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Rap im Religionsunterricht

Seminararbeit 2009 30 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Musik
2.1 Zeitgeschichte der Musik
2.2 Musik und religiöse Bildungsprozesse
2.3 Musik im Religionsunterricht

3. Musik und Religion in der Popularkultur
3.1 Ausgewählte Beispiele religiöse Motive in der Popularkultur
3.2 Bezugspunkte und religiöse Motive in der Rapmusik

4. Rap im Religionsunterricht
4.1 Didaktische Handreichungen für den Einsatz von Rap/ Musik im Religionsunterricht
4.2 Unterrichtsbeispiele

5. Fazit

1. Einleitung

Die Grundidee zur Erstellung dieser Arbeit entstand innerhalb eines religionspädagogischen bzw. religionsdidaktischen Seminars an der Universität Koblenz. In Zeiten, in denen gerade in Bezug auf die Lehramtstätigkeit, sich Diskussionen bezüglich sogenannter „Modewörter“ wie Authentizität und Methodenvielfalt häufen, erscheint eine zielgerichtete „Schenkung der Aufmerksamkeit“ auf eine „Fusion“ jener im schulischen Alltag zeitgemäß und situativ angemessen zu sein. Die „willkürlich und stetig“ einem Wandel unterliegende Populärkultur und Lebenswirklichkeit der Schüler sollte insofern keineswegs einem Auszug aus dem Religionsunterricht, sowohl der Primarstufe als auch der Sekundarstufe, unterliegen. Bei genauerer Betrachtung des Fremdsprachenunterrichts der Primarstufe, welcher prägend beeinflusst durch die Forschungsbemühungen des Landes Rheinland-Pfalz ist, werden Aspekte wie der Spaß am Fremdsprachenunterricht, die Offenheit und Toleranz gegenüber dem Neuen und die indirekte anstatt der direkten Vermittlung von Lerninhalten in spielerisch integrativem Kontext von Lehrbemühungen in den Vordergrund gestellt. Warum sollten diese „Maxime des Unterrichts“ nicht auch übertragbar auf andere Schularten oder Unterrichtsfächer sein?

„Musik ist Religion für mich, auch im Jenseits wird es Musik geben“ (Jimi Hendrix)

Jimi Hendrix als bekannter Musiker vergangener Populärkulturen drückt in diesem Zitat wohl eher seine eigene persönliche Verbundenheit zur Musik aus, als dass er auf die Religiosität und dem möglichen spirituell transzendenten Charakter eingehen möchte. Aber inwieweit lassen sie gerade diese Punkte bei der Betrachtung sowohl aktueller als auch vergangener Zeitgeschichte in der Musik finden?

Im Zentrum dieser Arbeit soll daher die Beschäftigung mit der religiösen Dimension von Musik stehen. Inwieweit lassen sich die Normen und Werte der Katholischen Kirche innerhalb von Populärkultur finden? Gibt es gemeinsame Aspekte, die Religion und Musik gleichermaßen vertreten, oder welche den Einzug von „nicht-religiösen“ musikalischen Werken in den Religionsunterricht befürworten könnten? Wie kann zeitgenössische Musikkultur in den gegenwärtigen Religionsunterricht methodisch eingebunden werden? Gibt es didaktische Prinzipien und Handreichungen für den Einsatz von Musik in der Glaubenslehre? Welche Formen von religiösen Bildungsprozessen lassen sich bei der Betrachtung der Thematik herausarbeiten?

Den Schwerpunkt meiner Betrachtung möchte ich auf das Genre der „Black-Music“ legen. Der Rap und Hip Hop - gerade aus dem amerikanischen Raum - erfreut sich hierzulande immer größerer Beliebtheit und findet dementsprechend eine relativ hohe Berücksichtung in den Massenmedien unserer Zeit.

Anzumerken sei, dass diese Arbeit keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit in der Präsentation literaturtheoretischer Sachverhalte erhebt, als dass sie vielmehr als eine Sammlung wissenschaftlicher Ergebnisse und fundierter schulpraktischer Studien mit dem Ziel einer etwaigen Neuorientierung anzusehen ist.

2. Musik

Musik (verkürzt von griech. μουσική τέχνη, vereint μουσική, die Musen mit τέχνη (techne, der Kunst aber auch dem Handwerk), also etwa „Kunst oder Handwerk der Musen“, über lat. [ars] musica, „Tonkunst“) ist die Kunst, Schall zu klanglichen Kunstwerken zusammenzufügen.[1]

Musik ist eine Struktur oder Anordnung von Klangereignissen (Töne, Geräusche) in der Zeit mit einem kommunikativen (vermittelt Informationen, Gefühle) und ästhetischen (soll schön gefunden und genossen werden) Aspekt. Erfordert Hörgewohnheiten, gesellschaftliche Übereinkünfte, ein gewisses Maß an Gedächtnis und Ausbildung, bzw. wird dann meist anders und genussvoller rezipiert.

