Lade Inhalt...

Schwedens Neutralität im Ersten Weltkrieg

Seminararbeit 2008 33 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

GLIEDERUNG

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Schweden bei Kriegsausbruch
2. Wohlwollende Neutralität
3. Schwedens wirtschaftliche Lage vor und während des Krieges
4. Die britische Seeblockade und der völkerrechtliche Konflikt
5. Das deutsche Allianzangebot und der russisch-deutsche Separatfrieden
6. Die schwedische Aktivistenbewegung
7. Revolutionsbewegungen in Stockholm

III. Zusammenfassung

IV. Quellenverzeichnis
1. Primärliteratur
2. Sekundärliteratur

I. Einleitung

In der Theorie ist Neutralitätspolitik eine Politik, die sich streng an die völkerrechtlichen Regeln bezüglich der Rechte und Pflichten von neutralen Staaten hält. In der Praxis gibt es aber noch eine weitere Auslegung: Neutralitätspolitik kann auch als Ziel haben, den neutralen Staat unter allen Umständen aus dem Krieg herauszuhalten. Die erste Auslegung ist eine prinzipielle Einstel­lung, die zweite ein pragmatisches Ziel.

Das V. und das XIII. Abkommen der Haager Konventionen aus dem Jahre 1907 regelten Rechte und Pflichten der neutralen Mächte im Falle eines Landkriegs (V.) bzw. Seekriegs (XIII.). Insgesamt unterschrieben 44 Länder, unter anderem die später kriegführenden Großmächte Deutschland, Österreich-Ungarn, Frankreich, Groß-Britannien und die USA. In diesem Vertrag stimmen die Staatsoberhäupter der 44 Länder zu, das Territorium und das Hoheitsrecht in den Gewässern der neutralen Länder im Falle eines Krieges zu respektieren. Im Gegenzug verpflich­tet sich der neutrale Staat, keines der kriegführenden Länder in ihrer Kriegsführung zu unterstüt­zen oder zu bevorzugen.1

Schweden konnte während des gesamten Ersten Weltkrieges die Neutralität aufrechterhalten. Diese Arbeit soll die Schwierigkeiten untersuchen, die Schweden aufgrund seiner neutralen Hal­tung hatte, aber auch deren Vorteile herausarbeiten.

II. Hauptteil

1. Schweden bei Kriegsausbruch

Um die Reaktion der schwedischen Regierung auf den Krieg zu verstehen, müssen die Debatten und Ängste, die die Zeit vor den Krieg prägten, erläutert werden.

Nach der so genannten Schloßhofkrise, in der die Verteidigungsfrage im Mittelpunkt stand, kam es im Februar 1914 zum offenen Bruch zwischen dem Parlament und dem schwedi­schen König Gustav V. Die liberale Regierung unter Karl Staaff trat zurück. Nach einigen Schwierigkeiten, eine neue Regierung zu bilden, wurde eine unparteiische aber konservative Re­gierung unter dem Völkerrechtler Hjalmar Hammarskjöld als Ministerpräsidenten und dem Ban­kier Knut Wallenberg als Außenminister gebildet. Hammarskjöld hatte schon vor seiner Ernen­nung an fast allen internationalen Verhandlungen teilgenommen. Er war der führende Völker­rechtsexperte des Landes und hatte es sich in den vielen Verhandlungen zum Ziel gesetzt, nicht nur das Ansehen seines Landes in internationalen Kreisen zu verbessern, sondern sich auch selbst einen Namen zu verschaffen. Sein Einsatz für das Völkerrecht, das er als Weg zu einer sicheren und besseren Welt sah, sollte sich auch durch seine Regierungszeit ziehen.

