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Konstruktivismus kompakt

Studienarbeit 2006 13 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Textreflexion „Konstruktivistische Medientheorien“

Das Individuum und seine Umwelt

Konstruktivismus und andere Theorien

Konstruktivismus im Kontext der Medienwirklichkeit

Literatur

Textreflexion „Konstruktivistische Medientheorien“

Mit dem Text „Konstruktivistische Medientheorien“ erstellt der Autor Stefan Weber einen übersichtlichen Abriss zur Theorie und Entwicklung des Konstruktivismus. Zu Beginn des Textes wird anhand der Vertreter vom Konstruktivismus auf die geschichtliche Entwicklung eingegangen und der Grundgedanke skizziert: Wird die Realität von uns gebildet oder ist sie bereits vorhanden? In diesem Zusammenhang stellt er den Realismus (Theorie des Gegebenen) gegenüber dem Konstruktivismus (Theorie des Erzeugten). Als wichtigste Vertreter werden Wissenschaftler aus den Bereichen Philosophie, Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften genannt.

Im nächsten Teil des Textes setzt sich Weber mit den Grundbegriffen und Modellen auseinander. Zu den Grundbegriffen zählt er: „Beobachter, Wirklichkeit versus Realität, Konstruktion“ (Weber 2003, 184) und ergänzt diese weiterführend mit „Autopoiesis, Autokonstitution, strukturelle Kopplung, operationale Geschlossenheit, semantische Selbstreferentialität, Viabilität “ (Weber 2003, 185). Bei den Modellen greift er unter anderem das Erkenntnismodell von Gerhard Roth auf, das aus Körperwelt, Ichwelt und Umwelt besteht, die, von einem als realen gegebenen Gehirn aus, differenziert werden. Abschließend beschäftigt sich Weber mit der theoretischen und empirischen Anwendung in der Medienwissenschaft und differenziert dabei interpersonelle Kommunikation, Journalistik und Massenmedien. (Vgl. Weber 2003, 180-197)

Nach diesem Abstract wird jetzt anhand des Basistheorems vom Konstruktivismus: „Menschen konstruieren ihre Wirklichkeit subjektiv und eigenverantwortlich“ (Merten 1995, 9) der Bereich vom Individuum und seiner Umwelt näher behandelt. Anschließend werden Verbindungen zu anderen Theorien erstellt und Vergleiche gezogen. Am Ende wird der Konstruktivismus im Kontext der Medienwirklichkeit reflektiert. Die daraus entstehenden Fragen werden in dieser Arbeit Antwort finden – oder auch nicht.

Das Individuum und seine Umwelt

Ist der Konstruktivismus ein Fluch oder ein Segen?

Grundsätzlich hat jeder Mensch die Möglichkeit seine eigene Wirklichkeit zu bilden – diese zu erweitern, ergänzen oder zu verändern. Durch diese Annahme könnten Menschen drei Eigenschaften besitzen: Erstens wären sie frei. Denn mit dem Wissen über die Wirklichkeit bestimmen zu können, kann man sie jederzeit ändern. Damit ergibt sich automatisch die zweite Eigenschaft: Verantwortung. Wenn jemand begriffen hat, dass er seine eigene Wirklichkeit bestimmt – bestimmt er zugleich den Pfad seines Gewissens. (Vgl. Watzlawick 1994, 74f) Als Autohersteller wäre es beispielsweise einfacher und kostensparend, wenn man auf langwierige Sicherheitstests verzichten würde. Erst der ethische Grundgedanke wird den Konstrukteur anspornen, mit größtem Einsatz ein sicheres Auto zu bauen; hängt doch von seiner Verantwortung das Leben andere ab. Die dritte Eigenschaft wäre ein versöhnliches, auf Harmonie ausgerichtetes Verhalten, nach der ständigen Suche des gemeinsamen Konsenses (vgl. Watzlawick 1994, 75). Diese Annahme von Watzlawick entspricht ungefähr der des wahren Konsenses von Habermas: Theoretisch ist es möglich; es lässt sich praktisch kaum finden. Watzlawick ist dieser Umstand bewusst: „Natürlich gibt es solche Menschen sehr, sehr selten. Ich habe in meinem Leben zwei getroffen, die vermutlich an dem Punkt angekommen waren.“ (Watzlawick 1994, 75)

Die Frage, ob der Umstand – wenn jemand begriffen hat, dass er seine eigene Wirklichkeit konstruieren kann – zum Fluch oder ein Segen wird, hängt somit von der Wirklichkeit ab, die er sich zum Zeitpunkt der gestellten Frage konstruiert.

