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Franz Xaver Messerschmidt - Bildnisse von Zeitgenossen

Der Wandel in seinem Schaffen: Vom Repräsentationsbildnis zur neuen eigenständigen Serie Messerschmidts, anhand von Messerschmidts Büsten seines Zeitgenossen Gerard van Swieten

Hausarbeit 2010 27 Seiten

Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben und Werk des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt (1736-1786)

3. Der Wandel in Messerschmidts Werken
3.1 Vergleich zwischen höfischem Repräsentationsbildnis und der neuen Serie anhand Messerschmidts Büsten seines Zeitgenossen Gerard van Swieten
3.2 Büste des Gerard van Swieten, Blei-Zinn Legierung (1769)
3.3 Büste des Gerard van Swieten, Mamor (1770-1772)
3.4 Gegenüberstellung der zwei Büsten

4. Schlussbemerkung

5. Abbildungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Franz Xaver Messerschmidt gehört zu den bemerkenswertesten Bildhauern des 18. Jahrhunderts. Am bekanntesten ist seine Serie, die der Charakterköpfe, wobei der Wiener Bildhauer auch zahlreiche bemerkenswerte Porträtbüsten anfertigte. In der vorliegenden Arbeit wird zunächst zum besseren Verständnis geklärt, was überhaupt ein Porträt beziehungsweise ein Bildnis ist. Anschließend gibt es einen kurzen Einblick in Messerschmidts Leben und Werke - insbesondere auf die Bildnisse seiner Zeitgenossen. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den Büsten des Gerard van Swieten, die Franz Xaver Messerschmidt im Zeitraum von 1769-1772 herstellte - da eine ausführliche Beschreibung seiner kompletten Büsten den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Die beiden Büsten sollen den Umbruch in seiner Schaffensperiode zeigen, von den barocken Repräsentationsbildnis zu den Büsten mit klassizistischen Zügen.

Laut Ursula Merkel ist ein Porträt die Wiedergabe eines bestimmten Menschen im Bereich der Bildhauerei, der Zeichnung oder auch in der Malerei. Der Begriff Porträt kommt von dem lateinische protrahere, ans Licht bringen und wird eigentlich mit Bildnis übersetzt. Das Ziel ist es also, das Wesen des Menschen ans Licht zu bringen.1 Es gibt zahlreiche Arbeiten die sich allein mit dem Begriff Porträt auseinandersetzen. Gundolf Winter gliedert zum Beispiel den Begriff Porträt in Bild, Abbild und Bildnis. Das Bild ist die allgemeinste Form zur Darstellung eines Menschen. Ein Abbild ist die exakte Wiedergabe eines Porträtierten, wobei an dieser Stelle kein Raum für gewisse Eigendeutungen gegeben ist. Das Bildnis befindet sich in der Mitte zwischen Bild und Abbild und konzentriert sich stärker auf die Wiedergabe der persönlichen Merkmale des Menschen. Das Porträt ist ein Bildnis von einem bestimmten Menschen, allerdings wird dabei nicht nur großen Wert auf die Äußerlichkeiten gelegt, sondern vielmehr auf die Darstellung des Kopfes, als Ausdruck der individuellen Persönlichkeit und Erscheinung; und damit verbunden zur Repräsentation der Person.2 Eine Plastik bildet nicht nur jemanden ab, sondern verkörpert die darzustellende Person. Es besteht eine fassbare Form im Raum, welche der Betrachter von allen Seiten ansehen kann, wobei sie wiederum an die Lichtverhältnisse und an die Beschaffenheit des Materials gebunden ist. Franz Xaver Messerschmidt fertigte hauptsächlich von seinen Zeitgenossen Büste an. Bei dieser Art des Porträts wird der Kopf und der Hals, die Schulter und eventuell ein mehr oder weniger großer Teil des Oberkörpers wiedergegeben, die mit einem Büstenabschnitt abschließt.

