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Die Prävention der koronaren Herzkheit im Disease Management Programm. Wie verändert sich die Rolle der Pflege?

Hausarbeit 2009 26 Seiten

Pflegemanagement / Sozialmanagement

Leseprobe

Gliederung

1. Hinführung zum Thema

2. Ausführung des Themas
2.1 Die Gesundheitswissenschaften
2.2 Die Pflegewissenschaft
2.3 Die Gesundheitsförderung
2.4 Die Prävention
2.5 Die Pathophysiologie der koronaren Herzkrankheit
2.6 Stadien und Strategien der Prävention
2.7 Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit
2.7.1 Das Risikofaktorenmodell
2.7.2 Das SCORE- Modell
2.8 Das Disease Management Programm für die koronare Herzkrankheit
2.8.1 Am Beispiel der Gmünder Ersatzkasse
2.8.2 Ökonomische Evaluation
2.8.3 Vor- und Nachteile des Disease Management Programms
2.9 Die veränderte Rolle der Pflege

3. Fazit und Ausblick

1. Hinführung zum Thema

Kardiovaskuläre Erkrankungen stehen an der Spitze der Erkrankungs­und Todesursachen in Deutschland und anderen Industrienationen. 47,1% aller Todesursachen in Deutschland wurden durch Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems verursacht (Stat. Bundesamt 2002: 423). Sie haben ihre wichtigsten Ursachen in den Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen und dem dadurch geprägten Verhalten. In unserer modernen Industrienation ist es zu einer gesellschaftlichen Entwicklung gekommen, in der Familienstrukturen auseinander driften; Zeit- und Leistungsdruck, Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen, Hektik und Stress nicht nur den Berufsalltag bestimmen. Die traditionelle Rolle der Frau als Schoss der Familie existiert nicht mehr. Sie ist ebenso berufs­tätig wie der Mann. Ältere Menschen können häufig nicht mehr von der Familie aufgefangen werden, oft leben sie allein oder werden durch Pflegeeinrichtungen versorgt.

Die Folgen dieser gesellschaftlichen Entwicklung werden deutlich, wenn in diesem Zusammenhang die demografische Entwicklung betrachtet wird. In den kommenden fünf Jahrzehnten wird die Zahl der unter 65-jährigen um mehr als 15 Mio. Menschen zurückgehen. Demgegen­über wird der Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter um 8 Mio. Menschen wachsen (Robert Koch - Institut 2006). Man spricht hier von einer demografischen Alterung.

Die Hauptursachen dafür sind die Verlängerung der Lebenszeit und eine anhaltend geringe Geburtenrate. Forschung und Technik in der Medizin bewirken, dass akute, lebensbedrohliche Krankheitsgeschehen auch im hohen Lebensalter zunehmend beherrschbarer geworden sind. Ebenso spielen Infektionskrankheiten in der Mortalitätsstatistik kaum noch eine bedeutende Rolle. Menschen werden älter als je zuvor. Ältere Menschen weisen eine weitaus höhere Krankheitshäufigkeit auf als junge Menschen. Chronische Erkrankungen, Multimorbidität und Behinderungen sind bei ihnen deutlich erhöht (vgl. Rosenbrock u. Gerlinger 2004: 41).

Diese Entwicklung hat wichtige Konsequenzen für das Gesundheits­wesen, insbesondere hinsichtlich der Finanzierbarkeit zukünftiger Ver­sorgungskonzepte. Zum einen ändern sich mit dem zunehmenden Anteil älterer Menschen das Krankheitspanorama und damit die Struktur der Anforderungen an das Gesundheitssystem. Das wird besonders deutlich im steigenden Pflegebedarf. Zum anderen müssen gesundheitspolitische und -wissenschaftliche Bemühungen dahingehend verstärkt werden, Gesundheit so lange wie möglich zu erhalten und Krankheit und Pflegebedürftigkeit zu verhüten. Es ist nicht unmöglich, die Zukunft so zu gestalten, dass die immer älter werdenden Menschen möglichst lange gesund und aktiv bleiben. Langfristig angelegte Präventionskonzepte müssen an Bedeutung gewinnen, um Pflegebedürftigkeit möglichst zu verhindern - Konzepte, die im Bereich der Prävention eine effiziente Versorgung in hoher Qualität gewährleisten.

