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Humangenomforschung und Craig Venter

Hausarbeit 2009 60 Seiten

Biologie - Humanbiologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Craig Venter
1.1 Leben
1.2 Weg zur Humangenomforschung

2. Das Humangenom

3. Humangenomforschung
3.1 Entstehung dieser Forschungsrichtung
3.2 Allgemeine Ziele
3.3 Bedeutung in der Biologie
3.4 Bedeutung in Medizin und Pharmazie

4. Craig Venters Rolle in der Humangenomforschung
4.1 Erfolge
4.2 Ziele

5. Das deutsche Humangenomprojekt

6. Konkurrenzforschung
6.1 Patentrechte

7. Diskussion: Sollte die Humangenomforschung über die Entstehung neuer Lebewesen entscheiden?

8. Fazit

1. Craig Venter

„Die DNA liefert die Musik. Unsere Zellen und die Umwelt steuern das Orchester bei.“[1]

Die sei ein Zitat des ehrgeizigsten Wissenschaftler der Welt, der aber auch als Hitler und Arschloch betitelt werde[2], doch gäbe es einen Preis für den einflussreichsten Wissenschaftler der 90-er Jahre, dann wäre er ein Favorit, Craig Venter, so Kevin Davis. Man könne behaupten, dass es in den letzten Jahrzehnten keinen Wissenschaftler gegeben hätte, der annährend so viel Einfluss auf die biomedizinische Forschung gehabt hätte wie Craig Venter.[3] Venter selbst sage dazu, dass es keine größere Herausforderung gäbe, als das eigene Leben vor dem Hintergrund der Tatsache zu verstehen, dass man als erster Mensch in der Geschichte das eigene genetische Erbe betrachten könne und sich dabei gezielt auf diejenigen Abschnitte, Regionen und Gene konzentriere, die den genetischen Zusammenhang für das eigene Leben und seine ganz eigene, einzigartige Mischung aus Genen und Umwelt zu bilden.[4] J. Craig Venter sei der Wissenschaftler, welcher 5 Jahre früher als das öffentliche Humangenomprojekt, im Jahr 1995, sein eigenes Genom entschlüsselt haben soll.[5]

1.1 Leben

J. Craig Venter sei am 14. Oktober 1946 in Salt Lake City geboren worden und wuchs südlich von San Francisco in Millbrae auf. Sein Vater, John Venter habe den Beruf eines Steuerbuchprüfers ausgeführt und seine Mutter, Elizabeth Venter sei eine Künstlerin gewesen.[6] (Abb. 1)

Zu der Zeit wo Venter geboren worden war lebten seine Eltern zusammen mit seinem Bruder in einer Universitätsbehausung, welche vorher von der Armee belegt worden war. Venters Eltern sei das Leben in einer Armeekaserne bekannt gewesen, denn zur Zeit des zweiten Weltkrieges hätten beide als Marine Corps an verschiedenen Küsten des Pazifiks ihren Dienst geleistet, so Venter. Bei hätten sich in Kalifornien im Camp Pendelton kennengelernt und seien dann aufgrund der Nähe zu John Venters Eltern nach Salt Lake City gezogen.[7]

Zurzeit von J. Craig Venters Geburt habe sei Vater aufgrund eines Soldatengesetzes die Möglichkeit gehabt sein Examen in Buchhaltung zu machen. Gleichzeitig sei Venters Mutter allerdings zu Hause gewesen um sich um den 14 Monate älteren Bruder Gary Venter zu kommen. Deswegen sei das Geld wohl sehr knapp gewesen und Venter selbst schätzt dies so ein, dass er als eine Belastung gegolten hätte. Elizabeth Venter hätte zwar teilweise als Immobilienmaklerin gearbeitet, doch Venters Vater hätte etwas dagegen gehabt, dass seine Mutter berufstätig gewesen war, da dies damals als Zeichen einer niedrigen gesellschaftlichen Stellung galt. Wie bereits erwähnt sei die Mutter von Venter als Künstlerin tätig gewesen, doch er schreibt, dass sie den größten Teil seiner Kindheit Hausfrau gewesen wäre. Eine seiner ersten Erinnerungen sei, wie seine Mutter Gutscheine aus Zeitungen ausschnitt um damit in einem Supermarkt nach dem anderen ein Schnäppchen zu machen.[8]