2. Leben und Werk des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt (1736-1786)

Franz Xaver Messerschmidt wurde 1736 in Wiesensteig geboren und kam ursprünglich aus einer bekannten Bildhauerfamilie. 1746 ging die Familie, nachdem der Vater gestorben war, nach München. Messerschmidt begann dort, bei seinem Onkel Johann Baptist Straub, eine sechsjährige Ausbildung zum Bildhauer und war anschließend zwei Jahre als Bildhauerlehrling, bei seinem anderen Onkel Philipp Jakob Straub, in Graz beschäftigt. Als 19 jähriger junger Mann kam Franz Xaver Messerschmidt nach Wien, an die Akademie der bildenden Künste, wo er unter anderen von Jakob Christian Schletterer und Matthäus Donner unterrichtet wurde.3 Ab 1760 entstanden auch die ersten Werke des Messerschmidts. In diesem Jahr wurde 4 (Abb.01) und als Gegenstück dazu, die Büste des Kaiser Franz I. von Lothringen (Abb.02) geschaffen. Zwei Jahre später wurden die Reliefporträts des Joseph II. als Erzherzog (Abb.03) und seiner Frau Maria Isabella von Parma (Abb.04) in Auftrag gegeben. Der Direktor der kaiserlichen Bildhauer- und Malerakademie, Martin van Meytens, verschaffte ihm am kaiserlichen Zeughaus in Wien, die Stelle des Stuckverschneider, somit wurde Martin van Meytens einer seiner Förderer und Wohltäter. Im Jahre 1765 unternimmt Messerschmidt eine Studienreise nach Rom, wobei er noch im selben Jahr zurückreiste.5

In Rom knüpfte er unter anderen Kontakt mit Jean Antoine Houdon, der ihm die aktuelle internationale Kunstszene, auch die Entwicklung des Klassizismus, näher brachte.6 So aber meinte Pötzl-Malikova, dass Ausbildung eines Künstlers war in jener Zeit in Wien noch bei weitem nicht so selbstverständlich wie schon ein paar Jahre später, nach dem vollen Einsetzen des7

Zurück in Wien, gab es noch immer zahlreiche Aufträge für Messerschmidt. Die Auftragslage war noch immer in Ordnung und seine Auftraggeber beziehungsweise Gönner waren unter anderen Martin van Meytens, Gerard van Swieten, Franz Anton Mesmer, Franz Christoph von Scheyb, Joseph Wenzel Fürst von Liechtenstein, Maria Theresia Felicitas Herzogin von Savoyen-Carignan und Marie Christine und Albert von Sachsen-Teschen.

Er vollendete im Jahre 1766 seine bereits 1764 begonnene Statue der Maria Theresia als Königin von Ungarn (Abb.05) und fertigte zugleich eine weitere überlebensgroße Statue, die des Kaiser Franz I. (Abb.06) an. 1767 entsteht eine weitere Büste von Joseph II. (Abb.07), dem Sohn Maria Theresias und Franz Stephan von Lothringen.8 Die Krönung seines offiziellen künstlerischen Werdegangs war am 10.10.1769, die Ernennung zum Substitusprofessor an der Akademie der bildenden Künste. Aus diesem Grund fertigt er eine Porträtbüste des Kunstschriftstellers Franz von Scheyb (Abb.12), als Aufnahmestück, an. Franz Xaver Messerschmidt wurde überdies auch sehr von Maria Theresia geschätzt und war bereits Hofbildhauer zu ihrem Hofbildhauer genannt wurden. Die bisherigen als auch die im Jahre 1769 entstandene Blei-Zinn Büste des Gerard van Swieten (Abb.08), sind noch immer im Sinne des höfischen Repräsentationsbildnisses dargestellt. 1770 machte sich eine psychische Erkrankung bei Messerschmidt sichtbar. Es machte sich ebenso auch ein Umbruch in seinen Werken bemerkbar, von den Repräsentationsbildnissen zu den Büsten, ganz anderer Natur, die Merkmale des Klassizismus aufwiesen. Zu diesen zählen die Porträtbüste des Franz Christoph von Scheyb (Abb.12), Franz Anton Messmer (Abb.13), Gerard van Sweiten (Abb.09) und die erst viel später entstandenen Porträtbüsten des Albert Sachsen-Teschen (Abb.14) und Martin Georg Kovachich (Abb.15). In dieser Zeit beginnt Messerschmidt auch mit seinem eigentlichen Hauptwerk, die Serie der Charakterköpfe. Aufgrund seiner Erkrankung wurde er 1774 von seiner Stelle an der Akademie pensioniert. Aus diesem Grund ließ Franz Xaver Messerschmidt Wien hinter sich, verkaufte seinen dortigen Besitz, ging über München zurück nach Wiesensteig, und zieht sich letztendlich zurück, zu seinem Bruder nach Pressburg, wo er 1786 starb.9

