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Interkulturelle Kompetenz: Der Umgang mit chinesischen Geschäftspartnern

Am Beispiel des Unternehmenskulturmodells von Schein

Seminararbeit 2009 27 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Kulturebenen-Modell

3 Dritte Ebene: Grundannahmen
3.4 Zen-Buddhismus:
3.1 Ying und Yang
3.2 Konfuzianismus
3.3 Daoismus

4 Zweite Ebene: Das Gefühl, wie die Dinge sein sollen
4.1 Höflichkeit und Freundlichkeit und die Wahrung des Gesichtes
4.2 Harmonie und Kritik
4.3 Kontakte und Beziehungen und Guanxi
4.4 Zeitverständnis
4.5 Werte und Einstellung zum Unternehmen
4.6 Geld und Gehalt

5 Erste Ebene: Sichtbare Verhaltensweisen, Artefakte und Leitbild
5.1 Hierarchie
5.1 Darstellung des Unternehmens
5.2 Fleiß und Arbeitszeiten
5.3 Vorstellung und Umgang mit Besuchern
5.4 Dresscode
5.5 Sprache und Kommunikation im Unternehmen
5.6 Verhandlungen und Verträge
5.7 Arbeitsweisen und Problemlösungen
5.8 Geschäftsessen, Einladungen und Geschenke
5.9 Chinesische Feiertage:

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Drei-Ebenen Modell nach Schein

Abbildung 2: Künste nach Konfuzius

Abbildung 3: Tugenden nach Konfuzius

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Chinesische Feiertage

1 Einleitung

China (chinesisch: Zhonguo), das Reich der Mitte, wandelt sich immer stärker zu einem internationalen Global Player mit einem großem Einfluss auf die Weltwirtschaft.[1] Der Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) Ende 2001 stellte ein klares Zeichen für die Eingliederung in die globale Wirtschaft.[2] Die kommunistische Partei spricht sogar davon mit einem jungen Führungsduo bestehend aus Staatspräsident Hi Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao, China bis 2020 zur größten Wirtschaftsmacht zu entwickeln.[3]

Der rasante Wandel von einem Entwicklungsland hin zu einer Weltwirtschaft innerhalb von nur 30 Jahren lässt erahnen mit welcher Kraft und Ernsthaftigkeit 1,3 Milliarden Chinesen das Ziel von einem besseren Lebensstandard verfolgten.[4]

So eine wachsende Wirtschaft lässt aber auch viele neue geschäftliche Beziehungen entstehen. Die günstigen Bedingungen im Lohnkostenbereich locken viele Unternehmer an in China eine zweite Produktionsstätte zu errichten. Das Land wird deshalb oft als ‚verlängerte Werkbank der westlichen Welt‘ bezeichnet.[5]

Allerdings sind die Kulturunterschiede zwischen den westlichen Ländern und China sehr groß. Ein Zeichen dafür sind ständig neue Ratgeber, die den Umgang mit chinesischen Geschäftspartnern erläutern. In diesen finden sich zahlreiche Checklisten, Aufzählungen und Verhaltensrichtlinien wieder. Es ist zu sagen, dass solche How-to-do Bücher aber nur bedingt fähig sind den richtigen Umgang mit chinesischen Geschäftspartnern zu vermitteln. Sie vermitteln nicht die Kultur, Denkweise und Mentalität, der für uns so fremden Kultur. Man stellt sich zu Recht die Frage worin die Verhaltensweisen der anderen Geschäftskultur eigentlich begründet sind.

Diese Hausarbeit befasst sich mit den Grundlagen der chinesischen Kultur. Sie werden mit Hilfe des Kultur-Konzeptes nach Edgar Schein entwickelt und dargestellt. Darüber hinaus sollen Verhaltensweisen, Werte und Grundannahmen erklärt werden, welche zu einem erfolgreichen Umgang mit chinesischen Geschäftskunden führen. Ziel ist es, ein Verständnis für die andere Kultur zu entwickeln sowie Missverständnisse und Probleme zwischen westlichen und fernöstlichen Geschäftspartnern zu mindern.

