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David Hume: Eine Untersuchung seiner politischen Essays: Of parties in general, Of the parties of Great Britain und Of the coalition of parties

Hausarbeit 2003 20 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Of parties in general (Über Parteien im allgemeinen)

3. Of the parties of Great Britain (Über die Parteien in Großbritannien)

4. Of the coalition of parties (Über die Parteienkoalition)

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Hume is our Politics, Hume is our Trade, Hume is our Philosophy, Hume is our Religion." “This statement by 19th century British idealist philosopher James Hutchison Stirling reflects a unique position that David Hume holds in intellectual thought.”[1] David Hume wurde 1711 als Sohn einer reichen Familie in Berwickshire, einem kleinen Ort in Schottland, nahe Edinburgh geboren. Er ist mit dem calvinistischen Glauben und einer whigischen politischen Einstellung groß geworden, änderte seine politische Sicht allerdings und bevorzugte die Tories. 1739/40 veröffentlichte er anonym sein erstes philosophisches Werk in drei Bänden, den Treatise of Human Nature. 1741 und 1742 kam seine neue Arbeit Essays, Moral and Political auf den Markt. Im Vergleich zum Treatise wurden diese Essays häufiger gelesen und hatten einen größeren Erfolg. 1748 schrieb er daher das erste Buch des Treatise um, fügte einige Abhandlungen hinzu und nannte es Enquiry Concerning Human Understanding. Seine History of England veröffentlichte er 1754 bis 1762, „in an age when the political battles of the present were habitually fought through the past, Hume judged correctly that history – English history – was the most effective medium for his political views.”[2] Viele weitere politische, moralische, religiöse und philosophische Texte verfasste Hume im Laufe seines Lebens, doch da ich meines Erachtens die wichtigsten genannt habe, möchte ich an dieser Stelle keine weiteren mehr anführen. „In 1776, at age 65, he died from an internal disorder which had plagued him for many months.”[3] Ich befasse mich im Folgenden speziell mit David Humes politischen Essays. Ich werde zunächst den Essay „Über Parteien im allgemeinen“, anschließend den „Über die Parteien in Großbritannien“ und zum Abschluss den „Über die Parteienkoalition“ behandeln. Hume wählte als literarische Gattung die Essays. Der Essay ist eine ganz spezielle Form zum Verfassen von Gedankengängen. „Michel de Montaigne (1533- 1592) und Francis Bacon (1561- 1626) gelten als Väter der literarischen Gattung Essay. [...] Die Bedeutung des Wortes essai im Frankreich des 16. Jahrhunderts war Übung, Vorspiel, Versuchung, Kostprobe. [...] Er steht für anfängerhaftes Ausprobieren und experimentierende Selbstbeschäftigung.“[4] Ein Essay dient nach Montaigne der Selbstreflexion und bezeichnet eine Denkmethode und eine Lebensführung. Allerdings geht es ihm auch um Erkenntnis und den Erkenntnisprozess. Ein Essay hat kurz zusammengefasst folgende Merkmale: „Sein Thema ist frei wählbar. Seine Grundhaltung ist kritisch und selbstreflexiv. Es gibt keinen Begriff von seinem Gegenstand, definiert nicht, ist also von der wissenschaftlichen Abhandlung abzugrenzen. Er ist Denkbewegung. Er behandelt jedes Thema nur unter Teilaspekten, bleibt fragmentarisch.“[5] „Es dominiert nicht die Darstellung, sondern das Argument.“[6] Die Grundhaltung des Essayisten, in diesem Fall Humes, ist die des Kritikers. Wie bereits erwähnt veröffentlichte Hume seine Essays ab 1741. Der erste von zwei Bänden enthielt 15 Essays, der folgende weitere 12. 1760 wurden drei Essays („Of Impudence and Modesty“, „Of Love and Marriage”, “Of the Study of History”) nicht mehr gedruckt, 17 68 folgte ein weiterer (“Of Avarice”). Es wurden mehrere Variationen der Essays überliefert, so dass jede handschriftliche Quelle bekam einen Buchstaben von A bis R bekam. Hume fügte im Laufe seines Lebens Essays hinzu, strich den ein oder anderen und überarbeitete nahezu alle. Im Essay „Of the parties of Great Britain” werden wir sehen, wie Hume seine Essays veränderte. In den beiden anderen Essays, die ich behandle, hat Hume ebenfalls kleine Passagen verändert. Da diese allerdings von geringem Umfang sind, gehe ich auf diese nicht ein und lege meinen Beobachtungen die Standardausgabe von T. H. Grose zugrunde.

