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Kostenlose Vergabe von CO2-Zertifikaten

Ökonomische Notwendigkeit oder umweltpolitischer Sündenfall?

Bachelorarbeit 2009 44 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis:

1. Einführung
1.1. Erläuterung der Fragestellung
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Hintergrund: Der Treibhauseffekt
2.1. Der natürliche Treibhauseffekt
2.2. Der anthropogene Treibhauseffekt

3. Grundlage: Das Kyoto-Protokoll
3.1. Joint Implementation
3.2. Clean Development Mechanism
3.3. Emissionshandel

4. Der Emissionshandel in der Europäischen Union
4.1. Theorie des Emissionshandels
4.2. Rahmendaten des europäischen Emissionshandels
4.3. Emissionshandel in Deutschland

5. Bewertung des Emissionshandels
5.1. Ökologische Zielgenauigkeit des Emissionshandels
5.2. Ökonomische Effizienz des Emissionshandels
5.3. Umwelttechnologischer Fortschritt
5.4. Zusammenfassung

6. Vergleich zwischen der Versteigerung und der kostenlosen Vergabe von Zertifikaten

7. Der Post-Kyoto-Prozess

8. Fazit

Quellenverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Kostenlos zugeteilte Emissionsberechtigungen in Prozent der tatsächlichen CO2-Emissionen 2008-2012

Abbildung 2: Der Treibhauseffekt

Abbildung 3: Änderung des Atmosphärischen CO2-Gehalts

Abbildung 4: Weltkarte mit Stand der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls

Abbildung 5: Kyoto-Ziele der EU-15 Mitgliedsstaaten für 2008-2012

Abbildung 6: Der Markt für Emissionsrechte

Abbildung 7: Prinzip des Emissionshandels

Abbildung 8: Für den Emissionshandel relevanten Gesetze und Verordnungen

Abbildung 9: Zuteilungsmengen nach Tätigkeiten

Abbildung 10: Emissionsziele für Deutschland 2008 - 2012

Abbildung 11: Entwicklung des Spotmarktpreises für CO2-Zertifikate in der EU

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

1.1. Erläuterung der Fragestellung

Hintergrund dieser Arbeit ist die aktuelle Debatte um den Handel bzw. die kostenlose Vergabe der CO2-Zertifikate ab 2013. Nach den Vorstellungen der EU-Kommission soll die Industrie schrittweise in die Ersteigerung von Emissionsberechtigung einsteigen. 2020 sollen die Unternehmen alle Emissionszertifikate ersteigern müssen, die sie derzeit noch kostenlos zugeteilt bekommen1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kostenlos zugeteilte Emissionsberechtigungen in Prozent der tatsächlichen CO2- Emissionen 2008-2012 (Quelle: Bundesumweltamt)

Die Abbildung der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) zeigt die am Emissionshandel teilnehmenden Anlagen und deren Ausstattung mit Emissionsberechtigungen in der zweiten Handelsperiode 2008-2012 im Vergleich mit deren Kohlendioxidemissionen des Vorjahres. Die Unternehmen des Energiesektors erhalten danach nur noch zwei Drittel der Zertifikate kostenlos. Bei Energieanlagen findet die gesetzliche Regel der DEHSt Anwendung, die besagt: Je mehr CO2 der Brennstoff freisetzt, desto weniger kostenlose Zertifikate erhält die Anlage. Anlagen des Industriesektors erhalten fast alle Berechtigungen kostenlos. Anlagen mit weniger als 25.000 Tonnen jährlichem CO2-Ausstoß, sogenannte Kleinemittenten, erhalten alle von ihnen benötigten Berechtigungen kostenlos. 2008 wurden an 1.625 Teilnehmer insgesamt 451,81 Millionen kostenlose Zertifikaten ausgegeben2.

Aus Sicht der Umweltaktivisten sollte es keine kostenlose Vergabe von Emissionsberechtigungen geben, da sie ihrer Meinung nach das Instrument Emissionshandel ad absurdum führen. Sie argumentieren, dass eine unentgeltliche Vergabe aus volkswirtschaftlicher Sicht eine Art Subvention darstellt, die besonders Anlagen mit viel CO2-Ausstoß, wie zum Beispiel Kohlekraftwerke subventionieren und dadurch erst betriebswirtschaftlich rentabel machen3.

Diese Arbeit soll die Frage klären, ob kostenlose Emissionsberechtigungen ökonomischen Notwendig sind oder nur umweltpolitische Auswirkungen haben.

