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Die Globalsteuerung nach Karl Schiller

Die Anwendung einer antizyklischen Fiskalpolitik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Fragestellung

2. Historische Grundlage für die Einführung der Globalsteuerung

3. Die Globalsteuerung nach dem Vorbild Keynes

4. Die Maßnahmen der Globalsteuerung
4.1. Die Angebots- und Nachfragesteuerung
4.2. Die Instrumente der Globalsteuerung

5. Die vier mittelfristigen Hauptziele der Bundesregierung

6. Probleme der Globalsteuerung

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung:

Die Globalsteuerung, welche im Rahmen des Stabilitätsgesetz von 1967 in Deutschland eingesetzt wurde, wird als „prophylaktische“ Beeinflussung der wirtschaftlichen Entwicklung bezeichnet, ohne dabei einzelne Entscheidungen der Unternehmen zu beeinträchtigen[1]. Die Seminararbeit leitet mit einem kurzen historischen Überblick ein und umfasst eine Beschreibung grundlegender Instrumente der Globalsteuerung. Ferner soll der Versuch der antizyklischen Fiskalsteuerung[2] betrachtet und entstandene Probleme bewertet werden. Kann die Globalsteuerung unter der Führung von Karl Schiller[3] als erfolgreiches Konzept einer antizyklischen Fiskalsteuerung bezeichnet werden?

Ein Teil dieser Seminararbeit richtet sich nach der Untersuchung von Hans-Jürgen Schmahl, welcher sein Werk in der Einleitung als „Beitrag zur Verbesserung über konjunkturpolitische Fragen“ bezeichnet und sich dabei „an Praktiker in Wirtschaft und Politik ebenso wie an den Studierenden“ richtet[4].

2. Historische Grundlage für die Einführung der Globalsteuerung

In der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges war in Deutschland zunächst eine beispiellose positive Konjunkturentwicklung zu verzeichnen. Diese war unter anderem durch den Wiederaufbau, welcher insbesondere das Baugewerbe betraf, sowie der Deckung des Nachholbedarfes gekennzeichnet[5]. Doch nach einigen Jahren stockte diese positive Entwicklung, es kam zu einer „Normalisierung“, einem vorübergehenden Abschluss des Wiederaufbaus. Nach dem Boom traten Defizite in den „öffentlichen Finanzen, Strukturkrisen in Bergbau und Landwirtschaft, (sowie) Strukturschwächen in anderen Wirtschaftsbereichen (...)“ auf[6].

Im November 1959 gelang es der SPD, nachdem die FDP zurückgetreten ist, mit Hilfe des Godesberger Programms eine marktwirtschaftliche Grundausrichtung zu etablieren, welche die Vorraussetzung für eine politische und ökonomische Koalition mit der CDU und CSU lieferte[7]. Bereits in den 50ern ließ Karl Schiller folgendes Zitat verlauten: „So viel Wettbewerb wie möglich, soviel Planung wie nötig“; welches in ähnlicher Form in dem Grundsatzprogramm des DGB von 1963 wieder zu finden ist; „jede Wirtschaft bedarf der Planung in einem Rahmen, der im Prinzip durch Wettbewerb bestimmt wird“[8].

Die erste stärkere Rezession im Jahre 1961 konnte nunmehr nicht nur durch eine punktuelle Stimulierung der Wirtschaft durch den Staat abgeschwächt werden, so dass am 11.März 1964 der Beschluss des Bundeskabinetts an den Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen gerichtet wurde, mit dem Appell „gesetzliche Maßnahmen zur Beeinflussung der konjunkturellen Entwicklung“ vorzubereiten[9] - dies führte am 8.Juni 1967 zur Verabschiedung des „Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“, dem so genannten Stabilitätsgesetz nach Karl Schiller.

