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Die Liebe der Frau - und wie sie durch den Mann geformt wird

Eine Analyse anhand von Simone de Beauvoirs “Das andere Geschlecht“

Seminararbeit 2009 13 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Liebe des Mannes

3. Die Liebe der Frau
3.1 Wie die Frau liebt
3.2 Warum die Frau so liebt, wie sie es tut

4. Wie eine gleichberechtigte Liebe möglich ist

5. Fazit

Anhang: Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Simone Lucie-Ernestine-Marie-Bertrand de Beauvoir wurde am 9. Januar 1908 als ältere von 2 Schwestern in Paris geboren. Dort wuchs sie, katholisch geprägt durch ihre Mutter auf. Aufgrund der Verarmung in Folge des Ersten Weltkrieges der Familie konnte Simone de Beauvoir nicht, wie in dieser Zeit in Frankreich üblich, vermählt werden, da ihre Eltern nicht über die übliche Mitgift verfügten, sondern musste sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. So studierte sie Philosophie, gemeinsam mit Jean Paul Sartre, den sie während des Studium kennenlernte, an der Universität Sorbonne in Paris und wurde anschließend eine der ersten Philosophielehrerinnen Frankreichs. Nachdem sie einige Jahre als Lehrerin in Marseille und Rouen gearbeitet hatte, lehrte sie, so wie auch Sartre, mit dem sei eine lebenslange Freundschaft und Liebesbeziehung führte, ab 1936 in Paris. Dort entstanden auch ihre Romane, sowie ihr 1949 geschriebenes und wohl bekanntestes Werk Das andere Geschlecht (im Original: Le Deuxiéme Sexe), in welchem sie die These vertritt, die Unterdrückung der Frau sei gesellschaftlich bedingt, sie basiere nicht auf naturgegebenen Gründen. Die Männer hätten, so Beauvoir, die Frauen zum „anderen Geschlecht“ degradiert, da der Mann sich als das Absolute, als Subjekt setzt und die Frau die Rolle des Objektes zugewiesen bekomme. Ein Wesen der Frau, gebe es nicht, es sei ein von dem Mann erfundener Entwurf.

In dieser Arbeit soll der Fokus auf dem Kapitel Die Liebende von Simone de Beauvoirs Werk liegen, es soll dargelegt werden, wie die Liebende sich in ihrer Liebe und durch den Mann zu realisieren versucht und inwiefern dieser Versuch der Realisation problematisch ist. Zu diesem Zweck soll zuerst die Liebe des Mannes charakterisiert werden, in der die Frau als Objekt nur eine Beschäftigung darstellt, da dies für Position der Frau von großer Bedeutung ist. Anschließend soll dargestellt werden, wie die Frau sich innerhalb der Liebe zu realisieren versucht und wie sie sich durch diese Realisation bemüht, sich aus ihrer, durch ihre Erziehung bedingte Immanenz zu befreien.

Am Ende der Arbeit soll aufgezeigt werden, wie für Simone de Beauvoir eine gleichberechtigte Liebe möglich sein könnte und welche Voraussetzungen hierfür notwendig wären.

2. Die Liebe des Mannes

Der Umgang des Mannes mit der Liebe, sowie seine Auffassung von ihr, sind wesentlich geprägt durch seine bereits vorhandene Subjektivität. Er ist in der Lage, für sich zu existieren, verfügt bereits über eine Rechtfertigung seiner Person. Aus diesem Grund besteht für ihn keine Notwendigkeit, sich durch die Liebe und Anerkennung einer einzelnen, ihn liebenden Person, also der Liebenden, Legitimation zu verschaffen. Er ist in der Lage, aus seiner gesellschaftlichen Stellung Legitimation zu ziehen, so muss die Liebe und mit ihr die Frau keine maßgebende Rolle einnehmen. So folgt auch, dass die Liebe nicht grundlegend notwendig für ihn sein kann, er ist nicht auf sie angewiesen: “Der Mann braucht weder die bedingungslose Ergebenheit, die er fordert, noch die abgöttische Liebe, die seiner Eitelkeit schmeichelt. Er nimmt beides nur unter der Bedingung entgegen, daß er die umgekehrten Ansprüche, die damit verbunden sind, nicht befriedigen wird.”[1] Es wird deutlich, dass er ihre Ergebenheit, ihre Liebe zwar annimmt, sie sicherlich sogar gern annehmen wird da jede Liebe eine Wertschätzung der eigenen Person darstellt, doch dass er eben nicht auf sie angewiesen ist, um sein Selbst überschreiten zu können. Bereits aus dem Wort Eitelkeit, das Simone de Beauvoir verwendet, geht hervor, dass es hierbei nicht um eine für den Mann notwendige Schmeichelei gehen kann. Eitelkeit kann nur besitzen, wer von seiner Subjektivität überzeugt, wer sich beispielsweise seines gesellschaftlichen Status bewusst ist und für den seine eigene und seine Existenz gesetzt ist und diese durch sein Wesen Bestätigung erlangt. Dies trifft auf den Mann zu, er ist in seiner Subjektivität gefestigt und kann demnach gar nicht auf diese Liebe angewiesen sein. Schließlich existiert kein Zustand, der für ihn weiter von Bedeutung sein könnte als der seiner Transzendenz, der ihm bereits innewohnt.

