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Mezzanine-Kapital als Finanzierungsalternative für den Mittelstand

Diplomarbeit 2010 84 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Mittelständische Unternehmen
2.1 Definition des Mittelstands
2.1.1 Der quantitative Aspekt
2.1.2 Der qualitative Aspekt
2.2 Finanzierungsstruktur im Mittelstand
2.2.1 Basel II und Rating
2.2.2 Insolvenzursache und -prognose im Mittelstand

3 Definition und Einordnung von Mezzanine-Kapital
3.1 Definition und Abgrenzung von Mezzanine-Kapital
3.2 Differenzierung von Standard-Mezzanine und Individual-Mezzanine
3.3 Anwendungsgebiete
3.4 Vor- und Nachteile von Mezzanine-Kapital
3.5 Anschlussfinanzierung beim Auslauf der Mezzanine-Programme

4 Mezzanine-Finanzierungsinstrumente
4.1 Equity Mezzanine (Eigenkapitalausrichtung)
4.1.1 Atypisch stille Gesellschaft
4.1.2 Genussrechtskapital
4.2 Debt Mezzanine (Fremdkapitalausrichtung)
4.2.1 Typisch stille Gesellschaft
4.2.2 Nachrangdarlehen
4.2.3 Partiarisches Darlehen
4.3 Hybrid Mezzanine
4.3.1 Wandelanleihen
4.3.2 Optionsanleihen

5 Bilanzielle und steuerliche Behandlung von Mezzanine-Kapital
5.1 Bilanzielle Behandlung von Mezzanine-Kapital nach HGB
5.1.1 Stille Gesellschaft
5.1.2 Genussrechtskapital
5.1.3 Nachrangdarlehen
5.1.4 Partiarisches Darlehen
5.1.5 Wandel- und Optionsanleihen
5.2 Steuerliche Behandlung von Mezzanine-Kapital
5.2.1 Stille Gesellschaft
5.2.2 Genussrechtskapital
5.2.3 Nachrangdarlehen
5.2.4 Partiarisches Darlehen
5.2.5 Wandelanleihe
5.2.6 Optionsanleihe

6 Realisierung einer Mezzanine-Finanzierung
6.1 Implementierung einer Genussscheinemission
6.2 Mezzanine-Finanzierung am Fallbeispiel der HUETTEMANN GmbH
6.2.1 Unternehmensprofil
6.2.2 Realisierung des Konzeptes
6.3 Mezzanine-Finanzierung am Fallbeispiel der insolventen Geiger Technologies GmbH

7 Fazit

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: KMU-Definition der Europäischen Kommission