Er sei ein Kind gewesen, welches das Glück genoss, unter großer Freiheit aufzuwachsen, so Venter. Seine Eltern hätten immer gesagt, er solle spielen gehen. Darausfolgend stellte er schon in seinen jungen Jahren fest, dass er sich gerne Herauforderungen und Risiken stelle. So kam es auch, dass der örtliche Flughafen zu seinem Lieblingsplatz geworden war. Dort habe er im hohen Gras neben der Landebahn gesessen und gewartet, dass sich Flugzeuge in Startposition begäben. Hätten dann die beiden Motoren des Flugzeuges losgedröhnt, so sei Venter auf sein Fahrrad gesprungen und hätte begonnen hart in seine Pedalen Richtung Osten zu rasen und hätte sich so mit dem Flugzeug in einen Wettlauf begeben.[9]

Nicht unweit dieses Flughafens, hätten seine Eltern einen 9000- Dollar Bungalow, in einem Wohnviertel der unteren Mittelschicht in Millbrae besessen. (Abb.2) Es hätten nicht einmal 8000 Menschen diesen Ort bewohnt, welcher circa 25 Kilometer südlich von San Francisco entfernt gelegen hätte. Diese dort ländliche Umgebung sei dem Wachstum des Flughafens zum Opfer gefallen und bestünde daher nicht mehr. Wenn Venter heute dort lande, dann erinnere er sich immer daran, wie Passagiere und Piloten auf seine Wettrennen reagiert hätten. Rückblickend beschreibt Venter seine Kindheit so, dass jeder Tag ein Tag der Spiele und Entdeckungen gewesen sei, was eine größere Auswirkung auf seine Entwicklung gehabt hätte als alles andere was er jemals in der Schule gelernt habe. Denn schon damals habe er bemerkt, dass jede Art von Konkurrenz nicht nur kurzfristig spannend sei, sondern auch eine langfristigen Nutzen bringe. So sei er jedes Mal stolz, wenn er den Zaun am Flughafen San Franciscos sehe, was er zur Sicherheit beigetragen hätte. Prägend sei für Venter auch gewesen, dass seine Familie ständig seinen großen Bruder belohnt hätte und ihm mit dem Erziehungsheim gedroht hätte.[10]

In Venters Jugend habe sich eine weitere seiner zahlreichen Eigenschaften gezeigt. Es handelte sich hierbei um den unersättlichen Drang Dinge, wie Festungen oder ähnliches zu bauen. Venter beschreibt sich so, dass er am glücklichsten gewesen sei, wenn er etwas zusammensetzen konnte und ihm dabei unter seinen Materialen etwas gefehlt hätte und er diese Lücke durch seine Fantasie hätten füllen müssen. Hinzukommend hätte er alles nur mögliche getan um Materialen in die Finger zu bekommen und damit Dinge aus dem Nichts aufzubauen, während seine Altersgenossen in der Schule gesessen hätten und ihnen ihre Kreativität ausgetrieben worden wäre.[11]

Diese Bautätigkeit habe sich im Alter von sieben bis zehn Jahren bei Venter ausgeprägt. Danach hätten sich seine Aktivitäten aus dem häuslichen Garten heraus auf die Straße verlegt, wo er die beiden Eigenschaften Bauen und Risikobereitschaft miteinander verband. Dies kam durch das kombinieren von verschiedenen Fahrzeugen zum Ausdruck. So seien er und seine Freunde in allen nur möglichen Fahrzeugen, wie Bollerwagen, Seifenkisten oder Rodelschlitten, den Berg auf dem das Haus von Venters Eltern gestanden hätte, heruntergerast. Es sei ihnen dann aber untersagt worden, weil Venters Bruder Gary sich bei dem Versuch des Nachmachens einen Arm gebrochen hätte.[12]

Doch der Ehrgeiz Venters sich praktisch zu betätigen sei durch eine Zeitschrift, der Popular Mechaniks, noch weiter angeregt worden. Denn in dieser Zeitung sei eine Modellzeichnung enthalten gewesen, welche ihm zeigte, wie man ein Tragflügelboot bauen könne. Da Venter und seine Familie direkt am Wasser gewohnt hätten, sei dies in Venters Augen eine gute Möglichkeit gewesen, die Wellen zu nutzen.[13]