Konstruktivismus und andere Theorien

„Im Scheitern einer Hypothese über die Wirklichkeit erfahren wir, daß diese Hypothese falsch ist.“ (Watzlawick 1991, 34) Diese Aussage Watzlawicks bezieht sich auf die Theorie von Glasersfeld bei der man bestenfalls über die Wirklichkeit das wissen kann, was sie nicht ist. Aus der Sicht der Evolutionstheorie stirbt eine Gattung dann aus, wenn sie sich an die Begebenheit ihrer Wirklichkeit nicht mehr anpassen kann. Damit bezieht sich Glasersfeld auf Darwins Begriff: „survival of the fittest“ und stellt fest, dass nicht der Tüchtigste – wie angenommen – überlebt, sondern derjenige, der sich anpassen kann; „fit“ im Sinne von „passen“. (Vgl. Watzlawick 1991, 34f) Das bedeutet: Konstruktionen bleiben so lange erhalten, bis sie nicht mehr passen. Oder anders: Wirklichkeiten verändern sich erst, wenn sie keinem Geltungsanspruch mehr nachkommen. Womit sich eine längst überfällige Frage stellt: Kann man etwas über die wirkliche Wirklichkeit erfahren?

Das Falsifikationsprinzip von Popper beschreibt in diesem Zusammenhang, dass man nur dann über die wirkliche Wirklichkeit etwas erfahren kann, wenn die Methode zur Erforschung dieser Wirklichkeit zusammenbricht – womit gemeint ist, dass die wissenschaftliche Erkenntnissuche stehen bleibt. (Vgl. Girgensohn-Marchand 1992, 88) Um hier nicht in einer Sackgasse zu landen, sollten wir nach der Voraussetzung fragen, die es uns überhaupt ermöglicht, eine Wirklichkeit zu konstruieren.

Ein Aspekt des Konstruktivismus in diesem Kontext ist die Selektivität (vgl. Merten 1995, 8). Erst wenn man in der Lage ist etwas Auszuwählen ist man auch in der Lage etwas zu konstruieren. Das führt weitergehend zu kognitiven Mechanismen (Einstellung, Erwartung, Erinnerung) und zur Kognitionstheorie. Diese beschäftigt sich damit, wie Menschen zu ihren Erkenntnissen kommen – die Erkenntnistheorie hingegen wie man damit umgehen sollte (vgl. Girgensohn-Marchand 1992, 90).

Der Erkenntnistheoretiker Maturana beschreibt den Vorgang des Erkennens als „interne Selbstorganisation des Nervensystems“ und versteht Kognition somit als aktiven Aufbau und nicht als Abbildung einer Welt (vgl. Weber 2003a, 180). Damit ergeben sich zwei weitere Verbindungen: Die erste führt uns zur Theorie „Tabula rasa“. Dabei kommt der Mensch ohne Eindrücke oder Vorstellungen auf die Welt, sondern baut diese erst aktiv auf (vgl. Lexirom: Tabula rasa, 2000). Die zweite Theorie deckt sich mit der Systemtheorie von Luhmann: Ein geschlossenes System, das sich selbst reproduziert. Verfolgen wir die Systemtheorie von Luhmann weiter kommen wir zum binären Code; etwas gehört zu einem System und etwas Anderes nicht (vgl. Weber 2003, 210).

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (Buch)
9783656447726
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147744
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
10/10
Schlagworte
Konstruktivismus Watzlawick Wirklichkeit kompakt

Autor

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Titel: Konstruktivismus kompakt