Abbildung 2: Quantitative Mittelstandsdefinition des IfM Bonn

Abbildung 3: Eigenkapitalunterlegung nach Basel I und Basel II

Abbildung 4: Firmeninsolvenzen in Deutschland 2003-2010

Abbildung 5: Bilanzielle Einordnung von Equity Mezzanine und Debt Mezzanine

Abbildung 6: Merkmale von Eigen-, Mezzanine- und Fremdkapital

Abbildung 7: Aufstieg und Fall der Mezzanine-Programme

Abbildung 8: Verteilung der Finanzierungsanlässe 2008

Abbildung 9: Programmübersicht equiNotes II

Abbildung 10: Insolvenzen von Mezzanine-Nehmern

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

In Zeiten zunehmender Globalisierung befindet sich die Unternehmensfinanzierung in Deutschland in einem tief greifenden Wandel. Im Hinblick auf die Finanzierungsstruk­tur hat insbesondere der Mittelstand als größter Arbeitgeber Deutschlands erheblichen Nachholbedarf.[1] Aufgrund Basel II und der aktuellen Finanzkrise müssen sich immer mehr mittelständische Unternehmen nach Finanzierungsalternativen zum klassischen Bankdarlehen umsehen.[2] Bei Basel II richtet sich die Kreditvergabepolitik u. a. nach der Eigenkapitalquote. Im internationalen Vergleich weisen kleine und mittlere Unterneh­men (KMU) eine sehr geringe Eigenkapitalquote von 7,5 % auf[3]. Um die Eigenkapital­quote zu erhöhen und damit auch die Bonität bzw. das Rating zu verbessern, eignet sich die Mezzanine-Finanzierungsform. Hierbei handelt es sich um eine Mischform, zwi­schen klassischem Fremdkapital und Eigenkapital, als Mittel zur Erhöhung der Eigen- kapitalquote.[4] Um eine langfristige Präsenz des Mittelstands auf dem internationalen Markt zu gewährleisten, sind Investitionen in Zukunftstechnologien unerlässlich[5]. Da­her gewinnt die Aufnahme von Mezzanine-Kapital bei dem zunehmenden internationa­len Wettbewerbsdruck an Bedeutung. Das Mezzanine-Kapital eignet sich vorzugsweise für Wachstumsfinanzierungen.[6] Interessant ist, dass diese Finanzierungsform, trotz des eigenkapitalähnlichen Charakters, steuerlich wie Fremdkapital behandelt werden kann [7]. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass zwischen Standard-Mezzanine und Individual­Mezzanine unterschieden wird. Bei Standard-Mezzanine handelt es sich um eine kapi­talmarktabhängige Finanzierungsform, während sich Individual-Mezzanine nicht am Kapitalmarkt orientiert, sondern flexibel an die gegebene Finanzierungssituation des Kapitalnehmers anpasst.[8]

Das Ziel der nachfolgenden Arbeit besteht darin, zu untersuchen, inwiefern sich die Aufnahme von Mezzanine-Kapital als Finanzierungsalternative zum klassischen Bank­darlehen eignet. Unter Berücksichtigung der anhaltenden Wirtschaftskrise müssen ins- besondere im Hinblick auf die bevorstehenden Fälligkeiten der Standard-Mezzanine­Programme mögliche Maßnahmen zur Anschlussfinanzierung aufgezeigt werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird zunächst der Mittelstand samt seinen Besonder­heiten definiert. Im Anschluss daran wird die Finanzierungsstruktur des Mittelstands unter Berücksichtigung der Weltwirtschaftskrise und der Kreditvergabepolitik analy­siert. In diesem Zusammenhang wird auf die Insolvenzprognose eingegangen. Im drit­ten Kapitel wird das Mezzanine-Kapital als Finanzierungsalternative für den Mittelstand einschließlich deren Vor- und Nachteile beschrieben. Im Übrigen wird auf die bevorste­hende Problematik einer Anschlussfinanzierung eingegangen. Basierend auf den vorge­nannten Grundlagen werden die einzelnen Mezzanine-Finanzierungsinstrumente detail­liert erörtert. Das darauf folgende Kapitel beschreibt die bilanzielle und steuerliche Be­handlung des Mezzanine-Kapitals. Im sechsten Kapitel wird die Umsetzung einer Ge­nussscheinemission dargelegt. Im Anschluss daran wird eine Mezzanine-Finanzierung an Fallbeispielen dargestellt. Abschließend wird die Ausarbeitung zusammengefasst und ein Ausblick in die Zukunft gegeben.

2 Mittelständische Unternehmen

2.1 Definition des Mittelstands

Für den Standort Deutschland hat der Mittelstand einen sehr hohen Stellenwert. In An­betracht dieser Tatsache ist umso interessanter, dass es hierfür keine einheitliche Defini­tion gibt.[9] Der deutsche Mittelstand umfasst mehr als 3 Mio. kleine und mittlere Unter­nehmen (KMU). Davon gehören 280.000 Unternehmen zum verarbeitenden Gewerbe, 315.000 zum Baugewerbe, etwa 418.000 zur Einzelhandelssparte und ca. 800.000 zur Dienstleistungssparte. Darüber hinaus gehören zum deutschen Mittelstand noch ca. 560.000 Handwerksunternehmen und 817.000 Freiberufler.[10] In der weiteren Ausarbei­tung werden die Begriffe „mittelständische Unternehmen“, „Mittelstand“ und „KMU“ als Synonyme verwendet.