Hier setzt das Disease Management an. Im Disease Management wird die Gesundheitsversorgung von Patientengruppen über den gesamten Verlauf einer Erkrankung und über die Grenzen der Leistungserbringer hinweg koordiniert und optimiert. Generelle Kriterien, nach denen eine Erkrankung für das Disease Management ausgewählt wird, sind: eine große Variationsbreite im Behandlungsmuster, hohe Behandlungskosten, häufige, vermeidbare Komplikationen; meist geringe Compliance der Patienten, Versorgungsmuster mit vielen Überweisungen zu verschie­denen Fachärzten, die Möglichkeit der Entwicklung von Leitlinien sowie eine gute Steuerbarkeit der Krankheit durch das Disease Management. Des weiteren eignet sich Disease Management besonders für Krank­heiten, die gut erforscht sind, für die bereits evidenzbasierte Behand­lungsprotokolle vorliegen und deren Outcomes gemessen werden können (vgl. Amelung o.Jg.: 31 f.). Diese Voraussetzungen sind bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) erfüllt.

Der erkrankte Mensch bzw. seine Erkrankung wird dabei als Management-Einheit betrachtet. Das Disease Management Programm (DMP) setzt hauptsächlich bei chronischen Erkrankungen und deren Maßnahmen zur Prävention (z.B. Schulung, Beratung, Früherkennungs­diagnostik), Therapie und Rehabilitation an. Dabei soll eine Optimierung der Versorgungsprozesse unter medizinischen, pflegerischen und ökonomischen Gesichtspunkten erfolgen. Es handelt sich um einen ganzheitlichen Ansatz, der bei der Behandlung die Interdependenzen zwischen den verschiedenen Sektoren berücksichtigt, Behandlungs­ergebnisse misst und darauf aufbauend die Vorgehensweise bei der Behandlung permanent anpasst. Die Verwendung von medizinischen und pflegerischen Leitlinien soll einen optimalen Einsatz der Ressourcen erreichen. Die Entwicklung und Umsetzung dieser Leitlinien wird durch Ansätze des Prozeß- und des Total Quality-Managements (TQM) unterstützt (vgl. Haubrock et al. 2000: 63).

Die Einbeziehung dieser Qualitäts- und Prozesskriterien sowie die An­wendung von evidenzbasierten Leitlinien qualifiziert das DMP zu einem zukunftsweisenden Modell, das die Vorstellung von Wirtschaftlichkeit um­setzt und Möglichkeiten zur Bewältigung von Anforderungen, die die Zukunft stellt, aufzeigt.

Hier müssen sich Strukturen in der Pflege verändern. Eine Entwick­lungsrichtung hin zur stärkeren Eigenständigkeit der Pflege als Profession ist unumgänglich. Im Mittelpunkt der Bemühungen steht nicht mehr „nur“ die fürsorgliche Pflege, die dem Kranken sämtliche Aufgaben abnimmt oder erleichtert, sondern die möglichst schnelle Wiederherstellung des Leistungsvermögens des Patienten und die Vermeidung von Komplika­tionen, die den Genesungsprozess verzögern. Das Etablieren von Disease- sowie in diesem Zusammenhang auch Case-Management-Me- thoden erfordert Spezialisierung und Weiterentwicklung von pflegerischen sowie managementbezogenen Kompetenzen in der Pflege.

2. Ausführung des Themas

Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung ökonomisch sinnvoller, wissenschaftlich evaluierter Konzepte sowie die

Professionalisierung in der Pflege sind die Gesundheitswissenschaften und die Pflegewissenschaft.

