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Die Behauptung Preußens im Siebenjährigen Krieg

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Renversement des Alliances

3. Schlesien und andere Kriegsgründe

4. Die Armeen zum Beginn des Siebenjährigen Krieges

5. Verhalten und Wirkung der Armeen während des Krieges

6. Die Folgen des Siebenjährigen Krieges

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Siebenjährige Krieg (1756-1763) stellt den letzten folgenschweren Konflikt im europäischen Mächtesystem des Ancien Régimes dar. Zum ersten Mal in der Geschichte der Neuzeit wurde hier ein Krieg ausgetragen, der nicht nur das europäische Festland betraf, sondern auch in den Kolonien der europäischen Großmächte ausgetragen wurde.[1] In diesem Krieg kämpften (auf dem europäischen Kontinent) das miteinander verbündete Preußen und Großbritannien gegen eine Allianz bestehend aus Österreich, Frankreich, Russland, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und Schweden. Demnach sah sich Preußen unter Friedrich II. eingekreist von Feinden, die die Hohenzollernmonarchie auf die Größe eines drittklassigen europäischen Staates degradieren wollten. Die strategische Gesamtlage, als auch die ökonomischen Voraussetzungen waren so beschaffen, dass man auf der Seite der antipreußischen Allianz dem Ausgang des Krieges mit großer Zuversicht entgegensehen konnte.[2] Dennoch gelang es Friedrich dem Großen, den Angriffen seiner Gegner über sieben Jahre lang standzuhalten und seine Großmachtstellung zu behaupten. Somit kam es am Ende des Siebenjährigen Krieges zu einer enormen Diskrepanz zwischen Angestrebtem und Erreichtem der Gegner Preußens und Großbritanniens.

Doch wie gelang es dem preußischen Militär, sich gegen einen Gegner zu behaupten, der fast dreimal so viele Truppen aufbringen konnte, wie Preußen selbst? Diese Arbeit soll dieser Frage nachgehen und zeigen, dass es (beinahe) nicht anders hätte kommen können, als dass Preußen sich im Siebenjährigen Krieg gegen seine Feinde behauptete. Hierfür wird zunächst das Zustandekommen der Kriegskoalitionen (Renversement des Alliances), sowie der Aufbau der Truppen der jeweiligen Kriegsparteien betrachtet. Ebenfalls werden das Verhalten und die Wirkung des Militärs während des Krieges beleuchtet und im Anschluss die Folgen des Siebenjährigen Krieges betrachtet.

2. Das Renversement des Alliances

Der Prozess der ‚Umkehrung der Allianzen‘ beginnt bereits mit dem Aachener Frieden von 1748. Darin ist dem Königreich Preußen unter Friedrich II. das ehemals österreichische Schlesien zugestanden worden, was wiederum die Habsburger Kaiserin Maria Theresia aufs Höchste beleidigte. Somit ist in 1748 der Beginn der steigenden Aversion Österreichs gegenüber Preußen[3] (österreichisch‑preußischer Dualismus) zu datieren, sowie das von ihm beeinflusste ‚Renversement des Alliances‘. Denn nun versucht die Hofburg mit nahezu allen Mitteln Preußen die verlorengegangene Provinz wieder zu entreißen, wofür die Unterstützung des langjährigen Bündnispartners Großbritannien nicht in Frage kam.[4] So knüpfte Österreich mit dem sogenannten ‚Erbfeind‘ Frankreich ein Bündnis und brachte damit die bisherigen bewährten bündnispolitischen Strukturen der europäischen Großmächte durcheinander.

Nach dem Aachener Frieden wuchsen die Interessenskonflikte Österreichs und Großbritanniens stetig an. So gab Großbritannien, als eine der ersten Großmächte, Preußen die Garantie auf den im Aachener Frieden festgeschriebenen Besitz Schlesiens. Eine solche der Hofburg gegenüber rücksichtlose Bündnispolitik, veranlasste Wien dazu, einer Aufforderung Großbritanniens nicht nachzukommen. Österreich verstärkte entgegen dessen seine Truppen in den Niederlanden nicht, und die damit beabsichtigte Provokation eines erneuten Krieges gegen Frankreich blieb aus.[5] Einen weiteren Faktor für die Entfremdung Wiens und Londons stellte der englische Außenminister Newcastle dar. Durch seine „Neigung, von seinen Alliierten alles zu fordern, selbst aber nichts zu bieten“, verschärfte er die Interessenskonflikte der beiden Großmächte immer mehr[6] und trieb die Österreicher quasi in die Hände der Franzosen.

