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Die Theorie optimaler Währungsräume – Wie ist ein Beitritt Polens zur Europäischen Währungsunion zu bewerten?

Diplomarbeit 2008 90 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bedeutung und Gegenstand der Theorie optimaler Währungsräume
2.1 Bedeutung der Theorie optimaler Währungsräume
2.2 Definitorische und materielle Abgrenzung des Begriffs des optimalen Währungsraums

3 Die Theorie optimaler Währungsräume
3.1 Klassische Ansätze und Kriterien zur Bestimmung optimaler Währungsräume
3.1.1 Faktormobilität
3.1.2 Offenheit
3.1.3 Produktionsdiversifikation
3.1.4 Fiskalische Integration
3.1.5 Flexibilität von Löhnen und Preisen
3.1.6 Asymmetrie und Frequenz der Störungen
3.1.7 Frühe Beiträge zur Kosten-Nutzen-Analyse
3.2 Moderne Ansätze der Theorie optimaler Währungsräume
3.2.1 Kapitalmobilität
3.2.2 Ähnlichkeit der Preisentwicklungen
3.2.3 Ergebnisse erster empirischer Analysen der Theorie optimaler Währungsräume
3.2.4 Konjunkturzyklus
3.2.5 Spezialisierung
3.2.6 Politischer Wille
3.3 Kritische Würdigung der Theorie optimaler Währungsräume
3.4 Ableitung der zu untersuchenden Kriterien zur Abgrenzung optimaler Währungsräume

4 Bewertung eines Beitritts Polens zur Europäischen Währungsunion
4.1 Wirtschaftliche Entwicklung Polens und Reformbewegungen seit 1990
4.2 Der Stand der nominalen und realen Konvergenz
4.2.1 Nominale Konvergenz
4.2.1.1 Inflationsrate
4.2.1.2 Langfristige Zinsen
4.2.1.3 Wechselkursstabilität
4.2.1.4 Finanzlage der öffentlichen Haushalte
4.2.2 Reale Konvergenz
4.2.2.1 Pro-Kopf-Einkommen
4.2.2.2 Produktivität
4.2.2.3 Sektorale Wirtschaftsstruktur
4.2.2.4 Ergebnisse von Untersuchungen zur Transformation und Konvergenz
4.3 Analyse der Kriterien optimaler Währungsräume
4.3.1 Die Flexibilität des polnischen Arbeitsmarkts
4.3.2 Konvergenz der Konjunkturzyklen
4.3.3 Ausländische Direktinvestitionen
4.3.4 Handelsintegration
4.3.5 Diversifikation der Produktion
4.3.6 Intraindustrieller Handel
4.4 Beurteilung eines Beitritts Polens zur Europäischen Währungsunion

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Maastrichter Konvergenzkriterien

Tabelle 2: Schlussfolgerungen auf Basis der theoretischen Grundlagen

Tabelle 3: Makroökonomische Daten Polens 2000-2007

Tabelle 4: Langfristiger Zinssatz (in %; Durchschnitt des Referenzzeitraums)

Tabelle 5: Budgetdefizit und öffentliche Verschuldung 2002-2010*

Tabelle 6: Zufluss ausländischer Direktinvestitionen und Komponenten 2004-2007 (Mrd. EUR)

Tabelle 7: Importe und Exporte Polens in die Eurozone, die EU und die MOEL in 2007

Tabelle 8: Wichtigste Handelspartner Polens in 2007

Tabelle 9: Offenheitsgrad Polens 1998-2007

Tabelle 10: Diversifikation der polnischen Exporte in die EU nach Warengruppen 2004-2007 (in Mrd. EUR; Veränderung 2007 zum Vorjahr in %)

Tabelle 11: Anteil des intraindustriellen Handels in Polen und den EWU-Ländern

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Wirkung asymmetrischer Schocks im Modell von Mundell (1961)

Abbildung 2: Ausgleich eines asymmetrischen Schocks im Modell von Mundell (1961)

Abbildung 3: Handelsintegration, Symmetrie und der Optimale Währungsraum

Abbildung 4: Der Effekt der Spezialisierung

Abbildung 5: Durchschnittliche Veränderungsrate des HVPI im Vergleich zum Referenzwert 2000-2007 in %

Abbildung 6: Wechselkursentwicklung Zloty/Euro 2006-2007

Abbildung 7: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Kaufkraftstandards (EU-27=100) in der EU, der Eurozone und Mittel- und Osteuropa, (in %) 2005-2008*

Abbildung 8: Entwicklung der Arbeitsproduktivität und Beschäftigungsquote (in %) in Polen und der EU (EU-15=100)

Abbildung 9: Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftssektoren (in %) in Polen und der Eurozone

Abbildung 10: Transformationsindikatoren in Polen 2006

Abbildung 11: Arbeitslosigkeit in Polen, den EU-15 und der Eurozone in % (Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung)

Abbildung 12: Regionale Arbeitslosigkeit in Polen (in %) 2006-2007

Abbildung 13: Konjunkturzyklen in Polen und der Eurozone, 1998-2009* (Abweichung der Wachstumsrate des realen BIP vom Trend)

Abbildung 14: Problematische Einflussfaktoren für die Unternehmenstätigkeit in Polen in %

Abbildung 15: Beitrittsszenarien für Polen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Der 1. Mai 2004 brachte wohl die größte Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union mit sich. Zehn mittel- und osteuropäische Länder, von denen acht aus dem ehemaligen Sowjetblock stammen, wurden als neue Mitgliedsstaaten in die EU aufgenommen. Trotz dieses symbolischen Charakters, hat dieses Datum den Integrationsprozess weder initiiert noch beendet. Alle diese post-kommunistischen neuen Mitgliedsstaaten haben während der vergangenen 18 Jahre eine Reihe tief greifender, radikaler und teils schmerzhafter Reformen auf sich genommen um die Erfordernisse der Beitrittsperspektive zu erfüllen und sich grundlegend auf die EU-Mitgliedschaft vorzubereiten. Jedoch bedeutet das Datum der formellen EU-Mitgliedschaft noch nicht die Vollendung des Beitrittsprozesses. Vielmehr ist eine der noch verbleibenden Pflichten der Beitritt zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, da es eine Opting-Out-Klausel für die mittel- und osteuropäischen Länder, wie etwa für Großbritannien oder Dänemark, nicht gibt. Sie verpflichten sich somit den Euro zu einem späteren Zeitpunkt einzuführen und der Europäischen Währungsunion als gleichberechtigte Mitglieder beizutreten. Der Beitrittsvertrag enthält allerdings keinen Zeitplan für den genauen Beitritt, welcher formell davon abhängt ob die betreffenden Staaten die Maastricht Kriterien erfüllen. In der Praxis lässt dies dementsprechend auch viel Spielraum bei der Festlegung auf den genauen Beitrittszeitpunkt zur Eurozone.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Frage zu beantworten, wann Polen bereit sein wird, der Eurozone beizutreten. Anders ausgedrückt, wird untersucht, mit welchen Vor- und Nachteilen im Falle der Euro-Einführung für die polnische Wirtschaft zu rechnen ist und welche Reformen das Land eventuell noch durchführen muss, um sich bestmöglich auf die Mitgliedschaft in der gemeinsamen Währungsunion vorzubereiten. Allgemeiner betrifft diese Fragestellung die Bedingungen, die Mitglieder der Eurozone erfüllen müssen, um einen so genannten optimalen Währungsraum zu bilden. Bei der Untersuchung der Kosten und Nutzen für Polen stellt die Theorie optimaler Währungsräume ein wertvolles Instrument dar, das die Grundlage für eine umfangreiche ökonomische Bewertung legt. Die Theorie wurde durch den im Jahre 1961 erschienen Artikel „A Theory of Optimum Currency Areas“ von Robert Mundell begründet. Die in den darauf folgenden Jahrzehnten erarbeiteten Kriterien bilden den Rahmen dieser Arbeit. Im Zuge der europäischen Währungsintegration hat die Frage nach den Optimalitätskriterien erneut an Bedeutung und Aktualität gewonnen und zahlreiche Verfeinerungen der Mundell´schen Theorie wurden vorgestellt. Jüngste Ansätze arbeiten insbesondere an der empirischen Umsetzung der Theorie und versuchen in Kosten-Nutzen-Analysen eine Aussage über die Optimalität eines Währungsraums zu treffen. Auch kann sich nach neuen empirischen Untersuchungen einiger Autoren die Optimalität eines Währungsraumes ex post einstellen, sofern sie ex ante nicht gegeben war.

