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Analyse der Sprache als Mittel der Propaganda im Dritten Reich anhand der Zeitschrift "Völkischer Beobachter"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 25 Seiten

Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Vorgehensweise

2. Propaganda
2.1 Propaganda - eine Definition
2.2 Propaganda, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit
2.3 Nationalsozialistische Propaganda

3. Die Presse im Nationalsozialismus
3.1 Die Stellung der Presse im Nationalsozialismus
3.2 Die Organisation der Presse im Nationalsozialismus

4. Der „Völkische Beobachter“
4.1 Geschichtlicher Abriss
4.2 Aufbau und Form
4.3 Inhaltliche Aspekte

5. Analyse der propagandistischen Mittel im „Völkischen Beobachter“
5.1 Der„ Völkische Beobachter“ 1925-1933
5.1.1 26. Februar 1925: Aufruf an die ehemaligen Angehörigen der NSDAP
5.1.2 19. Januar 1926: Artikel zu einem jüdischen Bordell
5.1.3 15. Mai 1928: Wahlaufruf der NSDAP
5.1.4 17. August 1932: Die Ablehnung des Vizekanzleramts
5.2 Der „Völkische Beobachter“ 1933-1939
5.2.1 22. März 1933: Hitler in der Garnisonkirche in Potsdam
5.2.2 29. März 1933: Aufruf der Parteileitung der NSDAP
5.2.3 05. August 1938 und 13. August 1938: Lügen bezüglich der Sudetenfrage
5.3 Der „Völkische Beobachter“ 1939-1945
5.3.1 19. Februar 1943: Der totale Krieg
5.3.2 29. April 1945: Die vorletzte Ausgabe des „Völkischen Beobachters“

6. Schlussteil

I Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Vorgehensweise

„Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten - wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“1

...und genauso geschah es auch. Die nationalsozialistische Pressepropaganda war ein wichtiges Mittel zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie und der Manipulation der deutschen Bevölkerung.

In der vorliegenden Arbeit sollen propagandistische sprachliche Mittel der Nationalsozialisten in der Zeit des Dritten Reiches dargelegt werden. Dazu werde ich zunächst einige wichtige Begriffe klären und sprachliche Mittel anhand einiger Ausgaben des „Völkischen Beobachters“, welche im Anhang zu finden sind, erläutern. Eine vorherige Erklärung dieser Mittel erfolgt nicht, es wird alles im Analyseteil genau erläutert. Eine Frage, die ich dabei klären möchte, ist unter anderem, ob und wie sich die nationalsozialistische Propaganda im Laufe der Jahre, d.h. vor Machtantritt Hitlers, die Jahre der Kriegsvorbereitung sowie die Jahre des Zweiten Weltkrieges verändert hat. Allerdings soll dies nicht Hauptaspekt der Arbeit sein und lediglich im Schlussteil noch einmal aufgegriffen werden. Viel spannender ist die Frage, wie es die Nationalsozialisten durch die Presse geschafft haben, so viele Menschen in ihre Richtung zu ziehen und sie von der nationalsozialistischen Ideologie zu überzeugen. Diesem Thema werde ich mich nun mit dieser Arbeit zum größten Teil widmen.

Zu meiner persönlichen Rechtfertigung möchte ich hiermit klar stellen, dass ich die Ideologie der Nationalsozialisten keinesfalls vertrete. Ich habe versucht, die Arbeit dennoch so neutral wie möglich zu gestalten. Wenn allerdings Missverständlichkeiten auftreten sollten, so bitte ich, dies zu entschuldigen und versichere hiermit, dass alles positive, welches gesagt wird, lediglich auf die Art der Propaganda bzw. die gelungene Manipulation durch Sprache bezogen ist.

2. Propaganda

2.1 Propaganda - eine Definition

Im Allgemeinen versteht man unter Propaganda „eine Form der Werbung, bes. für bestimmte geistige Ziele und polit., religiöse, wirtschaftl., aber auch künstler. oder humanitäre Ideen; allg. die publizist. Beeinflussung, ihre Inhalte und Methoden.“2 Weiterhin findet man unter dem Stichwort Propaganda im Historischen Wörterbuch: „Der moderne Begriff der P. bezeichnet den gezielten Versuch von Personen oder Institutionen, einen bestimmten Adressatenkreis durch Informationslenkung für eigennützige Zwecke zu gewinnen und diese Zwecke zugleich zu verschleiern.“3

2.2 Propaganda, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit

Bei der ersten Auseinandersetzung mit Propaganda ist wichtig, die Unterschiede dieser zu „normaler“ Werbung und Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations - PR) klar zu machen. Klaus Merten hat dies anhand einer Tabelle, welche ich hier kurz erläutern möchte, sehr gut verdeutlicht.