Doch Venters Vater glaube nicht daran, dass er es schaffen würde, da ihm ein Außenmotor fehlte. Hinzukommend hätte er nur einfaches Werkzeug gehabt, was den Bau noch erschwerte. Doch Venter hätte es im Jahr 1957 geschafft, so er selbst. Denn durch einen Zufall hätte er das Angebot bekommen einen kaputten Außenmotor zu kaufen und dadurch, dass er sich selber beigebracht hätte ihn zu reparieren, wäre sein Boot dann völlig funktionsfähig gewesen.[14]

Als Venter dann in der 7. Klasse gewesen sei, habe er die Lust bekommen, sein wissen praktisch umzusetzen. Bei einem Baseballspiel der San Francisco Giants, welches er mit seinem Vater besucht hatte, sei ihm die Idee gekommen eine elektrische Anzeigentafel für seine Schule, einer Junior High, zu bauen. Als dann die Punkte über dem Schulspielfeld erleuchtet seien, hätte Venter sich und allen anderen auch bewiesen gehabt, dass er sich mit seiner praktischen Tätigkeit seinen Lebensunterhalt verdienen könnte.[15]

Im September 1960 sei Venter auf die Mills Highschool gekommen, doch er selber sagt, dass er sich an dieses wichtige Ereignis kaum erinnern könne. Denn Schule habe weder zu seinen Interessen noch zu seinen Stärken gehört. Diese habe auch noch Auswirkungen bis heute, denn aufgrund seines Hasses gegen Auswendiglernen und Klassenarbeiten, hätte Venter noch heute Probleme mit der Rechtschreibung. Seine einzigen guten Note hätte er in den Fächern Sport und Werken bekommen, da diese nichts mit dem stupiden Unterricht zutun gehabt hätten, so er selbst. Schon damals während er an einem Projekt gearbeitet habe, sei ihm eine Erkenntnis gekommen, die sich für ihn bis heute erfülle. Venter zufolge sei es der schönste Augenblick in jedem Projekt, wo das Ende in Sicht kam und nicht wo das Projekt vollendet sei. Diese Erkenntnis habe er noch heute, wenn er Häuser für Projekte oder Labore plane. Seine endgültige Version könne häufig nicht mit der mithalten, die er während des Arbeitens vor seinem Auge gehabt hätte, schreibt Venter über sich selbst.[16]

Die Schulbildung gehöre, wie die Familie und Umwelt auch dazu und präge uns sehr, aber was Craig Venter am meisten geprägt hatte, war eine Entscheidung, die John F. Kennedy im Dezember 1961 gemacht hatte. Er habe sich dafür eingesetzt, dass die Vereinigten Staaten einen kommunistischen Aufstand in Südvietnam niederschlagen sollten. Als Venter sich noch im Teenageralter befand, war der Krieg noch weit entfernt, doch er sollte sein weiteres Leben noch stark prägen und verändern.[17]

Aber bevor es soweit war, gab es andere Situationen, die Venter in andere Bahnen lenken, dies sei zum einen gewesen, dass er fast von der Polizei in einem Wagen, den seine Freunde gestohlen hatten festgenommen worden wäre und er habe im Sommer 1962 ein schlankes, blondes Mädchen kennengelernt. Diese sei eine Violinenspielerin gewesen und habe bereist an Auslandstouren teilgenommen. Ihr Name sei Linda gewesen und sie habe Venter eine Welt außerhalb von Kalifornien und Werken und Schwimmen gezeigt. Mit ihr habe er in Buchhandlungen Tee getrunken, über Literatur gesprochen und klassische Musik gehört. Dieser Sommer mit ihr habe seinem Leben eine neue Richtung gegeben. Zu der Zeit hätte er noch nicht einschätzen können welche, aber es wäre eine andere gewesen als die vorherige,[18] in der Venter sehr rebellisch gewesen sei und den Unterricht oft geschwänzt habe um im Half Moon Bay surfen zu gehen.[19]

1964 habe er mit ,,Müh und Not“ seinen Abschluss geschafft.[20] (Abb.3) Denn Venter bekam eine neue Leidenschaft. Er sei ins Schwimmteam eingetreten und habe gemerkt, dass er es liebte sich unter einem Adrenalinausschuss in einer Wettkampfsituation zu befinden. (Abb.4) Er sei der beste in der Schul-, Kreis- und Ligaebene geworden. In diesem Sport sei er im Rückenschwimmen besser gewesen, als sein älterer Bruder Gary und so sei Venter erstmals aus dessen Schatten hervorgetreten. Sein Trainer sei sogar der Überzeugung gewesen, dass Venter Olympiapotential gehabt hätte, da er mit mehr Courage trainiert und gearbeitet hätte als jeder andere Sportler den er jemals kennengelernt hätte. Venter selbst sagt, dass darin sein Wille zum Sieg und zum Übertrumpfen der anderen zum Ausdruck kam, denn er weigerte sich neue Techniken oder ähnliche zu lernen. Sein einziges Ziel sei es gewesen, dass er siege, so wie es heute auch noch sei.[21]

