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Das I. Vatikanische Konzil und die Entstehung der alt-katholischen Kirche in ihrer Bedeutung für die Ökumene aus evangelischer Perspektive

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Aktuelle Problembegegnung

2. Ein Stolperstein der Kirchengeschichte? - Pius IX. und das Erste Vatikanum
2.1 Zur Pontifikat Papst Pius IX. (1846 – 1878)
2.2 Das I. Vatikanische Konzil (1869 – 1870)

3. Die Entstehung der alt-katholischen Kirche als Antwort auf die Dogmen des Ersten Vatikanums

4. Die alt-katholischen Kirche als Bedeutung für die heutige Ökumene aus evangelischer Perspektive

5. Anlagen
I. Literaturverzeichnis
II. Selbständigkeitserklärung

1. Einführung

1.1 Aktuelle Problembegegnung

Ein mir unbekannter Benediktiner-Mönch hat einmal gesagt, dass es wohl ein Grund des göttlichen Funkens in uns ist, dass wir Menschen nicht in ewiger Trennung von bekannten und geliebten Personen leben können und wollen, sondern vielmehr auf das gemeinsame Leben, Lieben, Hoffen, Handeln, Träumen und Vertrauen ausgerichtet sind. Doch wir kennen leider auch alle das schmerzhafte Gefühl, wenn sich nach einem größeren Streit z. B. in der Familie oder im Freundeskreis die festgefahrenen Wogen nur schwer glätten lassen bzw. die Aussicht auf ein wieder gekittetes Verhältnis oder auf eine vertrauenswürdige (Lebens- & Tisch-) Gemeinschaft hinter einem dichten Schleier verborgen scheint.

Dieses lässt sich auch im christlichen Glauben, der seit einigen Jahrhunderten in vielen, oftmals durch sehr qualvolle (und auch blutige) Scheidungen entstandenen Konfessionen sein Dasein fristet, wiederfinden. Der katholische Theologe Klaus Berger hat einem seiner letzten Bücher den Titel „Glaubensspaltung ist Gottesverrat“ gegeben. Vielleicht mag dieser Titel einigen Menschen zu scharf klingen. Doch ich denke, dass er in gewisser Weise die volle Schmerzhaftigkeit dessen ausdrückt, was sich als sog. Konfessionalismus seit einigen Jahrhunderten bis zum heutigen Tag auf unterschiedlicher Ebene in vielen Köpfen und Herzen abspielt. Nicht wenigen - vor allem in den unterschiedlichen Kirchengemeinden leben und glaubenden - Christen wird dieses im Familienleben, wo z. B. ein Elternteil evangelisch und der / die Andere katholisch getauft ist[1], bei der Feier des Heiligen Abendmahles erkenn- und spürbar: Der Gedanke, sich nicht zusammen mit seinem Ehepartner oder seinen Kindern zusammen am Tisch des Herrn zu platzieren, stimmt nicht nur traurig und oft auch zornig, sondern nimmt einem ferner oftmals auch das Vertrauen in die höheren kirchlichen Ebenen, die das Trennende auf theologischer Ebene nicht „beseitigen“ und sich scheinbar über die alltäglichen Empfindungen nicht viele Gedanken zu machen scheinen.

Aus diesem Grunde werden auch alle Ereignisse, die ein Fortschreiten der Ökumene heutzutage gerade von „höherer Stelle“ her beeinträchtigen, von den Gläubigen an der „Basis“ überwiegend negativ aufgenommen. Dieses hat sich vor kurzer Zeit z. B. in der Debatte um die Rücknahme der Exkommunikation einiger Bischöfe der ultrakonservativen „Bruderschaft St. Pius X.“, welche nicht nur verwirrende sozial-ethische Theorien aufweist, sondern auch ein ökumenisches Streben seitens der römisch-katholischen Kirche generell ablehnt, gezeigt. Neben den Irritationen, die diese Entscheidung des Vatikans auch in den römisch-katholischen Kirchengemeinden und Bistümern hervorrief, scheint sich z. B. auch das ökumenische Denken und Handeln seitens der evangelischen Kirche vor allem in Deutschland, dem Land der Reformation, neu ordnen zu müssen.

Allerdings hat es in den weitreichenden Kapiteln der Geschichte der Kirche Jesu Christi ähnliche Ereignisse gegeben, welche eine Reparatur des beschädigten Schiffes „Ecclesia“ nicht nur verhinderten, sondern die bestehenden Probleme zwischen den unterschiedlichen Konfessionen noch vertieften (Es ist eine reiche Gabe des Heiligen Geistes, sehen zu dürfen, dass die Ökumene dennoch immer wieder neu Kraft gewinnt und die getrennten Jüngerinnen und Jünger Jesu wieder näher zusammenführt). Zu den nachhaltigsten dieser kirchlich-historischen Begebenheiten zählt mit Sicherheit das von Papst Pius IX. einberufene und in den Jahren 1869 / 1870 abgehaltene I. Vatikanische Konzil der römisch-katholischen Kirche mit seinen manifestierten Dogmen der obersten Jurisdiktionsgewalt des römischen Papstes sowie seiner Unfehlbarkeit in den als „ex cathedra“ („vom Lehrstuhl herab“) verkündeten Glaubens- und Lehrentscheidungen.

2. Ein Stolperstein der Kirchengeschichte? - Pius IX. und das Erste Vatikanum

2.1 Zum Pontifikat Papst Pius IX. (1846 – 1878)

Um die dogmatischen Neuerungen der römisch-katholischen Kirche und ihre Auswirkungen auf die gesamte Kirche und ihren ökumenischen Werdegang zu betrachten, ist es sicherlich von Vorteil, einen kleinen Blick auf das Pontifikat Papst Pius IX. zu werfen, der dieses kirchengeschichtsträchtige Konzil einberief.