2.1.1 Der quantitative Aspekt

Bei der Ermittlung des KMU-Anteils an der Gesamtwirtschaft werden Größenordnun­gen, die bestimmte Werte nicht überschreiten dürfen, zugrunde gelegt. Diese werden am Umsatz und/oder Zahl der Beschäftigten gemessen. Die Kommission der Europäischen Union teilt den Mittelstand in mikro, klein und mittelgroß ein. Hierbei ist zu berücksich­tigten, dass bei der Definition von KMU, das Kriterium der Unabhängigkeit erfüllt sein muss, das heißt das Unternehmen darf keiner Unternehmensgruppe angehören. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass kein anderes Unternehmen 25 % oder mehr Anteile an dem betreffenden Unternehmen hält[11]. Die Definition sieht vor, dass bestimmte Grö­ßenschwellen, wie ein Jahresumsatz von 50 Mio. EUR, eine Bilanzsumme von 43 Mio. EUR sowie 250 Mitarbeiter nicht überschritten werden. Die Mittelstandsdefinition der Europäischen Kommission wird auf der nachfolgenden Seite veranschaulicht (siehe Abbildung 1). Im Anschluss daran wird die Definition des Bonner Instituts für Mit­telstandsforschung (IfM) dargelegt (siehe Abbildung 2). Diese Definition hingegen zieht als Größenmerkmal die Grenze bis zu 500 Mitarbeiter heran. Basierend auf der Definition des IfM Bonn gehören zum Mittelstand 99,7 % aller Unternehmen in Deutschland.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: KMU-Definition der Europäischen Kommission[13]

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Abbildung 2: Quantitative Mittelstandsdefinition des IfM Bonn[14]

2.1.2 Der qualitative Aspekt

Bei der KMU-Definition werden neben den quantitativen Merkmalen qualitative Krite­rien für eine Bewertung herangezogen. Ein wesentliches qualitatives Kriterium liegt in der Einheit von Eigentum und Haftung begründet. Dabei steht der geschäftsführende Gesellschafter im Blickpunkt, der in enger Beziehung zum Unternehmen steht. Dazu zählt insbesondere die Beeinflussung der strategischen Entscheidungen in leitender und eigenverantwortlicher Position sowie die sich daraus unter Umständen ergebende per­sönliche Haftung. Insbesondere bei der Inanspruchnahme eines Bankkredites durch eine haftungsbeschränkte Gesellschaft ist es üblich, dass sich geschäftsführende Gesellschaf­ter verbürgen müssen[15]. Darüber hinaus basiert erfahrungsgemäß die Finanzierung einer Kapitalgesellschaft teilweise auf dem Privatvermögen des Gesellschafters.[16] Somit steht die wirtschaftliche Existenz des Unternehmers mit der des Unternehmens in enger Ver­bindung.[17] Aus der engen Beziehung zwischen dem Unternehmen und dem Inhaber re­sultiert eine völlige oder weitgehende Konzernunabhängigkeit, die sich aus der Ein- flussnahme der Geschäftsleitung auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens ergibt. Basierend auf dieser qualitativen Definition zählt demnach ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. EUR zum Mittelstand.[18] Demgegenüber steht der quantitative Aspekt, bei dem ein Unternehmen unter Berücksichtung der Grö­ßenklassen als mittelständisch deklariert wird, obwohl sich an dem mittelständischen Unternehmen ein Konzern beteiligt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die qualitativen Kriterien einen hohen Stellenwert haben, sich jedoch statistisch nur schwer belegen lassen. In Folge dessen sind die quantitativen Kriterien für die Definiti­on eines mittelständischen Unternehmens unerlässlich.[19]

2.2 Finanzierungsstruktur im Mittelstand

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage und den damit verbundenen Umsatzein­brüchen stehen zahlreiche Unternehmen vor großen Herausforderungen [20]. Die KMU finanzieren sich meist über klassische Bankdarlehen oder mittels thesaurierter Gewinne. Bedingt durch die aktuelle Wirtschaftslage ist der Finanzierungs- und Investitionsspiel­raum erheblich eingeschränkt[21] . Interessant ist, dass vor allem mittelständische Unter­nehmen mit besonders geringen Umsätzen eine höhere Abhängigkeit im Hinblick auf die klassische Fremdfinanzierung über die Hausbank aufweisen.[22] Angesichts Basel II wird die Aufnahme eines klassischen Bankkredites durch die verschärfte Kreditverga­bepolitik der Banken für KMU schwieriger. Dieses ist in erster Linie auf die steigenden Anforderungen im Bereich des Ratings und dem damit verbundenen erhöhten Informa­tionsbedarf von Seiten der Banken zurückzuführen. Dennoch ist auffällig, dass unab­hängig von der verschärften Kreditvergabepolitik der klassische Bankkredit vom Mit­telstand bevorzugt wird. Daher sind die Kontaktpflege und die damit verbundene offene Kommunikation zu den Banken für KMU unerlässlich. Insbesondere in Zeiten der Fi­nanzkrise wird die klassische Fremdfinanzierung von KMU aufgrund der geringen Ei­genkapitalquote oder des hohen Verschuldungsgrades[23] erschwert.[24] In Folge dessen müssen Mittelständler gegenwärtig ihre Investitionen und Personalaufstockungen in andere Perioden verschieben.[25]

Derzeit finanzieren sich mittelständische Unternehmen über Bankdarlehen (66 %), die Einbehaltung von Gewinnen (50 %) und die Überlassung von Gesellschafterdarlehen (32 %) [26]. Um den Erfordernissen im Bereich des Ratings und der damit verbundenen Kreditvergabe gerecht zu werden, ist eine hohe Eigenkapitalquote essentiell. Basierend auf der Unternehmensbefragung der KfW aus dem Jahr 2008 beabsichtigten lediglich sechs bis sieben Prozent aller Unternehmen die Aufnahme von Mezzanine-Kapital, um die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Zu den weiteren Finanzierungsinstrumenten, die im­mer mehr an Bedeutung gewinnen, zählen neben den Mezzanine-Finanzierungsformen, Factoring und Leasing.[27] In Zeiten der Rezession muss berücksichtigt werden, dass kri­senanfällige Unternehmen, im Hinblick auf die Rückzahlung der endfälligen Standard- Mezzanine-Programme vor große Herausforderungen gestellt werden [28].

2.2.1 Basel II und Rating

Die Verordnungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II) von 2007 stellen Mindestanforderungen an Banken hinsichtlich der Eigenkapitalunterlegung bei der Kreditvergabe [29]. Primäres Ziel ist es, die Stabilität im Kreditwesen und im interna­tionalen Finanzsystem zu sichern. Dabei werden die Kreditnehmer abhängig von deren Bonität in verschiedene Risikoklassen (AAA bis CCC) eingeteilt.[30] Die Bonitätsbewer­tung hängt dabei von der Eigenkapitalquote sowie dem Verschuldungsgrad ab [31]. In die­sem Kontext muss berücksichtigt werden, dass die Banken bei der Darlehensvergabe an Kunden mit schlechter Bonität (CCC-Kunden) einen wesentlich höheren Eigenkapital­anteil unterlegen müssen als bspw. bei AAA-Kunden. Die Bonität und die daraus resul­tierende Einteilung in eine Risikoklasse gibt demzufolge Aufschluss über die Kredit­würdigkeit eines Unternehmens.[32] Hierbei ist zu berücksichtigen, dass in der Zeit von 1988 bis 2007 nach Basel I unabhängig von der Bonität des Kreditnehmers lediglich acht Prozent des in Anspruch genommenen Darlehens als Risikokapitalrücklage durch die Bank unterlegt werden musste. Am nachfolgenden Beispiel wird die Eigenkapital­unterlegung bei einer Darlehensinanspruchnahme eines Darlehens über 2.000.000,­ EUR abhängig von der Risikoklasse veranschaulicht (siehe Abbildung 3)[33].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Eigenkapitalunterlegung nach Basel I und Basel II[34]

Bei der Kreditvergabe nach Basel II ist zu berücksichtigen, dass Unternehmen mit einer Bonität von A- und besser das Darlehen zu günstigeren Konditionen erhalten, als nach Basel I[35].