Mit 17 Jahren kehrte er dann aber Millbrae und dem Schwimmen den Rücken, es habe ihn nach Süden gezogen und Venter habe in Newport Beach gewohnt.[22] Dort sei er tagsüber gesurft und hätte nachts in eine Kaufhauskette gearbeitet, anstatt aufs College zu gehen. Davies zufolge habe er mit seinem sonnengebleichten Haar, seinem braungebrannten und muskulösen Körper die perfekte Verkörperung von südkalifornischer Vitalität und Wohlbefinden dargestellt.[23] Zu diesen Zeiten seien seine Hauptinteressen Alkohol, Mädchen und Bodysurfen an den gefährlichsten Küsten gewesen. Doch nach einiger Zeit habe er realisiert, dass dies nicht für den Rest seines Lebens so weitergehen könne, deswegen habe er sich am Coast Junior College an Costa Mesa eingeschrieben, welches nur wenige Autominuten von seinen geliebten Stränden entfernt gewesen sei.[24]

Allerdings holte ihn dann die Entscheidung Kennedys wieder ein,[25] Venter bekam schon 1965 einen Einberufungsbescheid.[26] Allerdings schien Venter zum Anfang auch hier Glück zu haben, denn auf den Rat seines Vaters hin, habe er mit dem Rekrutierungsoffizier der Navy gesprochen und ein für ihn großartiges Angebot erhalten. Der Offizier bot ihm an, sich für nur drei Jahre zu verpflichten und dafür einen Platz in der Schwimmmannschaft zu bekommen. Zu der Zeit ahnte er nicht, dass er sich bald in Vietnam wiederfinden würde. Doch im August 1964 hätte sich im Golf von Tongking ein Zwischenfall ereignet, bei dem zwei amerikanische Zerstörer von vietnamesischen Kanonenbooten angegriffen worden waren. Als Reaktion darauf, hätte Johnson die Kriegsanstrengungen verstärkt und hätte alle militärischen Sportmannschaften aufgelöst.[27]

Heutzutage kommentiert Venter dies wie folgt: ,, Zuerst vermasselte Lyndon Johnson meine Karriere als Surfer und dann vermasselt er mir auch noch meine Karriere als Schwimmer.“ Nachdem Venter dann in einem Intelligenztest mit über 30 00 Rekruten überragend abgeschnitten habe,[28] mit einem IQ von 142,[29] sei er nach San Diego versetzt worden und habe dort eine Sanitätsausbildung absolviert.[30] Er habe sich für diese Laufbahn bei der Navy entschieden, da dies die einzige Ausbildung war, welche keine Verlängerung der Verpflichtungszeit bedingte. Venter vermutet heute, dass sich in dieser Entscheidung schon damals sein verstecktes Interesse für die Medizin gezeigt hätte.[31] Mit diesem Job wog sich Venter in Sicherheit und war überzeugt gewesen, dass er nach drei Jahren das Militär wieder hätte verlassen können.[32] Während seiner Stationierung in dem damals größten Militärkrankenhaus der Welt habe er einen erstaunlich großen Überblick über die Krankheiten der Menschen bekommen. Er stellte dort auch fest, dass er eine Begabung für Liquorproduktion bei Meningitispatienten, Leberbiopsien bei Hepatitiskranken und ähnliche Dinge besessen hätte, so Venter. Jahrzehnte später habe er genau für diese und noch viele andere Krankheiten die spezifischen Gene, welche diese hervorrufen entschlüsselt.[33]

