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Die causa unionis auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzil von Konstanz 1414-1418
2.1. Die Vorgeschichte
2.2. Der Verlauf des Konzils

3. Die causa unionis
3.1. Die Papstabsetzung
3.2. Haec sancta
3.3. Die Papstwahl

4. Exkurs: Der Reformbegriff zur Zeit des Konstanzer und Basler Konzils

5. Schluss

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
Forschungsliteratur

1. Einleitung

1517 – die Reformation. Aus ihr entwickelte sich die protestantische Kirche. Der Drang des Menschen, neue Wege zu beschreiten und die zahlreichen Missstände im Äußeren und Inneren der Kirche führte im 16. Jahrhundert zur Entwicklung einer neuen Glaubensrichtung. Anders als etwa 100 Jahre später, konnte diese Trennung der Obödienzen im 15. Jahrhundert durch das Konzil von Konstanz noch einmal verhindert werden.

Bereits seit dem Konzil von Vienne (1311-1312) bestand die Idee, einem allgemeinen Konzil eine weit umfassendere Funktion, nämlich die letzte und höchste Instanz der Gesamtkirche zu sein, zuzuweisen. Diese Idee beruht vor allem auf der "konziliaren Theorie" von Marsilius von Padua (†1342), einem revolutionären Theoretiker der „Volkssouveränität“ und dessen Anhänger Wilhelm von Ockham (†1349). Sie vertraten die Meinung, die Kirche solle sich von unten nach oben aufbauen, wobei ein Allgemeines Konzil die Kirche "repräsentieren" soll und über allen Gliedern steht.[1]

Mit Bonifaz VIII. hatte eine große Epoche der Papstgeschichte ein tragisches Ende genommen. Sein Versuch mit der Bulle Unam sanctam die geistliche Weltregierung des Bischofs von Rom zu verwirklichen, hatte zur Niederlage geführt. Das lange "babylonischen Exil" von Avignon hatte das Papsttum so sehr geschwächt, dass es zum Großen Abendländischen Schisma kommen musste.[2] Um dem ein Ende zu bereiten, traf man sich in Konstanz zu einem Konzil und arbeitete ein Dekret aus, welches diesem unheilvollem Zustand ein Ende bereiten sollte.

Dieses Dekret, haec sancta, soll hier bei der Bearbeitung des Themas, die causa unionis auf dem Konzil, die Grundlage darstellen.

Als am 28. Oktober 1958 der Kardinal Angelo Roncalli als Nachfolger des verstorbenen Papstes Pius XII. hervorging, und sich den Namen Johannes XXIII. gab, ließ eine alte theologische Streitfrage wieder beleben. Die Wiederholung der Ordnungszahl dreiundzwanzig bedeutete nichts weniger, als dass die beiden Päpste Alexander V. und Johannes XXIII. von Rom nunmehr als illegitim betrachtet wurden. Das aber würde bedeuten, dass auch die Rechtmäßigkeit der Einberufung des Konstanzer Konzils in Frage gestellt werden müsse. Diese und andere Fragen finden immer wieder ihre Bearbeiter.[3] Hauptsächlich sind Walter Brandmüller und Remigius Bäumer zu nennen, die sich ausführlich in Monographien und Aufsätzen mit Themen rund um das Konstanzer Konzil beschäftigen. In der vorliegenden Arbeit allerdings soll es eher um die faktische Behandlung der Vorgänge auf dem Konstanzer Konzil und das Dekret haec sancta gehen.

2. Das Konzil von Konstanz 1414-1418

2.1. Die Vorgeschichte

Ausgangspunkt für das Konstanzer Konzil und die damit stärker werdende Bedeutung der Theorie des Allgemeinen Konzils war die katastrophale Geschichte der Kirche im Großen Abendländischen Schisma. Die Kardinäle waren mit dem aus Avignon nach Rom zurückgekehrten Papst Gregor XI. und seinem autokratischen Nachfolger Urban VI. so unzufrieden, dass sie am 20. September 1378 in Fondi den Kardinal Robert von Genf als Gegenpapst aufstellten und mit ihm nach Avignon in den Schutz des französischen Königtums zurückkehrten. Zwei Päpste standen sich nun mit ihren Obödienzen gegenüber, während sich beide für den rechtmäßigen Papst hielten. Doch sollte es noch zwei Jahrzehnte dauern, bis man den Konzilsweg ging. Nachdem alle direkten Verständigungsversuche zwischen den Päpsten Bonifaz IX. (Rom) und Benedikt XIII. (Avignon) misslungen waren, einigten sich 13 Kardinäle in Livorno, für den 25. März 1409 ein Allgemeines Konzil nach Pisa einzuberufen, um dem Schisma endlich ein Ende zu bereiten.[4] Doch das durch die turbulente Papstwahl entstandene Dilemma konnte auch nicht durch das Konzil von Pisa behoben werden.[5] Allein die Rechtsgrundlage war höchst unsicher, denn zumindest die einberufenen Kardinäle einer Obödienz konnten nicht rechtmäßig sein. Im folgenden zitierte man die Päpste Gregor XII. und Benedikt XIII. vor das Konzil, wo man sie als Widerspenstige behandelte und schließlich am 5. Juni 1409 absetzte. Am 26. Juni dann wählten die Kardinäle Peter Filarghi aus Candia als Alexander V. zum Papst.[6] So kam es zum größten und längsten (fast 40 Jahre) Papst-Schisma der Geschichte, denn beide Päpste hielten an ihren Anspruch, legitime Inhaber der päpstlichen Würde zu sein, fest - es entstand aus der "verruchten Zweiheit" von römischer und avignonesischer Kurie eine "verfluchte Dreiheit" (trinita paparum).[7]

