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Politik und Religion in Saudi Arabien: eine kurze Einführung

Referat (Ausarbeitung) 2003 10 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Das Land Saudi-Arabien

3.) Die Geschichte Saudi-Arabiens

4.) Die Wahhabiten

4.) Bibliographie:

1.) Einleitung

Das Wissen um das Königreich im Morgenland ist bis heute in der westlichen Welt lückenhaft, wenn nicht sogar beinahe unbeachtet geblieben.

Bis auf den beständigen Wirbel um das Erdöl, wissen die meisten Menschen nicht viel mehr von Saudi-Arabien.

Immer noch kursieren die Märchen von Tausendundeiner Nacht. Vom sagenhaften Reichtum saudischer Scheichs und ihren Harems.

In dieser Ausarbeitung möchte ich es mir zur Aufgabe machen, die anderen Seiten des arabischen Königsreiches aufzuzeigen. Ich werde versuchen den Ursprung all’ dieses Prunks kritisch zu betrachten und die besonders strenge Auslegung des Islam in Saudi-Arabien aufzuzeigen.

Im ersten Teil soll erst einmal das Land Saudi-Arabien vorgestellt werden. Mit seinen ethnischen Gruppen, Religionen, der Geographie und der (hauptsächlich aktuellen) Politik der Monarchie, sowie den gesellschaftlichen Gegebenheiten. Die soziale Sicherung des Volkes und die Ölrente sollen mit ein Teil der Ausarbeitung werden.

Der zweite Teil ist der Geschichte des Landes, und damit auch der des „sektenähnlichen“ Wahhabitentums, gewidmet.

Der letzte Teil dieser Ausarbeitung wird sich dann explizit mit dem Wahhabismus beschäftigen. Von seiner Entstehung bis zu seinen Relikten im aktuellen Königreich Saudi-Arabien.

2.) Das Land Saudi-Arabien

Saudi-Arabien, dessen Name von der herrschenden Dynastie Saud abgeleitet ist, nimmt den größten Teil der arabischen Halbinsel ein. Keine Nation signalisiert schon im Namen so offenkundig die Macht- und Besitzverhältnisse im Lande. Saudi-Arabien ist praktisch Privatbesitz einer Herrscherfamilie.

„De facto ist Saudi-Arabien eine aristokratisch-monarchische Feudaldiktatur, in der die Al Saud unumschränkt herrschen.“ (Vgl.: Weiss, Walter (1977): „Saudiarabien“, Seite 30ff., BLV Verlagsgesellschaft).

Die seit dem 15. März 1973 aktuelle Staatsflagge ist grün, die Farbe der Wahhabiten. Die Flagge trägt die Schahada („Es gibt keinen Gott, ausgenommen den Gott; Mohammed ist Allahs Gesandter.“), das Bekenntniswort des Islam. Unter diesem Bekenntniswort ist ein Schwert abgebildet. Das Schwert steht für Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit.

Die Landesfläche des Königreiches beträgt

2 149 690 km2. Davon sind 1% Wald und Buschland, 39% Wiesen und Weiden, der überwiegende Teil sind jedoch Wüstenregionen.

Die Hauptstadt Saudi-Arabiens ist Rijad und es leben etwa 20,9 Millionen Menschen im Land. Hiervon leben etwa 85% in Städten, die restlichen 15% auf dem Land des Wüstenkönigreichs.

Ca. 73% der Einwohner sind Saudiarabier (davon 90% Araber, 10% afrikanisch-asiatischer Abstammung) und die restlichen 27% setzen sich u.a. aus Ägyptern und Jordaniern zusammen.

Das Königreich mit großen Erdölvorkommen grenzt an Jordanien, den Irak und Kuwait im Norden und an Bahrain und Katar entlang der Ostküste. Im Südwesten liegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman und im Süden der Jemen. Der offizielle Name des Königreiches in Vorderasien lautet: Al-Mamlakah al-`Arabiyah as-Sa’udiyah.

Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie, in der der Staat durch den König geführt wird. Als Verfassung dienen der Koran und die Sunna. Der König regiert in Einklang mit der Scharia, dem islamischen Recht. Bis zum Jahr 1992 waren der König, der Kronprinz und der Ministerrat allein für die gesamte Gesetzgebung verantwortlich. Im März 1992 gab der Monarch ein neues „Regierungssystem“ heraus (das erste schriftlich fixierte Gesetzbuch in Saudi-Arabien), dennoch bleibt der Koran die offizielle „Verfassung“ des Landes.

Der König ernennt alle vier Jahre die 60 Mitglieder des Konsultivrates (Majlis Alshura oder Rat der Shura). Dessen mehrheitlich gefasste Beschlüsse werden dem vom König ernannten Ministerrat vorgelegt, der sie letztendlich an den König weiterleitet.

Saudi-Arabiens 13 Provinzen (Al Baha, Al Hudud, ash Shamaliyah, Al Jawf, Al Madinah, Al Qasim, Ar Riyad, Ash Shariqiyah, Asir, Hai’l, Jizan, Makkah, Najran und Tabuk) sind wiederum gegliedert in Bezirke und Unterbezirke. An der Spitze der regionalen Verwaltung stehen Emire oder Gouverneure im Ministerrang. Jeder Gouverneur hat eine eigene beratende Versammlung aus zehn Mitgliedern.

Laut Verfassung sollen in Zukunft die Könige von den über 500 Prinzen gewählt werden, außerdem kann der König Kronprinzen ernennen und absetzten. Die Königswürde wird also nicht mehr weitervererbt.

Der Islam ist die einzige genehmigte und offiziell anerkannte Religion. Die meisten Saudiarabier sind Sunniten (ca. 85%), von denen der Großteil wiederum den orthodoxen Wahhabiten [1] angehört. Die Anhänger der Schiiten bilden eine Minderheit im Land (ca. 15%).

Die Kultur Saudi-Arabiens ist nicht nur vom Islam geprägt, sondern das Land nimmt in der islamischen Welt sogar eine Sonderstellung ein, da auf seinem Staatsgebiet die beiden heiligen Städte Mekka und Medina liegen.

Das Königreich ist das Zentrum islamisch-sunnitischer Orthodoxie. Als Hüter der beiden heiligen Stätten des Islam sieht sich das Königshaus Al Saud in einer weltweiten Sonderverantwortung für die Wahrung und Verbreitung unverfälschter islamischer Werte.

Auch die Kulturpolitik Saudi-Arabiens folgt den Leitlinien einer strengen Auslegung des Islam.

Mit dieser Strenge gehen Einschränkungen selbst solcher kulturellen Aktivitäten einher, die in anderen islamischen Ländern längst selbstverständlich geworden sind. So ist die Darstellung einer von der islamischen Tradition abweichenden Kunst, Literatur oder Theologie anderer Länder vielfach tabuisiert. Öffentliche Kinos, Theater oder Schauspielhäuser existieren nicht. Kulturveranstaltungen mit westlicher Beteiligung, wie etwa Buchlesungen, Filmvorführungen oder Ausstellungen bedürfen behördlicher Genehmigung und unterliegen der strengen Zensur der wahhabitischen Religionswächter. So ist beispielsweise auch der Zugang zum Internet staatlich kontrolliert. Filtersoftware verhindert, dass unerwünschte Webseiten aufgerufen werden können. Zwar bieten 37 Internet Service Provider einen Zugang zum Internet an, aber alle diese Datenleitungen führen zum staatlichen Zentrum für Wissenschaft und Technik.

Das erklärte Ziel der aktuellen saudischen Politik ist die weltweite Förderung und Verbreitung des Islam. Einen hohen Stellenwert in der saudischen Außenpolitik haben daher internationale islamische Organisationen der islamischen Konferenz und die muslimische Weltliga mit Sitz in Mekka.

[...]


[1] Islamische Reformbewegung in Arabien, strebt den Ur-Islam an. Beinhaltet u.a. extrem geforderten Monotheismus.

Details

Seiten
10
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638201308
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14827
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
sehr gut
Schlagworte
Politik Religion Saudi Arabien Einführung Politikwissenschaften

Autor

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Titel: Politik und Religion in Saudi Arabien: eine kurze Einführung