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Journalismus und Journalistik aus der Perspektive der Genderforschung

Hausarbeit 2003 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Frauenforschung
2.1. Die Frauenforschung oder „women’s studies“
2.2. Die Geschlechterforschung oder „Gender Studies“
2.3. Gleichheits- und Differenzansatz

3. Ergebnisse der Geschlechterforschung im Bereich Journalismus und Journalistik
3.1. „Global Media Monitoring Projekt“

4. Schlussbetrachtung

Bibliographie

1. Einleitung

Sabine Christiansen bekam im Jahre 1999 die „Saure Gurke“ für die frauenfeindlichste Sendung des Jahres und bereits zwei Jahre später den „Bambi 2001“ für eben diese sonntägliche Politik-Talkshow überreicht.

(vgl. Mohr, 2002, „Die sanfte Inquisition“. In: der Spiegel, online Archiv)

Vielleicht zeigt aber gerade das den Trend der letzten Jahre am deutlichsten. Überall haben Frauen, auch im journalistischen Bereich, Fuß gefasst. Man hat nur immer noch nicht den Eindruck, dass sie etwas an der Berichterstattung ändern würden, oder gar die zum Teil immer noch erschreckend klischeehafte Darstellung der Frau in den Medien aufbrechen könnten.

Mit dem Beginn der Frauenbewegung wurden auch die ersten Studien zu diesem Thema in Auftrag gegeben. Seit dieser Zeit hat sich auf dem Gebiet der Forschung einiges getan.

Nach Behnke/Meuser (1999, S. 8) hat sich die Frauenforschung von der Betroffenenforschung weg, hin zu einer sozialkonstruktivistischen Perspektive entwickelt. Grenzverwischungen zwischen Forschenden und Erforschten als auch zwischen Datenerhebung, Begründungs- und Verwertungszusammenhang traten weiter in den Hintergrund. Gleichzeitig wurde der Fokus auf Männer und männliche Lebenszusammenhänge verschoben und auf die Verhältnisse der Geschlechter erweitert. Behnke/Meuser (1999, S. 9) beschreiben dies als Übergang von der Frauen- zur Geschlechterforschung.

Im ersten Teil meiner Hausarbeit werde ich also die Entwicklung der damaligen Frauenforschung oder „ women’s studies“ darstellen. Besonderen Wert habe ich dabei auf die drei feministischen Strömungen, des liberalen, radikalen und linken Feminismus gelegt, die jeweils ihren eigenen Einfluss auf die Frauenforschung hatten.

Im Anschluss stelle ich dann die Frauenforschung der aktuelleren Geschlechterforschung oder „gender studies“ gegenüber.

Des weiteren werde ich noch genauer auf den Gleichheits- und den Differenzansatz eingehen.

Der zweite Part dieser Hausarbeit wird sich dann mit den spezifischen Ergebnissen der Genderforschung im Bereich Journalismus und Journalistik beschäftigen.

Ergebnisse der Studien von Erich Küchenhoff, Siegfried Weischenberg, Margret Lünenborg und des „Global Media Monitoring Projekts“ (GMMP) sollen Aufschluss über die Entwicklung zwischen den Jahren 1975 und 2002 geben. Während Küchenhoff, Weischenberg und Lünenborg lediglich am Rande erwähnt bleiben, habe ich besonderes Augenmerk auf die Entwicklung des GMMP von 1995 bis 2002 gelegt.

Meine Hausarbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung zur aktuellen Situation von Frauen in den Medien mit dem Versuch einer Bewertung, angereichert mit aktuellen Meinungen zu der „Geschlechterfrage“ und deren Entwicklung.

2. Entwicklung der Frauenforschung

Anfang der 70er Jahre gab die Frauenbewegung den Wissenschaften neue Impulse.

Die extreme Kluft zwischen den Geschlechtern ist als Ausgangspunkt der Frauenforschung zu betrachten.

Einfluss auf die Frauenforschung hatten unter anderem drei feministische Strömungen:

- der liberale Feminismus
- der radikale Feminismus
- und der linke (sozialistisch-marxistische) Feminismus

Die Vertreter der ersten Strömung, des liberalen Feminismus, gehen davon aus, dass eine Gleichstellung der Frau möglich ist, ohne die sozialen Gegebenheiten und Strukturen komplett umzuwerfen.

Die Differenz zwischen den Geschlechtern ist ihrer Meinung nach das Ergebnis einer geschlechtsspezifischen Sozialisation und kulturell definiert getrennten Lebensweisen. Mit Hilfe von sozialem Lernen könnte das Resultat, das relative Ungleichgewicht, jedoch wieder aufgehoben werden.