Hammarskjöld hatte Knut Wallenberg in seiner Zeit bei der SEB Bank kennengelernt, die von der Familie Wallenberg geleitet wurde. Dort hatte sich Hammarskjöld auch von Wallenbergs taktischem Verhandlungsgeschick beeindruckt gezeigt. Wallenberg war der erste Außenminister Schwedens, der nicht adelig war und nicht im diplomatischen Dienst gestanden hatte. Doch was ihm an diplomatischen Erfahrungen fehlte, machte er durch seine Fähigkeit, über Schwedens Tellerrand zu blicken und international zu denken, wieder wett. Diese Fähigkeiten kamen ihm besonders in den Verhandlungen mit den kriegführenden Mächten zugute.2

Trotz des Regierungswechsels und der anhaltenden Streitigkeiten bezüglich der Verteidi­gungsfrage wurde die neutrale Haltung Schwedens im Falle eines Krieges nie angegriffen.

Die Regierung Hammarskjöld war sich aber 1914 nicht sicher, ob die deutsche Regierung eine schwedische Neutralitätserklärung ohne weiteres akzeptieren würde. Diese Unsicherheit lag zum großen Teil an Äußerungen des Kaisers. Wilhelm II. setzte sich kurz vor Kriegsbeginn mit seiner impulsiven Art für einen schwedischen Kriegseintritt ein. Als König Gustav V. Kaiser Wilhelm in Berlin besuchte, warnte der Kaiser, in Schweden sollte man sich im Falle eines großen Krieges auf ein Ultimatum gefaßt machen. Schweden müsse sich dann innerhalb von 24 Stunden entscheiden, mit oder gegen Deutschland in den Krieg zu ziehen. Diese Aussagen vom Anfang 1914 wurden vom Staatsekretär des Auswärtigen Amtes von Jagow sofort relativiert. Er schrieb an den schwedischen Außenminister, daß es keinen Grund gäbe, Schweden in einen Krieg hi­neinzuzwingen.3 Überhaupt schien Deutschland kein großes Interesse am Kriegseintritt Schwe­dens zu haben. Schweden war zwar strategisch und wirtschaftlich nicht uninteressant, hatte aber eine zu vernachlässigende Armee und kaum politisches Gewicht auf dem internationalen Parkett. Seit dem Wiener Frieden im Jahre 1864 blieben die skandinavischen Staaten bei internationalen Konflikten neutral mit dem Ziel, im Norden Europas den Status quo immer sicher und stabil zu halten4.

Der letzte ernstzunehmende Versuch Deutschlands, mit Schweden ein Militärbündnis einzugehen, war schon lange vor dem Weltkrieg gescheitert. Am 17. November 1910 fand ein Treffen zwischen dem Chef des deutschen Generalstabs, Helmut von Moltke, und dem schwedi­schen Generalstabschef, Knut Bildt, statt. Schon vor dem Treffen wurde von schwedischer Seite deutlich gemacht, daß die Besprechung keinen bindenden Charakter haben würde. In der Berliner Besprechung diskutierte man lediglich die Grundzüge einer deutsch-schwedischen Offensive gegen Rußland. Aufgrund dieses Gesprächs fand keine bindende Übereinkunft statt. Bildt beton­te immer wieder, daß die schwedische Regierung solange wie möglich an seiner Neutralität fest­halten würde.

Carlgren weist in seiner Untersuchung des Treffens darauf hin, daß die deutsche Seite wohl auf Folgeverhandlungen hoffte, in denen man zu einer Übereinkunft bezüglich der Kriegs­führung gegen Rußland kommen würde. Doch welche Form diese Übereinkunft haben sollte, ist auch ihm nicht klar, denn eine militärische Allianz würde unnötigerweise das Mißtrauen anderer Mächte erwecken.5

Weitere Versuche, mit Schweden ein Bündnis einzugehen, waren nach diesem Treffen immer halbherzig gewesen. Deutschland interessierte sich mehr für die Balkanländer und den Nahen Osten.

2. Wohlwollende Neutralität

Schwedens Bevölkerung war zu Beginn des Krieges durchaus deutschlandfreundlich eingestellt. Der kulturelle Austausch zwischen den Ländern war sehr rege. Wer in Schweden Karriere ma­chen wollte, mußte einen Teil seiner Ausbildung in Deutschland absolviert haben und bis nach den Zweiten Weltkrieg war deutsch die unangefochtene Wissenschaftssprache. Diese kulturelle Bevorzugung der Deutschen zeigte sich auch in der Neutralitätspolitik.

