Lade Inhalt...

Abbildung der Alltagsrealität Madrids zur Nachkriegszeit des Bürgerkriegs in "La colmena" von Camilo José Cela

Hausarbeit 2009 9 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Abbildung der Alltagsrealität Madrids zur Nachkriegszeit des Bürgerkriegs am Beispiel des 1. Kapitels

3. Erzähltechnik in La colmena

4. Fazit

1 Einleitung

Nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs 1939 war die spanische Gesellschaft stark von den wirtschaftlichen und psychischen Folgen des Kriegs und politisch von der Diktatur unter Franco geprägt.

Die Werke der Schriftsteller, die nicht mit dem herrschenden Regime konform gingen, wurden entweder verboten oder aber (wie in den meisten Fällen) strikt zensiert, so auch der Roman La Colmena, das bedeutendste Werk Camilo José Celas. Es wurde zwar zwischen 1940 und 1950 in Spanien geschrieben, konnte deshalb zunächst aber nur in Buenos Aires veröffentlicht werden (2007). Gründe für die Zensur La colmena s waren dessen Zeit-/Sozialkritik und zahlreiche (homo-) sexuelle Anspielungen. Erst 1963 wurde es auch in Spanien herausgegeben.

Der Alltag des gesellschaftlichen Lebens zu dieser Zeit wurde bestimmt von der Existenz der strikten Unterdrückung durch die Regierung, die zur „Verfinsterung“ intellektueller Aktivitäten und aufgrund von Angst und Misstrauen unter den Menschen zur Verschlechterung persönlicher Beziehungen und somit zu Einsamkeit führte. Die Lebenswelt zu dieser Zeit, in der die Gesellschaft in Gewinner bzw. Verlierer des Bürgerkriegs gespalten wurde, kann als grausam und feindlich beschrieben werden. Die weit verbreitete Arbeitslosigkeit ging mit einer hohen Armutsrate einher, welche zwangsläufig zum täglichen Überlebenskampf führte. So war der Alltag der spanischen Gesellschaft sehr von Resignation und Perspektivlosigkeit geprägt, der kaum Hoffnung oder gar Wünsche aufkommen ließ.

Schwerpunkt folgender Arbeit ist die Analyse der vorherrschenden Alltagsrealität Madrids zur Nachkriegszeit des Bürgerkriegs. Wie sah diese damals aus? Wie wird sie in La colmena dargestellt? Mit welchen Mitteln setzt Cela sie erzähltechnisch um? Im Folgenden werde ich mich insbesondere im ersten Kapitel auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen machen.

2 Abbildung der Alltagsrealität Madrids zur Nachkriegszeit des Bürgerkriegs am Beispiel des 1. Kapitels

Das Besondere an Celas La colmena ist zweifelsohne seine Struktur: Der Roman besteht aus sechs Kapiteln und einem Epilog, wobei jedes Kapitel eine bestimmte Anzahl an fragmentarischen Geschehensabläufen, jedoch keinen konkreten Handlungsverlauf aufweist, so dass sich dieser in eine Vielzahl von kleinen Anekdoten aufsplittet. Die Gesamtmenge der durchkreuzten Lebensläufe in diesen ist - bezogen auf den Titel La colmena - Der Bienenkorb - mit den Zellen eines solchen vergleichbar. Das Ergebnis, ein geordnetes Durcheinander, ergibt sich (erst) aus der Summe der Einzelnen.

Die Raum- bzw. Zeitkomponenten dagegen sind auf ein Minimum reduziert, d.h. der gesamte Roman spielt an nur drei Tagen im Dezember 1943 in derselben Stadt (Madrid), meist sogar am selben Ort (Café der Doña Rosa). Im ersten Kapitel wird dieses Café und die Hauptpersonen des Werks, die größtenteils der unteren Mittelschicht angehören, vorgestellt.

Ein zentrales und konstantes Motiv in der erzählten Welt von La colmena ist der Hunger. Beispiele hierfür finden sich bereits im ersten Kapitel: „La señorita Elvira lleva una vida perra, una vida que, bien mirado, ni merecería la pena vivirla. No hace nada, eso es cierto, pero por no hacer nada, ni come siquiera“ (Cela 2007, S. 51 f.) und „Lo malo es que lo que cae suele ser de pascuas a ramos, y para eso, casi siempre de desecho de tienta y defectuoso“ (Cela 2007, S. 52). Im Fall der jungen Frau Elvira wird deutlich wie nahe Hunger, Arbeitslosigkeit und Krankheit miteinander verbunden sind. Es entsteht eine Abhängigkeit der Hungerleidenden von deren Umgebung, die desöfteren in Erniedrigung endet. Als ein Gast im Café der Doña Rosa einmal nicht bezahlen möchte bzw. kann, erregt dieser Umstand sofort Mitleid bei Elvira: „Pobre chico! A lo mejor no ha comido en todo el día, doña Rosa“ (Cela 2007, S. 71). An anderer Stelle wird die alltägliche Präsenz des Hungers bei den Armen von Doña Rosa sogar als Schimpfwort gebraucht: „Por quién nos ha tomado ese muerto de hambre?“ (Cela 2007, S. 90). Ein verärgerter Kellner wünscht diesen seiner Vorgesetzten sogar: „¡Usurera! ¡Guarra! ¡Que te comes el pan de los pobres!“ (Cela 2007, S.61). Ein weiteres Beispiel für die Verwendung des Wortfeldes „Hunger“ ist in einem Satz, der die Person Rosas charakterisiert, zu finden. In diesem wird sie als „la imagen misma de la venganza del bien nutrido contra el hambriento“ (vgl. Cela 2007, S.75) bezeichnet. Die zahlreiche und verschiedene Verwendung diesen Wortfelds unterstreicht stark dessen Omnipräsenz im Alltag der spanischen Gesellschaft in dieser Zeit.

Dadurch, dass das Kriegsende noch nicht lange zurückliegt, wird das Leben der Menschen unter der Diktatur von Gewalt und Terror überschattet. In den Köpfen der Menschen überwiegt daher verständlicherweise eine gewisse Feigheit und Unterwerfung, die die geringsten Andeutungen von Widerstand verhindern. Sie fürchten verurteilt zu werden, wenn sie ihre Meinung kundtun, also geschieht dies verstärkt in Selbstgesprächen oder Träumen: „En el (Café) de Doña Rosa, todos fuman y los más meditan, a solas sobre las pobres, amable, entrañables cosas que les llenan o les vacían la vida entera“ (vgl. Cela 2007, S.48).

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640583010
ISBN (Buch)
9783640583539
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146870
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Romanistik
Note
2,0
Schlagworte
Abbildung Alltagsrealität Madrids Nachkriegszeit Bürgerkriegs Camilo José Cela

Autor

Zurück

Titel: Abbildung der Alltagsrealität Madrids zur Nachkriegszeit des Bürgerkriegs in "La colmena" von Camilo José Cela