2 Das Kulturebenen-Modell

Das Kulturebenen-Modell des US-amerikanischen Organisationspsychologen Edgar Schein ist ein Modell zur Beschreibung der Organisationskultur. Schein unterscheidet in diesem Modell drei Ebenen der Unternehmenskultur, die er nach ihrer äußerlichen Sichtbarkeit und ihren Beziehungen zueinander einordnet.[6] Um die chinesischen Umgangsformen im Geschäftsleben zu strukturieren wurde dieses Modell gewählt, da es die Kultur als ein komplexes Phänomen darstellt und alle Ebenen miteinbezieht.[7] Es dient dem tieferen Verständnis von Verhaltensweisen, Mentalität, Werten und Grundannahmen.[8] Wer das chinesische Muster der Unternehmenskultur kennt, dem wird aufgrund bekannter Strukturen der Umgang mit chinesischen Geschäftspartnern leichter fallen. Alle Beschreibungen der chinesischen Kultur erfolgen anhand der Han-Nationalität, die die Mehrheit der Bevölkerung Chinas darstellt.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Drei-Ebenen Modell nach Schein[10]

Die Herangehensweise anhand des Modells gliedert sich folgendermaßen: Beginnend mit der dritten, der tiefsten Ebene, werden zunächst die Grundannahmen der chinesischen Kultur erläutert. Diese sind oft so tief im Denken verwurzelt, dass sie von Mitgliedern des Unternehmens nicht bewusst wahrgenommen werden und äußerlich nicht sichtbar sind. Hierzu zählen Einstellungen zu Zeit, Wahrheit oder Art und Weise, wie man auf die Umwelt reagiert. Die Grundannahmen haben den größten Einfluss auf die nachfolgenden Ebenen.[11]

In der zweiten Ebene wird das Gefühl der Chinesen für die Unternehmenskultur erläutert. Genannt werden gemeinsame Werte und Normen, die in der ersten Ebene verankert sind. Sie sind nach Außen hin nicht immer sichtbar.[12] Hierzu zählen auch die Einstellungen, die das Verhalten von Mitarbeitern bestimmen. Beispiele finden sich in den kollektiven Werten wie Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Gesten.

In der ersten Ebene werden Verhaltensweisen und andere physische Manifestationen der Artefakte der Chinesen beschrieben. Diese Ebene ist vollständig sichtbar, ihre Bedeutung hingegen aber für fremde Kulturen schwer zu entschlüsseln.[13] Als Beispiele sind Kommunikationsverhalten, Dresscode, Außendarstellung aber auch Einladungen zu Geschäftsessen und Feiertage zu nennen.[14]

3 Dritte Ebene: Grundannahmen

Philosophie und Religion beeinflussen das chinesische Geschäftsleben sehr stark. Viele Verhaltensweisen und Werte haben sich dem starken Wandel Chinas und der Verwestlichung widersetzt. Dies liegt daran, dass sie auf tiefverwurzelte Grundlagen der chinesischen Kultur, des Buddhismus, aus Yin und Yang, Konfuzianismus und des Daoismus zurückführen.[15] Deshalb sollen die Grundannahmen im Folgenden kurz vorgestellt werden.

3.4 Zen-Buddhismus

Der Zen-Buddhismus, entstanden 500 Jahre vor Christus in Nordostindien, ist eine Lehre die auf Siddharta Dautama zurückgeht. Im Mittelpunkt steht Gutes zu tun, Böses zu vermeiden und das Herz zu reinigen.[16] Hierfür sind Erkenntnis, Entschluss, Handeln, Lebenserwerb, Anstrengung, Achtsamkeit und Mediation von Bedeutung.[17] Die Höflichkeit wird als Selbstüberwindungs- instrument dargestellt, mit dem jeder in einer Begegnung sein eigenes Gesicht bewahren kann.[18] Diese Handelsweisen des Zen-Buddhismus sind in den Hierarchien und der Harmonie der Beziehungen stark wiederzufinden.

3.1 Ying und Yang

Im Ying und Yang ist die Harmoniebedürftigkeit der Chinesen begründet. Die Gegensätze Yin, Schattenseite und Yang, Lichtseite, sollen darstellen, dass in jedem Schlechten auch etwas Gutes steckt. Widersprüche müssen nicht unmittelbar im Konflikt miteinander stehen. Yang wird oft mit dem Männlichen, Schöpferischen, Aktiven, Hellen und Heißen verbunden. Ying ist das Weibliche, Dunkle, Feuchte, Passive, Empfangende und Verhüllende. Der gesamte Kosmos lässt sich in Ying und Yang einordnen und nur das perfekte Zusammenspiel überwindet Gegensätze.[19]

