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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kants theoretische Philosophie
2.1 Sinnlichkeit
2.2 Verstand
2.3 Die Vernunft im theoretischen Gebrauch

3. Kants praktische Wende
3.1 Die Vernunft im praktischen Gebrauch
3.2 Das höchste Gut
3.3 Der kategorische Imperativ

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kant hat mit seiner Philosophie großen Einfluss auf die nachfolgende Geistesgeschichte ausgeübt. In der „Kritik der reinen Vernunft“ kritisiert er die traditionelle Metaphysik, da diese die Vernunftideen Freiheit des Willens, Unsterblichkeit der Seele und Dasein Gottes für das „Ding an sich“ betrachtet hat, welches zu falschen Folgerungen führte und die Metaphysik in Verruf brachte. Diese Vernunftideen sind aber in der Erfahrung nicht anzutreffen und somit weder beweisbar noch widerlegbar. Damit wendet er sich gegen die Rationalisten, die die Grundlage der Erkenntnis allein auf die Vernunft gegründet wissen wollen. Aber auch dem skeptischen Empirismus erteilt er eine Absage, da dieser alle Erkenntnisse auf die Erfahrung zurückführt oder eine gesicherte Erkenntnis für unmöglich hält. Laut Kant gibt es nämlich auch Erkenntnisse a priori, d.h. Erkenntnisse die vor aller Erfahrung gemacht werden können. Kant fordert so in der theoretischen Philosophie eine Kritik, die die Grenzen der Erkenntnis bestimmt, den sogenannten Kritizismus. In dem praktischen Gebrauch der Vernunft stellen nun aber die Vernunftideen ein Postulat dar. Moral ist nur möglich, wenn es eine Freiheit des Willens gibt, die sich allerdings in der theoretischen Philosophie weder beweisen noch widerlegen lässt.

Bei der praktischen Wende Kants scheint es so zunächst einen Widerspruch zu geben. Während in der Welt alle empirischen Gegenstände nach festen Naturgesetzen ablaufen, ist der Mensch in seinen Handlungen frei, obwohl er auch dieser empirischen Welt angehört. Zum einen kann die Freiheit theoretisch nicht bewiesen werden - entweder es gibt Freiheit oder alles läuft nach Naturgesetzen ab – und zum anderen, muss es Freiheit in praktischer Hinsicht geben, wenn die Moral möglich sein soll. So scheint die Vernunft je nach Gebrauch (im theoretischen Gebrauch lässt sich die Freiheit nicht beweisen, aber im praktischen Gebrauch muss sie postuliert werden) auf verschiedene Ergebnisse zu kommen, obwohl es sich um ein und dieselbe Vernunft handelt. Es gibt nämlich nicht zwei Vernunftvermögen, sondern nur einen theoretischen und einen praktischen Gebrauch der einen Vernunft. Die Frage mit der sich diese Hausarbeit nun auseinandersetzt ist: Wie ist die Einheit der Vernunft (also praktisch und theoretisch) denkbar? Im Verlauf der Arbeit soll sich dann zeigen, dass sowohl die theoretische, als auch die praktische Philosophie Kants untrennbar zusammenhängt. D.h., dass die Ethik ohne dem Fundament der theoretischen Philosophie nicht so überzeugend wirkt und erst im Zusammenhang ein geschlossenes Ganzes ergibt. Oder wie Klaus Konhardt sagt: „Mit der Klärung des Verhältnisses von theoretischer und praktischer Vernunft steht schließlich nichts Geringeres auf dem Spiel als die Einheit des erkennenden und handelnden endlichen Vernunftwesens überhaupt.“[1]

Um sich der Problematik nun zu nähern, soll der Aufbau der „Kritik der reinen Vernunft“ im groben auch bei der Gliederung dieser Hausarbeit beibehalten werden. In dem ersten Hauptteil der Hausarbeit sollen zunächst einige Grundzüge der theoretischen Philosophie Kants herausgearbeitet werden und im zweiten Hauptteil soll dann Kants praktische Wende beschrieben werden. In dem Fazit wird dann auf die in der Einleitung aufgestellte Frage zurückgegangen.

2. Kants theoretische Philosophie

2.1 Sinnlichkeit

Kant unterscheidet zwischen der „Erscheinung“ und dem „Ding an sich“. Doch weshalb macht Kant diese Unterscheidung? Zunächst stellt Kant fest, dass wir keine Erfahrungen unabhängig von der Sinnlichkeit machen können. Dementsprechend sind alle unsere empirischen Erkenntnisse durch die Sinnlichkeit bereits geformt. Die reinen Formen der Sinnlichkeit sind Raum und Zeit. Da nun alle unsere Erfahrungen durch die Sinnlichkeit bereits geformt ist, müssen sie notwendig in Zeit und Raum angeordnet sein. Das „Ding an sich“, dass außerhalb von Raum und Zeit steht, lässt sich so nicht erkennen, sondern wir nehmen es nur als „Erscheinung“ wahr. Hier wird also deutlich, dass es sich bei Raum und Zeit um bloße Formen der Sinnlichkeit handelt, die erstens a priori (vor jeder Erfahrung) und unveränderlich feststehen und dass sich zweitens das „Ding an sich“, das außerhalb von Raum und Zeit steht, nicht direkt erkennen lässt.