Inwiefern die MOEL in ihrer Gesamtheit die Optimalitätskriterien erfüllen ist bereits Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Analysen. Für den ganz spezifischen Fall Polens wurde der Erfüllung dieser Kriterien in der wissenschaftlichen Literatur bisher jedoch nur am Rande nachgegangen. Mit ihrer aktuellen Brisanz kann diese Arbeit somit als ein Beitrag zur Schließung der Lücke in der wissenschaftlichen Literatur angesehen werden. Dabei soll im Weiteren wie folgt vorgegangen werden: Nachdem in Kapitel 2 der Begriff der Optimalität geklärt wird, stellt Kapitel 3 die wichtigsten Kriterien und Ansätze zur Beurteilung eines Währungsraums detailliert dar. Auf Basis dieser theoretischen Grundlagen kann eine Abgrenzung eines optimalen Währungsraums erfolgen, weshalb im weiteren Verlauf der Arbeit immer wieder auf diese Erkenntnisse zurückgegriffen wird. Kapitel 4 analysiert auf der Theorie optimaler Währungsräume aufbauend ob Polen die Optimalitätskriterien erfüllt und welche Schlussfolgerungen bezüglich eines Beitritts zur Währungsunion daraus gezogen werden können. Zugleich wird versucht auf Basis von Prognosen Szenarien für den Beitritt Polens zur Eurozone zu entwerfen. Kapitel 5 fasst schließlich die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Arbeit zusammen. Die Analysen der Arbeit werden durchweg durch zahlreiche Grafiken veranschaulicht. Dabei wurde auf die Aktualität der verwendeten Primärdaten besonderer Wert gelegt, was die Praxisrelevanz der vorliegenden Inhalte zusätzlich unterstreichen soll.

2 Bedeutung und Gegenstand der Theorie optimaler Währungsräume

2.1 Bedeutung der Theorie optimaler Währungsräume

Im Mittelpunkt der Theorie optimaler Währungsräume steht die Frage nach der ökonomisch sinnvollen Größe eines optimalen Währungsraums. Dabei ist sie an sich kein traditioneller Theoriebereich der Volkswirtschaftslehre. Vielmehr ist sie Anfang der 60er Jahre entstanden und kann im Allgemeinen auf drei Entwicklungen zurückgeführt werden:

- Sie beruht zum einen auf der damaligen Diskussion um feste oder flexible Wechselkurse[1] bzw. dem geeigneten Grad der Wechselkursflexibilität zwischen Volkswirtschaften (Milek 2005, S. 21).
- Zum anderen entwickelte sie sich infolge der Diskussion um die Europäische Währungsunion (EWU), die bereits Anfang der 70er Jahre durch die Europäische Gemeinschaft einsetzte.
- Des Weiteren haben die erhöhte Konvertibilität der Währungen und die zunehmende Flexibilität der Kapitalströme zur neuen Aktualität der Überlegungen zu Wechselkurssystemen beigetragen (Herrmann 2001, S. 20).

Robert Mundell (1961) ist der Erste, der sich mit dem Begriff des optimalen Währungsraums, als einem Gebiet mit festen Wechselkursen, auseinandersetzt und, der sich auf theoretischer Ebene mit der Abgrenzung von optimalen Währungsräumen beschäftigt. Er stellt die relevante Frage „What is the appropriate domain of a currency area?” (Mundell 1961, S. 657). Zu jener Zeit war Mundells (1961) Forschungsgegenstand eher akademischer Natur, da es schwer vorstellbar war, die nationale Währung könnte zugunsten eines anderen Währungsregimes aufgegeben werden. Mit dem von der Europäischen Union angestrebten monetären Integrationsprozess erhielt die Theorie allerdings vollkommen neue Impulse (Horvath 2003, S. 10; Broz 2005, S. 54 f.), so dass in den folgenden Jahren Wissenschaftler unabhängig voneinander eine Vielzahl von Optimalitätskriterien erarbeiteten mit dem Ziel, das entscheidende Kriterium zur Bestimmung eines optimalen Währungsraums zu finden (Herrmann 2001, S. 2). Über diese Kriterien definiert die Theorie die grundlegenden Eigenschaften, die über Erfolg[2] oder Misserfolg einer Währungsunion entscheiden. Darüber hinaus trägt die Theorie aber auch zu einem wesentlichen Teil zur Erklärung bei, welche Länder sich zu einer Währungsunion zusammenschließen sollten.

Mit den entwickelten Kriterien flossen auch zunehmend Kosten-Nutzen-Betrachtungen der Aufgabe des Wechselkurses als Anpassungsinstrument in die Theorie optimaler Währungsräume mit ein (Broz 2005, S. 54). Die traditionellen Ansätze setzen sich vorrangig mit Kostenaspekten auseinander (Auria 1997, S. 29). Im Vordergrund der Analyse der Kosten einer Währungsunion steht der Verlust des Wechselkurses als Anpassungsinstrument. Es wird angenommen, dass die Wirtschaftspolitik sich auf das Ziel der makroökonomischen Stabilisierung konzentriert, die Löhne nach unten starr sind und die Volkswirtschaften Störungen ausgesetzt sind (Milek 2005, S. 27). Die Kosten sind ganz besonders hoch, wenn diese Störungen bzw. Schocks asymmetrisch sind (Tavlas 1993, S. 669). Unter einem asymmetrischen Schock versteht man eine plötzliche und unerwartete Störung, welche die Mitgliedsstaaten eines Integrationsraumes unterschiedlich stark trifft. Dabei handelt es sich entweder um einen regionen- bzw. sektorspezifischen Schock, oder darum, dass ein allgemeiner Schock bestimmte Regionen (oder Staaten) ungleich stark trifft, weil sich die ökonomischen Strukturen oder die politischen Reaktionen der Regionen (oder Staaten) unterscheiden (Belke/ Hebler 2004, S. 74). Liegt solch ein asymmetrischer Schock vor, kommt es zu unerwünschten Effekten auf die internen Zielvariablen der Preis und Einkommensstabilität. Ohne eine Währungsunion könnten diese negativen Folgen durch eine Wechselkursänderung ausgeglichen werden. Innerhalb einer Währungsunion muss das ursprüngliche makroökonomische Gleichgewicht mit Hilfe anderer Anpassungsmechanismen wieder hergestellt werden (Auria 1997, S. 22 f.; Milek 2005, S. 28). Ist die Erfüllung der Kriterien optimaler Währungsräume jedoch hoch, so wird der Wechselkurs als Ausgleichinstrument umso weniger benötigt (Tavlas 1993, S. 669). Ein weiterer Kostenauslöser, der mit der Mitgliedschaft in einer Währungsunion und der damit verbundenen Einführung fester Wechselkurse eng verknüpft ist, ist der Verzicht auf eine autonome Geldpolitik. Durch den Verzicht auf die autonome Geldpolitik verlieren die einzelnen Länder einer Währungsunion die Möglichkeit, durch Erzeugung von Überraschungsinflation eine gewünschte Kombination von Inflation und Arbeitslosigkeit auf der Phillips-Kurve in der kurzen Frist selbst zu bestimmen (Auria 1997, S. 24, Jurek 2004, S. 34). Die Phillips-Kurve bildet dabei den kurz- und langfristigen Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosigkeit ab. Sie ist der Hintergrund für wirtschaftspolitische Bemühungen mit Hilfe der expansiven Geldpolitik und der damit einhergehenden Inflation, die Arbeitslosigkeit zumindest kurzfristig zu bekämpfen (Milek 2005, S. 28 f.).