2.1 Die Gesundheitswissenschaften

Der Begriff Gesundheitswissenschaften steht als Synonym für den inter­national verbreiteten Begriff Public Health. Hier werden diejenigen Wis­senschaften zusammengefasst, die sich aus einer jeweils unter­schiedlichen Perspektive mit Gesundheit beschäftigen, so insbesondere z.B. Gesundheitssoziologie, -psychologie, -pädagogik, -Ökonomie, Sozial- und Umweltmedizin (vgl. Waller o.Jg.: 6).

Die Gesundheitswissenschaft will einen eigenständigen Wissen­schaftsbereich konstituieren, indem sie die Elemente und Sichtweisen der verschiedenen Fachdisziplinen in sich integriert, um so zu einem ganzheitlichen Verständnis von Gesundheit zu gelangen (ebda.).

Definiert wird Gesundheitswissenschaften/Public Health als die Wissen­schaft und Praxis der Gesundheitsförderung und der Systemgestaltung des Gesundheitswesens. Die Aktivitäten dieses interdisziplinären Fach­gebietes konzentrieren sich nach dieser Definition auf das Verhältnis und die Determinanten von Gesundheit und Krankheit und auf Fragen der Bedarfsgerechtigkeit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit von Gesund­heitsförderung, Prävention, Krankheitsbewältigung, Rehabilitation und Pflege (vgl. Hurrelmann et al. 2006: 11), (s. Anhang; Abb.2: Teilgebiete der Gesundheitswissenschaften).

Während in den Gesundheitswissenschaften der Fokus auf Analyse und Intervention bei Bevölkerungsgruppen liegt, befasst sich die Pflege­wissenschaft sowohl mit Individuen, individuellen Maßnahmen und Inter­aktionen als auch organisatorischen und makrostrukturellen Aspekten (vgl. Rennen-Allhoff et al. 2003: 10).

2.2 Die Pflegewissenschaft

Pflege ist eine Wissenschaft, indem sie einen eigenen Forschungs­gegenstand definiert und wissenschaftliche Methoden nutzt, um eigene Erkenntnisse zu gewinnen. Damit folgt sie einem allgemeinen Grundsatz der Wissenschaftstheorie, nach dem sich eine Wissenschaft über den Prozess des methodisch betriebenen, intersubjektiv nachvollziehbaren Erkenntnisgewinns definiert (vgl. Brandenburg u. Dorschner 2007: 46 f.). In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung der Pflegeforschung hervorgehoben.

Was beinhaltet Pflegeforschung? Pflege umfasst als wichtiges Fachgebiet verschiedener Gesundheitsversorgungssysteme alle Altersgruppen in einem weiten Spektrum von Einrichtungen und sozioökonomischen Bedingungen. Die Entwicklungen auf diesem Gebiet, die eine wirkungs­volle und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung zum Ziel haben, können nur erfolgreich sein, wenn der Beitrag der Pflegenden, die die zahlen­mäßig größte Profession in diesem Bereich darstellt, quantitativ und qualitativ erfasst und Tatsachen statt Annahmen Grundlagen für wichtige sozialpolitische und ökonomische Entscheidungen werden. Kompetente professionelle Pflege benötigt systematisches und fundiertes Wissen, um den komplexen Bedürfnissen von Menschen und deren bedeutsamen Bezugspersonen gerecht zu werden. Die Ursache von Gesundheits­problemen, ebenso die Art und Dauer, sind dabei unerheblich. Immer müssen die mit ihnen verbundenen Pflegebedürfnisse methodisch identifi­ziert und daraus folgende Pflegehandlungen ihrer Effektivität ent­sprechend bewertet werden. Dazu bedarf es der Pflegeforschung. Pflegeforschung dient also der methodischen Wissensmehrung in der Pflegepraxis. Doch nicht nur hier, sondern auch auf organisatorischen, institutionellen und politischen Entscheidungsebenen findet dieses Wissen seine Anwendung (ebda.: 51 f.).