2. Of parties in general (Über Parteien im allgemeinen)

David Hume schrieb seinen Essay „Of parties in general“ 1741, d. h. noch während der Regierungszeit des Lord-Kanzlers Sir Robert Walpole. Er erschien somit im ersten Band der Ausgabe von 1742. Duncan Forbes beschreibt in seinem Buch „Hume’s philosophical Politics“ kurz und treffend, worum es in diesem Essay geht:

„In good ‘philosophical’ style, Hume begins with a study of ‘Parties in General’, casting his net as widely as possible, and classifying parties into ‘personal’ and ‘real’, and subdividing the latter into parties from interest, principle and affection.“[7]

Um zu dieser Einteilung zu gelangen, führt Hume in das Thema Parteien ein. Er ist der Meinung, dass den Gesetzesgebern und Staatsgründern eine große Ehre gebührt, da sie ein System von Gesetzen und Institutionen überliefern, mit deren Hilfe Frieden, Glück und Freiheit für das Volk gesichert werden. Diese, für die Menschen unerlässlichen Sicherheiten, sowie Tugend und Moral muss eine gute Regierung sichern, um ein glückliches zufriedenes Volk zu vereinen. Hume ist in diesem Punkt uneins mit Lord Bacon, der einen Erfinder vor einen Gesetzgeber stellt. Als Beispiel führt Hume Menschen aus der Antike an:

„I must therefore presume to differ from Lord Bacon in this particular and must regard antiquity as somewhat unjust in its distribution of honors when it made gods of all the inventors of useful arts, such as Ceres, Bacchus, Aesculapius, and dignified legislators such as Romulus and Theseus only with the appellation of demigods and heroes.“ (S. 77)[8]

Hume findet die Antike ungerecht, da sie Erfindern nutzbringender Künste wie Ceres[9], Bacchus, der gr. Gott des Weines, und Aeskulap[10] zu Göttern macht, wohingegen Gesetzgeber wie Romulus, dem Gründer Roms, und Theseus[11] nur zu Halbgöttern und Helden erkoren werden. Nach dieser kurzen Einführung kommt Hume zu seinem eigentlichen Hauptthema, den Parteien im allgemeinen. Wie bereits erwähnt, soll man Gesetzgebern und Staatsgründern Respekt entgegenbringen, doch in gleichem Maße soll man Gründer von Sekten und Faktionen verachten:

„As much as legislators and founders of state ought to be honored and respected among men, as much ought the founders of sects and factions to be detested and hated, because the influence of factions is directly contrary to that of laws.“(S. 77)