Den Kosten stehen jedoch auch zahlreiche Nutzenaspekte[3] gegenüber, die vor allem in den modernen Ansätzen der Theorie optimaler Währungsräume Berücksichtigung finden. Von größter Bedeutung sind dabei der Wegfall wechselkursbedingter Transaktions- und Informationskosten sowie der Wegfall des Wechselkursrisikos. Der Wegfall der Transaktions- und Informationskosten führt über direkte und indirekte Ersparnisse dazu, dass der Außenhandel zwischen Ländern einer Währungsunion effizienter wird und somit zunimmt (Auria 1997, S. 25; Jurek 2004, S. 34). Gleichermaßen führt das Ausbleiben des Wechselkursrisikos zu einer Stimulierung des Handels und zu einer größeren Anziehungskraft für ausländische Investitionen (Milek 2005, S. 31). Ein optimaler Währungsraum beinhaltet somit nur Länder, für die der Nutzen einer Währungsunion höher ausfällt als deren Kosten.

2.2 Definitorische und materielle Abgrenzung des Begriffs des optimalen Währungsraums

Für eine tiefer gehende Diskussion über optimale „Währungsräume“ ist es zunächst erforderlich, den Begriff des Währungsraums genauer zu bestimmen. In der Literatur existiert keine einheitliche Definition für den Begriff. Tatsächlich ist es so, dass es unterschiedliche Stufen der Integration im Währungsbereich gibt. Eine erste Stufe ist die Wechselkursunion (Tavlas 1993, S. 665). Dieses System ist durch feste Wechselkurse, eine koordinierte Geldpolitik und vollkommene Kapitalmobilität zwischen den Unionsländern gekennzeichnet. Hierbei ist es allerdings möglich, dass die Finanzmärkte bei veränderten Fundamentaldaten die Koordinierung der Geldpolitik und die Aufrechterhaltung des festen Wechselkurses in Frage stellen[4]. Sie werden dann gegen die Währung des Landes spekulieren, von dem sie erwarten, dass die Geldpolitik expansiver wird, so dass die Währung dieses Landes unter Abwertungsdruck gerät (Auria 1997, S. 21). Die höchste Stufe der Integration im Währungsbereich ist die Währungsunion. Nach der Definition von Tavlas (1993, S. 665 f.) erfordert diese zusätzlich eine gemeinsame Zentralbank und die Einführung einer einheitlichen Währung. Während in der Wechselkursunion Paritätsänderungen grundsätzlich noch möglich sind, ist dies in der Währungsunion ausgeschlossen. Ein Währungsraum ist nach Tavlas (1993) in der Literatur des optimalen Währungsraums ein Währungsgebiet mit den Merkmalen einer Währungsunion. Mundell (1961, S. 657) versteht unter dem Begriff des Währungsraums „[...] a domain within which exchange rates are fixed [...]”. Gleichzeitig regt er dazu an, einen Währungsraum als Region[5] zu erachten, deren Grenzen nicht zwingend mit Staatsgrenzen übereinstimmen müssen. Man sollte in Mundells Artikel den „Währungsraum“ nicht mit dem Geltungsbereich eines Systems fester Wechselkurse gleichsetzen, denn die Argumentation Mundells gilt nur für Arrangements mit absolut festen Wechselkursen, während Festkurssysteme[6] im Allgemeinen die Möglichkeit von Paritätsänderungen vorsehen. Bofinger (1994, S. 126 f.) weist darauf hin, dass es bei der Diskussion um „optimale Währungsräume“ demnach nicht um die Frage nach festen oder flexiblen Wechselkursen geht, sondern um die Vor- und Nachteile von Währungsunionen. Mundells Vorstellung von einem optimalen Währungsraum stimmt hier mit der weithin anerkannten Definition des Werner-Plans (Europäische Kommission 1970, S. 15) überein, wonach eine Währungsunion vor allem durch die Unveränderlichkeit des Wechselkurses gekennzeichnet ist. Die Übereinstimmung bezieht sich auch darauf, dass Mundell unter dem Begriff des Währungsraums zum einen ein System einer Einheitswährung als auch ein Arrangement versteht, bei dem nationale Währungen mit festen Wechselkursen gegenseitig verbunden sind (Bofinger 1994, S. 127). Auf Basis der oben dargestellten Übereinstimmung wird im Folgenden von Mundells Definition eines Währungsraums ausgegangen. Der synonyme Gebrauch der Begriffe „Währungsunion“ und „Währungsraum“ in dieser Arbeit ist auch logische Konsequenz dessen, dass das theoretische Interesse an der Theorie optimaler Währungsräume im Zuge der Europäischen Währungsunion stark zugenommen hat.

Die „Optimalität“ eines Währungsraums wird bezüglich zahlreicher Merkmale optimaler Währungsräume definiert – diese werden auch als „Voraussetzungen“, „Eigenschaften“ oder „Kriterien“ bezeichnet. Die Erfüllung der Merkmale bzw. Kriterien verringert einerseits die Notwendigkeit nominaler Wechselkursanpassungen innerhalb eines Währungsraums und andererseits die Auswirkungen bestimmter Schocks oder erleichtert eine Anpassung danach (Mongelli 2002, S. 7; Kucerova 2003, S. 2 f.). Auch Mundell (1961, S. 657 ff.) zufolge ist ein Währungsraum dann optimal, wenn es andere Anpassungsmechanismen zum Wechselkurs gibt, die nach einem asymmetrischen Schock in der Lage sind, ein binnenwirtschaftliches Gleichgewicht zu realisieren. Für Mundell ist eine hohe Flexibilität des Arbeitsmarks eine alternative Möglichkeit der Anpassung um auf asymmetrische Störungen zu reagieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Länder zu einem gemeinsamen Währungsraum zusammenschließen, ist grundsätzlich dann am höchsten, wenn der gegenwärtige und der zukünftig erwartete Nutzen die Kosten übersteigt (Mongelli 2002, S. 7).

Im Folgenden werden die wichtigsten Kriterien und Ansätze der Literatur zur Theorie optimaler Währungsräume im Überblick dargestellt. Diese Theorie hat sich über mehr als vier Jahrzehnte hinweg entwickelt und umfasst daher Arbeiten, die von völlig unterschiedlichen Annahmen ausgehen und sich auf unterschiedliche Aspekte konzentrieren. Dennoch lassen sich zwischen einigen Arbeiten Ähnlichkeiten erkennen, so dass sich die im nächsten Kapitel dargestellte Theorie in traditionelle und moderne Ansätze sowie Kriterienkategorien unterscheiden lässt. Während sich die traditionellen Kriterien hauptsächlich auf die Kosten einer Währungsunion durch den Verlust des nominalen Wechselkurses beziehen, stellen die modernen Kriterien und Ansätze überwiegend Nutzenaspekte einer Währungsunion in den Vordergrund. Ferner dient das nächste Kapitel auch als Basis für die Analyse der Kriterien des optimalen Währungsraums in Polen.