Doch dann kam später auch die Einberufung nach Vietnam für Venter, es sei ihm allerdings gelungen, dies lange herauszuzögern, da er bei den anderen Ärzten in dem Krankenhaus sehr beliebt gewesen war. Deswegen war er erst einige Monate in Long Beach, doch es sei ihm klar gewesen, dass er bald nach Vietnam musste, doch zu seinem großen Glück habe er einen Offizier kennengelernt, welcher ihm dazu riet, sich freiwillig für den Dienst in Vietnam im Krankenhaus von Da Nang zu melden, denn dort seien seine Überlebenschancen sehr viel höher, als an anderen Stützpunkten. Dies habe Venter dann auch getan und er sei tatsächlich dorthin einberufen worden.[34]

Am 25.August 1967 sei Venter nach Da Nang, einem der größten militärischen Stützpunkte in Vietnam, versetzt worden, wo er für 12 Monate gewesen sei.[35] Aber die Zeit, welche er in Vietnam verbracht habe, sei sehr prägend für Venter gewesen, oft habe er mit dem Gedanken gespielt sich umzubringen, aber als er es dann nach 5 Monaten wirklich versucht habe und schwimmen wollte bis er unterging, realisierte er die Dummheit und er habe den Versuch abgebrochen.[36] Während all der 12 Monate habe Venter so vieles erlebt, was ihn schockiert und geängstigt habe, so sei er nur einmal knapp dem Tod entrungen, als er in Berührung mit einer hochgiftigen Meeresschlange gekommen sei. (Abb.5) Um sich immer wieder daran und an den Wert des Lebens zu erinnern, hinge die Haut dieser Schlange noch heute in Venters Büro. (Abb.6) Hinzukommend sei Venter von zwei ganz besonderen Fällen, die er auf seiner Station, welche er geleitet hätte, besonders ins Nachdenken geraten. Bei den beiden Patienten habe es sich um zwei Männer gehandelt, die kurz nacheinander in das Krankenhaus, auf die Intensivstation (Abb.7), eingeliefert worden waren. Beide hätten schwere Bauchverletzungen besessen. Der ältere der beiden Männer hätte jedoch bessere Überlebenschancen besessen, als der jüngere, dessen Magen fast gänzlich zerstört worden war. Doch es sei genau andersherum gekommen als Venter je erwartet hätte. Sein Patient mit den besseren Lebenschancen habe einfach aufgehört an sich und das Überleben zu glauben und sei demzufolge gestorben. Der andere hingegeben habe einen solchen Lebenswillen besessen, dass er Vietnam überlebt hätte, aber später doch gestorben sei. Allerdings hätten diese beiden Fälle Venter besonders geprägt, denn sie hätten ihm verdeutlicht, was der menschliche Geist mit schierer Willenskraft erreichen könne.[37]

Eine andere Person, die Venter in Vietnam sehr geprägt habe, sei Dr. Ronals Nadel gewesen. Dieser nahm Venter, der wegen einer Anklage unter Arrest stand mit zu sich auf die Station der Infektionskrankheiten. Dort habe Venter ein Bakterium sehr oft behandeln müssen, das der Geschlechtskrankheit Syphilis, dies sei später eins der Bakterien gewesen, welches er mit als erstens entschlüsselt gehabt hätte.[38]

Dank dieses Mannes habe Venter gelernt, welche Richtung er in seinem späteren Leben einschlagen wolle, die des Medizinstudiums.[39]

Doch bevor er dieses antreten konnte, musste Venter noch weitere 6 Monate im Krieg überleben. Er als 20-ig jähriger beschreibt dies so:„ Ich studiere nicht an der Universität des Lebens, sondern an der Universität des Todes, und der Tod ist ein mächtiger Lehrmeister.“[40] Am 29. August 1968 sei dann das schlimmste und gleichzeitig prägendste Jahr für Craig Venter vorüber gewesen. Er habe danach über einiges an gespartem Geld, drei militärischen Orden und das wichtigste, seinem Leben, verfügt.[41]

Nachdem er zurückgekehrt war, sei Venter nach London geflogen um seine Freundin Barbara zu treffen, welche er in Sydney bei einem Kriegsurlaub kennengelernt hätte. Kurz darauf hätten sie sich in Genf trauen lassen (Abb.8) und seien dann in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt.[42]