Die treibende Kraft hinter dem ‚Renversement des Alliances‘ war der österreichische Kanzler Kaunitz,[7] der gezielt nach Bündnispartnern für Österreich suchte, die den Habsburgern – anders als Großbritannien – dabei behilflich sein konnten, das verlorengegangene Schlesien zurückzuerobern. Kaunitz‘ Plan zielte aber nicht auf ein ‚Renversement des Alliances‘ ab, sondern „auf eine zeitlich begrenzte Kooperation der Großmächte unter österreichisch‑französischer Federführung zur Reduktion eines die natürliche Ordnung gefährdenden Aufsteigers.“[8] Dem österreichischen Kanzler war damit klar, dass die Rückeroberung Schlesiens ohne die Hilfe Frankreichs und Russlands zum Scheitern verurteilt wäre.[9] Aus diesem Grund strebte er in freundschaftlicher Beziehung Bündnisverträge an, die eine baldige Eroberung Schlesiens ermöglichten und in eine erhebliche Schwächung der Stellung Preußens münden sollten. Um sich die Möglichkeit eines Bündnisses mit Frankreich zu bewahren, sicherte Österreich diesen Neutralität zu, als im August 1755 ein erneuter Krieg zwischen Großbritannien und Frankreich in den Kolonien kurz bevor stand. Im Fall einer Besetzung der österreichischen Niederlande durch das Heer Ludwig XV. würde dies desweiteren kampflos hingenommen.[10] Mit dieser Zusicherung wurde das englisch‑österreichische Bündnis faktisch aufgelöst.

Nun benötigte Großbritannien einen neuen Partner auf dem europäischen Kontinent, um eine Eroberung des mit ihm in Personalunion stehenden Kurhannovers durch die französischen Truppen zu unterbinden. Um dies zu erreichen, nahm die britische Krone erfolgreich Kontakt mit Russland auf. Mit dem britisch-russischen Subsidienvertrag vom 30. September 1755 beschloss Newcastle einen auf vorerst vier Jahre begrenzten Vertrag, der Großbritannien 55.000 russische Truppen und eine Flotte von 50 Schiffen zu Verteidigung Hannovers zusicherte.[11] Im Gegenzug erhielt Russland die horrende Summe von 100.000 Pfund pro Jahr. Doch Newcastle gab sich mit diesem Vertrag noch nicht zufrieden und nutzte den Subsidienvertrag mit Zarin Elisabeth I. als Druckmittel,[12] um mit Preußen einen weiteren Verbündeten zur Sicherung Hannovers zu erhalten. Newcastle wusste offensichtlich von der Angst Friedrichs des Großen, dass tausende russische Truppen im Solde Großbritanniens Preußen überfallen und durchaus vernichten könnten.[13] Mit dieser Angst kalkulierend, schloss Newcastle mit Preußen am 16. Januar 1756 die Westminsterkonvention ab, welche einen Nichtangriffspakt zwischen Großbritannien und Preußen besiegelte und beide Parteien dazu verpflichtete, alle fremden Truppen aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation fernzuhalten.[14] Andererseits beschleunigte die Westminsterkonvention das ‚Renversement des Alliances‘, da nun der Subsidienvertrag zwischen Russland und Großbritannien hinfällig wurde und russisch-österreichische Kontaktaufnahme begünstigte. Auch das immer noch mit Preußen verbündete Frankreich sah sich nach der britisch-preußischen Konvention dazu veranlasst, sich nach verlässlicheren Bündnispartnern umzusehen. So hatte sich Preußen nämlich bereits während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740-1748) mehrfach durch separate Friedensschlüsse aus der Verantwortung seines französischen Bündnispartners gegenüber gezogen.[15] Somit ist es naheliegend, dass die Bourbonenmonarchie im Frühling 1756 von einer Verlängerung des Bündnisses mit Preußen absah und auf ein Bündnis mit Österreich hinarbeitete.[16] Diese bündnispolitische Neuorientierung kam den langjährigen Bestrebungen Kaunitz‘, Österreich mit Frankreich zu verbünden, sehr gelegen und auch innenpolitisch fand er durch die britisch-preußische Konvention zunehmend Zuspruch für seine Ziele.[17] Somit gelang es dem österreichischen Kanzler knapp zwei Wochen nach der Westminsterkonvention (am 01. Mai 1756) ein Bündnis mit Ludwig XV. abzuschließen. In diesem (ersten) Versailler Vertrag verpflichteten sich beide Bündnispartner, jeweils 24.000 Soldaten zu Verfügung zu stellen, falls ihr Territorium angegriffen würde. Dies galt allerdings nicht für den Krieg gegen Großbritannien in den Kolonien (seit 1754); hier blieb Österreich neutral.[18]