3 Die Theorie optimaler Währungsräume

3.1 Klassische Ansätze und Kriterien zur Bestimmung optimaler Währungsräume

Die klassischen bzw. traditionellen Kriterien, die im Wesentlichen in den 60er und Anfang der 70er Jahre entwickelt wurden, sind hauptsächlich mikroökonomischer Art. Damit bestimmen sie, inwieweit mikroökonomische Ungleichgewichte[7], d.h. Verschiebungen der relativen Preise, bestehen bzw. ob alternative Anpassungsmechanismen vorhanden sind, die die Wiederherstellung des Zahlungsbilanzgleichgewichts unter Aufrechterhaltung von Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung bei festem Wechselkurs und starren Nominallöhnen ermöglichen[8] (Herrmann 2001, S. 2 und S. 23; Peters 2006, S. 6).

3.1.1 Faktormobilität

Mundell (1961) betont die Faktormobilität, dabei insbesondere die Arbeitsmobilität, als ausschlaggebendes Kriterium zur Abgrenzung von optimalen Währungsräumen. Beim Auftreten asymmetrischer Schocks und in Abwesenheit des Wechselkurses als Anpassungsinstrument, benötigen die an der Währungsunion beteiligten Länder alternative Mechanismen, um diese Schocks abzufedern (Mundell 1961, S. 657). Als solch ein Mechanismus zählt vor allem eine hohe Flexibilität des Arbeitsmarktes in Form von Lohnflexibilität und Arbeitsmobilität (Milek 2005, S. 22). Da alle auf Mundells Ansatz folgenden Erweiterungen lediglich als Verfeinerungen des ursprünglichen Modells zu betrachten sind (Rose 2000, S. 212 f.), soll im Folgenden Mundells Grundkonzept ausführlicher dargestellt werden, als die daraufhin entwickelten Ansätze anderer Autoren.

Mundell (1961) untersucht in seiner Arbeit unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Staaten und Kanada mögliche Anpassungsmechanismen an asymmetrische Schocks und kommt zu dem Schluss, dass Wechselkursänderungen für keines der beiden Länder ein zufriedenstellendes Angleichungsmittel sind, da die eigentliche Asymmetrie nicht zwischen den beiden Ländern, sondern zwischen ihren Regionen (Ost und West) bestand[9]. Aufgrund dessen waren Mechanismen erforderlich, die das relative Preisverhältnis zwischen Ost und West, nicht aber zwischen Nord und Süd ausgleichen (Amati/ Patterson 1998, S. 16; Peters 2006, S. 6). Um nun die Auswirkungen der Bildung eines einheitlichen Währungsgebietes zu veranschaulichen, konzipiert Mundell (1961, S. 658 ff.) ein Modell, in dem er von der Region als ökonomische Einheit ausgeht, deren Grenzen nicht zwingend mit Staatsgrenzen übereinstimmen.

Eine vereinfachte Variante der Theorie geht von zwei Regionen A und B aus (Amati/ Patterson 1998, S. 16). Die Regionen zeichnen sich in der Ausgangssituation beide durch Vollbeschäftigung und Zahlungsbilanzgleichgewicht aus und sind auf die Herstellung eines bestimmten Produkts spezialisiert. Beide Güter können jedoch gleichermaßen konsumiert werden. Dem nominalen Wechselkurs kommt in diesem Modell eine Anpassungsfunktion zu, weshalb Mundell davon ausgeht, dass die Preise und Löhne in der kurzen Frist nach unten rigide sind. Des Weiteren nimmt er an, dass die Zentralbanken Inflation vermeiden möchten (Rose 2000, S. 212; Milek 2005, S. 23). Ein asymmetrischer Nachfrageschock führt zur Bevorzugung des von B hergestellten Produkts gegenüber dem von A hergestellten Produkt. In A kommt es aus diesem Grund zu einem Rückgang der Nachfrage und damit zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie zu einem Außenhandelsdefizit. In B steigt hingegen die Inflation (Mundell 1961, S. 658; S. 12). In Abbildung 1 sind die Anpassungen in A und B graphisch dargestellt.

Abbildung 1: Die Wirkung asymmetrischer Schocks im Modell von Mundell (1961)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Amati/ Patterson 1998, S. 16.

Eine gemeinsame Geldpolitik kann in diesem Fall nicht die Probleme in A und B gleichzeitig lösen (Peters 2006, S. 6). Das durch den Schock verursachte Un-gleichgewicht erfordert daher eine Änderung des relativen Preisverhältnisses, um das frühere Gleichgewicht wieder herzustellen. Wenn die Regionen getrennte Währungen haben, lässt sich dies durch eine Änderung der Wechselkurse erreichen (Amati/ Patterson 1998, S. 16). Haben sie jedoch eine gemeinsame Währung oder einen festen Wechselkurs, muss die Produktions- und Beschäftigungslage in A auf eine andere Weise wiederhergestellt werden. Dies kann auf drei Arten geschehen:

- durch einen Rückgang der nominalen Löhne und Preise,
- durch eine Verschiebung der Angebotskurve bei heimischen Waren nach oben, was beispielsweise durch eine Abwanderung von Arbeitskräften aus dem Land, wie sie in Abbildung 2 dargestellt ist, erklärt werden kann (Broz 2005, S. 55 f.), oder
- durch eine expansive Fiskalpolitik, die auch in der Lage wäre das Gleichgewicht wieder herzustellen (Amati/ Patterson 1998, S. 17).

Abbildung 2: Ausgleich eines asymmetrischen Schocks im Modell von Mundell (1961)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Amati/ Patterson 1998, S. 17.

Mundell (1961, S. 661 f.) kommt in Abhängigkeit der Art des Schocks zu dem Ergebnis, dass bei symmetrischen Schocks[10] feste Wechselkurse oder eine Währungsunion angemessen sind, bei asymmetrischen Schocks[11] spielt jedoch die Höhe der Arbeitsmobilität und/oder die Lohnflexibilität eine wichtige Rolle. Die Mobilität des Faktors Arbeit ist somit in der Lage die Stabilisierungsfunktion des Wechselkurses zu übernehmen[12]. A und B bilden Mundell zufolge dann einen optimalen Währungsraum, wenn die Arbeitsmobilität hoch genug ist. Für ihn ist somit der Grad der Arbeitsmobilität das letztlich entscheidende Abgrenzungskriterium. Die Kosten einer Währungsunion sind in Anbetracht asymmetrischer Störungen umso geringer, je höher die Arbeitsmobilität in einem Land mit nach unten rigiden Preisen und Löhnen ist (Herrmann 2001, S. 23; Peters 2006, S. 6).

Die Aussagen des Ansatzes von Mundell (1961) sind nicht frei von Kritik und wurden in der Literatur des optimalen Währungsraums verstärkt diskutiert. Die wichtigsten Kritikpunkte beziehen sich auf die Definition der Region sowie auf das Konzept der Arbeitsmobilität. Mundells Definition einer Region wird weder als geographisch noch als politisch erachtet (Kenen 1969, S. 44; Horvath 2003, S.12), sei darüber hinaus zu breit gefasst und nicht in der Realität anwendbar (Grubel 1970, S. 321). Die Einwände gegen das Kriterium der Arbeitsmobilität zielen auf unterschiedliche Aspekte ab. Zum einen wird davon ausgegangen, dass die Arbeitsmobilität in der kurzen Frist vielfach zu gering ist, da hohe Kosten der Migration und der Anpassung an eine neue Umgebung in Erwägung zu ziehen sind (Mongelli 2002, S. 9). Damit wird es schwierig Währungsräume zu begründen, die über nationale Grenzen hinausgehen. Andererseits wird auch die praktische Relevanz des Kriteriums erheblich in Frage gestellt, zumal Mundell keine detaillierten Vorgaben zur Ausprägung der notwendigen Arbeitsmobilität macht. Im Allgemeinen wären jedoch die aufgrund dieses Kriteriums entstehenden Währungsräume sehr klein[13] (Herrmann 2001, S. 24). Mundells wesentliches Kriterium besteht trotz dieser stichhaltigen Kritik fort und wird heutzutage als entscheidendes Kriterium zur Abgrenzung eines optimalen Währungsraums erachtet (Horvath 2003, S. 14). Andere Autoren weisen dagegen auch auf die Kapitalmobilität als Abgrenzungskriterium hin. In der Folgezeit veröffentlichte Arbeiten brachten weitere Kriterien hervor, von denen einige nachstehend betrachtet werden sollen.

