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Die mysteriösen Motive und das Fremde in Kafkas Helden als Widerspiegelung des ungelösten Vaterkonflikts in Die Verwandlung

von Nanni Meier (Autor)

Zwischenprüfungsarbeit 2006 30 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Das Verwandlungsmotiv
1. Die Verwandlung, ein Antimärchen?
2. Fabeln im Vergleich
3. Hypothesen zur Metamorphose
4. Keine Rückverwandlung als logische Konsequenz

III. Kafkas Subjekt
1. Die Selbstauslöschung
2. Im Labyrinth der Ausweglosigkeit
3. Hindernde Instanzen im Bewusstsein oder in der Realität?

IV. Schuld und Strafe bei Kafka
1. Die Schuld als Kafkaeskes Paradox oder Logik
2. Aspekte zur Venus im Pelz
3. Die Ohnmacht des Helden

V. Biographische Aspekte - Einfluss auf das Werk
1. In der Verwandlung
2. Der übermächtige Vater
3. Der ungelöste Konflikt mit dem Vater als ungelöster Konflikt des Kafkaesken Helden mit der Welt
4. Kafkas Helden und das Fremde

VI. Schluss

VII. Bibliographie

I. Einleitung

Kafkas Werke zeichnen sich durch besondere Problematiken aus. Diese zu erforschen, soll Aufgabe dieser Arbeit sein. Kafkas Beziehung zu seinem Vater spielte dabei eine besondere Rolle in seinem Leben. Diese wirkte sich auf viele seiner Werke aus. Welche Problematiken und Motive wiederholen sich regelmäßig? Warum gab es auf so viele seiner verschlüsselten Werke keine klaren Antworten? Und was hat es mit der imaginären Anklage seiner Helden auf sich, die sich ganz freiwillig oder schließlich einwilligend in den Tod stürzen?

Die erste Frage, die sich der Leser bei Kafkas Verwandlung stellt, betrifft wohl das Motiv der Metamorphose. Und warum ist es ein Käfermotiv? Ist dies Zufall oder Intention? Auffällig ist, dass es anders als im Märchen keine Rückverwandlung gibt. Welchen Grund verfolgt diese ausgewählte Dramatik? Hinzu kommt, dass dieses phantastische Element der Verwandlung in einen realen Text eingebunden ist, der keine weiteren phantastischen Elemente beinhaltet. Auch erfährt der Leser scheinbar nichts Offensichtliches, weder über die Umstände, die zu dieser Verwandlung geführt haben, noch über die Ursache – scheinbar. Betrachtet man darüber hinaus das Verhalten des Helden, ist es für den Leser frappierend, dass dieser die Gegebenheiten als solche hinnimmt, sie weder hinterfragt noch sich über sein so plötzlich grausam eintretendes Schicksal beklagt. Damit wird wohl das typisch kafkaeske Phänomen bestätigt, das den Leser scheinbar vor unergründliche, nicht zu entschlüsselnde Rätsel stellt. Unzählige Interpretationen versuch(t)en, sich dem kafkaesken Phänomen anzunähern, wobei ebenso viele Meinungen über Kafka und sein Werk auseinander gingen. In meiner Interpretation spielen Kafkas Helden eine besondere Rolle, da vor allem diese von dem Mysteriösen umgeben sind. Was verbindet Kafkas Helden mit seiner Vaterbeziehung, beziehungsweise welche verdeckten Botschaften verkörpern diese tatsächlich? Was für eine mysteriöse Macht lässt sie die eigene Selbstauslöschung befürworten und warum ist das Fremde in jedem seiner Helden präsent?

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit diesen Fragen auseinander und möchte dieses scheinbar unergründlich Mysteriöse aufdecken, das Kafkas Werke umgibt; dieses Mal jedoch aus einer ganz anderen, neuen Perspektive. Sie möchte Aspekte und Perspektiven aufwerfen, die in Kafkas Kritiken bisher nicht abgehandelt wurden, unerforschte Gesichtspunkte in Betracht ziehen und diese aufzeigen, ergründen und analysieren. Dies soll Ziel dieser Arbeit sein.

