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Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm

Ein Vergleich mit der aktuellen Ausgabe des Dudens

Hausarbeit 2010 10 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.. Einleitung - Das Deutsche Wörterbuch

2. Vergleich des Deutschen Wörterbuchs mit dem aktuellen Duden
2.1 Der Vergleich
2.2 Ausgewählte Beispiele

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung - Das Deutsche Wörterbuch

Wenn der wohl einflussreichste Literaturkritiker unserer Zeit ein Werk als den „interessantesten Roman und das allerwichtigste Buch in deutscher Sprache” bezeichnet, dann kann man sich nur schwer vorstellen, dass Marcel Reich-Ranicki über das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm (nachfolgend DWB) spricht.

Doch wie lässt sich diese Euphorie gegenüber eines Wörterbuches nachvollziehen? Wenn ich an mein Wörterbuch im Regal - die aktuelle Ausgabe des Dudens - denke, dann würde ich es sicherlich nicht als ‘interessanten Roman’ oder gar als “unterhaltsame Lektüre, der ich mich stundenlang hingeben kann” bezeichnen, wie Thomas Mann es tat.

Das liegt natürlich unter anderem daran, dass das DWB zu seiner Zeit sehr viel mehr Aufsehen erregte, da es etwas völlig Neuartiges war.

Nach einem kurzen Abriss über die Entstehungsgeschichte des DWB möchte ich in meiner Hausarbeit neben den Zielen und formellen Eigenschaften auch Unterschiede im Aufbau der Wörterbucheinträge des Dudens und des DWB vergleichen. Anschließend werden die ausgearbeiteten Unterschiede an verschiedenen ausgewählten Beispielen aufgezeigt und erläutert. Um aber eben diese Eigenschaften und Unterschiede beschreiben zu können, ist es wichtig, dass man - wenn auch nur kurz - auf die Entstehungsgeschichte des DWB eingeht.

Im April 1838 nehmen die Brüder Grimm die Arbeit am DWB auf. Es soll ein Wörterbuch entstehen, das alle deutschen Wörter ab dem 16. Jahrhundert aufführt. Mehr als 80 Helfer sammeln Belege und Stichwörter über 10 Jahre lang. Erst 1849 beginnen die Grimms mit der Ausarbeitung der mehr als 600.000 gesammelten Belege. Geplant war ein 7 Bände starkes Werk, das 10 Jahre Arbeit in Anspruch nehmen sollte, doch schnell wurde klar, dass dieser knappe Zeitplan niemals eingehalten werden kann. Erst im April 1854 erschien der erste Band, der jedoch nur die Einträge “A-Biermolke” enthielt. Jacob und Wilhelm Grimm arbeiteten bis zu ihrem Tod an den mühsamen Ausarbeitungen für das Wörterbuch. Als Wilhelm Grimm 1859 starb, konnte er gerade einmal die Einträge des Buchstaben D beenden. Jacob arbeitet danach weiter am DWB, beendete vor seinem Tod aber nur noch den Eintrag “Frucht”. Erst im Jahr 1961 - also nach 123 Jahren Arbeit - beendeten Sprachwissenschaftler den 32. und somit letzten Band des DWB.

Anhand dieses kurzen Ausschnittes aus der Entstehungsgeschichte des DWB wird schon deutlich, wie umfangreich und langwierig die Arbeit daran gewesen ist. Nur so kann man sich annähernd vorstellen, welche große Bedeutung dieses für die damalige Zeit völlig neuartige Werk hatte.1

Im nächsten Abschnitt möchte ich den Aufbau des Wörterbuches und einzelner Einträge sowie Ziele und Absichten erläutern und immer wieder im Vergleich zur aktuellen Duden­Ausgabe betrachten.

2. Vergleich des Deutschen Wörterbuchs mit dem aktuellen Duden

2.1. Der Vergleich

Zunächst sollte man sich vor Augen führen, mit welchen Absichten die beiden Werke jeweils geschrieben und veröffentlicht wurden: Das DWB sollte zum „’Schatzhaus’ der Deutschen"2 werden und „dem Volk seine ureigene Sprache, seine Geschichte und seine Identität wieder[geben]“3. Es war also historisch angelegt. Die Art der Nutzung des Dudens in der heutigen Zeit zeigt, dass dieser eher als orthografisches Nachschlagewerk verstanden wird. Oft wollen die Benutzer wissen, wie bestimmte Wörter geschrieben werden, wie man fremde Wörter ausspricht oder ob ein Wort fach- bzw. umgangssprachlich ist. Der Duden hat also eindeutig eine normierende Funktion. Bei Jacob und Wilhelm Grimm findet man sehr oft Äußerungen, „in denen normierende Eingriffe in die Sprache [...] abgelehnt werden" . Sie4 sind der Meinung, dass der Wörterbuchbenutzer „nicht ,grammatisch-kritisch’ analysieren [soll][...], sondern [...] sich dem Wunder der Sprache staunend nähern"5 soll. Hier findet man also schon erste Unterschiede.

Ein weiterer auffallender Unterschied ist die Anzahl der Stichworteinträge. Auf dem Einband des Dudens findet man die Angabe „Rund 135 000 Stichwörter". Das DWB beinhaltet sogar 400 000 - 500 000 Einträge6 (bei Wikipedia ist sogar von 600 000 Einträgen die Rede). Die größte Anzahl an Einträgen im DWB der Grimms sind - „wegen ihres sprachlichen Gehalts und der aus ihnen zu gewinnenden Aufschlüsse"7 - die Simplizia. Einfache Komposita finden sich zwar auch im DWB, jedoch findet man sehr häufig nur eine „knappe Behandlung oder bloße[...] Auflistung" . 8 Drei- oder mehrgliedrige Zusammensetzungen findet man im DWB fast gar nicht.

Neben Wörtern und sogar auch Lauten, findet man bei den Grimms überdies „Wortbildungsmittel wie Präfixe [...] und Suffixe" 9 als selbstständige Einträge.

[...]


1 vgl. Haß-Zumkehr, 2001, S.119

2 vgl. Haß-Zumkehr, 2001, S.124

3 vgl. ebd. S. 123

4 vgl. ebd. S. 129

5 vgl. ebd. S. 127

6 vgl. ebd. S. 383

7 vgl. Dückert, 1987, S. 13

8 vgl. ebd. S. 13

9 vgl. ebd. S. 14

Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640574629
ISBN (Buch)
9783640574988
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147404
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Schlagworte
Grimm Deutsches Wörterbuch Jacob Wilhelm Duden Vergleich Das Deutsche Wörterbuch

Autor

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Titel: Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm