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Die Macht der Worte – Wie die deutsche Propaganda das Kriegsgeschehen in Griechenland darstellte

Eine Analyse ausgewählter Texte

Seminararbeit 2007 20 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vorbetrachtungen
1.1 Der deutsche Feldzug in Griechenland und die Rekonstruktion des historischen Umfeldes
1.2 Vorstellung des zu untersuchenden Quellenmaterials

2. Die deutsche Südfront im Zweiten Weltkrieg – Exemplarische Analyse ausgewählter Beschreibungen über die Kriegsereignisse in Griechenland 1941 bis 1944
2.1 Die Bewertung des britischen Engagements in Griechenland – Enno W. Müller-Waldeck und `Die verratene Göttin`
2.2 Impressionen einer faszinierenden Landschaft – Kriegsberichterstatter Erhard Kästner ist `Am Strande von Europa`
2.3 Vom `guten` zum `bösen` Griechen – 1943 Umschwung in der deutschen Kriegs-Berichterstattung

3. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Griechenland, einst die Wiege der europäischen Demokratie, um 1940 jedoch diktatorisch regiert, wurde bereits frühzeitig in den Zweiten Weltkrieg einbezogen und sah sich einer Bedrohung durch die Achsenmächte ausgesetzt. Mit dem Versuch Italiens, von Albanien aus auf griechisches Territorium zu expandieren, wurde auch der südliche Balkan zum Schauplatz eines grausigen Eroberungskrieges. Als Italien unter Mussolinis Führung sich anstellte, Griechenland zu erobern, zeigte sich sehr schnell, dass die griechische Armee durchaus im Stande war, sich zu verteidigen – die Italiener wurden geschlagen und sogar nach Norden zurückgedrängt, was schließlich zur Besetzung einiger Teile Albaniens führte.

Obwohl Deutschland an einem Balkankrieg nicht interessiert war, entschloss sich die deutsche Führung im Frühjahr 1941 zu einer Offensive, auch um die geschlagenen Italiener zu unterstützen und die Südfront abzusichern. Damit begann die von den Deutschen forcierte Besetzung des griechischen Hoheitsgebietes und die Einbindung der Hellas in den Zweiten Weltkrieg.

In der vorliegenden Seminararbeit „Die Macht der Worte – Wie die deutsche Propaganda das Kriegsgeschehen in Griechenland darstellte. Eine Analyse ausgewählter Texte. soll herausgearbeitet werden, wie die deutsche Propaganda die Kriegsereignisse in der Ägäis darstellte. Nach einer kurzen Rekonstruktion des historischen Umfeldes und einer Vorstellung der wichtigsten Quellen erfolgt im Hauptteil die exemplarische Analyse von Texten, welche die Ereignisse in Griechenland propagandistisch erfassten. Hierbei wird u. a. die zunächst unterschiedliche Darstellungsweise von griechischen Soldaten und ihren verbündeten[1] britischen Truppen im Vergleich zu den deutschen betrachtet. Daneben wird der Frage nachgegangen, welche Ziele die deutsche Berichterstattung sowohl in der Heimat als auch in den besetzten Gebieten verfolgte. Eine zentrale Quelle bildet in diesen Zusammenhang die Zeitschrift „Signal“. Ausgewählte Berichte sollen daher herangezogen werden, um Differenzen in der Wahrnehmung des Krieges aufzuklären: Welche stereotypischen Vorstellungen vom britischen Feind sind erkennbar? Warum erfolgte eine deutliche negative Beschreibung der britischen Expeditionsstreitkräfte und eine leichte Aufwertung griechischer Soldatenleistungen im Kampf mit den Achsenmächten? Ein weiterer Punkt in der vorliegenden Arbeit ist die Erfassung der Textintention – Was beabsichtigte die deutsche Berichterstattung bei einem (vorwiegend deutschen) Lesepublikum und über welche sprachlichen Gestaltungsmittel wurden jene Ziele realisiert? In der Forschung spielt das Thema von Propaganda und ihrer Wirkung schon längere Zeit eine wichtige Rolle. Einzeluntersuchungen[2] zum europäischen Ausland und insbesondere Griechenland sind jedoch erst in den letzten Jahren erschienen. Einen Überblick zur Beliebtheit der griechischen Antike und ihrer propagandistischen Verarbeitung gibt Denker in seiner Abhandlung.[3] Kritisch wird das gesamte literarische Spektrum in Hinblick auf eine (romantisierende) Griechenlanddarstellung untersucht. Wie die allgemeine Besatzungspolitik der Deutschen in Griechenland organisierte und funktionierte, wird sehr anschaulich bei Eckert[4] dargestellt, der die Geschichte der Hellas seit Mitte der Dreißiger Jahre bis zum Ende des zweiten Weltkrieges vorstellt. Eine intensivere und sehr aktuelle Auseinandersetzung mit der Europapropaganda in der Zeitschrift `Signal` findet sich auch bei Rutz[5], der in seinen Ausführungen den Balkanfeldzug und dessen zeitgenössischer Berichterstattung näher beleuchtet.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, unter Zuhilfenahme aktueller Sekundärliteratur, die Wirkung der vorgestellten Texte auf ein europäisches, aber vor allem deutschsprachiges Lesepublikum zu untersuchen. Am Ende der Darstellung werden die Analyseergebnisse noch einmal aufgegriffen und anschließend in einem Schlusskapitel kritisch besprochen.