3.1.2 Offenheit

McKinnon (1963) betont den Grad der Offenheit einer Volkswirtschaft als zentrales Kriterium für die Bestimmung eines optimalen Währungsraumes. Seine Aussage basiert auf der Annahme, dass kleine Volkswirtschaften im Allgemeinen einen höheren Offenheitsgrad aufweisen, wobei er den Offenheitsgrad als Verhältnis von handelbaren zu nichthandelbaren Gütern am gesamten Output einer Volkswirtschaft definiert (Broz 2005, S. 57). Kleine, sehr offene Länder, d.h. Länder, die viel Außenhandel betreiben, können Preise auf dem Weltmarkt nicht beeinflussen und sind von den Auswirkungen externer Schocks im Vergleich zu großen, weniger offenen Ländern stärker betroffen (Herrmann 2001, S. 24 f.; Milek 2005, S. 34). McKinnon argumentiert, dass ein fester Wechselkurs für Länder umso vorteilhafter ist, je offener deren Volkswirtschaft ist. Gleichzeitig ist für weniger offene Volkswirtschaften ein flexibler Wechselkurs vorteilhafter (McKinnon 1963, S. 717 ff.; Horvath 2003, S. 15). Drückt man Kosten und Nutzen einer Währungsunion als Funktion des Offenheitsgrades aus, wird es möglich einen kritischen Wert des Offenheitsgrads bzw. eine kritische Größe eines Landes zu bestimmen, bei dessen Überschreitung der Beitritt zu einer Währungsunion insgesamt vorteilhaft wird (Milek 2005, S. 34). In der Regel sind große Länder weniger offen als kleine, weil sie viele Güter selbst herstellen können. McKinnon sieht in der Aufgabe des Wechselkurses als Anpassungsinstrument für kleine offene Volkswirtschaften keinen Nachteil, da der reale Wechselkurs in diesen Ländern über eine Abwertung langfristig nicht beeinflusst werden kann. Für ihn wäre daher eine Währungsunion, die relativ geschlossen gegenüber dem Rest der Welt ist, vorteilhafter. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beitritt zu einem gemeinsamen Währungsraum umso vorteilhafter ist bzw. die Aufgabe des Wechselkurses als Anpassungsinstrument umso weniger Kosten verursacht, je offener eine Volkswirtschaft ist (Tavlas 1993, S. 667).

Die Kritik an diesem Ansatz beruht überwiegend auf den spezifischen Annahmen, die McKinnon zugrunde legt. Er bezieht sich nur auf mikroökonomische Störungen und geht davon aus, dass im Rest der Welt Preisstabilität herrscht. Ist dies nicht der Fall, so sind seine Schlussfolgerungen nicht mehr allgemein gültig (Herrmann 2001, S. 25). Mongelli (2002, S. 9) merkt an, dass Offenheit verschiedene Dimensionen haben kann, einschließlich dem Grad der Handelsintegration (d.h. das Verhältnis von Exporten und Importen zum BIP) mit Partnerländern, dem Anteil von handelbaren und nicht-handelbaren Gütern und Dienstleistungen am Gesamtoutput, der marginalen Importneigung sowie der internationalen Kapitalmobilität. Diese Begriffe überschneiden sich zwar, sind aber nicht zwangsläufig gleichbedeutend.

3.1.3 Produktionsdiversifikation

Kenen (1969, S. 49) führt mit der Produktionsdiversifikation ein weiteres Kriterium zur Abgrenzung eines optimalen Währungsraums ein. Sofern in Produktion und Export eines Landes ein hoher Grad an Produktdiversifizierung vorliegt, kann auf den Wechselkurs als Anpassungsinstrument umso eher verzichtet werden, da sich positive und negative Schocks nahezu ausgleichen werden (Broz 2005, S. 58). Die Wirkung asymmetrischer Nachfrageschocks kann unterschiedlich ausfallen und trifft nicht alle Produktionssektoren und Gütergruppen zur selben Zeit und in gleicher Stärke. In Ländern mit stark diversifizierter Produktions- und Exportstruktur ändert sich infolge derartiger Schocks zwar die Struktur der Exporte, ihr Gesamtwert wird jedoch nicht bedeutend verändert. Somit besteht in einem Land mit diversifizierter internationaler Produktion eine geringere Wahrscheinlichkeit für Exportveränderungen, die ein Handelsbilanzdefizit und damit die Notwendigkeit einer anhaltenden Wechselkursänderung hervorrufen würden (Milek 2005, S. 35). Für Länder mit einem hohen Grad an Produktdiversifizierung sind demnach feste Wechselkurse optimal, wohingegen flexible Wechselkurse für Länder mit einer wenig diversifizierten Exportstruktur sinnvoller sind (Kenen 1969, S. 41 ff.). Je differenzierter die Produktions- bzw. Exportstruktur ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich Schocks in ihrer Wirkung gegenseitig aufheben (Herrmann 2001, S. 26). In der Folge sinkt damit auch der Anpassungsbedarf durch den Wechselkurs (d.h. die Kosten der Aufgabe sind umso geringer) und die Bildung eines Währungsraumes wird möglich (Horvath 2003, S. 16, Peters 2006, S. 9). Für den Fall der EU sind empirische Studien vorhanden, die belegen, dass es sich dabei um einen Raum handelt, der aus Ländern mit einem vergleichsweise hohen Maß an Produktdiversifikation besteht (Bofinger 1994, S. 129). Am Ansatz von Kenen (1969) ist kritisch anzumerken, dass auch seine Analyse einschränkenden Annahmen unterliegt. Als Kritikpunkte werden dabei in der Literatur die unendlich hohe Elastizität des Arbeitsangebotes hinsichtlich des Nominallohnes genannt sowie die Annahme, dass der internationale Preis der Importgüter und der Nominallohn im selben Ausmaß steigen. Ein formaler Beweis der Ergebnisse ist nicht mehr möglich, sobald diese expliziten Annahmen aufgegeben werden. Darüber hinaus ergeben sich Widersprüche zu den Resultaten von McKinnon (1963). Bei McKinnon handelt es sich bei einer offenen Volkswirtschaft in der Regel um ein kleines Land. Bei Kenen (1969) hingegen weisen meist große Volkswirtschaften eine hohe Diversifikation auf (Herrmann 2001, S. 26).