Die Anhänger des liberalen Feminismus fordern Reformen, die auf Gleichberechtigung der Geschlechter gründen. Das beinhaltet unter anderem die Förderung von Frauen in Journalismus und Medienwissenschaft, sowie die Entwicklung neuer Wege, um die klischeehaft verzerrte Darstellung und gleichzeitige Unterrepräsentanz von Frauen in den Medien aufzubrechen.

Grundlegende Prämisse der zweiten Strömung, des radikalen Feminismus, ist die „biologisch bedingte, natürliche“ Geschlechterdifferenz sowie die Allgemeingültigkeit und Unveränderbarkeit der männlichen Geschlechterherrschaft.

Die Vertreter dieser radikalen Theorie fordern, dass autarke weibliche Lebensbereiche geschaffen werden müssen. Sie gehen davon aus, dass die gelebten Erfahrungen von Frauen den Ausgangspunkt weiblicher Perspektiven, Werte und Normen bilden.

Ebenso wie die radikale Strömung geht die dritte und letzte hier genannte Feminismus-Theorie von der Unveränderbarkeit gesellschaftlicher Strukturen aus. Der linke Feminismus sieht aber im Unterschied zum radikalen die soziale Rolle der Frau nicht nur in ihren patriarchalen Grenzen, sondern auch im Zusammenhang mit ökonomischen und klassenspezifischen Verhältnissen.

Studien von Anhängern des linken Feminismus untersuchen zum Beispiel die Diskriminierung und Unterrepräsentanz von Frauen vor allem in international vergleichenden Analysen.

(vgl. Angerer/Dorer, 1994, S. 17f.)

2.1. Die Frauenforschung oder „women’s studies“

Die bevorzugten Methoden der Frauenforschung waren historische und biographische Fallstudien, Monographien, Intensivinterviews und die teilnehmende Beobachtung. Untersucht werden sollten die Resultate der Geschlechtersegregation. Der Fokus liegt bei dieser Art der Forschung auf der Norm und dem jeweiligen Abweichen von der Norm.

„Women’s studies gehen davon aus, dass gesellschaftliche Institutionen, das gesellschaftliche Wissen und Handeln etc. männlich dominiert und normiert ist, sodass Frauen immer nur als die von der Norm abweichenden Subjekte begriffen werden.“

(Angerer/Dorer, 1994, S. 9)

Gemeint ist: In der Frauenforschung haben die Menschen ein Geschlecht, sie sind Mann oder Frau. (Klaus, 1998, S. 49)

Ziel war die Differenz zwischen Männern und Frauen transparent zu machen, Gleichheit zu schaffen und schließlich Emanzipation zu erreichen.

Kritisiert wurde die Frauenforschung aus zweierlei Gründen. Einerseits wegen der unwissenschaftlichen Vorgehensweise in der frühen Frauenforschung, die sich eher zu der Frauenbewegung gehörig verstand, nicht in erster Linie zur Wissenschaft. Zum anderen verfolgte die Frauenforschung so außerordentlich die Absicht zu emanzipieren, dass viele Kritiker beklagten, dass man ja alles aus Untersuchungen herausziehen könne, wenn man nur lange genug danach suche.

Forscher oder Wissenschaftler sollten nicht von einem Projekt betroffen sein oder ein bestimmtes Ergebnis erwarten, vielmehr sollten sie unparteiisch wissenschaftlich tätig sein können.

(vgl. Behnke/Meuser, 1999, S. 32f.)

2.2. Die Geschlechterforschung oder „Gender Studies“

„Seit einigen Jahren ist auch in der deutschsprachigen Forschung eine vermehrte Ausrichtung von Frauenforschung in Richtung Genderforschung bzw. Geschlechterforschung erkennbar, wobei der Begriff Genderforschung dem letzteren vorzuziehen ist, weil er deutlich macht, dass es primär um die Analyse bzw. Dekonstruktion sozialer/kultureller Geschlechteridentitäten geht, während die deutsche Übersetzung Geschlechterforschung suggeriert, dass dem Forschungsparadigma Frau lediglich der geschlechtliche „Gegenpol“ Mann hinzugefügt wird.“

(Angerer/Dorer, 1994, S. 8)

Gemeint ist hier: In der Genderforschung üben die Menschen ein Geschlecht aus, tun das Geschlecht . (Klaus, 1998: 49)

Das Geschlecht ist damit nichts Zugewiesenes, sondern die Menschen selbst erschaffen im Denken und Handeln ihr Geschlecht. „Gender“ umschreibt das soziale und kulturelle, „sex“ das biologische Geschlecht.

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Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638201315
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14828
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
gut
Schlagworte
Journalismus Journalistik Perspektive Genderforschung Medientheorie

Autor

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Titel: Journalismus und Journalistik aus der Perspektive der Genderforschung