Nicht zwangläufig müssen die musikalischen Bestandteile der Musik wie etwa Rhythmus Melodie und Harmonie zusammenspielen, um ein musikalisches Kunstwerk auszumachen. Sogar Tiergeräusche können als Musik definiert werden. Bei genauerer Betrachtung der Forschungsliteratur fällt auf, dass es keine einheitliche Übereinstimmung in Hinblick auf die Dimensionen von Musik gibt. Allerdings wird in den meisten Fällen davon ausgegangen, dass Musik nur als solche beschrieben werden kann, wenn sie durch den Menschen für den Menschen produziert wird.

Die Musik – ähnlich wie die Bildenden Künste – kann in drei Phasen unterteilt werden:

- Musik des Mittelalters
- Musik der Neuzeit
- Musik der Moderne und der Postmoderne

Klare strukturelle Linien in der Unterscheidung der unterschiedlichen Musikepochen lassen sich eher weniger finden. Auch in diesem Sinne spiegelt die Unterteilung der Musik in ihre vielfältigen Arten und Gattungen ein Problem dar.

Schon in der Antike unter Musen, Apollon und Dionysos wurde den „Menschen das Empfinden für Rhythmus und Harmonie hinzugegeben“[2]

Sowohl den menschlichen, als auch den göttlichen Wesen, auch dem Göttervater, wurde aufgegeben zu singen.

Warum frühere, für diese Arbeit durchaus wichtige Punkte der Entstehung und Verbreitung von menschlicher Musik, welche auch im Begründungszusammenhang von Religiosität in unseren Breiten, spricht einfach untergetaucht sind, kann an dieser Stelle leider nicht geklärt werden.

Während die Zuteilmessung von Wichtigkeit der Musik über alle Epochen schwankt, bleibt eines jedoch festzustellen, worauf im weiteren Verlauf dieser Arbeit eingegangen wird. Der Musik – nicht zuletzt wegen ihrem philosophischen Charakter – wurde seit Menschen Gedenken eine den Menschen prägende und Recht erhaltende Wirkung zugesprochen.

Während in theoretisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über die Musik ein Hauptaugenmerk auf die Klangabfolgen und akustisch messbaren Eindrücke von Musik gelegt wird, werden der Musik in anderen Disziplinen zum Teil bewusstseinsbeeinflussende und –prägende Fähigkeiten zugesprochen.

„Musik sind in zeitlicher Abfolge ablaufende Geräusche, welche beim aufmerksamen Zuhörer komplexe Assoziationen bewirken, die einzeln klar trennbar und schlüssig sind, aber ebenso einen konkreten Gesamtbewusstseinseindruck hervorrufen, dessen Stärke mit der wirklichen Größe der Musik skaliert. Dieser entspricht einem starken Strom vom Unterbewusstsein zum Bewusstsein und umgekehrt. Musik versetzt in einen Zustand der eigenen Klarheit mit sich und allem anderen. Der Kanal zu Gott wird freigelegt; man tritt in den Dialog mit der Wahrheit.“[3]

Ähnliche Definitionen in Verbundenheit mit göttlichem spirituellem Charakter von Musik lassen sich in allen wissenschaftlichen Teilgebieten wieder finden.

2.1 Zeitgeschichte der Musik

In der römischen Zeit wird die Musik lediglich eine harmoniestiftende Funktion zugesprochen. Weitere eher heute artentypische Merkmale des „Absurdum Musik“ entwickeln sich erst im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte.

„Auffällig an der Genesis – die zu einer späten Schicht des Alten Testament gehört […] – ist es, dass der Vollzug der Schöpfung unter Absehung von allem Akustischem so beschrieben wird, als sei er in völligem Schweigen, quasi lautlos vor sich hingegangen.“[4]

Wie lässt sich dieser Sachverhalt gerade in Hinblick auf den spirituellen, sogar transzendenten Charakter von Musik, auf den ich später weiter eingehe werde, erklären?

Eine in Folge dessen aufkommende Sehnsucht nach der Musik lässt die Diskussion und das Interesse mit der Beschäftigung von Musik erwachen.

Bei Lukrez wird die Musik nicht als göttliche Gabe an den Menschen beschrieben, sie stellt weniger eine Imitation der vorbildstiftenden Götter da, als vielmehr eine Imitation von Vögelgeräuschen. Dies schon lange Zeit bevor das Singen durch die biologischen Voraussetzungen des Menschen möglich war.

In der Zeit nach Christus wird erstmals das Nutzen für den Menschen in der Nutzung und Rezeption von Musik näher beleuchtet. Schließlich erhielt Hildegard von Bingen laut offizieller Entscheidung des Papstes die Möglichkeit, „alles, was sie im Heiligen Geiste erkenne, kundzutun“|[5]

Im Jahre 500 teilt Boethius die Musik in Sphärenharmie, Seelenharmonie und Harmonie auf. Grocheos übernimmt die Dreigliedrigkeit in der Einteilung der Musik und unterscheidet stilistische Merkmale. Während die Kirchenmusik und die Mensuralmusik klar umrissen sind, beinhaltet die musica vulgaris verschiedene Gattungen unter unterschiedlichsten Blickwinkeln.