Des Weiteren wird deutlich, dass er die Liebe der Frau zwar, wie dargelegt, gern annimmt, er diese jedoch nicht in gleichem oder ähnlichem Umfang an sie zurückgeben wird. Umgekehrte Ansprüche, also die der Frau, bleiben potenziell unerfüllt. Aufgrund seiner Subjektivität kann er sich auch nicht in eine Abhängigkeit ihr gegenüber begeben, kann also das geforderte Verhalten gar nicht zeigen. Männer “bleiben als souveräne Subjekte im Zentrum ihres Lebens. Die Geliebte Frau ist nur ein Wert unter anderen. Sie wollen sie in ihr Leben integrieren, nicht aber ihre ganze Existenz in ihr versenken.”[2]

Der Mann würde sich nicht der Frau zu Gefallen opfern, er besteht in sich auch ohne sie, muss sein Leben ja auch ohne sie aufrecht erhalten. Die Ansprüche, die an ihn gestellt werden, sind gänzlich andere, so besteht für ihn gar nicht die Möglichkeit, sich durch seine Bequemlichkeit der Verwirklichung und somit der Freiheit zu entziehen. Zwar lässt sich, wie man im obigen Zitat deutlich wird, von seiner Seite eine generelle Bereitschaft erkennen, die Frau an seinem Status partizipieren zu lassen, er ist bereit, sie in sein Leben zu integrieren, doch wird sie niemals so weit integriert werden, dass ein Verlust ihrer Position seine Persönlichkeit ins Wanken bringen könnte, denn „sein Werdegang, die Sitten und Verhaltensvorschriften, auf die er in sich selbst stößt, verbieten ihm, endgültig bei dieser bequemen Lösung der Abdankung zu bleiben.“[3]

Interessant ist auch die von Simone de Beauvoir verwendete Formulierung, die Frau sei für ihn nur ein Wert unter anderen. Sie nimmt demnach nur die Rolle eines Objektes ein, was für ihr Verhalten bezüglich der Liebe und ihre passive Rolle grundlegend sind.

“Wenn er bekommen hat, was er wollte, ist er befriedigt.”[4] Das gilt nicht nur für sexuelle Handlungen, sondern auch für sein Liebesbedürfnis. Die Liebe an sich gehört nicht existenziell zu seinem Leben, sie ist nur eine Beschäftigung, nur ein kleiner Teil seiner Aktivitäten. Denn innerhalb seiner beruflichen und gesellschaftlichen Tätigkeiten und Verpflichtungen hat er die Möglichkeit, sein Selbst zu entfalten, seine Ideen und Wünsche zu entwickeln, sich also klar zu werden, was und wie er ist, welche Vorstellungen, Wünsche und Träume er hat, wie oder was er werden oder wie er sein will. Hierbei geht es gar nicht um die tatsächliche Realisation von Träumen oder Wünschen. Sie müssen nicht konkret geplant, umgesetzt und schon gar nicht erreicht werden, wichtig ist jedoch, dass er prinzipiell die Möglichkeit zu dieser Verwirklichung hätte. Seine Ideen müssen nicht nur im theoretischen, abstrakten Bereich verharren, sie lassen sich für ihn und durch ihn tatsächlich umsetzen. So ist seine Existenz nicht nur geprägt durch eine Möglichkeit, sondern durch die Realität eines Prozesses, der sich als Subjektivierung bezeichnen ließe, dieser geschieht durch den Mann selbst. Genau in diesem Punkt liegt der wesentliche Unterschied zwischen tatsächlicher Existenz, also derer eines Subjektes und einer nur theoretischen, die die Frau in dem von Simone de Beauvoir beschriebenen Zustand einnimmt. Für die Frau ist genau diese Subjektivität, die Aktivität, die dem Mann eigen ist, so attraktiv, Simone de Beauvoir bezeichnet diese als Freiheit: “Nimmt er aber die Freiheit an, ohne die er ja kein Held, ja nicht einmal ein Mann sein kann, setzt dies voraus, daß nichts und niemand ihm notwendig ist.”[5] Doch genau jener Sachverhalt ist auch für den Mann von großer Bedeutung. Da er, wie oben bereits ausführlich dargelegt, zwar nicht auf die Frau angewiesen ist, es ihn jedoch trotzdem nach ihrer Liebe und Anerkennung verlangt, folgt für ihn aus dem eben gesagten, dass er diese Rolle einnehmen muss. Er kann der Frau gar nicht entgegenbringen, was sie ihm mit ihrer Liebe zu geben versucht, da er bereits in seiner Existenz festgesetzt ist. Somit wird er auf die Rolle des Empfängers festgesetzt, er hat nicht den Vorteil, als Gebender zu erscheinen, wenn er Liebe annimmt, er bekommt eben nur die Verpflichtung, sie anzunehmen. So ist auch die Rolle des Mannes keine leichte.

[...]


[1] De Beauvoir, Das andere Geschlecht, S. 830.

[2] ebd. S. 800.

[3] ebd. S. 802.

[4] ebd. S. 816.

[5] ebd. S. 821.

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640585793
ISBN (Buch)
9783640586004
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147865
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Philosophie
Note
1,3
Schlagworte
Simone de Bauvoir Das andere Geschlecht Die Liebe der Frau feministische Literatur Frauenbewegung

Autor

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Titel: Die Liebe der Frau - und wie sie durch den Mann geformt wird