Lade Inhalt...

Die Arbeit des ehrenhaften Römers – Ciceros Idealvorstellungen für die Oberschicht und die Arbeitswelt der unteren Schicht im Alten Rom

Essay 2008 9 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Dozent: Dr. anonymisiert Essay von Christina Gieseler SS 08

Abgabetermin: 20.05.08

Die Arbeit des ehrenhaften Romers - Ciceros Idealvorstellungen fur die Oberschicht und die Arbeitswelt der unteren Schicht im Alten Rom

In seiner Schrift „De officiis" bezieht der romische Staatsmann, Philosoph und Schriftsteller Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.)1 Stellung zur Arbeitswelt des freien Romers. Seine Position soll hier vorgestellt und dann kurz in Beziehung zu den rekonstruierbaren Gegebenheiten der realen Arbeitswelt gesetzt werden: Waren Ciceros Ausfuhrungen im alltaglichen Leben umsetzbar und konnten sie als Richtschnur gelten?

Aufschluss uber einige Berufssparten im Alten Rom und gleichzeitig eine Wertung der genannten Tatigkeiten konnen in Ciceros „De officiis" die Abschnitte I.150-I.151 geben. Dabei ist zu beachten, dass „aus Ciceros Urteil [...] die Vorurteile und Attituden nicht nur des philosophierenden Gebildeten [sprechen], sondern ebenso der alten romischen Fuhrungsschicht"2. Wie spater deutlich werden wird, wurde diese Betrachtungsweise nicht unbedingt von den unteren Schichten geteilt.

Christ und Weeber sehen Cicero „fur die Einschatzung der beruflichen Tatigkeit in der Epoche der spaten Republik (und ebenso des Principats)"3 als „verlaBliche Grundlage"4, bzw. als „locus classicus"5 an. Generell geht es in Ciceros „De officiis" neben Ciceros Position zu moralischen Verpflichtungen um die Portraitierung des idealen romischen Ehrenmannes und um Ansichten zum Thema „Arbeit" und einigen verschiedenen Erwerbszweigen.6 Das Werk war Ciceros letzte philosophische Arbeit, die wahrscheinlich im Sommer 44 v. Chr. begonnen und im November desselben Jahres fertiggestellt wurde.7 Die in Briefform verfasste Schrift sollte der moralischen Bildung von Ciceros 21-jahrigen Sohn Marcus dienen, der zu diesem Zeitpunkt in Athen studierte und sich den Genussen der Freuden- und Unterhaltungsviertel der alten Stadt hingab.8

Cicero diskutiert und bewertet in I.150-151 die „handwerklichen Berufe und Erwerbszweige"9, indem er diese in zwei Kategorien einteilt: Zum einen die unehrenhafte Arbeiten, die fur einen freien Romer schmutzig bzw. unwurdig sind, und zum anderen die ehrenhaften

Arbeiten, die eines Freien wurdig sind.10 Aus dieser Aufzahlung lassen sich die fur die Oberschicht akzeptablen Tatigkeiten erschlieBen. Diese zeigen sich nur in den Bereichen Kriegsfuhrung, Politik, Recht, Philosophie, Redekunst, Landarbeit und im GroBhandel, insbesondere wenn die Gewinne in den Landbesitz investiert wurden.11 Aus Sicht Ciceros ist jede Arbeit, die dem Lebensunterhalt dient und zu wirtschaftlicher Abhangigkeit fuhrt, unter der Wurde eines Ehrenmannes.12 Als unehrenhafte, „niedere Berufstatigkeiten" galten solche, in denen man „nicht sein eigener Herr, sondern von Auftragen und Anweisungen seiner Kunden abhangig war"13 oder sich der Gesellschaft gegenuber unmoralisch verhielt. So sind z.B. die Berufe des Zollners und des Geldverleihers, welche „sich der Ablehnung der Menschen aussetzen", aus moralischen Grunden unehrenhaft, sowie die des Zwischenhandlers und des Einzelhandlers, welchen Unehrlichkeit unterstellt wird.14 Aus Grunden der Abhangigkeit sind die Arbeit der Tagelohner und Handwerker ebenfalls negativ zu bewerten: Beim Tagelohner werde dessen „Arbeitsleistung, [und] nicht [dessen] handwerkliche Geschicklichkeiten erkauft" und somit sei der „Lohn ein Handgeld fur [seine] Dienstleistung".15 Handwerker befassen sich aus Sicht Ciceros mit einer schmutzigen Tatigkeit, denn eine Werkstatte kann nichts Edles an sich haben".16 Wood erlautert hierzu, dass Lohne aus Sicht Ciceros ein Zeichen von Knechtschaft und Sklaverei seien, und eine Werkstatt von ihrer Natur her kein Ort fur den romischen Ehrenmann darstellen konne.17 Besonders unehrenhaft seien auch „Fertigkeiten, die Dienerinnen von Genussen sind" wie die der „,Fischhandler, Metzger, Koche, Geflugelhandler und Fischer’ [...] Salbenhandler, Tanzer und die ganze Zunft der Schausanger".18