Mit einer Amtszeit von 32 Jahren war das Pontifikat Pius IX. das längste in der uns nachvollziehbaren fast 2000-jährigen Geschichte des römischen Papsttums. Doch nicht die zeitliche Dauer, sondern die während dieser Zeit gefällten dogmatischen, kirchenrechtlichen und -politischen Entscheidungen waren und sind Gründe für den kirchengeschichtlichen sowie für den ökumenischen Werdegang der einen Kirche Jesu Christi.

Obwohl während seiner Inthronisation als liberaler Pontifex begrüßt, wurde er doch aufgrund verschiedenster Ereignisse, die ihn sicherlich persönlich sehr prägten, zu einem reaktionär-konservativen Gegner sämtlicher damaliger gedanklicher und politischer Neuerungen und setzte konsequent die Kirchenpolitik seines Vorgängers Gregors XVI. fort.

Die Regierungszeit Pius IX. war geprägt von sehr abwechslungsreichen Ereignissen und den damit verbundenen Stimmungen: Neben dem Aufkommen und Fortschreiten der industriellen Revolution wurde in Folge dessen auch das Selbstwertgefühl der einfachen, arbeitenden Bevölkerung auf dem Land und in den rasant wachsenden Städten gestärkt.

Aufgrund verschiedenster aufkommender Unruhen im damals noch ungeeinten Italien kam es auch im Kirchenstaat zu immer größer werdenden Herausforderungen für Papst Pius IX.: Neben den im Volk weiter im sich greifenden Forderungen nach Pressefreiheit, Stärkung der Laien- und Menschenrechte etc. griff auch die Anarchie im kirchlichen Staat verstärkt um sich. Vor allem die Ermordung des päpstlichen Ministerpräsidenten Graf Rossi war ein Grund für die innere (und vor allem sicherlich psychologische) Veränderung des Papstes, der aus seinen anfangs defensiven Haltungen (u. a. heimliche, zweijährige Flucht aus Rom nach Sizilien) ein kirchenpolitisches „Angriffspaket“ zusammenschnürte, um der aus seiner Sicht für die römisch-katholische Kirche und das Abendland gefährlichen Situation entgegentreten zu können. Aus politischer Perspektive war dies vor allem das Festhalten am absolutistischen System des römischen Kirchenstaates als ein Nimbus und Garant für die Herrschaft der Kirche, der jedoch aufgrund der Besetzung Roms durch italienische Truppen am 20. September 1870 nach über tausendjähriger Existenz von der Landkarte Europas verschwand.

Doch bereits 16 Jahre zuvor hatte der damals bereits seit zwölf Jahren im Petrus-Amt „dienende“ Pontifex mit der Lehrentscheidung für Aufsehen inner- und außerhalb der römischen Kirche gesorgt. Ohne die Einberufung eines Konzils oder eines anderen kirchlichen Gremiums[2] verkündete Papst Pius IX. die Lehre der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ zum Glaubenssatz für die katholische Kirche. Dieses ist in der Hinsicht ein Novum gewesen, da selbst in der römisch-katholischen Kirche trotz des zentralisierten Papalsystems[3], welches sich bereits seit dem 4. Jahrhundert u. a. während der Pontifikate Siricius (+ 399), Innozenz I. (+ 417), Bonifaz I. (+ 422) und vor allem Leo I. (+ 461) herausbildete und die somit die altkirchliche Verfassungsordnung durchbrach, Entscheidungen hinsichtlich des Glaubens und der Lehre immer auf Synoden bzw. Konzilien beschlossen wurden. Als Hintergrund dieses Dogmas kann sicherlich der zunehmende Ultramontanismus[4] und die sich verstärkende Marienfrömmigkeit im 19. Jahrhundert angesehen werden.

[...]


[1] Seit einigen Jahren spricht man Gott sei Dank und nicht nur aus ökumenischen Gründen von sog. „konfessionsverbindenden Ehen“ und nicht mehr von dem stark belasteten Begriff der „Mischehen“.

[2] „Synode“: griech.: „gemeinsamer Weg“, „miteinander -Unterwegs-Sein“

[3] An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Bischöfe von Rom ihre hohe Autorität nicht durch Christus, sondern durch die politische Bedeutung dieser Stadt als Hauptstadt des ehemaligen römischen Reiches erhielten! Siehe: Alt-Katholische Pfarrgemeinde Nordstrand (Hrsg.): alt-katholisch – zeitgemäß. Die Geschichte einer anderen katholischen Kirche; Norderstedt 2009, S. 18 f.

[4] „Ultramontanismus“ (Romzentrierung, „jenseits der Berge“): Innerkirchliche Kreise, welche den römischen Papst als unfehlbar auslegten und den monarchischen Souveränitätsbegriff auf das kirchliche Amt übertrugen. Der Papst als höchste kirchliche Regierungs- und Jurisdiktionsgewalt über nach dieser Meinung auch die geistliche Lehrgewalt aus und sei deshalb vom Irrtum frei.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640568970
ISBN (Buch)
9783640569113
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146916
Institution / Hochschule
Fachhochschschule für Religionspädagogik und Gemeindediakonie Moritzburg
Note
1,7
Schlagworte
Vatikanische Konzil Entstehung Kirche Bedeutung Perspektive Kirchengeschichte evangelisch alt-katholisch

Autor

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