1. Vorbetrachtungen

Im folgenden Kapitel soll zunächst das historische Umfeld genauer rekonstruiert werden, um hierbei auch den Wahrheitsgehalt der deutschen Berichterstattung zu erfassen. Insbesondere das politische Verhältnis zwischen Griechenland und Großbritannien bildet dabei einen zentralen Schwerpunkt. Daneben erfährt das Quellenmaterial, welches im Wesentlichen aus Beträgen der Zeitschrift „Signal“ sowie Monografien über die griechische Kultur der 1940er Jahre besteht, eine Vorstellung. Absichten der Berichterstattung sowie die Rezeptionskreise werden hierbei betrachtet.

1.1 Der deutsche Feldzug in Griechenland und die Rekonstruktion des historischen Umfeldes

Griechenland, welches seit 1933 von einem monarcho-faschistischen Regime unter Joannis Metaxas regiert[6] wurde, stellte für die deutschen Kriegpläne zunächst kein primäres Ziel dar. Nachdem jedoch italienische Truppen von Albanien aus Griechenland überfallen hatten (28. Oktober 1940), verschlechterte sich das deutsch-griechische Verhältnis deutlich. Und obwohl die italienische Armee technisch und personell weitaus besser aufgestellt war, konnte sie sich nicht gegen die griechischen Kämpfer durchsetzten[7] – im Gegenteil: Griechische Truppen konnten Mussolinis Invasoren nach

Norden zurückdrängen und einigen Boden gutmachen, da die innenpolitischen Spannungen für kurze Zeit in einem Burgfrieden beigelegt wurden.

Folglich musste auch Deutschland reagieren, wollte es doch den Balkan und insbesondere die rumänischen Erdölfelder vor englischen Angriffen oder kriegsbedingten Unruhen bewahren. Der politisch-militärische Erfolg Metaxas verdeutlichte die paradoxe Lage der Griechen: Einerseits konnten sie sich gegen das übermächtige Italien behaupten, andererseits bedeutete dies zwangläufig eine Etablierung zu einem zentralen Kriegsschauplatz an Europas Peripherie. Metaxas lehnte daher britische Militärhilfen ab und stoppte die Invasion seiner Truppen in Albanien, um den Süden Europas gewissermaßen zu stabilisieren. Der Tod des griechischen Diktators Ende Januar 1941 verschärfte die Situation gänzlich. Die innenpolitischen Unruhen griffen erneut um sich und die Briten konnten ihren Einfluss in der Region erhöhen, da der neue Premierminister Korizis unter dem Druck des griechischen Königs Georg II. die britische Waffenhilfe annehmen musste. Griechenland wurde zum Spielball der internationalen Politik[8] und avancierte in der Folgezeit zu einem wichtigen europäischen Kriegsschauplatz. Jenes Angebot der Briten stand zudem in einer Beziehung zur Garantieerklärung[9] Großbritanniens, welche bereits 1939 abgegeben worden war und die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht des griechischen Staates sichern sollte. Diese neu entstandene britisch-griechische Bedrohung im Süden Europas gab schließlich den Anlass zu einem umfassenden Feldzug Deutschlands auf dem Balkan. In einem Blitzkrieg[10], der am 6. April 1941 begann, eroberten die Achsenmächte (unter deutscher Leitung) binnen drei Wochen Griechenland. Obwohl die griechische Armee schnell besiegt wurde[11], bestand auf deutscher Seite ein gewisses Verständnis für die griechische Sache. So kehrten die (deutschen) Besatzer die Situation dahingehend um, als dass die Griechen Opfer einer britischen Expansionspolitik geworden waren und so unverschuldet in einen Krieg mit den Achsenmächten hineingedrängt wurden.[12] In der Tat sah sich Griechenland zwischen zwei Fronten gestellt. Auf der einen Seite musste es die eigene Souveränität gegen einen italienischen Aggressor[13] verteidigen. Auf der anderen Seite sah sich die Hellas in einem Spannungsfeld britischer Schutz- und Interessenpolitik positioniert, hatte doch Großbritannien seit 1939 die Eigenständigkeit der Griechen garantiert. Der Schluss ist durchaus zulässig, dass die Griechen früher oder später in den Zweiten Weltkrieg einbezogen worden wären. Ein frühes und vorschnelles italienisches Engagement auf dem Balkan band Griechenland frühzeitig in den europäischen Krieg ein, ohne das die hellenistische Bevölkerung hierbei etwas Wesentliches hätte bewirken, geschweige denn verhindern können.