Die Regierung Hammarskjöld versuchte kurz vor Kriegsbeginn mit einigen mißglückten Manövern, die Bereitschaft zu signalisieren, mit Deutschland in den Krieg zu ziehen. Dies war nie eine ernsthafte Option der strikt neutralen Hammarskjöld-Regierung, aber man versuchte damit, England vom Kriegseintritt abzuhalten. Die Hoffnung, mit Drohungen gegen England eine Erweiterung des Krieges zu verhindern, war eine völlige Überschätzung der eigenen Kräfte. Das einzige, was man damit erreichte, war eine bittere Enttäuschung für den deutschen Gesand­ten in Stockholm, Franz von Reichenau, und seinen schwedischen Kollegen in Berlin, Graf Tau­be, die beide bis zuletzt von einer Allianz zwischen Schweden und Deutschland träumten. Am 3. August erklärte Hammarskjöld trotz des britischen Kriegseintritts die schwedische Neutralität. Dies war die dritte und letzte Neutralitätserklärung, die von schwedischer Seite abgegeben wurde. Zuvor hatte man immer die Neutralität für einen spezifischen Konflikt, wie z.B. dem Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Rußland erklärt, diese Neutralität galt für den im momentan geführten Krieg. England wie auch Rußland beeilten sich, die unbedingte Einhaltung der schwe­dischen Neutralität zu versichern. Auf direkte Anfrage bei Reichenau erhielt Wallenberg auch die Zustimmung von der deutschen Regierung.6

Die schwedische Bevölkerung reagierte hierauf sehr erleichtert. Die zuvor geführte schwedische Verteidigungsdebatte hatte die Gemüter erhitzt und die allgemeine Furcht vor einer Invasion durch die Russen geschürt. Die schwedischen Badeorte in den Skärgarden waren trotz Hochsaison wie leergefegt, weil man Kampfhandlungen der russischen Marine in der Ostsee be­fürchtete. In dieser Situation glaubte man in der Einheit des Landes die beste Verteidigung ge­funden zu haben. Der Führer der sozialistischen Partei, Hjalmar Branting, schrieb am 2. August, daß die Regierung, die in dieser schwierigen Lage alles tun müsse, um die schwedische Neutralität aufrechtzuerhalten, mit dem vollsten Vertrauen eines geeinten Volkes rechnen konnte.7

Das norwegisch-schwedische Neutralitätsbündnis, das einige Tage nach der Neutralitäts­erklärung geschlossen wurde, konnte wahrscheinlich am meisten zur Entspannung der Situation beitragen. Wallenberg hatte befürchtet, daß Norwegen unter gewissen Umständen in den Krieg hineingezogen werden könnte und dann zur Seite der Entente gehören würde. Zwei feindliche Lager innerhalb der skandinavischen Länder mußten auf jeden Fall vermieden werden, und so traf man sich in Kristina, um eine Vereinbarung zu treffen. In der Übereinkunft, die von Wallen­berg und dem norwegischen Außenminister Carl Gustav Westmann ausgehandelt wurde, versi­cherten die zwei Staaten die Neutralität des jeweils anderen Landes zu respektieren und sich in keinem Fall an Angriffen auf den Vertragspartner zu beteiligen.8

Obwohl der deutsche Kanzler Bethmann Hollweg und der Kaiser versichert hatten, die Neutralität zu respektieren, wollte man sich mit den Deutschen gut stellen und sicherte ihnen eine wohlwollende Neutralität zu. Die deutsche Regierung hatte zwar kein Druck ausgeübt, aber die Angst vor deutsche Militäraktionen auf schwedischem Grund war offensichtlich. Außerdem erhoffte man sich, im Falle eines deutschen Sieges die Befreiung von der russischen Gefahr und war deswegen nicht abgeneigt, die Neutralität ein wenig Richtung Deutschland kippen zu lassen. Als erstes Zeichen des Wohlwollens wurde der sogenannte schwedische Kreisverkehr eingerich­tet. Da die Briten kurz nach Beginn des Krieges das deutsche Atlantikkabel durchtrennten, war Deutschlands Telegrammweg in die neutralen Länder Nord- und Südamerikas abgeschnitten. Der schwedische Außenminister erklärte sich bereit, die Telegramme durch Schweden zu vermitteln, dessen Kabel noch intakt waren. So schickten die deutschen Botschaften chiffrierte Telgramme, die als schwedische Nachrichten getarnt waren, an das schwedische Außenministerium in Stock­holm, von wo sie dann ungelesen sofort nach Berlin weitergeschickt wurden. Auf diesem Wege wurden mindestens 1650 Telegramme vermittelt.9