3.1.4 Fiskalische Integration

Kenen (1969) nennt mit der fiskalischen Integration ein weiteres ausschlaggebendes Abgrenzungskriterium eines OWR[14]. Die Auswirkungen asymmetrischer Schocks können durch Fiskaltransfers vermindert werden, die von dem Land, das einen positiven Güternachfrageschock erfahren hat, zu dem Land, das dem entgegengesetzten Schock ausgesetzt war, fließen sollten (Milek 2005, S. 36). Legt man das oben dargestellte 2-Länder-Modell zugrunde kann die Wirkung von Fiskaltransfers wie folgt erklärt werden: Aufgrund der asymmetrischen Störung ist die sich in Land A entwickelnde rezessive Tendenz mit Preis- und Lohnsenkungsdruck verbunden. In Land B hingegen führt der asymmetrische Schock tendenziell zu einem Boom und Inflationsdruck. Es ist daher im Interesse von Land B, Land A bei dem Ausgleich der Störung zu helfen. Diese Hilfe kann in Form von Fiskaltransfers von Land B an Land A erfolgen. Die Fiskaltransfers sind in der Lage die Folgen des temporären Schocks zu beseitigen und somit stabilisierend zu wirken (Baldwin/ Wyplosz 2004, S. 339, Peters 2006, S. 9). Demnach bilden Länder, die darin übereinstimmen, sich im Falle asymmetrischer Störungen durch Finanztransfers gegenseitig zu helfen, einen optimalen Währungsraum. Anders ausgedrückt, sind die Kosten, die infolge asymmetrischer Schocks auftreten, umso geringer, je höher der Grad der fiskalischen Integration zwischen den Mitgliedern eines Währungsraums ist (Mongelli 2002, S. 10; Jurek 2004, S. 32).

3.1.5 Flexibilität von Löhnen und Preisen

Friedman (1953, S. 162) und Corden (1972, S. 39 f.) sehen in der Lohn- und Preisflexibilität das wichtigste Kriterium für die Bildung einer Währungsunion, da nur dadurch eine schnelle Reaktion auf asymmetrische Schocks möglich ist. Er verdeutlicht, dass der Beitritt zu einem gemeinsamen Währungsraum mit einem Kontrollverlust über die Geldpolitik und den Wechselkurs einhergeht. Ein Land ist dann nicht in der Lage, bei einer Änderung der Angebots- und Nachfragebedingungen, die Geld- und Wechselkurspolitik dazu zu nutzen eine Anpassung der relativen Löhne und Preise zu ermöglichen (Broz 2005, S. 59 f.). Somit erfolgt eine Anpassung über erhöhte Arbeitslosigkeit und Inflation oder durch fiskalpolitische Einschränkungen (Baldwin/ Wyplosz 2004, S. 334 f.; Broz 2005, S. 59). Sind Preise und Löhne jedoch vollkommen flexibel, findet durch eine Preisveränderung sofort eine Anpassung an asymmetrische Störungen statt und der nominale Wechselkurs wird damit nicht mehr als Anpassungsinstrument benötigt. Gleichzeitig kann die Bildung einer Währungsunion aber auch mit hohen Kosten verbunden sein, wenn die Mitglieder unterschiedliche Präferenzen bezüglich der Inflationsrate haben. Die Preis- und Lohnflexibilität ist insbesondere für die sehr kurzfristige Anpassung an asymmetrische Schocks notwendig, wohingegen permanente Schocks nur durch eine dauerhafte Änderung der realen Löhne und Preise ausgeglichen werden. Nach diesem Kriterium sind die Kosten der Teilnahme an einer Währungsunion umso geringer, je flexibler die Löhne und Preise sind (Mongelli 2002, S. 9 und S. 11 f.; Peters 2006, S.7).

3.1.6 Asymmetrie und Frequenz der Störungen

Grubel (1970, S. 320 ff.) zufolge ist es wichtig die Asymmetrie und die Frequenz der Störungen, die zwei Länder in der Vergangenheit getroffen haben, zu beobachten, um daraus zu schließen, ob die betroffenen Länder einen OWR bilden. Sofern diese Länder symmetrische Entwicklungen aufweisen, besteht kein Bedarf ein asymmetrisches Anpassungsinstrument, wie z.B. den Wechselkurs beizubehalten (Milek 2005, S. 36 f.). Die Betrachtung der Frequenz von Störungen auf Basis vergangener Entwicklungen wird zum Teil jedoch auch kritisch gesehen, da sich aufgrund der zunehmenden Integration der Güter- und Finanzmärkte, die infolge der Währungsunion auch noch zunimmt, sich veränderte Konstellationen von Störungen ergeben könnten. Übereinstimmung darüber in welche Richtung dies geschehen wird, gibt es allerdings nicht (Bofinger 1994, S. 12 ff.).

3.1.7 Frühe Beiträge zur Kosten-Nutzen-Analyse

Der traditionelle Ansatz der Theorie des optimalen Währungsraums konzentriert sich fast ausschließlich darauf zu untersuchen, ob die Kosten der Aufgabe des Wechselkurses als Stabilisationsinstrument gering genug sind, um Länder dazu zu bewegen sich zu einer Währungsunion zusammen zu schließen. Positive Effekte, die sich aus der Bildung eines gemeinsamen Währungsraums ergeben, wurden recht vernachlässigt (Jurek 2004, S. 33).

Ishiyama (1975, S. 344 ff.) ist einer der Ersten, der die Beschränkungen erkennt, die damit verbunden sind, dass man einen optimalen Währungsraum nur über eine einzige Eigenschaft definiert. Vielmehr fordert er, dass jedes Land die Kosten und den Nutzen des Beitritts zu einer Währungsunion aus dem Gesichtspunkt des eigenen Selbstinteresses und aus der Wohlfahrt heraus genau abwägen sollte. Er weist zudem darauf hin, dass Kriterien wie beispielsweise Inflationsunterschiede und Lohnzunahmen, die das Ergebnis unterschiedlicher sozialer Präferenzen sind, eine viel größere Bedeutung haben als zahlreiche andere Kriterien der Theorie des optimalen Währungsraums (Mongelli 2002, S. 12; Broz 2005, S. 60). Auch Tower und Willett (1976, S. 3 ff.) weisen darauf hin, dass die Einbeziehung neuer Kriterien zur Analyse optimaler Währungsräume weiter dazu beiträgt die Theorie des optimalen Währungsraums nicht als eigenständig zu betrachten, sondern als einen Ansatz, der sich auf Kosten und Nutzen fester und flexibler Wechselkurse für jedes einzelne Land bezieht (Mongelli 2002, S. 12).

Wie in diesem Abschnitt soeben dargelegt, ist der Großteil der frühen Arbeiten zu der Theorie des optimalen Währungsraums sehr auf die Verringerung von Kosten infolge asymmetrischer Schocks fokussiert, anstatt auch einer Diskussion der Nutzenaspekte monetärer Integration Raum zu bieten (Adams 2005, S. 18 f.). Im nächsten Abschnitt soll deshalb dieser Punkt Berücksichtigung finden und in Form der modernen Ansätze und Kriterien zur Abgrenzung optimaler Währungsräume beschrieben werden.

3.2 Moderne Ansätze der Theorie optimaler Währungsräume

Die auf den traditionellen Kriterien aufbauenden modernen Ansätze und Kriterien sind hauptsächlich auf der makroökonomischen Ebene angesiedelt. Dabei berücksichtigen die Kriterien sowohl monetäre Aspekte, als auch weltwirtschaftliche Entwicklungen. Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die jeweiligen an einem Währungsraum teilnehmenden Staaten aufgrund gleichgerichteter Entwicklungen makroökonomischer Variablen und einer abgestimmten Wirtschaftspolitik auf den Wechselkurs als Anpassungsinstrument verzichten können (Peters 2006, S. 10). Im Gegensatz zu den traditionellen Ansätzen, beschäftigen sich die modernen Ansätze und Kriterien verstärkt mit den Vorteilen bzw. Nutzenaspekten eines gemeinsamen Währungsraums (Broz 2005, S. 61 f.).