3. Die Globalsteuerung nach dem Vorbild Keynes

Der Keynesianismus beruht auf der Lehre des britischen Volkswirtschaftlers John Maynard Keynes (1883-1946), welcher die konjunkturellen Schwankungen mit der hohen Arbeitslosigkeit und dem schrumpfenden Volkseinkommen in Verbindung brachte. Diese Schwankungen sollen durch antizyklische fiskalpolitische Maßnahmen ,unter anderem durch Steuersenkungen, und zusätzliche staatliche Ausgaben, dem „deficit spending“, verhindert werden um eine stetige zyklische Wirtschaftsentwicklung zu gewährleisten[10]. Die Stärkung des privaten Konsums führt demnach zu einer höheren Produktionsauslastung und steigendem Absatz. Das heißt, dass das Konsumverhalten vom Einkommen abhängig ist, weshalb eine Stärkung bzw. Schwächung direkte Konsequenzen in der Wirtschaftsentwicklung aufzeigen[11].

Die Globalsteuerung soll durch den gezielten Einsatz von Instrumenten und Maßnahmen konjunkturellen Schwankungen ausgleichen, bzw. abschwächen. Diese Steuerung soll dort ansetzen, wo die Regelung der „einzelwirtschaftlichen Beziehungen durch Wettbewerb und Konsumentenwünsche (...) nicht ausreicht um gesamtwirtschaftliche Ziele“ zu erreichen; die optimale Lösung besteht nach dieser Theorie in der Selbststeuerung der Mikrorelationen und der Globalsteuerung der Makrorelationen[12].

Keynes erbrachte den Nachweis, dass die Marktwirtschaft von sich aus keine Preisniveaustabilität sowie Vollbeschäftigungen gewährt und zu Konjunkturschwankungen[13] neigt, weshalb eine Steuerung von Nöten ist[14]. Seine These und empirischen Wirtschaftsforschungen bilden den Grundbestandteil der Stabilitätspolitik.

Die Wirtschaftspolitik des Wirtschaftsministers Karl Schiller war eine Synthese aus der keynesianischen Theorie und der Freiburger Schule[15] ; zusammen mit dem Finanzminister Franz-Josef Strauß bewirkten sie eine aktive Steuerungspolitik des Staates und setzten die Priorität insbesondere bei der volkswirtschaftlichen Nachfrage und dem Konsum, durch Haushalts- und Konjunkturpolitik[16]. Diese ist zumeist durch das „deficit spending“ , den Investitionen des Staates, in Form einer kurzfristigen Verschuldung zu Gunsten der Konjunktur.

4. Die Maßnahmen der Globalsteuerung

Die Globalsteuerung ist demnach eine „indirekte Beeinflussung der gesamtwirtschaftlichen Kreislaufgrößen“; so soll die Preisniveaustabilität unter anderem nicht durch unmittelbare Preiskontrollen, sondern durch indirekte Maßnahmen erfolgen um Einfluss auf das Gesamtangebot und die Gesamtnachfrage auszuüben[17]. Die „einzelwirtschaftlichen Beziehungen sollen auf den einzelnen Märkten durch den Wettbewerb gesteuert werden“[18].

4.1. Die Angebots- und Nachfragesteuerung

Die Globalsteuerung kann sowohl durch Angebots- und Nachfragsteuerung eingreifen; „Nachfragedämpfung im Falle zu starker, Simulierung im Falle zu schwacher Zunahme der Gesamtnachfrage“, jedoch bezieht sich das Stabilitätsgesetz im wesentlichen auf die Nachfragesteuerung um Schwankungen entgegenzuwirken[19].

Die Steuerinstrumente beziehen sich dabei nicht auf einzelne Produkte und Unternehmen sondern vielmehr auf die Entwicklung des Konsums, der Investitionen und dem Export mit dem Ziel der Vollbeschäftigung, dem Wirtschaftswachstum, der Preisniveaustabilität und dem Zahlungsbilanzausgleich[20]. Eine der grundlegenden Änderungen der Angebots- und Nachfrageorientierung war die Zuwendung zum Verbraucher durch staatliche Wirtschaftspolitik, statt wie zuvor nur günstige Bedingungen für den Unternehmer zu schaffen[21] Denn zuvor ging man durch das Saysche Theorem davon aus, dass das Angebot seine Nachfrage durch das bei der Produktion entstehende Einkommen schaffen würde[22]. Somit ist für das gesamtwirtschaftliche Wachstum eine Erhöhung der Produktionsmöglichkeiten erforderlich. Ferner soll jedoch ebenfalls die Nachfragesteuerung die zyklischen und antizyklischen Konjunkturschwankungen ausgleichen, weshalb die Geld- und Fiskalpolitik angestrebt werden sollen, im Rahmen von niedrigen Zinsen für die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern ,und einer steigenden Staatsnachfrage für Investitionen[23].

