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Überlegung zur Frage nach Glück und Moral anhand der Beispiele von Anna Karenina und Paul Gauguin

Hausarbeit 2010 11 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Begriffliche Definition von Glück und Moral

2. Verhältnis von Moralität und Glück
2.1. Das Streben nach Glück und Verletzung der Moralität:
Gauguin und Karenina
2.2. Moralischer Zufall als Rechtfertigung menschlicher Handlungen
2.3. Das Täter-Bedauern und Zuschauer-Bedauern

3. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen, verschiedenen Geschlechts und Sozialstatus haben etwas gemein – sie wollen ein glückliches und erfülltes Leben erlangen. Sie alle, trotz ihres Alters oder Bildungsgrades, verfolgen das gleiche Ziel – das Glück. Das Glück jedes einzelnen Menschen ist sehr individuell und speziell: einige finden die Glückseligkeit durch die Selbstentfaltung, ob sportlicher, künstlerischer oder wissenschaftlicher Art, andere streben nach dem Familienglück und nach der Liebe, manche sind durch ein asketisches Leben glücklich. Es ist nicht zu bestreiten, dass jeder Mensch den Sinn seines Lebens im höchsten Gut[1] für sich zu finden versucht. Jedoch steht eine Frage offen, ob die andere Personen und deren Interessen auch zählen, wenn der Mensch sein eigenes Glück anstrebt. Kann das Glück einer Person die Mittel dazu rechtfertigen, wenn die Gefühle der anderen dabei verletzt wurden? Das Dilemma der Moral und des Glücks nimmt seinen Anfang in der Antike, zieht sich durch die ganze Philosophiegeschichte und wird bis heute nicht gelöst. Im Versuch dieses Dilemma darzustellen, beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Glücksstreben in Verknüpfung mit dem moralischen Handeln sowie deren moralische Rechtfertigung anhand des Aufsatzes von Bernard Williams „Moralischer Zufall“, in dem er die Lebensgeschichte des Malers Paul Gauguin und das Liebesleben des Romancharakters Anna Karenina als Beispiele für das kritische Verhältnis von Moral und Glück darstellt. Dazu werden im Folgenden die genannten Beispiele untersucht, die die menschlichen Entscheidungen und Handlungen auf dem Weg zum aufgestellten Ziel beschreiben. Das Verhalten dieser Personen wird betrachtet und kritisiert sowie eine alternative Lösung gegeben. Hauptaugenmerk des Problems von Glück und Moralität wird dabei der moralische Zufall sein. Die Arbeit konzentriert sich nicht nur darauf, wie der Mensch sein Ziel verfolgt und welche Konsequenzen daraus entstehen, sondern versucht auch eine mögliche moralische Rechtfertigung zu liefern. Außerdem werden in dieser Arbeit die Begriffe Glück und Moral definiert und deren Interpretationen aus verschiedenen Zeitepochen dargestellt. Im abschließenden Fazit wird versucht, eine mögliche Antwort auf die gestellte Frage, zum Verhältnis von Glück und Moralität herzuleiten.

1. Begriffliche Definition von Glück und Moral

In der Alltagssprache ist Glück das Eintreffen eines erhofften und erwünschten, jedoch unwahrscheinlichen, günstigen Ereignisses. In der Philosophie bezeichnet das Glück den Zustand vollkommener Befriedigung und Wunschlosigkeit; es ist ein Ideal, dessen Verwirklichung durch sinnvolles Wirken und Zusammenwirken anzustreben ist.[2] Moral kann man unterschiedlich deuten: der Begriff stammt vom lateinischen Terminus mos ab, der mit Sitte, Gewohnheit, Charakter übersetzt wird, das heißt die in einer konkreten Gemeinschaft eingelebten oder von einer Person internalisierten Verhaltensregeln.[3] Bei der Moral handelt es sich also um das, was gute Sitte ist, was sich schickt, was das Zusammenleben der Menschen dadurch ermöglicht, dass ein jeder die vollständige Verwirklichung solcher vitalen Werte wie Nahrungstrieb, Geschlechtstrieb, Sicherheitsverlangen, Geltungstrieb, Besitzstreben usw. gewissermaßen einschränkt zugunsten der Verwirklichung der Sozialwerte – zum Beispiel die Anerkennung der Rechte der fremden Persönlichkeit, Gerechtigkeit, Selbstbeherrschung, Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit, Treue, Duldsamkeit oder Höflichkeit, die zumindest verstandesmäßig in der Gesellschaft für richtig gehalten werden[4]

In der Philosophie ist das Glück eine der Hauptthemen. Bereits im 5 Jh. v. Chr. unterscheiden die Sophisten zwischen dem Gut als das für den einzelnen Nützliche und das Glück, das in der sozialen Gemeinschaft als tugendhaft gilt. Aufgrund der Mehrdeutigkeit ist hier das Gute und Gerechte begründungsbedürftig; dadurch entstehen die Fragen, ob das gute Leben notwendigerweise ein gerechtes sei und das gerechte Leben notwendigerweise ein gutes, ob es gut sei sich nach den sozialen Regeln einer bestimmten Moral zu richten, ob die Moral für das Glückstreben des einzelnen sich lohne.[5]

In der griechischen Antike spielt Philosophie die Rolle eines Wegweisers zur Lebenskunst, die dem Menschen ein glückliches und gelungenes Leben ermöglicht. Dabei sollte man den antiken Glücksbegriff vom modernen unterscheiden. Aristoteles stellt die Eudämonie ins Zentrum der Tugendethik und deutet sie als höchstes Gut und Endziel menschlichen Handelns. Sie steht für sich selbst und ist nicht wie andere Güter nur Mittel zum Zweck. Im Gegensatz zu anderen Gütern erstrebt man sie um ihrer selbst willen. Aristoteles sagt „die Glückseligkeit stellt sich dar als ein Vollendetes und sich selbst Genügendes, da sie das Endziel allen Handels ist.“[6]. Das Glück als höchstes Ziel menschlicher Handlung und des Lebens liegt auch im philosophischen Gedanken Platons. Platonische Glückseligkeit hat ihre Quelle aus den drei Seelenteilen: die Vernunft, der Wille und das Begehren, beziehungsweise aus deren Verknüpfung. Wenn sie im Gleichgewicht bleiben und sich nicht widersprechen, dann erlangt der Mensch die Glückseligkeit, denn eine gute Seele erreicht die Glückseligkeit durch Besonnenheit, Gerechtigkeit und dank einer Lebensführung, die an dem Gesetz und Recht orientiert ist, erklärt Platon in Gorgias.[7]

[...]


[1] Aristoteles bezeichnet Glück als das höchste Gut. Vgl. Aristoteles, Nikomachische Ethik

[2] Schmidt, 1991, S. 253

[3] Wils, 2006, S. 239-248.

[4] Schmidt, 1991, S. 491.

[5] Seel, 1995, S. 13-14.

[6] Aristoteles, 1985, S. 11 (20).

[7] Mages, 2008, S. 7-11.

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640583324
ISBN (Buch)
9783640582877
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148264
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
Schlagworte
Frage Glück Moral Beispiele Anna Karenina Paul Gauguin

Autor

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