Die Einordnung in die verschiedenen Risikoklassen erfolgt mittels interner oder exter­ner Ratings. Bei einem internen Rating (IRB-Ansatz) erfolgt die Bewertung des Kunden über die Hausbank. Gemäß Basel II sind die Hausbanken bei der Kreditvergabe ver­pflichtet ein internes Rating durchzuführen.[36] Das externe Rating erfolgt durch akkredi­tierte Ratinggesellschaften (z. B. „Standard & Poor’s“ oder „Moody’s“) und findet ins­besondere bei Unternehmen, die sich über Anleihen oder Verbriefungen finanzieren, seine Anwendung. Für mittelständische Unternehmen ist das von den Banken durchge­führte interne Rating maßgeblich. Generell lässt sich festhalten, dass externe Ratings nur einen geringen Einfluss auf die Kreditvergabe der Banken haben und somit nur bei Akquisition, Private Equity oder Beteiligungsfinanzierung in Betracht kommen. Bei der Durchführung eines externen Ratings fallen zudem Kosten von mindestens 50.000,- EUR an. Demnach ist das externe Rating für den Mittelstand nur von geringer Rele­vanz.[37] Ziel des Ratings ist es, Aufschluss über die Zahlungsfähigkeit des Unterneh­mens zu geben, insbesondere im Hinblick auf die fristgerechte und vollständig zu leis­tenden Zahlungen von Zinsaufwendungen oder Tilgungsraten der Darlehen.[38] Bei der Vergabe einer Ratingnote werden neben den „harten“ Faktoren (finanzielle Lage des Unternehmens) auch „weiche“ Faktoren (unternehmerische Perspektive für die Zukunft) heran gezogen. Zur Bestimmung der „harten“ Faktoren werden Unterlagen wie z. B. Bilanzen, Jahresabschlüsse, Liquiditätsvorschau und Investitionsplanung angefordert. Prinzipiell kommen alle Kennzahlen, insbesondere die Eigenkapitalquote, der Cash­Flow oder die Umsatzrendite in Betracht. Zu den „weichen“ Kriterien gehören u. a. Nachfolgeregelungen, Struktur und Kompetenz der obersten Führungsebene sowie die Branchenzugehörigkeit.[39]

Die Gründe für die Ablehnung eines Kreditantrages sind neben den geringen Sicherhei­ten die niedrige Eigenkapitalquote von KMU. Hinsichtlich der Bonität und des damit verbundenen Ratings ist die Eigenkapitalquote der wichtigste Indikator. Besonders im Hinblick auf die Höhe der Finanzierungskosten bei der Aufnahme eines Bankdarlehens ist eine hohe Eigenkapitalquote für ein gutes Rating von wichtiger Relevanz. Die Si­cherstellung einer hohen Eigenkapitalquote ist daher unerlässlich, vor allem für zukünf­tig geplante Investitionen und die Eindeckung mit kostengünstigen Darlehen.[40]

2.2.2 Insolvenzursache und -prognose im Mittelstand

In Zeiten der Finanzkrise und der damit verbundenen scharfen Rezession im ersten Quartal 2009 wird in Bezug auf die Unternehmensinsolvenzen in 2010 eine leichte Sta­bilisierung prognostiziert. Ungeachtet der ersichtlichen Erholung der Konjunktur wird die Zahl der Insolvenzen in 2010 ihren Höhepunkt erreichen. Die Ursache liegt darin begründet, dass Firmeninsolvenzen die wirtschaftliche Entwicklung zeitversetzt abbil­den. Die Gründe für den Auslöser einer Insolvenz sind neben dem mangelnden Inkasso­und Debitorenmanagement das fehlende Controlling bei KMU. Bei der Kreditvergabe zu attraktiven Konditionen wird eine offene Kommunikation mit den Banken vorausge­setzt. In Folge der zurückhaltenden Haltung des Mittelstandes gegenüber den Banken hinsichtlich des Informationsaustausches wird die Vergabe notwendiger Darlehen durch die Banken verweigert.[41] Im Bezug auf die Finanzkrise spielen die Auftragseinbrüche die bedeutendste Ursache für den Anstieg der Insolvenzen. Ferner spielt der fehlende Personalabbau bei sinkendem Umsatz, die geringen finanziellen Reserven sowie das unflexible Management bei KMU in Krisenzeiten eine entscheidende Rolle. Eine weite­re Rolle spielen die Lieferanten und Kunden, die durch ihre Insolvenz als Auslöser für weitere Firmeninsolvenzen in Betracht kommen.[42] Interessant ist, dass jede dritte Fir­meninsolvenz ausschließlich auf die Finanz- und Wirtschaftskrise zurückzuführen ist[43]. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass insbesondere kleine Mittelständler betroffen sind. Dieses ist hauptsächlich auf das mangelnde Know-how des Managements und auf die geringe Eigenkapitalausstattung der KMU zurückzuführen.[44]