II. Das Verwandlungsmotiv

1. Die Verwandlung, ein Antimärchen?

Denkt man an Gregors Verwandlung in ein Ungeziefer, so hat es im ersten Moment den Anschein, als handele es sich hier um ein Märchen. Schon bald stellt man jedoch fest, dass die Verwandlung selbst das einzig Phantastische in der gesamten Erzählung ist und darüber hinaus nicht sehr an ein Märchen erinnert. Gregor ist in der Verwandlung in ein realistisches Familienleben eingebunden, wobei mitunter genaue Zeitangaben genannt werden:

Der nächste Zug ging um sieben Uhr; um den einzuholen, hätte er sich unsinnig beeilen müssen […].[1]

Im Gegensatz zu der Wirklichkeitswelt mit ihren Kategorien Zeit, Raum und Kausalität erheben Märchen dagegen keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit bzw. Lokalisierung und Datierung. Typische Schauplätze, wie sie im Märchen wiederkehren (Höhle, Wald, Schloss), sind in Kafkas Erzählung in diesem realistischen Kontext der Verwandlung völlig ausgeschlossen. Alles ist in einen realen Rahmen eingebettet. Die Verwandlung findet isoliert und einmalig statt, in einem Umfeld, in dem das Übernatürliche keine Rolle spielt. Die Handlung verläuft in einer Umgebung, die an Kafkas tatsächliche Wohnung erinnert. Auch die Komplexität der Familienkonstellation weist biographische Bezüge auf, die im Märchen wegfallen. Daneben haben der namenlos stereotypisch wiederkehrende Prototyp bzw. die anfallenden Requisiten wie Spiegel, Brunnen, Kappe etc., so wie sie im Märchen auftreten, mit Kafkas individuellen Charakteren sowie anderen Symbolen nichts gemeinsam. Alle Protagonisten in Kafkas Erzählung haben einen Namen und sind individuell charakterisiert. Gegenstände haben einen reellen Bezug (wie z.B. das Bild von der Venus im Pelz), wohingegen in Märchen allgemeine Figuren präsentiert werden, welche lediglich nach ihrem Stand (Bauer, König), ihrer Tätigkeit (Jäger, Müller), bzw. ihrem Alter (Kind, Mann) oder ihrem äußeren Erscheinungsbild (Schneewittchen, Rotkäppchen) etc. unterschieden werden und unter Entweder/Oder-Kategorien fallen wie gut oder böse, arm oder reich, faul oder fleißig, schön oder hässlich etc.[2]

Der Verwandelte behält jedoch in beiden Fällen das Bewusstsein eines Menschen. Gregor bleibt in der Gestalt des Ungeziefers Gregor und der Froschkönig bzw. das Ungeheuer in Tausendschön warten mit menschlichem Bewusstsein hoffnungsvoll auf ihre Erlösung. Dieses Warten auf die Erlösung kommt bei Kafka gar nicht vor, was wiederum komplexere Zusammenhänge nach sich zieht, denen ein Märchen nicht nachkommen kann. Was die Märchenfiguren explizit von Gregor unterscheidet ist, dass die sprachliche Kommunikation mit den Menschen trotz Verwandlung weiterhin besteht. Gregor dagegen ist zwar wegen seines menschlichen Bewusstseins auch weiterhin mit ihnen innerlich verbunden, kann sich ihnen sprachlich aber nicht mehr mitteilen, sondern sich nur noch in der ’Tiersprache’ äußern. Dies treibt ihn neben der eigentlichen Metamorphose, die ihn ohnehin schon äußerlich von seinem eigentlichen Wesen und seiner gewohnten Welt trennt, noch mehr in die Isolation.

Ein weiteres wesentliches Merkmal, das Kafkas Verwandlung vom klassischen Märchen trennt, liegt wohl in der Simplizität des Märchens und schließlich seinem guten Ende. Das Gute wird reich belohnt, das ’Böse’ hart bestraft, wobei im Gegensatz dazu Kafkas wiederkehrende Motive wie Ohnmacht und Ausweglosigkeit seiner Protagonisten charakteristisch sind. In Kafkas Werk geht es nicht schlicht um Gut oder Böse, sondern um die Komplexität seiner Thematik. Da die Bandbreite der Thematik mit der simplen des Märchens nicht vergleichbar ist, ist auch der Schluss bei Kafka demzufolge nicht absehbar. Eine Rückverwandlung, anders als im Märchen, findet infolgedessen nicht statt.