Nach seiner Rückkehr habe Venter kurzzeitig das Junior College in San Diego besucht und nachdem er und seine Frau in den ersten Semestern die Bestnoten in allen Fächern geschafft hätten, seien sie dann an die Universität von Kalifornien gewechselt und hätten sich dort eingeschrieben. Anfangs habe er noch Medizin studiert, aber dann habe sich sein Interesse auf naturwissenschaftliche Grundlagen verlagert. Innerhalb von sechs Jahren besaß er ein Diplom in Biochemie und einen Doktor in Physiologie und Pharmakologie. Venter habe geglaubt, dass er in einem Forschungslabor und in dem Kampf um bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse mehr bewirken könne als Arzt. 1976 sei er nach Buffalo gezogen und habe an der State University von New York im Krebsforschungszentrum Roswell Park gearbeitet.[43] (Abb.9) Nur ein Jahr später hätten er und Barbara ihren gemeinsamen Sohn Christopher bekommen. Dieser sei am 08.03. 1977 zur Welt gekommen.[44] (Abb.10) 1980 sei dann aufgrund von zahlreichen Differenzen zwischen Venter und Barbara die Ehe der beiden beendet gewesen.[45]

Doch dort im Krebsforschungszentrum Roswell Park habe er die Mikrobiologiestudentin Claire Franser kennen gelernt, welche als seine Postdoktorin tätig gewesen sei und im Jahr 1981 seine 2. Frau geworden war.[46] (Abb.11)

Ein anderes für Venter sehr schockierendes Ereignis sei im Jahr 1981 gewesen, dass sein Vater am morgen des10. Juni aufgrund von Herversagen gestorben sei.[47] (Abb.12)

Nur drei Jahre später habe Venter ein Angebot bekommen, was einen Wendepunkt in seinem Leben und seiner Wissenschaft dargestellt habe. Es habe sich hierbei um ein Angebot des Zentrums der US- amerikanischen medizinischen Forschung, dem National Institutes of Health, gehandelt. Dieses Angebot der Abwerbung Venters sei für ihn sehr schmeichelhaft gewesen, denn zu jener Zeit sei es dort das Ziel gewesen Wissenschaftlergruppen nicht zu importieren, sondern sie selbst heranzuziehen.[48]

Das Büro in dem Venter tätig gewesen sei, gehöre zu dem Bereich der Rezeptorbiochemie, dies sei nichts besonderes, aber sein Labor sei sehr gut ausgestattet gewesen, denn er habe jährlich ein bis zwei Millionen Dollar für Gehälter und Forschungsmittel erhalten. Das Ziel, welches Venter damals verfolgt habe, war das Herausfinden eines Adrenalinrezeptorproteins. Dies hätte sehr lange gedauert und deswegen hätte sich Venter 1986 mit Michael Hunkapiller getroffen und über Sequenzierautomaten verhandelt. Mithilfe dieser Automaten hätte Venter große Erfolge gehabt, doch das NIH und er seien nicht übereingekommen, da beide jeweils andere Ziele verfolgt hätten.[49]

Knapp 6 Jahre später, am 10.07.1992 verließ Venter aufgrund von diesen Differenzen den NIH und ging auf das Angebot von Steinberg ein, dass er ein Labor und finanzielle Unterstützung bekäme. Er hätte einen Wohltäter gehabt, der in seine Ideen, Träume und Fähigkeiten investierte. Es sei der TIGR, dem Institute for Genome Research, gegründet worden.[50] Doch auch dort, sei später deutlich geworden, dass seine Investoren andere Ziele als Venter verfolgen würden. Aufgrund dessen habe Venter sich dann dazu entschieden den TIGR selbständig zu machen und von staatlichen Fördergeldern weiterzuforschen.[51]

Am 11. Mai 1998 habe Craig Venter dann aber bekannt gegeben, dass er eine neue Firma gegründet hätte, welche von der Firma PerkinElmer finanziert werden würde. Diese würde Celera Genomics heißen und hätte das Ziel binnen weniger Jahre das menschliche Genom zu entschlüsseln.[52] Das unabhängige Forschungszentrum TIGR würde in dieser Zeit von Venters Ehefrau Claire weitergeleitet werden.[53] Im April 2000 96% des kompletten menschlichen Genoms entschlüsselt gehabt.[54] Am 26. Juni 2000 sei dann von Venter und Francis Collins, dem Vertreter des öffentlichen Forschungsprogrammes, im Weißen Haus bekannt gegeben worden, dass das menschliche Genom vollständig entschlüsselt worden sei.[55] (Abb.13)

Am 22. Januar 2002 sei dann bekannt gegeben worden, dass Venter die Firma Celera Genomics verlassen hätte.[56]