Zunächst versuchte man durch verschiedene Wege, wie den Weg via facti (gewaltsame Vertreibung) oder die Wege via discussionis, conventionis, iustitiae oder compromissi (direkte Verhandlungen) eine Einigung in der Kirche zu erlangen.[8] Man sah aber schnell ein, dass die einzige Möglichkeit um die Situation zu klären, erneut der Weg via concilii, also die Einberufung eines allgemeinen Konzils, war.[9]

So kam Johannes XXIII. als Nachfolger Alexanders V. nach Florenz, um Verhandlungen über die Abhaltung eines Konzils mit dem deutschen König Sigismund von Luxemburg aufzunehmen. Anschließend riefen beide ein allgemeines Konzil auf Allerheiligen im Jahre 1414 in die Reichsstadt Konstanz ein[10], um die gefährlichste Krise der Geschichte der Kirche zu lösen.

2.2. Der Verlauf des Konzils

Dem erstaunlichen Geschick und der großen Beharrlichkeit des deutschen Herrschers ist es also zu verdanken, dass der Konzilsweg doch noch zum Erfolg führen konnte. Sigismund schloss sich Papst Johannes XXIII. an, bekam die Zustimmung zu einem großen Unionskonzil, welches in der Reichsstadt Konstanz stattfinden sollte und kündigte für den 30. Oktober 1413 in einem Schreiben an die Christenheit diese Veranstaltung an. Am 9. Dezember 1413 sprach auch Johannes die Berufung aus und erhoffte sich damit die Fortsetzung des Pisanums.[11]

Großes Ziel des Konzils war es, die kirchliche Einheit durch die Vereinigung der drei Obödienzen wieder herzustellen, damit das Große Abendländische Schisma als überwunden gelten konnte (causa unionis).[12] Die Gewissensnot und das Wirrwarr unter den Gläubigen sollten nun endlich ein Ende haben, denn selbst die Sakramente wurden in ihrer Wirksamkeit schon angezweifelt.[13]

[...]


[1] Jedin, H., Kleine Konziliengeschichte. Die zwanzig ökumenischen Konzilien im Rahmen der Kirchengeschichte, Freiburg im Breisgau 1959, S. 61.

[2] Seppelt, F.X., Schwaiger, G., Geschichte der Päpste. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1964, S. 215.

[3] Frenken, A., Das II. Vatikanum und die Rezeption des Konstanzer Konzils: Die theologische Auseinandersetzung um die Konzilsdekrete "Haec sancta" und "Frequens, in: Annuarium Historiae

Conciliorum 25, (1993), S. 359-365.

[4] Vgl.: Jedin, H., Kleine Konziliengeschichte, S. 62-64.

[5] Fink, K.A., Weltgeschichtliche Bedeutung des Konstanzer Konzils, in: Zeitschrift der Savigny- Stifung für Rechtsgeschichte Kanonistische Abteilung 51 (1965), S. 2.

[6] Vgl.: Jedin, H., Kleine Konziliengeschichte, S. 64.

[7] Bäumer, R., Die Bedeutung des Konstanzer Konzils für die Geschichte der Kirche, in: Annuarium Historiae Conciliorum 4 (1972), S. 32.

[8] Schneider, H., Der Konziliarismus als Problem der neueren katholischen Theologie (Arbeiten zur Kirchengeschichte 47), Berlin 1976, S.8.

[9] Meuthen, E., Das 15. Jahrhundert, München 1996, S. 75.

[10] Vgl.: Bäumer, R., Bedeutung des Konstanzer Konzils, S. 30.

[11] Vgl.: Jedin, H., Kleine Konziliengeschichte, S. 65.

[12] Vooght, P., Der Konziliarismus auf dem Konstanzer Konzil, in: Remigius Bäumer (Hrsg.): Die Entwicklung des Konziliarismus, Darmstadt 1976, S. 173.

[13] Schwaiger, G., Suprema Potestas. Päpstlicher Primat und Autorität der allgemeinen Konzilien im Spiegel der Geschichte, in: Georg Schwaiger (Hrsg.), Konzil und Papst. Historische Beiträge zur Frage der höchsten Gewalt in der Kirche. Festgabe für Hermann Tüchle, München 1975, S. 648.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640579730
ISBN (Buch)
9783640580286
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147196
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Konstanzer Konzil causa unionis Abendländisches Schisma Bonifaz

Autor

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