Weiterhin ist mit dem Begriff „Erscheinung“ auch keine Scheinwelt gemeint. Denn obwohl die Gegenstände zwar durch die subjektiven Bedingungen der Sinnlichkeit geformt sind, haben sie trotzdem objektive Realität, da sie gewissermaßen durch die Sinnlichkeit, gemäß den Formen Raum und Zeit, ja erst so entstehen, wie wir sie wahrnehmen:[2] „Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“[3]

2.2 Verstand

Aus dem obigen Zitat Kants wird deutlich, dass mit der Sinnlichkeit allein noch keine Erkenntnis entstehen kann. Erst wenn die Formen der Sinnlichkeit und die Kategorien des Verstandes in einer bestimmten Weise in Verbindung treten, dann entsteht Erkenntnis. Kant nennt zwölf solcher Kategorien des Verstandes, zu denen unter anderem auch die Kategorie der Kausalität gehört. Man kann also sagen, dass der Inhalt oder die Materie der Sinnlichkeit nach den logischen Formen des Verstandes geordnet wird. Hieraus entstehen drei Arten von Urteilen: analytische Sätze, synthetische Sätze a posteriori und synthetische Sätze a priori.[4]

1. Analytische Sätze sind immer a priori wahr. Mit analytisch ist gemeint, dass ein Satz mittels einer Analyse des Begriffs auf dessen Wahrheitsgehalt hin überprüft werden kann. „Ein Junggeselle ist ein unverheirateter Mann“ wäre solch ein analytisch wahrer Satz. Denn der Begriff „Junggeselle“ wird schon mit „unverheiratet sein“ definiert. Es würde dementsprechend auch zu einem Widerspruch führen, den Begriff Junggeselle das Prädikat „verheiratet“ anzuhängen.
2. Während wir mit analytischen Sätzen nur die Begriffe zergliedern und so zu keinen neuen Erkenntnissen kommen, erweitern synthetische Sätze unsere Erkenntnis. Ein synthetischer Satz a posteriori erweitert unsere Erkenntnis mithilfe der Erfahrung. Um den Satz: „Alle Körper sind schwer“ auf die Wahrheit hin zu überprüfen, müssen wir unsere Erfahrung hinzunehmen, denn allein aus dem Begriff Körper wird nicht ersichtlich, warum dieser auch schwer sein soll.
3. Der folgende Satz ist ein Beispiel für ein synthetisches Urteil a priori: „Die Sonne erwärmt den Stein.“ Auch wenn dieser Satz zunächst den Anschein hat ein synthetisches Urteil a posteriori zu sein, handelt es sich dennoch um ein synthetisches Urteil a priori. Denn nur mittels der Kategorie der Kausalität lässt sich die Verknüpfung der Sonne mit dem Erwärmen des Steins begreifen. Die Sonne ist hier die Ursache und die Erwärmung des Steins die Wirkung.

An den Urteilen a priori wird deutlich, wie sowohl die reinen Formen der Sinnlichkeit als auch die Verstandeskategorien die Erkenntnis erst ermöglichen bzw. den Erkenntnissen vorhergehen. Wenn die empirischen Wissenschaften sich nicht auf das „Ding an sich“, sondern auf das „Ding als Erscheinung“ beziehen, hat das für die Erkenntnistheorie weitreichende Folgen. Denn die Naturgesetze lassen sich so nicht auf die Gegenstände zurückführen, sondern der Mensch tritt hier selber als Gesetzgeber der Natur in Erscheinung. Diese Naturgesetze hat der Mensch aufgrund seiner Sinnlichkeit und seinem Verstand sozusagen schon eingebaut, bevor er überhaupt erst Erfahrung macht. Oder mit anderen Worten: Hätte der Mensch nicht schon reine Formen der Sinnlichkeit und Verstandeskategorien, die der Erfahrung vorhergehen, hätte er auch überhaupt nicht die Möglichkeit auf Erfahrung, da alles für den Menschen ohne Zusammenhang und Ordnung wäre.

2.3 Die Vernunft im theoretischen Gebrauch

Während Sinnlichkeit und Verstand auf empirische Daten angewiesen sind, hat die Vernunft keine Möglichkeit ihre Urteile auf Erfahrungen zu stützen. Die Vernunft ist bestrebt die Erkenntnisse in einer Einheit als Ganzes zu fassen. Sie verlangt daher alle nur mögliche Erkenntnis zu erfassen, welches für sie eine unauflösbare Aufgabe darstellt. Da sie diese Einheit oder das Unbedingte nicht erreichen kann, entwirft sie die Vernunftideen, die eine Einheit zumindest denkbar erscheinen lassen. Diese Vernunftideen müssen also zwangsläufig den Bereich der möglichen Erfahrung überschreiten und Kant nennt sie deshalb auch „transzendentale Ideen“. Die Vernunftideen lassen sich nun in drei Klassen unterteilen: 1. die Seele (Einheit des denkenden Subjekts), welche von der Psychologie untersucht wird, 2. die Welt (Einheit der Reihe der Bedingungen), welche Gegenstand der Kosmologie ist und 3. Gott (Einheit der Bedingungen aller Gegenstände des Denkens), welcher zur Theologie gehört.[5]

[...]


[1] Konhardt, Klaus: „Die Einheit der Vernunft“, S. 6

[2] Vgl. Klemme, Heiner F.: „Immanuel Kant“, S. 26-32

[3] Kant, Immanuel: „Kritik der reinen Vernunft“, S. B 74

[4] Vgl. Klemme, Heiner F.: „Immanuel Kant“, S. 22

[5] Kant, Immanuel: „Kritik der reinen Vernunft“, S. B 391

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640594146
ISBN (Buch)
9783640593781
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148775
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Schlagworte
Immanuel Kant Kant höchstes Gut Ethik praktische Wende kategorischer Imperativ Vernunft Verstand Kritizismus

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Titel: Kants praktische Wende