1.2. Aufbau der Arbeit

Der Aufbau dieser Arbeit entspricht einer Zoomfahrt, das heißt die Thematik wird von außen nach innen beleuchtet. Zu Beginn wird die Problematik des Treibhauseffekts mit den gestiegenen CO2-Emissionen als Ursache und die damit einhergehende globale Erwärmung kurz beschrieben. Danach wird das Kyoto- Protokoll als Instrument zur Reduzierung des Emissionsausstoßes mit seinen drei Hauptmechanismen erklärt. Einer dieser Mechanismen ist der Emissionshandel. Es wird die Theorie des Emissionshandels erklärt, dann dessen Funktion in der EU und die Anwendung in Deutschland erörtert. Im Anschluss wird eine Bewertung des Emissionshandels bezüglich der ökologischen Zielgenauigkeit und der ökonomischen Effizienz gegenüber anderen Instrumenten vorgenommen. Der Fokus dieses Papiers liegt auf der Analyse der Vor- oder Nachteile der kostenlosen Vergabe von CO2-Zertifikaten. Zum Abschluss wird ein Fazit gezogen, das die Frage beantworten soll, welches Verfahren in Deutschland zu bevorzugen ist.

Auf eine Bewertung der anderen Kyoto-Instrumente und Arten der Emissionsrechte sowie andere Problematiken wie den Luftverkehr oder CO2-Austoß durch PKW wird nicht genauer eingegangen.

2. Hintergrund: Der Treibhauseffekt

Der Treibhauseffekt liegt in aller Munde und wird als Ursache aller immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen herangezogen. Treibhauseffekt bedeutet, dass gewisse Gasmoleküle, die sogenannten Treibhausgase4, die Atmosphäre nicht verlassen und von der Sonne einfallende kurzwellige Lichtstrahlen, die von der Erdoberfläche als infraroten Wärmestrahlen gen Universum reflektiert werden, teilweise zurück halten. Dies funktioniert im Prinzip wie eine Glasscheibe im Treibhaus eines Gärtners, daher der Name. Es muss jedoch zwischen einem natürlichen und einem durch Menschenhand hervorgerufenen Treibhauseffekt unterschieden werden.

2.1. Der natürliche Treibhauseffekt

Der natürliche Treibhauseffekt war schon vor Entstehung der Menschheit auf der Erde vorhanden. Ohne einen Treibhauseffekt würde das Leben auf der Erde nicht oder zumindest nicht so, wie wir es kennen, existieren, denn dann läge die mittlere Temperatur bei -18 Grad Celsius5. Wasser beispielsweise, würde in flüssiger Form nicht existieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Der Treibhauseffekt

(Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung)

2.2. Der anthropogene Treibhauseffekt

Der anthropologische Treibhauseffekt wird durch künstlich freigesetzte Treibhausgase, also durch menschliche Aktivitäten, hervorgerufen.6 Diese entstehen beispielsweise bei der Verbrennung fossiler Energieträger in der Industrie, in Heizungen und im Verkehr.7 Als Hauptursache wird die Emission von CO2 gesehen, dessen Anteil an den Treibhausgasen im Jahr 2006 ca. 50 Prozent ausmachte8.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Änderung des Atmosphärischen CO2-Gehalts

(Quelle: Vgl. Meteorologie und Klimatologie, Horst Malberg, 1997, S. 298)

Der Anteil an CO2 in der Atmosphäre ist in den vergangenen Jahren sogar schneller gestiegen als erwartet. Zu Beginn der industriellen Revolution lag er bei 280 Teilchen pro Millionen (ppm). In den achtziger und neunziger Jahren erhöhte er sich noch um 1,5 bis 1,6 ppm pro Jahr. Im Zeitraum von 2000 bis 2006 betrug die jährliche Rate jedoch 1,93 ppm, was einen Anteil von 381 ppm entspricht9. Also hat sich der Anteil von 1950 mit 290 ppm bis 2006 mit 381 ppm um mehr als 30 Prozent erhöht10.

3. Grundlage: Das Kyoto-Protokoll

Das Kyoto-Protokoll wurde nach dem Ort der Konferenz, Kyōto in Japan, benannt. Dort wurde am 11. Dezember 1997 im Rahmen der in aller Welt jährlich stattfindenden Konferenzen, der sogenannten Weltklimagipfel, von den derzeit 192 Vertragsstaaten ein Zusatzprotokoll als Zusatz zur Klimarahmenkonvention (UNFCCC) der Vereinten Nationen mit dem Ziel des Klimaschutzes beschlossen. Das Abkommen schreibt den Industrieländern erstmals auf völkerrechtlicher Ebene verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen, wie CO2, vor. Es trat am 16. Februar 2005 in Kraft und läuft 2012 aus. Bis zum Jahre 2008 haben 183 Parteien das Protokoll ratifiziert und sich darauf geeinigt, ihre Treibhausgasemissionen um 5,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken11.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Weltkarte mit Stand der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls (Dez. 2007) (Quelle: The dictionary of sustainable management, offizielle Internetseite, 27.01.09)