Allein schon an den Funktionen der drei Begriffe wird eine klare Unterscheidung deutlich. Spricht man im Zusammenhang mit Werbung von Überredung (z.B. etwas zu kaufen), kann man bei PR von Überzeugung und bei Propaganda letztendlich von Manipulation sprechen. Diese Manipulation wird allein durch einen Fremdreferenten erzeugt, wohingegen die Werbung und die Öffentlichkeitsarbeit selbst- und fremdreferent zu sein scheint. Schließlich kann man z.B. Werbung auch (für sich) selbst machen. Die Ziele der Propaganda sind klar: vorgegebene Entscheidungen des Fremdreferenten sollen ohne jegliche Freiheitsgrade und Kontingenz akzeptiert werden. Bei der Werbung soll lediglich ein singulärer Akt unter Einbeziehung der persönlichen Freiheit vollzogen werden und die PR dient der Erzeugung von Vertrauen. Ebenso unterscheiden sich die drei Begriffe hinsichtlich ihrer Wirkung. Werden in der Werbung positive Aspekte und Assoziationen betont, so soll bei der Öffentlichkeitsarbeit die Glaubwürdigkeit gesteigert und ein Vertrauensbild geschaffen werden. Die Art der Propaganda allerdings wirkt dahingegen eher ängstigend und bedrohend bzw. verheißend.4

Diese Aspekte stellen nur einige wenige Unterschiede zu den verschiedenen Begriffen dar. Allerdings ist es mir nun besser möglich, die Begriffe voneinander zu trennen und im Verlauf der Arbeit auch zu wissen, über was ich überhaupt schreibe.

2.3 Nationalsozialistische Propaganda

Gerade in der Zeit des Nationalsozialismus war die Propaganda das wohl wichtigste Mittel, „das Volk in die Erkenntnis, die ihm zum Verständnis nahegebracht werden soll, so einzuführen, daß es sich willig und ohne inneres Widerstreben den darin eingeschlossenen Aufgaben und Zielsetzungen einer überlegenen Staatsführung hingibt.“5 Dieses Zitat zeigt unter anderem, dass nun nicht mehr der einzelne Bürger bzw. die einzelne Person angesprochen wird, sondern das Volk. Jeder, der zu diesem Volk gehörte, sollte sich dem, was der Staatsführung vorschwebte, ohne einen feindlichen Gedanken, anschließen und sich damit identifizieren. Als Beleg dafür sollte auch folgendes Zitat von Adolf Hitler gelten: Propaganda habe sich „ewig nur an die Masse zu richten“ und habe „volkstümlich zu sein, ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt.“6 Ebenso hier erkennt man, dass sich Propaganda wirklich an das gesamte Volk richtete, nicht nur an die gebildeten Bürger, sie muss für alle verständlich sein.

Die Nationalsozialisten wollten keine aufgeklärten Bürger, allerdings mussten dazu aber „die Bedingungen für die freie Entscheidung beseitigt, diese selbst aufgehoben und umgewandelt werden in bloße Zustimmung.“7 Genau dies drückt eindeutig die Ziele der Propaganda nochmals aus. Sie hat keine Informationsfunktion, sondern eine Manipulationsfunktion und zwar so, dass jegliche eigene Gedanken des Bürgers bzw. des Volkes verworfen und der Ideologie des Nationalsozialismus lediglich zugestimmt werden soll, ohne vorher zu Überlegen. Die Propaganda war demzufolge auch politisches Instrument: „Nationalsozialistische Propaganda hatte sich ausschließlich in den Dienst nationalsozialistischer Politik zu stellen, ja sie war zum Teil diese Politik selber.“8 Die Sprache diente letztendlich als Mittel der Menschenbeherrschung.

