nimmt die Frage nach der Identitat der Person also im gesellschaftlichen Leben und im Strafwesen einen ganz wichtigen Platz ein. J. Locke erkannte dies schon im 17. Jahrhundert und wurde auch gewahr, dass im umgangssprachlichen Miteinander oftmals sehr ungenau mit den diesbezuglichen Begriffen hantiert wird. Nachdem ich also zunachst - um den historisch-philosophischen Kontext nicht ganz auRer Acht zu lassen - einiges zum Leben Lockes berichten werde, folgt die Analyse von wichtigen Begrifflichkeiten, wie „Mensch“, „Person“, „Substanz“, „Identitat“, etc., die der englische Philosoph im 27. Kapitel des zweiten Buches seines „Essay Concerning Human Understanding gibt. Es folgt ein Blick auf seine Kritiker sowie eine Ausschau auf die Folgen, die Lockes Thesen fur Gesellschaft und Strafwesen haben. Neben Lockes Essay waren die Arbeiten von Udo Thiel, Walter Euchner[4], Martina Herrmann[5] und Sandra Ausborn-Brinker[6] sehr hilfreich zum Verstandnis der Thematik. Gleichzeitig wurde klar, dass der Anspruch der Arbeit auf die Einfuhrung und Vorstellung der Problemstellung beschrankt ist.

I. About John Locke

John Locke wurde am 29. August 1632 in Wrington bei Bristol in England geboren. Seine Eltern waren Puritaner, er selbst bekannte sich spater jedoch zur anglikanischen Staatskirche. So konnte er etwaigen Schwierigkeiten ausweichen, welche die Mitgliedschaft in einer religiosen Sekte durchaus hatte bringen konnen. Nach dem Besuch der Schule bekam er mit 20 Jahren ein Stipendium am Christ Church College in Oxford und studierte erfolgreich „klassische Wissenschaften“, Philosophie, Medizin und Chemie. Dabei setzte er sich auch fruh mit den antiken erkenntnistheoretischen Autoren, wie Aristoteles, auseinander. Nachdem er sein Studium fruher als geplant beenden konnte, wurde er ab 1658 Dozent am College. Er lehrte dort klassische Sprachen und Philosophie.

Locke begeisterte sich jedoch in der weiteren Zeit eher fur den Weg eines Universalgelehrten und konzentrierte sich auch auf den Bereich der Medizin. So war er von 1667 bis 1675 als Berater und Arzt in den Diensten des Earls of Shaftesbury tatig. Locke lebte in einer Zeit von vielen wissenschaftlichen Entdeckungen durch beispielsweise Galileo Galilei und trat auch in Kontakt mit einigen Naturwissenschaftlern, wie dem Chemiker und Physiker Robert Boyle. Seine Hinwendung zum Empirismus ist daher kein Wunder.

1675 bis 1679 hielt sich Locke in Frankreich auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Arbeit an seinem erkenntnistheoretischen Hauptwerk „An Essay Concerning Human Understanding1'[7] langst begonnen, allerdings wurde das Werk erst 1689 publiziert und das hier behandelte Kapitel uber „Identitat und Verschiedenheit“ befand sich erst in der 2. Auflage von 1694.

Obwohl sich Locke mit dem ganzen Spektrum der gesellschaftlichen Themen befasste, wird sein Name heute vorwiegend im Zusammenhang mit seiner politischen Theorie genannt. Hier ist vor allem sein Werk „Two Treatises of Government" zu nennen. Locke spricht sich z. B. fur Gewaltenteilung und eine Trennung von Kirche und Staat aus.

Am 28. Oktober 1704 starb der englische Philosoph in Oates.[8]

II. Begriffe

Bevor man konstruktiv debattieren kann, braucht es gemeinsame Begrifflichkeiten. Darum gilt es vorerst, Locke's Definitionen zu analysieren.