Um einer etwaigen Insolvenz entgegenzuwirken eignet sich als Instrument die Einfüh­rung von Kurzarbeit. Es muss aber auch berücksichtigt werden, dass diese Maßnahme aufgrund seiner Befristung nur eine hinauszögernde Wirkung auf eine mögliche Firmen­insolvenz haben kann.[45]

Während die Anzahl der Firmeninsolvenzen im Jahr 2008 um 0,4 Prozent auf 29.291 angestiegen ist, wird für 2009 ein Zuwachs von 19,5 Prozent auf 35.000 erwartet. Für 2010 wird eine weitere Steigung um 11,1 Prozent auf 38.900 prognostiziert. Die nach­stehende Grafik veranschaulicht die Insolvenzentwicklung (siehe Abbildung 4). Interes­sant ist, dass in diesem Zusammenhang in 2009 allein 17.500 Firmenpleiten auf das Kleingewerbe entfallen.[46]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Firmeninsolvenzen in Deutschland 2003-2010[47]

Zu den besonders betroffenen Zweigen gehören die Automobilindustrie und deren Zu­lieferer, der Maschinenbau sowie die Transport- und Logistikbranche.[48] Vor dem Hin­tergrund der stark angestiegenen Insolvenzen, in Folge der dünnen Eigenkapitaldecke bei KMU, müssen Finanzierungsalternativen aufgezeigt werden.

3 Definition und Einordnung von Mezzanine-Kapital

3.1 Definition und Abgrenzung von Mezzanine-Kapital

Der Ausdruck „Mezzanine-Kapital“ ist weder in der Wirtschaftswissenschaft noch in der Rechtswissenschaft einheitlich definiert. Der Grund ist darauf zurückzuführen, weil diese Finanzierungsform kein eigenständiges Finanzierungsinstrument darstellt. Es steht vielmehr für einen Oberbegriff hybrider Finanzierungsformen. Das heißt, dass diese Finanzierungsinstrumente sowohl eigenkapitalähnliche als auch fremdkapitalähnliche Charakterzüge besitzen können. Darüber hinaus können die charakteristischen Merkma­le je nach Tendenz, eher eigenkapitalnahe (Equity Mezzanine) oder fremdkapitalnahe (Debt Mezzanine) Faktoren aufweisen. Hierbei ist zu erwähnen, dass die unterschiedli­chen Finanzierungsformen bilanziell zwischen dem reinen Eigenkapital und dem reinen Fremdkapital einzuordnen sind. Im Folgenden wird die bilanzielle Einordnung von Equity und Debt Mezzanine nochmals grafisch dargelegt (siehe Abbildung 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Bilanzielle Einordnung von Equity Mezzanine und Debt Mezzanine[49]

Der Begriff Mezzanine findet seinen Ursprung im italienischen Sprachgebrauch und bedeutet „Mezzanino“. Hierbei wird in der Architektur das Zwischengeschoss inmitten zweier Hauptgeschosse bezeichnet.[50]

Die bedeutsamsten mezzaninen Finanzierungsinstrumente sind Genussrechte, stille Be­teiligungen und Nachrangdarlehen. Zu den wesentlichen Merkmalen zählt die Nachran­gigkeit der Mezzanine-Geber gegenüber anderen Gläubigern im Falle einer Insolvenz. Eine etwaige Überlassung von Sicherheiten seitens der Mezzanine-Kapitalnehmer ist im Regelfall nicht vorgesehen. In Folge des erhöhten Risikos für die Investoren ist die In­anspruchnahme von Mezzanine-Kapital mit höheren Zinsaufwendungen im Vergleich zum klassischen Bankdarlehen verbunden. Das Kapital wird hierbei zeitlich befristet überlassen, in der Regel liegt die Laufzeit zwischen fünf und zehn Jahren. Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist, dass die Kapitalgeber nur in festgelegten Fällen einen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen haben, und somit die Geschäftspolitik des Unternehmens in der Regel nicht beeinflussen können.[51] Je nach Ausgestaltung der Finanzierungsform können die laufenden Zinsaufwendungen steuerlich als abzugsfähige Betriebsausgaben geltend gemacht werden.[52] Bedingt durch die Aufnahme von Mezza- nine-Kapital wird die Eigenkapitalquote gestärkt. In Folge dessen kommt es zu einer Erhöhung der Bonität und zu einer steigenden Kreditwürdigkeit. Die Aufnahme von Mezzanine-Kapital eignet sich jedoch nur unter der Prämisse einer guten Wachstums- prognose und zukünftig hohen Erträgen.[53]