Auch in anderen Bereichen der Kommunikationstechnik fand eine Zusammenarbeit statt. Alle russischen Telegramme, die nach Westeuropa gehen sollten, mußten den Umweg über Schweden nehmen. Deutschland hatte den russischen Zifferncode gebrochen und bot der schwedischen Regierung diesen Code als Gegenleistung für Kopien der abgefangenen Tele­gramme an.10 Wie interessant diese Telegramme für das Auswärtige Amt wirklich waren, ist um­stritten. Carlgren stuft die schwedischen Dienste als „politisch wertvoll für Deutschland“11 ein. Schuberth zitiert aber ein Telegramm, in dem Zimmermann schreibt: „Bitte Herrn von Moltke mitzuteilen, daß uns militärische Nachrichten leider nicht zugänglich sind. Bisher habe ich über Stockholm nur politische Nachrichten erhalten, die kein besonderes Interesse bieten.“12 Die De­chiffrierung militärischer Nachrichten wäre wohl interessanter gewesen, aber die folgte einem nur teilweise entschlüsselten Code. Für Schweden hingegen waren die Telegramme wohl sehr hilf­reich. Man konnte nun den Telegrammverkehr zwischen dem Außenministerium in Petrograd und der russischen Gesandtschaft in Stockholm kontrollieren. Carlgren erklärt hiermit die „bis­weilen überraschend dreiste schwedische Politik gegen Rußland.“13

Sicher ist allerdings, daß die Übergabe der russischen Telegramme weit über die wohlwol­lende Neutralität hinausging.

3. Schwedens wirtschaftliche Lage vor und während des Krieges

Um die verheerenden Auswirkungen der Blockadepolitik zu verstehen, muß man die Wirtschaft des Landes untersuchen. Alle skandinavischen Länder hatten um die Jahrhundertwende herum eine ähnliche wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht. Da sie alle auf den Export spezialisiert waren, konnten die neutralen Länder im Norden sich in Zeiten des Krieges kaum gegenseitig unterstützen.

Schweden gehörte noch Mitte des 19. Jahrhunderts zu den ärmsten Ländern Europas. Das Pro-Kopf-Einkommen im Land war vergleichbar mit dem der Balkanstaaten und der iberi­schen Halbinsel. Es kam aber um die Jahrhundertwende zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der Schweden wirtschaftlich in die Nähe der westlichen Industriestaaten rücken sollte. Die schwedische Wirtschaft konzentrierte sich auf Holz und Holzverarbeitung. Außerdem war es durch moderne Gewinnungsmethoden nun möglich, das Eisenerz im Norden Schwedens zu för­dern.14 Norwegen und Dänemark konzentrierten sich auf den Export von landwirtschaftlichen Produkten und auf den Bereich des Schifftransports. So wurden die skandinavischen Länder wichtige Lieferanten für Rohmaterialien und erlangten damit eine neue Stellung in der Weltwirt­schaft. Doch die skandinavischen Länder konnten ihre Materialien kaum selbst verarbeiten. Die fertigen Produkte mußten alle importiert werden. Skandinavien wurde hierdurch abhängig vom Außenhandel und besonders sensibel für Fluktuationen auf dem Weltmarkt.