Ein halbes Jahr später hätte Venter dann unabhängige Institute gegründet, um weitere Forschungen anzustellen. Diese hätte er mit seinem Privatvermögen Finanziert und dadurch würden sie von staatlichen Geldern gefördert werden. Am 12. September seien alle Institute, welche unter Venters Leitung gestanden hätten zum J .Craig Venter Institut vereinigt worden. Dadurch das weltweit größte private Forschungsinstitut entstanden.[57]

Im Juli 2006 hätte zuvor allerdings eine andere wichtige und schöne Veränderung in Venters Leben stattgefunden, denn er habe sich mit seiner langzeitigen Pressesprecherin Heather verlobt.(Abb.14) Die Ehe mit Claire sei Jahre zuvor in die Brüche gegangen, so Venter.[58]

Heute sei er der erste chemische Apparat, der seine eigene Sequenz betrachten könnte, aber dabei noch nicht wisse, was diese bedeute. Venter sei der Meinung, dass dies noch Jahrzehnte dauern würde.[59]

Bis dahin will er das Leben versuchen zu verstehen, seine dazugehörigen Ziele werden im Punkt 4.2 deutlich.

Venter sei der Meinung, dass man erst wisse, ob ein entschlüsseltes Leben auch ein Verstandenes sei, wenn man die Software des Lebens verstünde und man in der Lage sei, ein echtes künstliches Leben zu erzeugen.[60]

Neben der Forschung hätte in Venters Leben allerdings noch eine andere Sache eine sehr große Bedeutung in seinem Leben gespielt. Dies sei seine Leidenschaft für das Segeln gewesen. Im Laufe seines Lebens hätte Venter an zahlreichen Regatten teilgenommen und sich viele neue und größere Segalyachten zugelegt. Derzeit besäße er eine Forschungssegelyacht, die Sorcerer II.[61] (Abb.15)

1.2 Weg zur Humangenomforschung

Wie bereits im Text zuvor deutlich wurde, ist J. Craig Venter durch seine Einberufung zum Militär in die Medizin gekommen.[62] Dort habe er eine Ausbildung zum Sanitäter gemacht und seine Begabung für die Medizin entdeckt.[63]

Hinzukommend habe er während seines Aufenthaltes in Vietnam realisiert, was der menschliche Geist mit schierer Willenskraft erreichen könne und durch diese für ihn prägenden Momente und Erfahrungen in Vietnam, habe Venter verstehen wollen wie wir funktionieren und was uns am Leben hält, so er selbst.[64]

Des Weiteren, was auch in Vietnam geschah, habe Venter bemerkt, wie gerne er Menschen mit dem was er tat half und er lernte alles zu versuchen, um sie am Leben zu halten. Er habe bemerkt, dass er dort mit seinem Wissen und Können viel Gutes tun konnte und somit für viel Glück unter den dort betroffenen Menschen sorgen würde.[65]

Nachdem er aus Vietnam wieder zurück war habe er begonnen naturwissenschaftliche Fächer zu studieren. Er habe binnen kürzester Zeit seinen Doktor in Physiologie und Pharmakologie gemacht.[66] Allerdings hätte er sich danach entschieden, der aktiven Medizin, also seiner Stelle im Krankenhaus dem Rücken zu kehren, denn Venter habe gemerkt, dass er in einem Labor viel mehr erreiche und dadurch die Forschung revolutionieren könne.[67]

Bereits im seinem Studium sei sein Interesse für die DNA und deren Entdeckung deutlich geworden, denn während seines Studiums habe er sich dafür entschieden, eine Rezension über ein Thema zu schreiben, welches als die größte Entdeckung in der Molekularbiologie gelte. Er habe über das Buch die Doppel- Helix von James Watson geschrieben, so er selbst.[68]

Auf die Idee, das menschliche Genom zu entschlüsseln zu wollen, sei Venter bereits in den 1980-er Jahren gekommen. Dort sei eine Methode bekannt geworden, mit deren Hilfe man die Gene ausfindig machen könne, welche den Ausbruch einer Krankheit bewirken würden. Da allerdings das Problem bestanden hätte, dass man bei geisteigen Krankheiten nicht hätte unterscheiden können wann bei der Krankheit Gene und wann die Umwelt den Haupteinfluss ausübe.[69]

Aufgrund dieser Schwierigkeiten hätten sich Forscher Gedanken darum gemacht, wie man dieses Problem lösen könne und auch Craig Venter fing an sich mit der Humangenomforschung zu beschäftigen. Kevin Davis beschreibt diese Situation wie folgt:„ Gleichzeitig setzte sich eine Idee im Kopf eines NIH- Forschers fest, der in Vietnam gelernt hatte, dass ein Menschenleben wenig zählt, dass Zeit etwas sehr Kostbares ist und das es auf Schnelligkeit ankommt“.[70]

Mit dieser Aussage mache Davis deutlich, wie Venter das Humangenom erforscht, denn schließlich sei er der erste Forscher gewesen, der in einer privat Firma Celera Genomics (= schnelle Gene), dass erste menschliche Genom vollkommen entschlüsselte.[71]

[...]