Nach anfänglichen Impulsen in den 60er Jahren und in der ersten Hälfte der 70er Jahre, ließ die Forschung zum optimalen Währungsraum etwas nach. Dies lag wahrscheinlich größtenteils am Mangel an praktischen Beispielen zu Währungsunionen (Broz 1995, S. 61). Allerdings erstarkte die Theorie wieder in den späten 80er und in den 90er Jahren, was neben zahlreichen anderen Einflüssen[15] vor allem auf die vermehrte Aufmerksamkeit durch die Vorbereitungen zur EWU zurückzuführen ist (Tavlas 1993, S. 663 f.; Herrmann 2001, S. 34). Mehr und mehr Wissenschaftler gewannen das Interesse an der Theorie des OWR zurück und hatten dabei ein großes Experiment vor Augen, das ihnen neue Erkenntnisse darüber bringen sollte, ob die Europäische Union ein optimaler Währungsraum sein könnte (Broz 2005, S. 61). Es wurde eine Vielzahl empirischer Studien veröffentlicht, in denen die Optimalitätskriterien von Währungsunionen formalisiert und anhand ökonometrischer Methoden analysiert wurden. Dadurch kam es zu einer Operationalisierung der Theorie des optimalen Währungsraums (Mongelli 2002, S. 17; Milek 2005, S. 38 f.), wobei vor allem traditionelle Kriterien untersucht, aber die jeweiligen Ansätze auch um moderne Optimalitätskriterien ergänzt wurden. Dies soll nachfolgend dargestellt werden.

Eine der ersten Arbeiten in den 90er Jahren, die die Vorteile einer gemeinsamen Währungsunion herausstellte ist der „One Market, One Money“-Report von Emerson et al. (1992), in dem die Autoren mögliche Probleme erkennen, aber trotz allem nicht zögern sich für fortschreitende Integration auszusprechen. Die Theorie des optimalen Währungsraums hat Emerson et al. (1992, S. 45) zufolge wichtige Erkenntnisse erbracht, liefert aber ihrer Meinung nach dennoch nur einen begrenzten und überholten analytischen Rahmen zur Definition der optimalen wirtschaftlichen und monetären Eigenschaften einer bestimmten Region (Mongelli 2002, S. 14 und S. 17). Der Report hat in großem Umfang dazu beigetragen, dass das Interesse an der Theorie des optimalen Währungsraums wieder belebt wurde. Er führte viele Stränge theoretischer und empirischer Literatur zusammen und setzte dadurch neue Forschung in Gang (Mongelli 2008, S. 19).

3.2.1 Kapitalmobilität

Durch die Kapitalmobilität bzw. die Finanzmarktintegration kann die Notwendigkeit der Anpassung des Wechselkurses bei außenwirtschaftlichen Störungen reduziert werden (Peters 2006, S. 10). Temporäre externe Störungen können durch Kapitalzuflüsse abgeschwächt werden, indem Länder mit negativem Leistungsbilanzsaldo Kredite bei Ländern mit positivem Leistungsbilanzsaldo aufnehmen können. Daneben besteht die Möglichkeit, die Nettoauslandsposition für die Zeit des Schocks abzubauen und diesen Abbau danach wieder rückgängig zu machen. Mit der Kapitalbilanz erfolgt daher ein Ausgleich des Leistungsbilanzsaldos durch Kapitalströme (Mongelli 2005, S. 609). Auch geringfügige Veränderungen des Zinssatzes bewirken ausgleichende Kapitalströme über nationale Grenzen hinweg. Dies reduziert die Unterschiede der langfristigen Zinssätze in einem Währungsraum und erleichtert die Finanzierung von externen Ungleichgewichten durch die Kreditaufnahme von anderen Ländern der Währungsunion. Aber auch die Effizienz der Ressourcenallokation wird verbessert (Mongelli 2002, S. 9). Kapitalbewegungen sind allerdings nicht für den Ausgleich dauerhafter Störungen geeignet, sondern erscheinen nur bei vorübergehenden Zahlungsbilanzungleichgewichten als Ausgleichsmechanismus sinnvoll (Herrmann 2001, S. 27). Feste Wechselkurse sind demnach bei hoher Kapitalmobilität und hoher Finanzmarktintegration vorteilhaft.

3.2.2 Ähnlichkeit der Preisentwicklungen

Unterschiedliche Preisentwicklungen zwischen Volkswirtschaften führen zu Leistungsbilanzungleichgewichten. Diese können die Folge unterschiedlicher struktureller Entwicklungen, unterschiedlicher Arbeitsmarktinstitutionen und verschiedener sozialer Präferenzen sein. Als Kriterium für die dauerhafte Fixierung von Wechselkursen kann deshalb die nationale Inflationsneigung genannt werden (Mongelli 2002, S. 9 f.; Mongelli 2005, S. 610). Bei unterschiedlichen Präferenzen beispielsweise im Hinblick auf die Abwägung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit, werden die einzelnen Mitgliedsländer einer Währungsunion eine voneinander abweichende Geldpolitik der Zentralbank fordern. Sind die nationalen Inflationsneigungen jedoch homogen, so ist ein gemeinsamer Währungsraum umso vorteilhafter (Baldwin/ Wyplosz 2004, S. 339). Detaillierte Untersuchungen bezüglich der Erfahrungen im Europäischen Währungssystem belegen, dass zwischen preisstabilen Ländern erheblich weniger Wechselkursänderungen zu verzeichnen sind, als zwischen Ländern mit unterschiedlichen Preissteigerungs-tendenzen[16] (Herrmann 2001, S. 31). Ähneln sich also die Inflationsraten verschiedener Länder, kommt es innerhalb der Währungsunion eher zu ausgleichenden Leistungsbilanztransaktionen infolge asymmetrischer Störungen (Tavlas 1993, S. 666). Es lässt sich damit die Schlussfolgerung ziehen, dass ein gemeinsamer Währungsraum umso vorteilhafter ist, je geringer die Inflationsdifferenzen zwischen den Ländern innerhalb des Währungsraums sind.

3.2.3 Ergebnisse erster empirischer Analysen der Theorie optimaler Währungsräume

Vor der Entstehung der EWW beschäftigten sich verschiedene Autoren mit der Frage welche Länder einen optimalen Währungsraum bilden und wie groß dieser sein sollte. Mittels diverser Schockanalysen untersuchten sie, welche Ländergruppen nach exogenen Störungen und einer Fixierung der Wechselkurse, die Konjunkturrückschläge am besten und möglichst synchron abfangen können. Die Studien liefern uneinheitliche Resultate hinsichtlich der Zusammensetzung und der Größe der EWU.