Da die meisten Handelwege den Deutschen während des Krieges durch die britische Blockade verschlossen waren, wurde Schweden zu einem wichtigen Transitland für den deut­schen Import aus Übersee. Aber auch die eigenen Produkte konnte Schweden nun hauptsächlich nach Deutschland absetzen, da die Konkurrenz durch den Krieg praktisch ausgeschaltet war. Im Gegensatz zum Vorjahr war der Kupferexport 1914 um ein vierfaches gestiegen, die Ausfuhr von Aluminium raste in dieser Zeit von quasi Null auf eine halbe Millionen Tonnen. Außerdem ver­vierfachte Schweden den Export von Fleisch an die Deutschen.15 Schwedens Wirtschaft nahm dadurch merkantilistische Züge an. Der Exportüberschuß im Jahre 1916 betrug 1 Milliarde Kro­nen.16 Aufgrund dieser Abhängigkeit von anderen Ländern hatte die spätere Blockadepolitik der Briten furchtbare Auswirkungen auf Schweden.

Erst nach 2 1/2 Jahren Krieg wurden die notwendigsten Güter rationiert. Die durch­schnittlichen Lebenskosten stiegen um knapp 200% in den vier Jahren des Krieges. Besonders Lebensmittel, Brennstoff und Kleidung waren von der Krise betroffen. Im Vergleich dazu stie­gen die Lebenshaltungskosten von 1939 - 1943 nur um ca. 25%, da von Beginn des Krieges an alle wichtigen Güter rationiert wurden.17

4. Die britische Seeblockade und der völkerrechtliche Konflikt

Der Krieg zur See war in den ersten Monaten des Krieges sowohl auf deutscher wie auch auf britischer Seite von Unsicherheit und strategischen Überlegungen geprägt. Die deutsche Flotte war 1914 der englischen zwar nicht an Größe, aber an Effektivität gleichgestellt. Die Briten muß­ten unbedingt Schlachten in den engen Gewässern der Nord- und Ostsee vermeiden, da hier die volle Größe der Flotte nicht zum Tragen kommen konnte und die Erfahrung der deutschen Schiffe in diesen Gegenden einen Nachteil für die Engländer darstellte. Die englische Navy be­trachtete eine Fernblockade als wirksamstes Mittel, um mit der Flotte die Deutschen zu schwä­chen. Die Erfindungen der Torpedos, Minen und U-Boote machte eine „klassische“ Blockade, in der nur die feindlichen Küsten betroffen waren, unmöglich. Deswegen wurde der Zugang zur Nordsee versperrt und Handelsschiffe abgefangen, bevor sie die neutralen oder feindlichen Ge­wässer erreichen konnten. Deutschland hatte dieser Blockadepolitik nur den U-Boot-Krieg ent­gegenzusetzen.18

Der Wirtschaftskrieg, der zwischen den Großmächten geführt wurde, gehörte nicht von Anfang an zur Kriegsstrategie irgendeines Landes. „(E)conomic warfare was improvised after the outbreak of the war, once it was evident that neither side was going to win a quick victory.“19 Ende 1914 hatte sich der Stellungskrieg festgefahren und es wurde offensichtlich, daß eine schnelle Lösung des Konflikts unmöglich war.

Die britische Navy hatte schon vor Kriegsbeginn die Möglichkeit in Erwägung gezogen, die Mittelmächte durch wirtschaftlichen Druck zu schwächen und dabei auch die Probleme er­kannt. „In 1912 the Admiralty tacitly acknowledged the impossibility of operations close to the German coast when it adopted a strategy of ‘open’ blockade based on control of the approaches to the North Sea in the Channel and between Scotland and the Norwegian coast.“20 In der Lon­doner Erklärung vom 26.02.1909 wurde in Artikel 1 festgelegt, daß eine völkerrechtlich aner­kannte Blockade „auf die feindlichen und vom Feinde besetzten Häfen beschränkt werden“21 muß. Daß die Blockade sich gezielt darauf richtete, die deutsche Zivilbevölkerung auszuhungern, kann man also als unmoralisch, aber nicht als illegitim bezeichnen. Der eigentliche Rechtsbruch lag darin, daß die neutralen Länder auch von der Blockade betroffen waren. Denn, wie man schon 1912 wußte, war die direkte Sperre der deutschen Häfen gefährlich. Die Briten wollten ihre Flotte schonen und vermieden daher das Risiko einer direkten Blockade.22 Daher entschieden sich die Admirale der Royal Navy für eine „Fernblockade“, welche nicht nur deutsche Häfen blockierte, sondern die ganze Nordsee und den Kanal zwischen Schottland und der norwegi­schen Küste. Dies war völkerrechtlich nicht legitim, denn Artikel 18 der Londoner Deklaration besagt: „Die blockierenden Streitkräfte dürfen den Zugang zu neutralen Häfen und Küsten nicht versperren.“23 Deshalb wurde die englische Blockade nicht als solche bezeichnet. Die Engländer umgingen diesen Begriff, indem sie sich auf die Pariser Deklaration von 1865 bezogen und ihr Recht ausnutzten, Kriegskonterbande zu beschlagnahmen.24