1.2 Vorstellung des zu untersuchenden Quellenmaterials

Unterhaltung und Propaganda waren insbesondere während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland eng miteinander verbunden. Das kulturelle Leben durfte auch während des Krieges nicht entscheidend gestört werden, um die Bevölkerung loyal zu halten. Außerdem galt es, auch in schwierigen Situationen[14], entsprechende Feindbilder und Stereotypen zu vermitteln. Einschlägige Zeitschriften und Magazine spielten hierbei eine gewichtige Rolle, die Heimatfront stabil zu halten und für den notwendigen Nachschub an kriegsbegeisterten Rekruten zu sorgen. Weiterhin gab es Lektüre, die für die besetzten Gebiete übersetzt worden ist, um die deutsche Politik und Propaganda in anderen Ländern Europas zu verbreiten. Eine der bekanntesten Kriegsberichterstattungen (mit literarischen Modifikationen) findet sich in der Zeitschrift „Signal“. Diese speziell für propagandistische Zwecke initiierten Hefte wurden in Deutschland und Europa publiziert. Selbst in entfernten Gebieten sollten sich nicht nur deutsche Soldaten, sondern auch das besetzte Ausland von der „nationalsozialistischen Mission“ sowie Heldentaten der Deutschen Wehrmacht überzeugen können. Eigens für diesen Zweck wurden die Texte in die jeweilige Landessprache übersetzt, was u. a. dazu führte, dass die Artikel der `Signal` zeitlich etwas versetzt erschienen und nicht immer dem jeweiligen aktuellen Stand entsprachen.

[...]


[1] Großbritannien gab bereits 1939 eine Garantieerklärung für Griechenland ab, was einer militärischen

Unterstützung gleichkam.

[2] So beispielsweise die Untersuchungen von Strohmeyer, Arn: Dichter im Waffenrock. Erhard Kästner in

Griechenland und auf Kreta 1941 bis 1945. Mähringen 2006.

[3] Denkler, Horst: Was war und was bleibt? Zur deutschen Literatur im Dritten Reich. Neuere Ansätze. In:

Katarzyna, Maria/Zybura Masch: Oppelner Beiträge zur Germanistik. Frankfurt am Main 2004, S. 64 -81.

[4] Eckert, Rainer: Vom `Fall Marita` zur `wirtschaftlichen Sonderaktion`. Die deutsche Besatzungspolitik in

Griechenland vom 6. April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/ März 1943. Frankfurt am Main 1992.

Besonders der Exkurs: Die deutsche Propaganda in Griechenland, S. 37 – 58.

[5] Rutz, Rainer: Signal. Eine deutsche Auslandsillustrierte als Propagandainstrument im Zweiten Weltkrieg. Essen 2007.

[6] Eher noch war das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland durchaus positiv, da Metaxas auf eine ideologische Freundschaft mit Berlin setzte, vgl. Strohmeyer, S. 23.

[7] Eckert, S. 25.

[8] Strohmeyer, S. 24.

[9] Eckert, S. 22 – 23. Mit dieser Garantieerklärung reagierte Großbritannien auf die deutsche Aggression in Europa und die offensichtliche Nichtbeachtung Deutschlands des Münchner Abkommens von 1938. Zu diesem Zeitpunkt verzichteten sowohl Frankreich als auch Großbritannien auf ihre südosteuropäische Interessen. Nach dem deutschen Angriff auf Polen wurde diese Einstellung hinfällig. Zur britisch – französischen

Garantieerklärung von 13.04.1939, Bedürftig, Friedemann: Griechneland. In: Lexikon Drittes Reich (Hrsg. Friedemann Bedürftig). Hamburg 1994, S. 159.

[10] Eckert, S. 25.

[11] Ebenda, S. 25 und S. 26.

[12] Die deutsche Propaganda erklärte, dass Deutschland den Krieg gegen die Griechen führen muss, um

Großbritannien in Griechenland zu besiegen. Parallel dazu wurde die tiefe Verbundenheit von Griechen und Deutschen unterstrichen. Diese Darstellung wirkt in der Tat eher höhnisch und taugt wenig als Erklärung für einen Eroberungskrieg. Vgl. dazu Raeck, Karina: Andartis. Monument für den Frieden. Berlin 1995, S. 115.

[13] Dass dieser schließlich derart versagt und die Expansion Italiens zu einer Flucht ausartete, überraschte

selbst die Griechen.

[14] Spätestens seit 1942 als der Bombenkrieg auch Deutschland selbst traf, unternahm die Propaganda alles,

um die Situation positiv aufzuwerten und den Bombenterror propagandistisch auszuwerten.

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640587100
ISBN (Buch)
9783640587421
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148326
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für deutsche Literatur
Note
1,7
Schlagworte
Griechenland Signal Zeitschrift Zweiter Weltkrieg Propaganda Erhard Kästner Kriegsbericht Kriegsberichterstattung Südeuropa Am Strand von Europa;

Autor

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Titel: Die Macht der Worte – Wie die deutsche Propaganda das Kriegsgeschehen in Griechenland darstellte