3. Der Wandel in Messerschmidts Werken

Aber auch Franz Xaver Messerschmidt wendete sich, wie auch andere Künstler, mehr oder weniger, langsam vom spätbarocken Porträttypus ab. Dieser Umbruch machte sich in seinem Schaffen bemerkbar, wobei in der Übergangszeit von 1767 bis 1769 noch Bildnisse im Stil des Rokokos entstanden, wie die Büste seines Zeitgenossen des Gerard van Swieten (Abb.08). Ausschlaggebend für die Neuorientierung seines Schaffens war die Umbruchstimmung an der Akademie der bildenden Künste in Wien ± klassizistische Züge wurden immer mehr angestrebt. Mit diesem Wandel änderten sich auch die Auftraggeber, früher waren es hauptsächlich einflussreiche Menschen des Wiener Hochadels, wobei es während der Zeit des Umbruchs überwiegend mehr Personen aus der aufgeklärten, bürgerlichen Schicht wurden. Inmitten der Wiener Bildhauer, beschäftigte sich Franz Xaver Messerschmidt als erster mit dem Klassizismus. In den Werk Messerschmidt vollzieht sich ein Wandel von den höfischen Repräsentationsbildnissen zu einer eigenständigen Reihe der Porträtkunst. Zu dieser Reihe zählen hauptsächlich die Büste des Franz von Scheyb (1769) (Abb.12), die Büste von Franz Anton Mesmer (1770) (Abb.13), die Büste des Dichters Christoph Edler von Kessler (1770 ± 1771) und die Büste des Gerard van Swieten (1770 ± 1772) (Abb.09).10

3.1 Vergleich zwischen höfischem Repräsentationsbildnis und der neuen Serie anhand Messerschmidts Büsten seines Zeitgenossen Gerard van Swieten

Messerschmidt fertigte von Gerard van Swieten in relativ kurzer Zeit zwei Büsten an, unterschiedlicher sie hätten nicht sein können. Vorerst ist allerdings zu klären, wer dieser Mann überhaupt war, in welchem Verhältnis er zum Wiener Hof stand - um daran festzumachen, was es genau mit den Büsten auf sich hat, an denen man ein Vergleich zwischen höfischem Repräsentationsbildnis und der neuen Serie Messerschmidts ziehen lassen lässt.

Gerard van Swieten wurde im Jahre 1700, in Leiden, einer Stadt in den Niederlanden geboren und starb 1772 in Wien. Von Maria Theresia wurde er am 7. Juni 1745 nach Wien bestellt, um dort als ihr Leibarzt zu arbeiten; und genoss seitdem die Anstellung am königlichen Hofe unter der Obhut Maria Theresias.11 Ferner übte er zahlreiche weitere Tätigkeiten in seiner Laufbahn aus, wie die des Direktors der Hofbibliothek und Präsident der Zensur- und Studienhofkommission der obersten Unterrichtsbehörde, wodurch er die Universität umgestalten und erneuern konnte; zudem war er Gelehrter an der medizinischen Fakultät. Gerard van Swieten förderte besonders die Medizin und gilt als Gründer der Ersten Medizinischen Schule in Wien.12 Für Messerschmidt war van Swieten Förderer seit seiner Zeit am Wiener Hof.

3.2 Büste des Gerard van Swieten, Blei-Zinn Legierung (1769)

Kaiserin Maria Theresia gab 1769 bei Messerschmidt in Auftrag, eine vergoldete Büste ihres Leibarztes anzufertigen; der sie zuvor von einer durchaus gefährlichen Erkrankung geheilt hatte. Gerard van Swieten erhielt als Dank nicht nur 3000 Dukaten, sondern auch Anerkennung und ein erhöhtes Ansehen am königlichen Hof. Die Büste erreicht eine Höhe von 66cm und besteht aus einer vergoldeten Blei-Zinn- Legierung. Am linken Armansatz ist die Bezeichnung FR. MESSERSCHMIT zu erkennen. Das Bildnis wurde zu Ehren des Verdienstes des van Swieten, nach der Fertigstellung, im Hörsaal des medizinischen Kollegs der Universität Wien aufgestellt, wobei sich der Aufstellort noch mehrmals änderte, bis zur Errichtung des Barockmuseums im Jahre 1922, wo sie seitdem im Unteren Belvedere anzutreffen ist.13

Bei diesem Werk Messerschmidts handelt es sich um die letze barocke Büste (Abb.08).14 Das Bildnis des Gerard van Swieten mit großem Büstenabschnitt wirkt sehr mächtig, pompös beziehungsweise ausladend. Der dargestellte Körper geht in den eigentlichen Sockel über, sodass keine eindeutige Linie des Übergangs zu erkennen ist. Im Gegensatz zum Leib ist der Kopf sehr massig geformt. Die Allongeperücke unterstreicht die Fülle dabei umso mehr.15

In langen Locken fällt die Perücke auf den Rücken und der linken Schulter hinunter. Der Kopf ist nach links gerichtet und leicht angehoben. Es entsteht ein in die Weite schweifender Blick aus jedoch pupillenlosen Augen. Der Ausdruck des Gesichtes ist sehr ernst und wirkt tiefsinnig. Gerard van Swieten ist mit einem Gewand bedeckt, worüber er einen Umhang mit Pelzanteil trägt. Die Kleidung besitzt eine sehr knitternde, faltenwerfende Oberfläche.16 Am Band befand sich ursprünglich der Franz Stephans-Orden, wobei das Ordenskreuz abgebrochen ist. Die Brust ist leicht herausgestreckt, sodass der Dargestellte im Ganzen eine herrscherliche Pose einnimmt.17

3.3 Büste des Gerard van Swieten, Mamor (1770-1772)

Diese Büste von Messerschmidt besteht aus Marmor und erreicht eine Höhe von 40cm. Am Sockel links befindet sich die Bezeichnung F. MESSERSCHMIDT, außerdem trägt der würfelartige Sockel die Inschrift GERARDUS L. B. VAN SWIETEN (Abb.09). Das im Jahre 1770-1772 entstandene zweite Bildnis des Gerard van Swieten wurde für die Österreichische Nationalbibliothek angefertigt und kam 1936 an das Kunsthistorische Museum.

Der antikisch knapp gestaltete Büstenabschnitt ist extrem vereinfacht und steht auf einem quadratischen Block mit Inschrift ± demgemäß soll sich auf die wesenhafte Person, die des Leibarztes, konzentriert werden und spiegelt dessen wahres Dasein, in seiner ganzen Korpulenz, wieder. Die Büste schließt nach unten hin halbrund ab und trägt auf dem gedrungenen Hals den Kopf.18

Das Gesicht ist eher abgeflacht und der runde Kopf ist frontal nach vorn gerichtet (Abb.10), sodass die weit geöffneten Augen des van Swieten den Betrachter direkt und auf eine bestimmte Art und Weise fragend ansehen. Über der Nasenwurzel bilden sich die Augenbrauen zu dichten Geschwülsten heraus. Die nur sehr leicht gewölbten Augäpfel werden durch die massigen Lider umgeben.19

[...]


1 Vgl. Merkel, S.26.

2 Vgl. Winter, S.8.

3 Vgl. Ulrich Pfarr, S.431-432.

4 Krapf, S.19.

5 Vgl. Pötzl-Malikova 2003, S.262-263.

6 Vgl. Krapf , S.22.

7 Pötzl-Malikova, 1982, S. 30.

8 Vgl. Ulrich Pfarr, S.432-433.

9 Ebd. S.433-434.

10 Vgl. Pötzl-Malikova 1987, S.262.

11 Vgl. Walter Koschatzky 1980, S. 467.

12 Vgl. Walter Koschatzky, S.304.

13 Vgl. Krapf, S.158.

14 Ebd. S.24.

15 Ebd. S.158.

16 Vgl. Maraike Bückling 1999, S.72.

17 Vgl. Krapf, S.158.

18 Vgl. Krapf, S.168.

19 Vgl. Maraike Bückling 2006, S.59.

Details

Seiten
27
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640599509
ISBN (Buch)
9783640599981
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148765
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
Schlagworte
Franz Xaver Messerschmidt

Autor

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