In der Tacuinum Sanitatis in Medicina wird mit der Cantus natura, Organare cantum vel sonare und Sonare et ballare, ebenfalls die Dreifaltigkeit der Musik tangiert.

Im Mittelalter war die Musik zu großen Teilen zur Sakralisierung des gesellschaftlichen Lebens dienlich.

In den darauffolgenden Jahren wurden der Musik immer mehr unterhaltende Funktionen, welche nicht weniger auf Religiosität deuten, zugesprochen.

2.2 Musik und religiöse Bildungsprozesse

Peter Bubmann beschreibt in seinem im Jahre 2006 erschienenen Buch über die „Herausforderungen und Perspektiven der Religionspädagogik“ unterschiedliche Bereiche, in denen Musik eingesetzt werden kann um religiöse Bildungsprozesse zu unterstützen. Dabei unterteilt er die möglichen Formen in textgebundene und textlose Musik. Neben den fachwissenschaftlichen Erläuterungen im vorangegangen Kapitel soll nun stärker auf die Möglichkeiten der Einbindung von Musik in Bildungsprozesse, bis hin zu Eingliederungsmöglichkeiten in den alltäglichen Schulunterricht gelegt werden.

- Textgebunden
- Musik zur Bibel und Kirchengeschichte, etwa:
- Erzähllieder zu biblischen Geschichten oder kirchengeschichtlichen Ereignissen / Personen
- An biblische oder geschichtliche Erzählungen und Aussagen anknüpfende thematische Lieder
- Musik für Gottesdienst und Frömmigkeit
- Lieder zum Tagesablauf (z.B. Morgen-, Abend- oder Tischlieder)
- Lieder zum Kirchenjahr (z.B. Weihnachts-, Oster- oder Erntedanklieder)
- Lieder und Musik zu Gottesdiensten wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit oder Beerdigung
- Gebets-, Lob- und Danklieder
- Tanz-, und Bewegungslieder bzw. -musik
- Musik als Ausdruck religiöser Suche und Medium religiöser Erfahrung
- Meditative Klänge zur Selbstbesinnung
- Popsongs als Ausdruck und Katalysator religiöser Suche
- Werke der Kunstmusik als Medium eigener Transzendenzerfahrung
- Musik zu alltäglichen Lebensfragen
- Themen wie Liebe, Sehnsüchte, Wünsche etc.
- Musik zur sozialethischen Weltverantwortung
- Gerechtigkeit, Frieden etc.
- Musik im ökumenischen und interreligiösen Dialog
- Begegnung mit Sufi-Musik, ZEN-Klängen, New-Age-Musik etc.[6]
- Textlos
- Hier kann Musik analog theologische Vorstellungen oder Glaubensvollzüge spiegeln oder religiöse Erfahrungen induzieren, etwa durch
- Auflösung von aggressiven Spannungen
- Darstellung von polaren Gegenüberstellungen (Ruhe – Vitalität)
- Intensivierungsprozesse
- Verlangsamungsprozesse
- Unterbrechungserfahrungen
- Entrückungserfahrungen[7]
Musik
- …fördert religiöse Wahrnehmung, Ausdrucks- und Urteilskraft und ist mithin Teil der alle Fächer umgreifenden Querschnittsaufgabe ästhetischer Bildung.
- …dient der lebensbegleitenden, erfahrungsnahen religiösen Identitätsbildung der Lernenden im Kontext lebensweltlicher und gesellschaftlicher Prägungen. Unter Umständen kann sie therapeutischen Charakter erhalten.
- …ermöglicht starke Erfahrungen von Gemeinschaft sowie Prozesse sozialer Bildung und hat damit Anteil an der kommunikativen und gesellschaftsdiakonischen Aufgabe der Religionspädagogik.
- …ist Teil der religiösen Traditionen und als kulturelles bzw. kirchenmusikalisches Erbe lohnender Gegenstand hermeneutischer Erschließungen.
- …stellt als kulturspezifisches Kommunikationsmedium eine besondere Chance für ökumenisches Lernen sowie interkulturelle und interreligiöse Bildung dar[8]

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Musik#Geschichte

[2] Helga de la Motte-Haber, Musik und Religion, Laaber-Verlag, Laaber, 1995

[3] http://www-nonlinear.physik.uni-bremen.de/~nagler/musikdef.html

[4] Helga de la Motter-Haber, Musik und Religion, Laaber-Verlag, Laaber, 1995

[5] Ebd.

[6] Peter Bubmann / Jürgen Belz: Religion – Kirche – Welt, Herausforderungen und Perspektiven der Religionspädagogik, Erlangen 2006, 133-135

[7] Ebd.

[8] Ebd.

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