Bei einer Eigenkapitalfinanzierung verbürgt sich der Gesellschafter mindestens mit sei­ner Einlage. In Folge dessen besteht ein Anspruch auf eine Gewinnbeteiligung oder einen Liquidationserlös. Gleichzeitig beteiligt sich der Gesellschafter an möglichen Ver­lusten. Ein weiteres Kriterium ist, dass der Gesellschafter einen Einfluss auf unterneh­merische Entscheidungen hat und somit die Geschäftspolitik des Unternehmens beein­flussen kann. Generell lässt sich festhalten, dass das Eigenkapital unbefristet überlassen wird und in der Regel keine Sicherheiten durch die Gesellschaft gestellt werden. Dage­gen ist bei der Finanzierung durch Fremdkapital die befristete Kreditlaufzeit charakte­ristisch. Darüber hinaus zählt neben dem Anspruch auf Tilgung, die Begleichung der laufenden Zinsaufwendungen durch den Kreditnehmer zu den wesentlichen Merkmalen. Eine Beteiligung an möglichen Verlusten bzw. der Erwerb am Eigentum durch den Kreditgeber ist ausgeschlossen. Dies gilt gleichermaßen für etwaige Mitwirkungsrechte oder Gewinnbeteiligungen am Unternehmen des Kapitalnehmers.[54] Die Abgrenzung des Mezzanine-Kapital zum Eigen- und Fremdkapital wird in der nachfolgenden Grafik detailliert veranschaulicht (siehe Abbildung 6)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Merkmale von Eigen-, Mezzanine- und Fremdkapital[55]

[...]


[1] Vgl. Steiner/Schiffel (2006), S. 1.

[2] Vgl. Brezski et al. (2006), S. 1 f.

[3] Vgl. Brezski et al. (2006), S. 1; Externbrink (2007), S. 241 f.; Werner (2007), S. 14.

[4] Vgl. Frank (2008a), S. 28; Werner (2004), S. 12.

[5] Vgl. Straubhaar (2008), S. 14.

[6] Vgl. Häger/Elkemann-Reusch (2007), S. 6; Steiner/Schiffel (2006), S. 2.

[7] Vgl. Werner (2004), S. 11; Werner/Kobabe (2007), S. 13.

[8] Vgl. Bastian (2009), S. 23; Brokamp et al. (2008), S. 18 f.

[9] Vgl. Kirn (2002), S. 19; Steiner/Schiffel (2006), S. 1; Wallau (2006), S. 12; Weber (2005), S. 17.

[10] Vgl. Schauf (2006), S. 11.

[11] Vgl. Weber (2005), S. 19.

[12] Vgl. Brezski et al. (2006), S. 5; Kienbaum/Börner (2003), S. 79; Steiner/Schiffel (2006), S. 1; Ull (2006), S. 19; Wallau (2006), S. 12 f.

[13]In Anlehnung an EU-Kommission (2003).

[14]In Anlehnung an IfM Bonn (2002).

[15]Vgl. Jula (2009), S. 258.

[16]Vgl. Strothmann (2006), S. 91; Ull (2006), S. 22.

[17]Vgl. Kirn (2002), S. 19; Wegmann (2006), S. 4.

[18] Vgl. Brezski et al. (2006), S. 5; Wallau (2006), S. 13 ff.

[19] Vgl. Wallau (2006), S. 15.

[20] Vgl. Aschke (2009), S. 6; Emmrich (2009), S. 14.

[21] Vgl. Rottmann/Schätzmüller (2009), S. 5.

[22] Vgl. Brettel et al. (2005), S. 157; Steiner/Schiffel (2006), S. 10.