Die einzelnen Länder haben sich, je nach ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, auf unterschiedliche Vorgaben geeinigt. Eine Senkung von insgesamt 8 Prozent ist dabei für die EU-Mitgliedsstaaten vorgesehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Kyoto-Ziele der EU-15 Mitgliedsstaaten für 2008-2012, relativ zum Basisjahr (Quelle: Umweltbundesamt Österreich)

Die Reduktionsziele wurden nach dem Prinzip der Lastenteilung ermittelt12. Das bedeutet, dass Reduktionsziele gemeinsam von einer Gruppe von Vertragsstaaten erreicht werden sollen. Deutschland beispielsweise hat sich zu einer Verringerung seiner Treibhausgas-Emissionen um 21 % verpflichtet, Großbritannien muss um 12,5 % reduzieren, Frankreich stabilisiert seinen Ausstoß auf dem Niveau von 1990, und Spanien kann seine Emissionen noch um 15 % steigern.

Das Kyoto-Protokoll sieht mehrere flexible Mechanismen vor, die die Staaten zur Zielerreichung nutzen können.

3.1. Joint Implementation

Projekte, die von zwei Industrieländern, die sich beide in Kyoto auf ein Emissionsreduktionsziel verpflichtet haben, partnerschaftlich durchgeführt werden,

werden als "Joint Implementation" (JI) bezeichnet, was mit

„Gemeinschaftsreduktion“ übersetzt werden kann. Bei Durchführung so eines Klimaschutzprojektes, kann sich das ausführende Land die daraus resultierenden Emissionsminderungen in Form von Minderungszertifikaten (englisch: Emission Reduction Units, kurz ERU) auf sein Reduktionsziel anrechnen lassen, nicht hingegen das Empfängerland. Durch JI-Projekte sollen Emissionsreduktionen dort zuerst durchgeführt werden, wo sie am billigsten sind13.

3.2. Clean Development Mechanism

Ähnlich wie JI funktioniert der „Clean Development Mechanism“ (deutsch: Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung, kurz CDM). Jedoch wird ein CDM-Projekt von nur einem Industrieland mit Reduktionsverpflichtung in einem Entwicklungsland ohne verpflichtendes Reduktionsziel durchgeführt. Die durch das Projekt gesparten Emissionen, die sogenannten "Certified Emission Reductions" (englisch: Zertifizierte Emissionsreduktionen, kurz CER), kann sich das Industrieland gutschreiben lassen. Hier besteht neben der Kostensenkung für Emissionsreduktionen auch noch das Ziel, Entwicklungsländern durch einen Technologietransfer beim Aufbau einer klimafreundlichen Wirtschaft zu helfen. Im Übereinkommen von Marrakesch wurden genaue Bedingungen festgelegt, nach denen sich alle CDM-Projekte richten müssen. Die Art der Projekte wird hier ebenfalls bestimmt. Zum Beispiel wird vom Bau von Atomkraftwerken abgeraten14.

[...]


1 Vgl. Handelsblatt; Industrie warnt vor Produktionsverlagerung (27.01.2009)

2 Bundesumweltamt; Emissionshandel: Unternehmen erhalten Zertifikate, S. 1

3 Greenpeace; Fehlentwicklungen beim Emissionshandel, S. 3

4 Vgl. Eckhard Rebhan, Energiehandbuch, 2002, S. 934

5 Vgl. Eckhard Rebhan, Energiehandbuch, 2002, S. 934

6 Vgl. Eckhard Rebhan, Energiehandbuch, 2002, S. 934

7 Vgl. Meteorologie und Klimatologie, Horst Malberg, 1997, S. 297

8 Vgl. Meteorologie und Klimatologie, Horst Malberg, 1997, S. 298

9 Vgl. Spiegel online, offizielle Internetseite; CO2-Gehalt steigt schneller als erwartet (27.01.2009)

10 Vgl. Meteorologie und Klimatologie, Horst Malberg, 1997, S. 298

11 Vgl. UNFCCC; das Protokoll von Kyoto, S. 7

12 Vgl. Bundesumweltamt; EU-Umwelt-Ministerrat - Umweltrat einigt sich auf Lastenteilung für die CO2-Reduzierung, S. 1

13 Vgl. UNFCCC, offizielle Internetseite; The Mechanisms under the Kyoto Protocol

14 Vgl. UNFCCC, offizielle Internetseite; The Mechanisms under the Kyoto Protocol

Details

Seiten
44
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640583997
ISBN (Buch)
9783640583690
Dateigröße
893 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147510
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kufstein Tirol
Note
1,6
Schlagworte
co2 handel zertifikatshandel zertifikate emissionshandel Das Kyoto-Protokoll Kyoto-Protokoll kohlenstoffdioxid

Autor

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