Im Gegensatz zu Bolingbroke benutzt Hume in seinem Essay die Begriffe „Partei“ und „Faktion“ synonym, frei von jeglicher Wertung.[12] Wir können nicht davon ausgehen, dass der Ausdruck „faction“ für Hume und seine Zeitgenossen negativ konotiert war, wie er es für uns ist. Faktion, von „facere“ stammend, bedeutet ursprünglich „die Kraft etwas zu tun“. Schon Caesar benutzte diesen Begriff im Sinne von Gesellschaft von Menschen, Truppe, Zunft oder eben Partei.[13] Hume unterscheidet Parteien zwischen „realen“ und „personalen“ Faktionen, benannt nach den Integrationselementen, d. h. „some real difference of sentiment or interest“ oder „of any passion“.[14] Personale Parteien wurzeln mehr in der Neigung des Menschen Parteien zu bilden, sie erwachsen aus zwischenmenschlichen Beziehungen und sind daher eher in kleineren Republiken zu finden. Schon eine interne Auseinandersetzung wird zur Staatsaffäre oder Leidenschaften führen zu öffentlicher Uneinigkeit. Als Beispiel führt Hume die Machtkämpfe der aristokratischen Geschlechter der griechischen, römischen, florentiner und genuesischen Geschichte an. Geringfügige reale Differenzen waren ausschlaggebend für ein Spalten in Parteien. Die realen Differenzen sind jedoch gewichen und personale Aspekte sind für die Nachkommen von Bedeutung. Dieses Beispiel ist nach Plamenatz nicht gut gewählt. Er behauptet, dass aus realen Parteien auch nach dem Erlöschen von Prinzipien und Interessen keine personale Partei wird, sondern sich nur die Prinzipien und Interessen geändert haben. Er stimmt ihm jedoch in so weit zu, als dass Hume zwar nicht diesem geschichtlichen Beispiel gerecht wird, man dieses Phänomen jedoch im modernen Parteiwesen wieder findet.[15] „Man ist geneigt, diese Feststellung auf Länder mit einem Zweiparteiensystem zu beziehen, so zum Beispiel auf die USA, wo der ursprünglich reelle Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern jetzt allein in dem Namen zu bestehen scheint, auf jeden Fall ist er im Grundsätzlichen schwer auszumachen.“[16] Reale Parteien unterscheidet Hume weiter in Interessenparteien, Prinzipienparteien und Affektionsparteien. Im Fortlaufenden beschreibt er zunächst die Parteien aus Interesse etwas genauer und gibt einige Beispiele. Der Ursprung von Interessenparteien liegt in den staatlichen und gesellschaftlichen Standesunterschieden und ist daher am ehesten entschuldbar. Die Argumentation Humes an dieser Stelle ist jedoch nicht sehr klar. Einerseits sieht Hume Interessenparteien nur unter spezifischen konstitutionellen Bedingungen entstehen, andererseits bestehen sie dort, wo es Rang- und Standesunterschiede gibt, d. h. auch in absoluten Monarchien.[17] Anhand eines Beispiels zeigt Hume, dass Interessenparteien nur aus fundamentalen Gegensätzen entstehen:

[...]


[1] Fieser, James: David Hume (1711- 1776) Life and Writings.

[2] Norton, David Fate: The Cambridge Companion to Hume. Cambridge 1992, S. 211.

[3] Fieser, James: a. a. O.

[4] Jentgens, Stefanie: Die literarische Gattung Essay.

[5] Jentgens, Stefanie: a. a. O.

[6] Humboldt Universität Berlin: Essay. Berlin 2003, Kapitel: Die Durchführung von Essays.

[7] Forbes, Duncan: Hume´s philosophical politics. Cambridge 1975, S. 202.

[8] Hendel, Charles W.: David Hume’s political Essays. New York 1953. Zitate des englischen Originaltextes werde ich im Folgenden nur mit Seitenangaben versehen.

[9] Altröm. Gottheit der Feldfrucht, vor allem des Getreides, sie beherrscht als Totengöttin den Eingang in die Unterwelt.

[10] Gr. Arzt

[11] Sohn des Ägeus/ Poseidon und der Äthra. Er ging mit 16 Jahren nach Athen, befreite dabei die Strecke von Unholden und Untieren, besiegt 50 Pallantiden, den Stier von Marathon und erlegte den Minotaurus.

[12] Jäger, Dr. Wolfgang: Politische Parteien und parlamentarische Opposition. Eine Studie zum politischen Denken von Lord Bolingbroke und David Hume. Berlin 1971, S. 205.

[13] Ich werde im Folgenden die Begriffe „Partei“ und „Faktion“ synonym benutzen, wertungsfrei.

[14] Jäger, Dr. Wolfgang: a. a. O., S. 206.

[15] Jäger, Dr. Wolfgang: a. a. O., S. 207.

[16] Linares, Filadelfo: Das politische Denken von David Hume. Hildesheim 1984, S. 78.

[17] Jäger, Dr. Wolfgang: a. a. O., S. 208 f.

Details

Seiten
20
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638201711
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14887
Institution / Hochschule
Universität Trier – FB Philosophie
Note
1,3
Schlagworte
David Hume Eine Untersuchung Essays Great Britain Veranstaltung Texte Philosophie

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Titel: David Hume: Eine Untersuchung seiner politischen Essays: Of parties in general, Of the parties of Great Britain und Of the coalition of parties