Die Nachfragesteuerung setzt mit einer unterschiedlichen Kombination der Instrumente bei den Investitionsgütern an und versucht insbesondere durch die Kreditpolitik die Nachfrage gezielt zu fördern oder zu bremsen[24].Durch Konjunktur-, Wachstums- und Strukturpolitik soll die „Globalsteuerung (...) darauf angelegt sein, nicht allein konjunkturelle Ungleichheiten zu vermeiden sondern zugleich ein optimales stetiges Wachstum der Gesamtwirtschaft langfristig zu sichern“[25]

[...]


[1] Schmahl, Hans-Jürgen: Globalsteuerung der Wirtschaft. Die neue Konjunkturpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Hamburg 1970, S. 11. (Im folgenden zitiert als: Schmahl, Globalsteuerung)

[2] Die Fiskalpolitik ist „eine Wirtschaftspolitik, die der Stabilisierung des Wirtschaftsprozesses dient“. Friedrich, Horst: Globalsteuerung, Wettbewerbspolitik und Investitionslenkung, München 1987, S. 94. (Im folgenden zitiert als: Friedrich, Globalsteuerung)

[3] Karl August Fritz Schiller (*24.04.1911; f 26.12.1994) studierte von 1935-41 Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Rechtswissenschaft und trat 1946 in die SPD ein. 1964 saß Schiller im Parteivorstand der SPD und ein Jahr später war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Ab 1966 nahm er das Amt des Bundesministers für Wirtschaft inne und anschließend ab 1971 ebenfalls noch das Amt für Finanzen. Karl Schiller nahm unter anderem durch die Einführung des Stabilitätsgesetzes von 1967 eine führende Rolle in der Wirtschaft ein, bis dieser 1972 aus seinen Ämter und der Partei zurückgetreten ist. Körner, Heiko: Art. Schiller, Karl August Fritz, in: NDB 22, Berlin 2005, S. 763 r. u. - 765 l..

[4] Schmahl, Globalsteuerung, S. 9.

[5] Ebd., S. 14.

[6] Pohle, Wolfgang: Das Programm der Wirtschaft, Stuttgart 1970, S. 43. (Im folgenden zitiert als: Pohle, Wirtschaft)

[7] Ebd., S. 42- 44.

[8] Prollius, Michael von: Deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945, Göttingen 2006, S.154. (Im folgenden zitiert als: Prollius, Wirtschaftsgeschichte)

[9] Schmahl, Globalsteuerung, S. 12.

[10] Prollius, Wirtschaftsgeschichte, S. 157.

[11] Prollius, Wirtschaftsgeschichte, S. 157.

[12] Schmahl, Globalsteuerung, S. 11.

[13] „Konjunkturschwankungen sind durch die Entwicklung der Nachfrage bedingte Schwankungen im Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials.“ Schmahl, Globalsteuerung, S. 14.

[14] Schmahl, Globalsteuerung, S.14.

[15] Diese enthielt Tendenzen des Ordoliberalismuses.

[16] Prollius, Wirtschaftsgeschichte, S.158.

[17] Friedrich, Globalsteuerung, S. 25.

[18] Friedrich, Globalsteuerung, S. 25.

[19] Schmahl, Globalsteuerung, S. 14.

[20] Ebd., S. 14-15.

[21] Prollius, Wirtschaftsgeschichte, S. 155.

[22] Ebd., S. 155.

[23] Ebd., S. 155.

[24] Schmahl, Globalsteuerung, S. 16.

[25] Schmahl, Globalsteuerung, S. 17.

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640583379
ISBN (Buch)
9783640582754
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148274
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Karl Schiller Globalsteuerung antizyklische Fiskalpolitik Wirtschaftswunder Keyne Nachfragesteuerung Angebotssteuerung vier mittelfristigen Hauptziele der Bundesregierung Stabilitätsgesetz

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Titel: Die Globalsteuerung nach Karl Schiller