[1] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009.,S18

[2] Bredow, Rafaela von. “ Ich will böser Bube bleiben“. In: Der Spiegel 44(2007)S. 170

[3] Davies, Kevin. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser : München 2001, S.81

[4] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009 ,S16

[5] Martina, Schilla. Forscher veröffentlichen DNA – Sequenz von Craig Venter. In:http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/siteg en.php?tab=2&sourc e=/n ano/ ast uecke/3 048 0/index.html (13.12.2009)

[6] Davies, Kevin. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser : München 2001, S.82

[7] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009.,S19

[8] Ebd.,S.19

[9] Ebd.,S.15

[10] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009.,S.16

[11] Ebd.,S.24

[12] Ebd.,S.25

[13] Ebd.,S25

[14] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009.,S.26

[15] Ebd., S.26

[16] Ebd.,S.27

[17] Ebd.,S.27

[18] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009.,S.29

[19] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser . München 2001,S.82

[20] Ebd.,S.82

[21] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009 .,S.33

[22] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser . München 2001,S.82

[23] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser . München 2001,S.82

[24] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009 .,S.35

[25] Ebd.,36

[26] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser. München 2001,S.82

[27] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009 .,S.37

[28] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser. München 2001,S.82

[29] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009 .,S.37

[30] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser . München 2001,S.83

[31] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009 .,S.38

[32] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser. München 2001,S.83

[33] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009.,S.40

[34] Ebd.,S.42

[35] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser . München 2001,S.82

[36] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009.,S.48

[37] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009.,S.61

[38] Ebd.,S.68

[39] Ebd.,S.68

[40] Ebd.,S.72

[41] Ebd.,S.78

[42] Ebd.,S.79

[43] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Carl Hanser Verlag. München 2001,S.84

[44] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009 S.120

[45] Ebd.,S.127

[46] Ebd.,S.131

[47] Ebd.,S.135

[48] Ebd.,S.137

[49] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser . München 2001,S.98

[50] Ebd.,S.99

[51] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009.,S.336

[52] Ebd.,S.366

[53] Ebd.,S.360

[54] Wikipedia. Celera Genomics. In: http://de.wikipedia.org/wiki/Celera_Genomics (17.12.09)

[55] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009 .,S.477

[56] Ebd.,S.495

[57] Ebd.,S.537

[58] Ebd.,S.538

[59] Ebd.

[60] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009.,S.538

[61] Schlösser, Manfred. Genomprojekt Ozean. In: http://idw-online.de/de/news?print = 1&id=319596 (30.08.2009)

[62] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main. Fischer 2009 .,S.35

[63] Ebd.,S.38

[64] Ebd.,S.61

[65] Ebd.,S.68

[66] Kevin Davis. In. Die Sequenz. Der Wettlauf um das menschliche Genom. Carl Hanser Verlag. München 2001,S.84

[67] Ebd.,S.83

[68] Venter, J. Craig: Entschlüsselt. Mein Genom, mein Leben. Frankfurt am Main.Fischer 2009.,S.84

[69] Ebd.,S.80

[70] Kevin Davis.In. Die Sequenz.Der Wettlauf um das menschliche Genom. Hanser .München 2001.,S.80

[71] Martina, Schilla. Forscher veröffentlichen DNA – Sequenz von Craig Venter. In:http://w ww.3 sat.de/dynamic/sitegen/bin/siteg en.php?tab=2&sourc e=/n ano/ astuecke/3 048 0/index.html (13.12.2009)

Details

Seiten
60
Jahr
2009
ISBN (Buch)
9783640616589
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148744
Note
1
Schlagworte
Humangenomforschung Craig Venter

Autor

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Titel: Humangenomforschung und Craig Venter