Bayoumi (1994, S. 537 ff.) entwickelt mittels eines allgemeinen Gleichgewichtsansatzes mit regional differenzierten Gütern ein formales Modell der EWU. Er belegt mit seinem Modell die Wichtigkeit der Mobilität der Arbeitskräfte (Mundells Kriterium), des Offenheitsgrades (McKinnons Kriterium) sowie den Grad der Produktionsdiversifikation (Kenens Kriterium). Mit der Annahme der Rigidität nomineller Löhne kommt er zu der Schlussfolgerung, dass eine Währungsunion den Wohlstand der Länder innerhalb der Union erhöht und ihn für Nichtmitglieder verringert. Die Gewinne aus der Teilnahme an einer Währungsunion bestehen dabei aus dem Wegfall der Transaktionskosten (Horvath 2003, S. 21). Eine weitere Erkenntnis besteht darin, dass für ein Land die Motivation einer Währungsunion beizutreten, größer ist, als die der bestehenden Mitglieder, neue Staaten aufzunehmen. Das Land, das in eine schon existierende Währungsunion eintritt, profitiert von geringeren Transaktionskosten im Handel mit allen Mitgliedern der Währungsunion, während für die bisherigen Teilnehmer nur Vorteile aus dem Handel mit dem Neueintretenden auftreten werden. Folglich unterliegt ein kleines Land immer einem größeren Anreiz einer Währungsunion beizutreten, als dass die Mitgliedsländer den Anreiz haben ein neues Mitglied zuzulassen (Bayoumi 1994, S. 551 ff.; Milek 2005, S. 38 ff.). Bayoumi und Eichengreen (1994) veröffentlichten eine Arbeit, in der sie die Korrelation der Angebots- und Nachfrageschocks bei den EU-Mitgliedern untersuchen. Angebotsschocks wurden hierbei anhand von BIP-Angaben ermittelt, während für die Analyse der Nachfrageschocks aggregierte Preisindizes herangezogen wurden. Im Ergebnis konnten zwei Gruppen von Staaten innerhalb der EU unterschieden werden: die „Core Gruppe“, bestehend aus den Ländern, die ein hohes Maß an Schockkorrelation aufweisen und somit die Bedingungen des optimalen Währungsraums erfüllen. Die zweite Gruppe der „Outsiders“ bilden die Länder, deren wirtschaftliche Entwicklung nur schwach mit der Entwicklung der „Core Gruppe“ korreliert. Zum damaligen Zeitpunkt waren die Autoren der Meinung, dass eine kleine Währungsunion bestehend aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich und Luxemburg als optimal zu betrachten sei. Daneben wurde in der Studie die Peripherie-Gruppe mit Finnland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Portugal und Spanien als Mitglieder ermittelt (Bayoumi/ Eichengreen 1994, S. 29; Artis 2002, S. 5; Milek 2005, S. 40 f.). Die Ergebnisse von Bayoumi und Eichengreen (1994) wurden ein paar Jahre später von Korhonen und Fidrmuc (2001) erweitert und aktualisiert. Sie zeigen, dass manche Länder, die als „Outsider“ qualifiziert wurden, jetzt mehr Konvergenz mit der „Core Gruppe“ aufweisen und als mögliche Mitglieder eines optimalen Währungsraums betrachtet werden können. Zudem wurden in die Analyse auch die damaligen EU-Kandidaten aus Osteuropa miteinbezogen. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Korrelation realer Schocks zwischen der EU und Ungarn sowie Estland auf. Andere MOEL sind im Allgemeinen durch ein niedrigeres Korrelationsniveau gekennzeichnet (Korhonen/ Fidrmuc 2001, S. 26 f.; Milek 2005, S. 42 f.). Bayoumi und Eichengreen (1996) betrachten Störungen hinsichtlich ihrer Asymmetrie, d. h. in Zusammenhang mit der Industrie- bzw. Branchenstruktur. Überwiegt der intraindustrielle Handel und bestehen keine Handelsbeschränkungen, treffen sektorielle Störungen alle Mitglieder der Währungsunion in der Regel in ähnlicher Weise. Somit ergibt sich nur dann ein Grund für Wechselkursänderungen, wenn Unterschiede in der ökonomischen Struktur der Volkswirtschaften bestehen (Herrmann 2001, S. 39).

[...]


[1] Während der 50er Jahre hinterfragten eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten das System von Bretton Woods, das 1945 als Quasi-Festkurssystem etabliert worden war, recht kritisch (Horvath 2003, S. 10).

[2] Eine Teilnahme an einer Währungsunion wird im Allgemeinen dann als erfolgreich angesehen, wenn unter Aufrechterhaltung eines fixierten Wechselkurses die wirtschaftspolitischen Ziele Vollbeschäftigung, Preisstabilität und Zahlungsbilanzgleichgewicht in ausreichendem Ausmaß erreicht werden (vgl. Herrmann 2001, S.11).

[3] Für ausführlichere Kosten-Nutzen-Analysen von Währungsunionen siehe Auria (1997), S. 22 ff. und Milek (2005), S. 27 ff. Tavlas (2004, S. 89 ff.) stellt eine entsprechende Analyse des Beitritts zur Eurozone dar.

[4] Für eine Diskussion über das Problem der Zeitkonsistenz und Glaubwürdigkeit einer Wechselkursverpflichtung siehe De Grauwe (1992), S. 45 ff.

[5] Nach Mundell (1961, S. 660) entspricht die Region einer Industrie, da er den optimalen Währungsraum als Region definiert, die ihm zufolge eine einheitliche Produktionsstruktur hat und durch interne Faktormobilität gekennzeichnet ist.

[6] Bofinger (1994, S. 126) nennt hier als Beispiele für Festkurssysteme das Bretton Woods System und das Europäische Währungssystem.

[7] Bei mikroökonomischen Ungleichgewichten bzw. Störungen handelt es sich meist um Nachfrageänderungen bei den Konsumenten oder Produktivitätsverschiebungen zwischen den Branchen (Herrmann 2001, S. 23).

[8] Für einen Überblick über die ersten Beiträge der Theorie des OWR siehe auch Ishiyama (1975), Tower/ Willett (1976), Herrmann (2001), Horvath (2003), Jurek (2004), Broz (2005), Milek (2005) sowie Peters (2006).

[9] Vgl. hierzu auch die Darstellung von Broz (2005), S.55.

[10] Bei symmetrischen Schocks sind die Auswirkungen auf bestimmte Gebiete gleich.

[11] Neben der Kategorisierung in symmetrische und asymmetrische Schocks existieren in der Literatur noch weitere Differenzierungen in Schockkategorien. Vgl. hierzu Amati/ Patterson (1998), S. 14 ff.

[12] Tatsächlich abstrahiert Mundell (1961) hier von der realen Welt, da es oft Probleme aufgrund unterschiedlicher Sprachen und Kulturen gibt. Auch wenn alle Beschränkungen hinsichtlich der Arbeitsmobilität beseitigt wären, würden die voran genannten Probleme eine fortschreitende Integration einschränken. Vgl. Broz (2005), S. 55.

[13] Für einen vollständigen Überblick der Kritikpunkte an Mundells (1961) Konzept der Arbeitsmobilität siehe Horvath (2003, S. 12 ff.).

[14] Diese zuerst von Kenen (1969) formulierte Idee hat in letzter Zeit in der Theorie des Fiskalföderalismus neuen Aufschwung erfahren. Vgl. hierzu Milek (2005, S. 36).

[15] Das Wiederaufleben der Theorie nach einem gewissen Stillstand Mitte der 70er Jahre ist nach Tavlas (1993) auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Diese sind einerseits in diversen Entwicklungen im weltwirtschaftlichen Umfeld zu finden und zum anderen durch Entwicklungen in der Makroökonomie begründet, die die bis dahin bekannten Erkenntnisse revidierten. Vgl. dazu Tavlas (1993), S. 663 ff.

[16] Fleming (1971) war einer der ersten, der diesen Gesichtspunkt genauer untersuchte.

Details

Seiten
90
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640584864
ISBN (Buch)
9783640584994
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147674
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Lehrstuhl für Außenwirtschaft
Note
2,0
Schlagworte
Optimaler Währungsraum OCA OWR Eurozone Robert Mundell; Währungsunion Euro Europäische Union EU EWR Kenen MOEL Polen Kriterien Optimalitätskritierien Theorie optimaler Währungsräume Mittel- und osteuropäische Länder Konvergenzkriterien Maastricht Optimum Currency Area

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Titel: Die Theorie optimaler Währungsräume – Wie ist ein Beitritt Polens zur Europäischen Währungsunion zu bewerten?