11.1. Ideen, Identitat und Substanzen

Zunachst einmal soil hier untersucht werden, was nach Lockes Sichtweise die Identitat ausmacht. Wie geschieht also die Unterscheidung jedweden Dinges von anderem und was sind somit die Faktoren fur eine Individuation? Locke zu Folge ist die bloRe Existenz in Raum und Zeit vollig ausreichend, um die „Ideen“ von „Identitat“ und „Verschiedenheit“ zu rechtfertigen. Mit der Aussage: „[...] zwei Dinge derselben Art konnen unmoglich in demselben Zeitpunkt an demselben Ort vorhanden sein oder existieren. Ebensowenig kann ein und dasselbe Ding zur selben Zeit an verschiedenen Orten sein.“[9] bringt Locke seine Meinung klar zum Ausdruck. Seine Redeweise von „Ideen“ zielt schon auf die Tatsache hin, dass er in diesem Fall kein Anhanger der Methode ist, bei der einer bestimmten Gruppe diese und jene Akzidenzien fest zugeschrieben und als naturgegeben dargestellt werden. So bildet er z. B. die Artidee, bei der die Einteilung aus einer Verstandesleistung besteht, die aus den abstrakten Ideen gleiche Eigenschaftskomplexe sortiert und Arten definiert. Auf diese Weise lasst sich Locke einen guten Spielraum bei etwaigen Veranderungen der Dinge zu verschiedenen Zeitpunkten.[10] Die Ideen sind also Grundlagen fur die menschlichen Denkprozesse.

Wenn hier von „Identitat“ die Rede ist, dann im diachronen Sinne, also uber die Zeit hinweg. Auf Kritik an Lockes Begriff von Identitat gehe ich spater noch ein. Nun ist es aber nicht moglich den gleichen Begriff auf so offensichtlich verschiedene Dinge, wie z. B. eine Zahnburste und einen Menschen anzuwenden. Locke unterteilt also in 3 Arten von Substanzen. Demnach konnen wir uber Gott, endliche vernunftbegabte Lebewesen und Korper nachdenken.[11] Gott ist ewig, und seine Identitat somit auRer Frage, die geistigen Wesen unterscheiden sich schon im Zeitpunkt des Anfangs ihrer Existenz, und Korper bleiben gleich, wenn ihnen keinerlei Partikel abgezogen oder hinzugefugt werden.[12] Das „principium individuationis“ ist nach Locke also die bloRe Existenz.[13]

[...]


[1] Vgl. http://32068.dynamicboard.de/t5917f35-Folgen.html (10.10.2009, 9:28 Uhr).

[2] Locke, J.: Versuch uber den menschlichen Verstand. 2 Bde. Hamburg4 1981, Buch II, Kap. XXVII. (Kurztitel: EHU)

[3] Thiel, U.: Lockes Theorie der personalen Identitat. Bonn 1983.

[4] Euchner, W.: John Locke zur Einfuhrung. 2., uberarb. Aufl., Hamburg 2004.

[5] Herrmann, M.: Identitat und Moral. Zur Zustandigkeit von Personen fur ihre Vergangenheit. Berlin 1995.

[6] Ausborn-Brinker, S.: Person und Personalitat. Versuch einer Begriffsklarung. Tubingen 1999.

[7] Lo>

[8] Vgl. Euchner: John Locke zur Einfuhrung.

[9] Lo>

[10] Vgl. Thiel: Lockes Theorie der personalen Identitat. S. 26.

[11] Vgl. Lo>

[12] Vgl. ebd.: § 2, Z. 12ff.

[13] Vgl. ebd.: § 3, Z. 2f.

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640598557
ISBN (Buch)
9783640598656
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149356
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Philosophie
Note
1,3
Schlagworte
John Locke´s Konzepte Mensch Substanz Person Identität Kontroversen Folgen Sozialethik

Autor

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Titel: John Locke´s Konzepte von Mensch, Substanz, Person und ihrer Identität