In der Gesundheitswissenschaft sowie in der Pflegewissenschaft sind gesundheitsfördernde und präventive Interventionen Gegenstand wissenschaftlicher Bemühungen. Gesundheitsförderung und Prävention sollen hier aber streng voneinander unterschieden werden.

2.3 Die Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung ist eine zentrale Komponente der neuen Public- Health-Entwicklung und kann mittlerweile auf 25 Jahre Forschung und Praxis zurückblicken. Darin verbinden sich neue Erkenntnisse der Ge- sundheits- und Sozialwissenschaften mit grundlegenden Veränderungen in der Gesundheitspolitik und der Professionalisierung im Gesundheits­wesen (vgl. Brieskorn-Zinke 2007: 29) Die Gesundheitsförderung ent­wickelte sich aus den gesundheitspolitischen Debatten der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) und wurde durch den israelischen Soziologen und Stressforscher Aaron Antonovsky 1987 in die gesundheitspolitische und gesundheitswissenschaftliche Debatte eingebracht. Gesundheits­förderung zielt darauf, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbe­stimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen (Ottawa-Charta 1986). Die Bewahrung und Stabilisierung von Gesundheit sowie die Verbesserung und Steigerung von Gesundheitspotentialen bei möglichst vielen Menschen soll erreicht werden. Voraussetzung ist hier eine Kenntnis salutogener Dynamiken, also der Entstehung und Aufrechterhaltung von Gesundheitsstadien (vgl. Hurrelmann et al. 2006: 750 f.).

2.4 Die Prävention

Der Begriff Prävention entwickelte sich in der Sozialmedizin des 19. Jahr­hunderts aus der Debatte um soziale Hygiene und Volksgesundheit. Wesentliches Ziel der Prävention ist die Vermeidung des Auftretens von Krankheiten sowie die Verringerung ihrer Ausbreitung durch Minimierung von Krankheitsrisiken. In diesem Zusammenhang sollen die Auswir­kungen von Krankheiten auf die Mortalität und Morbidität in der Bevölke­rung verringert und auslösende Faktoren zurückgedrängt oder gänzlich ausgeschaltet werden. Voraussetzung ist eine Kenntnis pathogener Dynamiken, also der verschiedenen Entwicklungs- und Verlaufsstadien des individuellen und kollektiven Krankheitsgeschehens (ebda.).

Geprägt durch genetische Bedingungen oder infolge gesundheits­gefährdender Lebensweisen gewinnen Gesundheitsförderung und Prävention erheblich an Bedeutung.

Lebensstilbedingte Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Adipositas begünstigen die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen.

2.5 Pathophysiologie der koronaren Herzkrankheit

Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt zu den chronischen Herz­Kreislauf-Erkrankungen. Infolge von Arteriosklerose, welche die wichtigste und häufigste krankhafte Veränderung der Arterien darstellt, kommt es zu Verhärtung, Verdickung, Elastizitätsverlust und Verengung der Arterien am Herzen. Die Folgen sind eine Minderdurchblutung und damit verbundene eingeschränkte Sauerstoffversorgung des Herzmuskels (= Ischämie). Symptomatisch äußert sich dieses Stadium in Form einer Angina pectoris. Das Endstadium stellt der komplette Gefäßverschluss (= Myokardinfarkt) dar, in dessen Folge es zum Untergang von Herz­muskelgewebe (= Nekrose) kommt. Nachfolgende Abbildung soll die Entstehung der KHK und unmittelbare Folgen nochmals verdeutlichen:

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Details

Seiten
26
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640579693
ISBN (Buch)
9783640580187
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147167
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Schlagworte
Koronare Herzkrankheit Prävention Disease Management

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