3.2 Konfuzianismus

Der Konfuzianismus basiert auf den Lehren des Konfuzius (551-479 v. Chr.) und bildet den Ursprung des chinesischen Denkens.[20] Konfuzius lehrte jungen Männern sechs Künste und fünf Tugenden, die auch heute noch als Vorbild für Charakter und rechtes Verhalten angesehen werden.[21] Die Erziehung spielt hierbei eine Schlüsselrolle, daher wird ihr eine große Macht zugeschrieben.[22] Wichtig sind „die Verpflichtungen des Menschen gegenüber anderen in Abhängigkeit von den Beziehungen der Menschen untereinander“ (Holtbrügge & Puck, 2008). Die kleinste Einheit bildet die Familie. Die Harmonie im kleinen Ring der Familie ist die Voraussetzung für Harmonie im großen Ring, wie dem Unternehmen, der Stadt oder dem Staat.[23] Der Harmoniegedanke setzte sich auch in anderen Kulturebenen durch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Künste nach Konfuzius[24]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Tugenden nach Konfuzius[25]

3.3 Daoismus

Der Daoismus begründet die Verbindung mit der Natur. Er ist zurückzuführen auf die Lehren des Laoti (Laotse).[26] Im Zentrum des Lebens steht die natürliche Lebenskraft ‚Qi‘, welche aus dem Gleichgewicht zwischen Yin und Yang entsteht. Der Mensch soll im Einklang mit der Natur leben, damit das Qi strömen kann. Gemäß des Daoismus ist es besser, durch natürliche Kräfte und selbstablaufende Vorgänge Ziele zu erreichen, als durch große Kraftanstrengungen. Das Prinzip des Handelns ohne Kraftaufwand wird ‚Wu-Wie‘ genannt, was übersetzt ‚Nicht-Handeln‘ bedeutet.[27] Auf dieser Basis finden sich auch Körper- und Geistesübungen wie Qigong und Tai- Chi wieder.[28]

[...]


1 Vgl. Shenkar (2007), S. 55.

2 Vgl. Nippa (2004), S. 3., Vgl. Kuhn, D., Ning, A.; Hongxia, S. (2001), S. 69.

3 Vgl. Reisach; Tauber; Yuan (2007), S. 19.

4 Vgl. Holtbrügge; Puck (2008), S. 20., Hirn, W. (2006), S. 30f.

5 Vgl. Shenkar (2007), S. 14; 35f., Vgl. Nippa (2004), S. 6ff., Vgl. Hirn (2006), S. 68.

6 Vgl. Schmidt, M. (2005), S. 3.

7 Vgl. Schmidt, M. (2005), S. 4f.

8 Vgl. Steinmann; Schreyögg (1997), S. 624ff.

9 Vgl. Zinzius (2007), S. 14.

10 Vgl. Schmidt, M. (2005), S. 4ff.

11 Vgl. Schmidt (2005), S. 4f.

12 Vgl. Schmidt(2005), S. 4.

13 Vgl. Schmidt (2005), S. 4f.

14 Vgl. Steinmann; Schreyögg (1997), S. 641f.

15 Vgl. Holtbrügge; Puck (2008), S. 29f.

16 Vgl. Reiter (2002), S. 147ff., Oppel (2006), S. 92.

17 Vgl. Hauser; Häring (2005), S. 63ff.

18 Vgl. Reiter (2002), S. 149ff.

19 Vgl. Oppel (2006), S. 82f.

20 Vgl. Oppel (2006), S. 91.

21 Vgl. Oppel (2006), S. 91 ff.

22 Vgl. Nippa (2004), S. 91. 23 Vgl. Oppel (2006), S. 84.

24 Vgl. Oppel (2006), S. 91

25 Vgl. Oppel (2006), S. 91

26 Vgl. Becker; Straub, N. (2007), S.91.

27 Vgl. Becker; Straub, N. (2007), S.91f.

28 Vgl. Hauser; Häring (2005), S. 96.

Details

Seiten
27
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640594139
ISBN (Buch)
9783640593811
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148764
Institution / Hochschule
Business and Information Technology School - Die Unternehmer Hochschule Iserlohn
Note
1,4
Schlagworte
Interkulturelle Kompetenz Umgang Geschäftspartnern Beispiel Unternehmenskulturmodells Schein

Autor

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Titel: Interkulturelle Kompetenz: Der Umgang mit chinesischen Geschäftspartnern