2. Fabeln im Vergleich

Ein Hauptmerkmal, das Kafkas Verwandlung von der Fabel unterscheidet, ist eine offensichtlich eindeutig dargestellte Botschaft in der Fabel; sie strebt eine Kernaussage, eine Überzeugung an und hat belehrenden Charakter, wobei im Gegenteil bei Kafka alles verschlüsselt, verrätselt und nicht eindeutig interpretierbar ist. Im Unterschied zu Kafkas Verwandlung gibt es in der Fabel klare Richtlinien: Sie erläutert eine Moral oder Lebensregel, will eine Lehre erteilen bzw. eine Lebensweisheit darlegen, die allgemeingültigen Charakter hat. Kafka hingegen will in seinem Werk ein individuelles Schicksal, eine individuelle Problematik behandeln. In der Verwandlung handelt es sich neben vielen wiederkehrenden kafkaesken Motiven wie Isolation, Entfremdung, Identitätslosigkeit, Ohnmacht, Ausweglosigkeit, Schuld etc. um einen individuellen familiären Konflikt bzw. eine Problematik. Zwar ist Kafkas Erzählung sehr aussagekräftig; sie erhebt jedoch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit noch strebt sie eine Belehrung an. Auch ist der Dialog wichtiger Bestandteil der Fabel. Die Handlung geht zielstrebig auf die Pointe zu, ist offensichtlich formuliert; das angestrebte Motiv bzw. die Lehre der Moral steht meist schon am Anfang oder am Schluss, und ist sie dort nicht erwähnt, so ergibt sich die Absicht der Moral (schon) mit einer Steigerung zum Schluss aus dem Handlungsverlauf. Die Verwandlung strebt dagegen keine Erklärung an, sondern regt den Leser an, Kafkas verschlüsselte Botschaften zu erkennen und zu interpretieren. In der Fabel werden neben Tieren auch Pflanzen und Dinge personifiziert. Kafka bleibt bei der Realität. Es gibt nur ein phantastisches Element: die Verwandlung selbst.

In der Fabel sind Tiere Repräsentanten typischer menschlicher Verhaltensweisen. Kafkas Ungeziefer hat eine viel komplexere Bedeutung, die nicht offenkundig gemacht wird. Sie hat nichts mit einem allgemeingültigen, typischen Charakter zu tun, wie er in der Fabel zu finden ist.

3. Hypothesen zur Metamorphose

Viele Spekulationen bzw. Mutmaßungen sowie Deutungen wurden über Kafkas ungewöhnliches Verwandlungsmotiv aufgestellt. Schaut man sich jedoch Gregors Position in der Familie genauer an, ist es meines Erachtens weder ungewöhnlich noch überraschend, dass Kafka gerade die Metapher des Käfers, eines Ungeziefers, gewählt hat. Diese Metapher könnte nicht eindeutiger sein, da sie Gregors Stellung in der Familie und seinen daraus folgenden Gemütszustand widerspiegelt. Eine explizite Erklärung des Verwandlungsmotives fehlt. Im Gegensatz zur Fabel ist sie nur bei genauerer Untersuchung zu entschlüsseln.

Darüber hinaus kannte Kafka den herabwürdigenden Vergleich eines Menschen mit einem Ungeziefer aus dem Sprachgebrauch seines Vaters nur zu gut. Im Brief an den Vater äußert er sich sehr gekränkt über diesen:

Ohne ihn [Löwy] zu kennen, verglichst du ihn in einer schrecklichen Weise […] mit Ungeziefer […].[3]

Diese Aussage von ihm hebt noch einmal ausdrücklich hervor, welch erniedrigende und herabwürdigende Rolle Kafka beim Vergleich eines Menschen mit einem Ungeziefer assoziiert. Kennt man die Autobiographie und damit sein Verhältnis zum Vater, wird hier die Bedeutung dieser Metapher erkennbar. Die Missachtung seiner Gefühle zeigt sich hier noch einmal besonders deutlich:

Das bezog sich auf Gedanken so gut wie auf Menschen […], dass du ohne jede Rücksicht auf mein Gefühl und ohne Achtung vor meinem Urteil mit Beschimpfung, Verleumdung, Entwürdigung dreinfuhrst.[4]

Somit erscheint die Metapher des Ungeziefers als die direkteste Art der Mitteilung. Zum einen spiegelt sie diesen besonders erniedrigenden Zustand wider, zum anderen deutet sie daraufhin, dass diese auferlegte, zugewiesene Rolle auf den Vater zurückzuführen ist. Berücksichtigt man Kafkas Äußerungen aus dem Brief an den Vater, so kann die Wahl des Ungeziefers als Metapher nicht abwertender sein. Hier zeigt sich, dass Kafka bewusst bei der Wahl einer Metapher auf das Käfermotiv zurückgriff, das insbesondere eine Herabwürdigung der Person beinhaltet und demnach für seinen Protagonisten eine sehr verletzende und erniedrigende Rolle darstellt.

Auf die Verwandlung selbst bzw. ihr Motiv wird nicht näher eingegangen. Meiner Ansicht nach geht es darum, Gregors Dasein, seine Person sowie sein Empfinden in Form dieser Metapher auszudrücken, die schon für sich selbst spricht. Sein Fühlen, seine Position, sein Gemütszustand in dieser Familienkonstellation, dieser innere, selbstlose Zustand, der ihn quält, sollen dem Leser nahe gebracht werden. Ich sehe darin eine Erklärung dafür, dass auf die Umstände - d.h., wie es zu dieser Verwandlung gekommen ist - folglich nicht näher eingegangen wird. Erkennt man diesen Zusammenhang, spielt die Vorgeschichte keine Rolle, weshalb die Erzählung gleich medias in res beginnt, und hat man begriffen, dass es sich um den inneren Zustand des Protagonisten handelt, scheint es von sekundärer Bedeutung, auf welche Weise Gregor verwandelt wurde. Seine Position wird jetzt nur von außen verdeutlicht. Die ausgewählte Metapher des ’Mistkäfers’ bzw. Ungeziefers spricht bereits schon für sich. Eine Erklärung erübrigt sich. Demnach ist der reale Kontext auch nicht verwunderlich. Die Metapher ist völlig eingebunden in die Realität, denn sie spiegelt nur Gregors tatsächliche Situation wider, in welcher er als Mensch im übertragenen Sinne ausgeliefert ist. Für mich scheint sie lediglich ein klareres Ausdrucksmittel dessen zu sein, was in Menschengestalt zu komplex wäre auszudrücken. Betrachtet man die Metapher, also das Ungeziefer, so braucht man sich meiner Ansicht nach lediglich die Eigenschaften, die ein Ungeziefer besitzt, zu verdeutlichen, und Gregors Rolle in der Familie wird eindeutig. Die Entmündigung, die die Verwandlung eines Menschen in ein Tier impliziert, scheint Gregors Entmündigung in der Familie widerzuspiegeln. Das Tier steht klar unter dem Menschen, also ein selbstverständlicher Anspruch auf Gleichberechtigung wird ihm nicht zugestanden. Überdies hat es die natürliche Eigenschaft, nicht zu gehen, sondern ’nur’ zu kriechen und unterliegt als ein Ungeziefer der permanenten Gefahr, vernichtet zu werden:

Der andere ist dann ein Insekt, das man mit einer Handbewegung entweder vertreibt oder erschlägt.[5]

Die entwürdigende Position Gregors in dieser Konstellation wird hier sehr deutlich, denn als Mensch wurden seine individuellen Bedürfnisse nicht wahrgenommen. Er arbeitet in seinem ungeliebten Job, um den Vater zu entlasten bzw. für die Familie zu sorgen.

Das Nicht-Kommunizieren-Können zwischen Tier und Mensch zeigt auf, dass es keine ’gemeinsame’ Sprache zwischen Gregor und seiner Familie gibt. Er verliert die Menschensprache, da er auch vorher nichts zu sagen hatte. Dieses wird im Verlauf der Untersuchung der Vaterbeziehung noch sichtbarer werden. Somit erscheint die Metapher eines Ungeziefers als die direkteste Art und unmittelbarste Möglichkeit der Mitteilung, Gregors Position explizit zu verdeutlichen.

