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Deutsch-amerikanische Interessenzusammenführung im NATO-Doppelbeschluss

Hausarbeit 2008 10 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Deutsch-amerikanische Interessendivergenzen
1.1 US-amerikanische Interessenlage
1.2 Deutsche Interessenlage
1.3 Interessendivergenzen

2. Der NATO-Doppelbeschluss
2.1 Vorstellung der Quelle
2.2 Auswertung der Interessendurchsetzung

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit der Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die NATO im Jahr 1955 sind die deutsch-amerikanischen Beziehungen von besonderer Bedeutung für die Stabilität des nordatlantischen Bündnisses. Durch die Angreifbarkeit aufgrund ihrer geographischen Lage und des Verzichts auf Atomwaffen, war die BRD im hohen Maße auf den Schutz durch fremde Streitkräfte angewiesen, was, gemeinsam mit den starken Interessendivergenzen zwischen der BRD und den USA diese Beziehungen so bedeutsam machte.[1] Ihre Bedeutung war sogar von so großer Tragweite, dass eine Krise der deutsch-amerikanischen Beziehungen zwangsbedingt eine Krise der NATO verursacht hätte.[2] Eine der Phasen, in denen die Interessendivergenzen innerhalb dieser Beziehungen besonders zum Vorschein kamen, war gegen Ende der 70er Jahre, als die konkrete Bedrohung der BRD durch neue Atomwaffen der UdSSR wuchs, sich die USA aber gleichzeitig von ebenso konkreten Schutz-Eingeständnissen zu distanzieren schienen.[3] Der NATO-Doppelbeschluss über die bedingte Stationierung von Mittelstreckenwaffen aus dem Jahr 1979 war das Ergebnis gemeinsamer Bemühungen für eine allianzinterne Lösung der Interessenkonflikte der Bündnispartner.[4]

Diese Arbeit analysiert, in wie weit durch den NATO-Doppelbeschluss sowohl deutsche als auch US-amerikanische Interessen befriedigt werden konnten. Zu diesem Zeck werden zunächst die sicherheitspolitischen Interessenlagen beider Parteien beleuchtet, woraufhin der Doppelbeschluss vorgestellt und in Bezug auf die Durchsetzung deutscher und US-amerikanischer Interessen untersucht wird, sodass die Ergebnisse im Schlussteil ausgewertet werden können.

1. Deutsch-amerikanische Interessendivergenzen

Die Problematik zwischen deutschen und US-amerikanischen Interessen in den späten 1970er Jahren ergibt sich vor allem aus den vollkommen verschiedenen sicherheitspolitischen Anforderungen beider Staaten und den Schlüsselpositionen, die beide in der NATO einnahmen.[5] Welche sicherheitspolitischen Interessenlagen sich herausbildeten, wird im Folgenden geklärt.

1.1 US-amerikanische Interessenlage

Seit Beendigung des zweiten Weltkrieges und des Isolationismus der USA lag das außenpolitische Hauptinteresse der Vereinigten Staaten auf der Eindämmung sowjetischer und kommunistischer Expansionsbestrebungen und der Gewährleistung der Sicherheit der freien Welt - auch durch die Verhinderung des Ausbruchs eines Dritten Weltkrieges, was ein Arrangieren mit der UdSSR unerlässlich machte (containment).[6] Um einen stabilen Frieden sicher zu stellen und weitere Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern, wurde 1949 die NATO gegründet, die zum Hauptinstrument der Containment-Strategie der USA in Europa avancierte.[7]

Da die europäische Sicherheitsgarantie für die US-Politik von so großer Bedeutung war, übernahm die USA als stärkste Macht im Bündnis erhebliche Verpflichtungen zur konventionellen und nuklearen Verteidigung ihrer europäischen Bündnispartner.[8] Diese Verpflichtungen wurden für die USA erst durch die Entwicklung nuklearer Interkontinentalraketen auf sowjetischer Seite problematisch, da die Vereinigten Staaten nun durch ihre Sicherheitsgarantie für Europa einen massiven Angriff auf das eigene Mutterland riskierten, was in den 1960er Jahren zu einem Umdenken amerikanischer Nuklearpolitik führte.[9]

Weil auf der einen Seite zur Gewährleistung der Sicherheit der USA die Eindämmung sowjetischen Einflusses auf Europa allein nicht mehr ausreichte, wurden neue Überlegungen zur Verhinderung einer Eskalation des Ost-West-Konfliktes getroffen, deren Ziel es war, bei Aufrechterhaltung der Abschreckung und europäischen Sicherheit die Risiken eines Konflikts für die Vereinigten Staaten zu reduzieren.[10] War bis dahin die Strategie der USA zum Schutz Westeuropas durch die Option auf Massive Vergeltung bei kriegerischen Aktivitäten der UdSSR geprägt, wurde diese, aufgrund ihres Glaubwürdigkeitsverlusts durch die neue geostrategische Situation, durch die Strategie der flexible Response ersetzt, die eine weitere und kontrolliertere Bandbreite von Reaktionen auf sowjetische Aggression in Betracht zog, dadurch aber auch einen nuklearen Erstschlag der NATO nicht völlig ausschloss.[11]

Neben der Veränderung der NATO-Strategie ergab sich die zweite wichtige Komponente zur Verhinderung eines Atomkrieges mit US-amerikanischer Involvierung durch die Etablierung der Sowjetunion als eine, den USA ebenbürtige, Atommacht: Rüstungskontrolle.[12] Durch die Sicherstellung eines Gleichgewichts US-amerikanischer und sowjetischer atomarer Zerstörungskapazität sollte die Gefahr des Ausbruchs eines Atomkriegs minimiert werden, was zu den SALT-Verträgen führte, die eine Obergrenze der interkontinentalen Nuklearwaffen auf beiden Seiten zum Ziel hatten.[13]

Die Sicherheitspolitik der USA orientierte sich also an der Aufrechterhaltung der Glaubwürdigkeit der Abschreckung bei Minimierung der Risiken für die USA und an der Sicherstellung der strategischen Parität durch rüstungskontrollpolitische Verhandlungen.

[...]


[1] Vgl. Meier, Ernst-Christpoh: Deutsch-amerikanische Sicherheitsbeziehungen und der NATO-Doppelbeschluß. Die Auswirkungen NATO-interner Interessendivergenzen auf die Nuklearpolitik des Bündnisses, Rheinfelden 1986, S.6.

[2] Vgl. Dittgen, Helmut: Deutsch-amerikanische Sicherheitsbeziehungen in der Ära Helmut Schmidt, München 1991, S.17.

[3] Vgl. Schnurmann, Claudia: German-American Relations, 1944-2003 or: Why Rumsfeld should praise Schröder, in: Atlantic understandings, Hamburg 2006, S.417-439.

[4] Vgl. Meier 1986, S.605.

[5] Vgl. Dittgen 1991, S.18-19.

[6] Vgl. Meier 1986, S.20-21.

[7] Vgl. ebd., S.13,20.

[8] Vgl. ebd., S.18.

[9] Vgl. ebd., S.28.

[10] Vgl. ebd., S.33.

[11] Vgl. ebd., S.32-33.

[12] Vgl. ebd., S.44.

[13] Vgl. ebd., S.44.

Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640593446
ISBN (Buch)
9783640593613
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148752
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Deutsch-amerikanische Interessenzusammenführung NATO-Doppelbeschluss

Autor

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