3. Die Presse im Nationalsozialismus

3.1 Die Stellung der Presse im Nationalsozialismus

Noch vor der nationalsozialistischen Machtergreifung im Januar 1933 gab es in Deutschland ca. 4.700 Zeitungstitel. Durch die Gleichschaltung der Presse reduzierte sich diese Zahl innerhalb von elf Jahren auf knapp 900.9 Anhand dieser Zahlen wird deutlich, wie stark die Presse im Dritten Reich durch die Nationalsozialisten beeinflusst und reduziert wurde. Schon nach dem ersten Weltkrieg bildeten sich in Deutschland nationalsozialistische Gruppierungen, die allerdings bis 1930 kaum erhört wurden und somit nur eine von vielen extremistischen Gruppen waren. Somit waren die Medien ausschlaggebend, um den Menschen eine Ideologie zu verdeutlichen, die zur wohl größten politischen Katastrophe in der Geschichte Deutschlands wurde.

Unumstritten wird dabei dem Rundfunk die wichtigste Bedeutung zugeschrieben. Die Presse aber wurde vor allem als eine Art Sprachrohr genutzt, um ideologisches Gedankengut zugunsten der Partei zu verbreiten. Zentraler Gedanke dabei war natürlich ebenso die Manipulation der Bürger hinsichtlich ihrer Meinung zur nationalsozialistischen Ideologie. Die Presse wurde somit vorwiegend für Propaganda, und nicht, wie üblich zur Informationsverbreitung, genutzt.

3.2 Die Organisation der Presse im Nationalsozialismus

Schon kurz nach seinem Machtantritt 1933 ernannte Adolf Hitler drei sogenannte Reichsminister, welche speziell für die Presse und Propaganda zuständig waren. Zum einen ernannte er Dr. Otto Dietrich zum „Reichspressechef der NSDAP“, Max Amann zum „Reichsleiter für die [Partei-]Presse“ sowie Dr. Joseph Goebbels zum „Reichspropagandaleiter“ der Partei, welchem im März 1933 eigens das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) geschaffen wurde.10 Unter dem großen Begriff dieser Parteiorganisation standen weiterhin die Staatsorganisation und die Berufsorganisation. Minister dieser Staatsorganisation war der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Joseph Goebbels. Dem Reichsministerium fielen sämtliche Bereiche im Staate zu, die der Beeinflussung und Manipulation von Bürgern dienen konnten. Dazu zählten an oberster Stelle Presse und Rundfunk, aber auch Theater, Film, Kunst o.ä. Im September 1933 wurde weiterhin als dritte Organisation die Reichkulturkammer (RKK) unter dem Begriff der Berufsorganisation gegründet.

[...]


1 George Orwell [URL: http://www.nachdenkseiten.de/?p=2368], Stand: 05. Februar 2010

2 [Art.] Propaganda. In: Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden (19. Auflage). Band 17, Hrsg. von F.A. Br ockhaus GmbH, Mannheim 1992, S. 536

3 [Art.] Propaganda. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Band 7, Hrsg. von Gert Ueding, WIss. Buchges., Darmstadt 2005, S. 267

4 Klaus Merten: Die Konstruktion von Macht durch Kommunikation - am Beispiel Propaganda [URL: http://www.sjschmidt.net/konzepte/texte/merten.htm], Stand: 03. Februar 2010

5 Dr. Joseph Goebbels in einer Rede auf dem Reichsparteitag von 1934 aus dem Völkischen Beobachter vom 07.09.1934. In: Herbert E. Tutas: NS-Propaganda und deutsches Exil 1933-39 (Band 4 der Schriftenreihe Deutsches Exil 1933-45). Hrsg. Georg Heintz, Verlag Anton Hain KG, Meisenheim/Glan 1973, S. 2

6 zit. nach Adolf Hitler: Mein Kampf, München 1933, S. 196 f. In: Doris Gorr: Nationalsozialistische Sprachwirklichkeit als Gesellschaftsreligion - Eine sprachsoziologische Untersuchung zum Verhältnis von Propaganda und Wirklichkeit im Nationalsozialismus, Shaker Verlag, Aachen 2000, S. 65

7 Tutas, 1973, S. 2

8 Ebd., S. 3

9 Heinz Pürer/Johannes Raabe: Medien in Deutschland Band 1 - Presse (2. Auflage), UVK Medien Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 1996, S. 63

10 Ebd. S. 64

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640577354
ISBN (Buch)
9783640577248
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146896
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Propaganda Nationalsozialismus nationalsozialistische Zeitschrift VB Völkischer Beobachter Beobachter Völkische völkisch Sprache Mittel propagandistische Analyse Drittes Reich Reich Drittes Dritt

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