Überdies ist auffällig, dass Gregor weder überrascht ist noch sich beklagt über die zudem auch noch so plötzliche Verwandlung. Sie scheint von ihm gar nicht bewusst wahrgenommen zu werden. Seine Rolle und sein andauernder Zustand als Ungeziefer in der Familie sind im übertragenen Sinne für ihn so selbstverständlich geworden, dass er weder die Metamorphose selbst noch seine daraus resultierende neue Gestalt in Frage stellt. Seine Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen. Er erfüllt lediglich seine Pflicht und stellt keine Ansprüche, bis zur völligen Selbstaufopferung. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass er sich keine Fragen über seine Verwandlung stellt, da er die ihm zugewiesene Rolle des Ungeziefers schon als selbstverständlich und identisch mit seiner Person betrachtet. Er ist es gewöhnt, jede ihm zugeteilte ’Last’ zu tragen.

Kafka will womöglich aufzeigen, wie es sich anfühlt, als ein Mistkäfer in der eigenen Familie zu leben und auch als solcher behandelt zu werden d.h. diese Rolle inne zu haben. Gregors einziges Ziel ist das Funktionieren, seine oberste Priorität, die Pflicht gegenüber den anderen, hier gegenüber seiner Familie, zu erfüllen. Seine wahre Identität hat überhaupt keine Möglichkeit der Entfaltung innerhalb des Lebens, in das er eingebunden ist.

4. Keine Rückverwandlung als logische Konsequenz

Das Ungeziefer verdeutlicht grob das Bild, das sich meines Erachtens die Familie von ihm macht. Und dieses ist unwiderruflich. Es ist für Gregor im Grunde unmöglich, aus dieser ihm zugewiesenen Rolle auszubrechen. Der große Käfer steht eventuell für den schon erwachsenen Sohn. Er kann sich aus dieser Familiensituation, auch wenn mittlerweile schon als ein erwachsener Sohn – was zudem einen bereits abgeschlossenen Zustand darstellt und auch die Endgültigkeit seiner Entwicklung akzentuiert – nicht (mehr) befreien. Es gibt kein Entkommen. Jegliche Versuche, sich seiner Familie zu nähern, scheitern und enden lediglich mit einer noch größeren Verletzung, bis Gregor schließlich aufgibt und gezwungenermaßen in die Isolation gerät. Aus der Sicht des Helden ist die Rückverwandlung, also Erlösung aus seiner verfangenen Situation auch gar nicht möglich. Die nicht erfolgte Rückverwandlung drückt ja gerade diese verfangene Ausweglosigkeit und Ohnmacht seines Protagonisten und seinen inneren, bedrückenden Gemütszustand aus. Sie spiegelt diese Unbeholfenheit, sich aus dieser verfangenen Konstellation zu befreien wider. Eine Rückverwandlung wäre demnach unlogisch. Diese würde einen Ausweg beinhalten. Sein innerer Gemütszustand ist aber unabänderlich. Diese Hoffnungslosigkeit wird hier unterzeichnet. Die Metapher kann dies auf materieller Ebene, also in Form eines physischen, gegebenen Zustandes mehr verdeutlichen, als es bei der Beschreibung eines psychischen Zustandes möglich wäre.

[...]


[1] Kafka, Franz: Die Erzählungen. In: Die Verwandlung. Hg. von Roger Hermes. Frankfurt: 2003. S. 98.

[2] Grundbegriffe der Literaturwissenschaften. Hg. von Heike Gfrereis. Stuttgart: 1999. S. 120-121.

[3] Kafka, Franz: Brief an den Vater. Hg. von Jürgen Born, Gerhard Neumann u. a. Frankfurt: 2003. S. 13.

[4] Ebd.

[5] Rattner, Josef: Kafka und das Vater-Problem. München: 1964. S. 27.

Details

Seiten
30
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640595525
ISBN (Buch)
9783640595778
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147880
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,7
Schlagworte
Motive Fremde Kafkas Helden Widerspiegelung Vaterkonflikts Verwandlung

Autor

  • Nanni Meier (Autor)

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