Im Gegensatz dazu zeichnen sich ehrenhafte Tatigkeiten dadurch aus, dass „entweder groBere Klugheit beteiligt ist oder [...] ein nicht mittelmaBiger Nutzen gesucht wird wie bei der Medizin, bei der Architektur und dem Unterricht in ehrenvollen Gegenstanden" 19. Derartige Tatigkeiten seien „fur die, deren Stand sie zukommen, ehrenvoll"20. Hierzu merkt Walsh an, dass die soeben von Cicero genannten Berufe nicht fur die Sohne von Senatoren, wie etwa fur Marcus, geeignet seien.21 Wood verdeutlicht hier, dass derartige Berufe fur Sklaven, Freigelassene und fur Romer, die fur ihren Lebensunterhalt arbeiten mussten, geeignet waren, jedoch nicht fur die adlige Oberschicht.22 Als ehrenhafte Tatigkeit wird weiterhin der internationale GroBhandel gesehen, „indem [der GroBhandler] vieles von überallher beibringt und es vielen ohne Betrug zur Verfügung stellt“ und sich nach Betätigung seiner Geschäfte mit seinem Gewinn „auf seine Landbesitzungen“ zurückzieht.23

[...]


1 Vgl. J. Ferguson, Marcus Tullius Cicero, Encyclopaedia Britannica Online, URL:http://search.eb.com/eb/article-9082616, 17.05.2008.

2 K. Christ, Die Romer. Eine Einfuhrung in ihre Geschichte und Zivilisation, Munchen 1979, S. 97.

3 Ebd.

4 Ebd. sic.

5 K.-W. Weeber, Alltag im Alten Rom. Ein Lexikon, Zurich, 2. Aufl. 1995, S. 19.

6 Vgl. N. Wood, Cicero's Social and Political Thought, Berkeley und Los Angeles, 1988, S. 68: "Apart from Cicero's position on moral obligation, the work is crucial because of its portrait of an ideal gentleman and the attitude expressed toward labor and various vocations”.

7 Vgl. ebd.: "On Duties is Cicero's last philosophic work, probably started in the summer of 44 and finished in November. It is written in the form of a lengthy epistle for the moral edification of his twenty-one-year-old son Marcus, studying in Athens and indulging in the fleshpots of that ancient city”.

8 Vgl. ebd.

9 Cicero, De officiis. Vom pflichtgemalJen Handeln, ubersetzt und herausgegeben von Heinz Gunermann, Stuttgart, erganzte Ausgabe 1992, I.150, S. 131.

10 Vgl. Cicero, ubers. von Gunermann, I.150, S. 131.

11 Vgl. Wood, S. 97: „The only callings for gentlemen are war, politics, law, philosophy, oratory, farming, and commerce on a large scale, particularly if the profits are invested in landed property."

12 Vgl. ebd.: "[...] any labor that provides a livelihood and results in economic dependence is beneath a gentleman”

13 Vgl. Weeber, S. 18.

14 Cicero, ubers. von Gunermann, I.150, S. 131.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. Wood, S.97.

18 Cicero, ubers. von Gunermann, I.150, S. 131.

19 Ebd. I.151, S. 131

20 Ebd.

21 Cicero, On Obligations, übersetzt und kommentiert von P.G. Walsh, New York, 2000, S. 155: „for those of the appropriate class: the reservation is significant. These occupations were not regarded as appropriate for sons of senators like Marcus.”

22 Wood, S. 97: “[…] they are for slaves and freedmen and those who must work for a living, not for true gentlemen.”

23 Cicero, übers. von Gunermann, I.151, S. 131.

Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640604487
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148687
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Alte Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Arbeit Römers Ciceros Idealvorstellungen Oberschicht Arbeitswelt Schicht Alten

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Arbeit des ehrenhaften Römers – Ciceros Idealvorstellungen für die Oberschicht und die Arbeitswelt der unteren Schicht im Alten Rom