[...]


1 Abkommen vom 18. Oktober 1907 betreffend die Rechte und Pflichten der neutralen Mächte und Personen im Falle eines Landkriegs, http://www.admin.ch/ch7d/sr/0_515_21/index.html und Abkommen vom 18. Oktober 1907 betreffend die Rechte und Pflichten der neutralen Mächte im Falle eines Seekriegs, http://www.admin.ch/ch/d/sr/0_515_22/index.html, beide abgerufen am 27.07.2008.

2 Carlgren, Wilhelm Mauritz: Ministären Hammarskjöld. Tilkommst, Söndring och Fall, Stockholm 1967, S. 7 - 14.

3 Carlgren, Wilhelm Mauritz: Neutralität oder Allianz. Deutschlands Beziehungen zu Schweden in den Anfangs­jahren des Ersten Weltkrieges, Stockholm 1962, S. 18 - 21.

4 Ebd, S. 26.

5 Carlgren, Allianz, S. 16.

6 Ebd., S.46.

7 Gihl, Thorsten: Den Svenska Utrikenspolitikens Historia IV. 1914 - 1919, Stockholm 1951, S. 30.

8 Ebd, S. 31.

9 Doß, Kurt: Das deutsche Auswärtige Amt im Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, Düsseldorf 1977, S. 48.

10 Schuberth: Schweden und das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg. Die Aktivistenbewegung 1914 - 1917, Bonn 1981, S. 18.

11 Carlgren, Allianz, S. 59.

12 Telegramm Zimmermann an Jagow vom 7.10.1914, Nr. 674, in den Privatakten des U.ST.S. Gaus 6/3, zitiert nach Schuberth, S. 18, Fußnote 19.

13 Carlgren, Allianz, S. 59, Fußnote 2.

14 Salmon, Patrick: Between Sea Power and Land Power. Scandinavia and the Coming of the First World War, in: Transactions of the Royal Historical Society, Vol. 3, 1993, S. 42f.

15 Carlgren: Allianz, S. 67.

16 Äkernan, Johan: Sveriges ekonomiska politik under det första och det andra värlskriget. Komparativ analys, in: Ekonomisk Tidskrift, Jahrgang 45, Nr. 1 1943, S. 2.

17 Ebd., S. 8.

18 Halpern, Paul G.: A naval history of World War I, Annapolis, Md. 1994, S. 21 - 14.

19 Salmon: Sea Power, S. 26.

20 Salmon, S. 35.

21 Erklärung über das Seekriegsrecht (Londoner Erklärung vom 26.02.1909.), http://www.u-boot- archiv.de/krieg/prisenordnung/urkunden/teil02b.php, abgerufen am 27.07.2008.

22 Just, Harald: Neutralität im ersten Weltkrieg, Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs, Nr. 20, 1876, S. 278.

23 Londoner Erklärung

24 Erklärung vom 16. April 1856 über Gründsätze des Seerechts (Pariser Deklaration), http://www.u-boot- archiv.de/krieg/prisenordnung/urkunden/teil01.php, abgerufen am 27.07.2008.

Details

Seiten
33
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640582594
ISBN (Buch)
9783640582617
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146947
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
Schlagworte
Schwedens Neutralität Ersten Weltkrieg

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Schwedens Neutralität im Ersten Weltkrieg