[23] Der Verschuldungsgrad spiegelt das Verhältnis zwischen dem Gesamtkapital und dem Fremdkapital wider, so dass der Anteil der Fremdfinanzierung ersichtlich wird. Vgl. hierzu Schachtner (2009), S. 123.

[24] Vgl. Rottmann/Schätzmüller (2009), S. 5; Steiner/Schiffel (2006), S. 10.

[25] Vgl. Bastian et al. (2008), S. 14; Schnell (2009), S. 10.

[26] Vgl. Steiner/Schiffel (2006), S. 10.

[27] Vgl. Brezski et al. (2006), S. 2; Reich (2007), S. 16.

[28] Vgl. Emmrich (2009), S. 14 f.; Fleischhauer/Olkowski (2009a), S. 34.

[29] Vgl. Krause (2008), S. 12; Steinbrügger (2008), S. 36; Werner (2004), S. 18.

[30] Vgl. Franz et al. (2007), S. 12; Sicking (2007), S. 25; Steinbrügge (2008), S. 36.

[31] Vgl. Heim (2006), S. 94; Peemöller (2003), S. 51; Rottmann/Schätzmüller (2009), S. 5.

[32] Vgl. Franz/Hötzinger/Mangels (2007), S. 12 f.; Geisen et al. (2003), S. 17.

[33] Vgl. Geisen et al. (2003), S. 16 f.; Nagl (2006), S. 155.

[34] In Anlehnung an Nagl (2006), S. 155; Steinbrügge (2008), S. 38.

[35] Vgl. Steiner/Schiffel (2006), S. 3 f.

[36] Vgl. Mayer-Kuckuk (2006), S. 26.

[37] Vgl. Köhler (2006), S. 31; Müller (2007), S. 277 ff.

[38] Vgl. Peemöller (2003), S. 21; Werner (2007), S. 16.

[39] Vgl. Geisen et al. (2003), S. 25 ff.; Müller (2007), S. 284; Starck/Scherer (2008), S. 183.

[40] Vgl. Externbrink (2007), S. 238; Werner (2007), S. 17 f.

[41] Vgl. Euler-Hermes Kreditversicherungs-AG (2009b), S. 7ff., 13; Hupe (2009), S. 3; Schnell (2009), S. 10.

[42] Vgl. Euler-Hermes Kreditversicherungs-AG (2009b), S. 7 ff.; Schnell (2009), S. 10.

[43] Vgl. Euler-Hermes Kreditversicherungs-AG (2009c).

[44] Vgl. Euler-Hermes Kreditversicherungs-AG (2009a), S. 14; Hutschenreuter (2009), S. 80.

[45] Vgl. Euler-Hermes Kreditversicherungs-AG (2009b), S. 11 f.

[46] Vgl. Euler-Hermes Kreditversicherungs-AG (2009a), S. 12 ff.

[47] In Anlehnung an Euler-Hermes Kreditversicherungs-AG (2009a), S. 12.

[48] Vgl. Euler-Hermes Kreditversicherungs-AG (2009b), S. 12.

[49] In Anlehnung an Brokamp et al. (2008), S. 2.

[50] Vgl. Brezski et al. (2006), S. 21; Brokamp et al. (2008), S. 1; Fischer (2004), S. 225; Frank (2008a), S. 28; Werner (2007), S. 21; Werner/Kobabe (2007), S. 13 f.

[51] Vgl. Brokamp et al. (2008), S. 3; Mischkowski (2009), S. 16.

[52] Vgl. Werner (2007), S. 22; Werner/Kobabe (2007), S. 13.

[53] Vgl. Emmrich (2009), S. 15; Frank (2008a), S. 28.

[54] Vgl. Brokamp et al. (2008), S. 3; Brezski et al. (2006), S. 21 f; Werner (2007), S. 22 f.

[54] In Anlehnung an Bächer (2009), S. 10.

Details

Seiten
84
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640591916
ISBN (Buch)
9783640592081
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148530
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Duisburg
Note
2,3
Schlagworte
Mezzanine-Kapital Finanzierungsalternative Mittelstand

Autor

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Titel: Mezzanine-Kapital als Finanzierungsalternative für den Mittelstand