Wie bereits erwähnt, hatte auch Russland sich nach dem britisch-preußischen Subsidienvertrag von seinem ehemaligen britischen Vertragspartner losgesagt und wandte sich nun, ganz im Sinne Kaunitz‘, den Habsburgern zu. Ebenso wie Österreich lag es im Interesse Russlands, den Einfluss Friedrichs II. zu beschränken und eine angestrebte Großmachtstellung Preußens zu verhindern. Neben dieser Tatsache und der Westminsterkonvention, taten die (ständigen) Beleidigungen Friedrichs des Großen gegenüber der Zarin ihr Übriges.[19] Wien und St. Petersburg konnten sich dementsprechend schnell auf einen Allianzvertrag (22. Januar 1756) mit dem Hauptanliegen der Dezimierung Preußens einigen. Später sollte nach dem Sieg über Preußen Österreich Schlesien zurückerhalten und Russland im Gegenzug in den Besitz von Kurland und Semgallen kommen. So standen sich nun ab Mai 1756 die Allianz zwischen Preußen, Großbritannien und Hannover und die Allianz zwischen Österreich, Frankreich und Russland gegenüber,[20] wobei letztere eher auf einen Krieg aus waren. Somit überraschte es im ersten Moment, dass es gerade Preußen war, das am 29. August 1756 einen Krieg gegen Sachsen begann und damit den Siebenjährigen Krieg einleitete.

3. Schlesien und andere Kriegsgründe

Zunächst lässt sich aus dem vorangegangenen Kapitel schließen, dass der Kriegseintritt der Alliierten in einer Wiederherstellung des Status quo innerhalb des Großmächtesystems gründete, der ursächlich durch die expansive Politik Preußens gefährdet worden war. Bei genauerer Betrachtung der einzelnen Bündnispartner, lässt sich jedoch erkennen, dass es (gravierende) Unterschiede in der Zielsetzung für diesen Krieg gab.

So ging es Österreich vorrangig um die verlorengegangene Provinz Schlesien. Dies ist verständlich, da der Hofburg mit dem Verlust der Provinz 17,5% der Steuereinnahmen fehlten.[21] Bei Schlesien handelte es sich um eine der reichsten Provinzen[22], deren Einbuße an das bisher europäisch wenig bedeutsame Preußen einen enormen Prestigeverlust bedeutete. Mit dem Verlust Schlesiens büßte Österreich ebenso eine Provinz ein, der eine strategische Schlüsselstellung im Reich zukam; lag sie doch zwischen Österreich und dem eher kaiserfremden Norden des Reiches und bot darüberhinaus eine kurze Distanz zu Sachsen und Preußen (Berlin) und eine nicht zu vernachlässigende Schlüsselverbindung zu den osteuropäischen Staaten. Die Eroberung Schlesiens durch Friedrich II. stellt damit zweifelsohne eine empfindliche Schmälerung des kaiserlichen Einflussbereiches dar.[23] Von erwiderten persönlichen Abneigungen geleitet, erhielt „die österreichische Politik gegen Preußen einen eigentümlichen Zug von Härte und Kompromißlosigkeit, der der zeitgenössischen, wenig emotionsgeladenen methodischen Kriegsführung eher fremd war.“[24]

Seit Peter dem Großen ist die Westerweiterung des Zarenreiches eine Grundkonstante der russischen Außenpolitik, so auch in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Schon seit längerem strebte St. Petersburg die Annexion Ostpreußens an, um sich durch den Erhalt dieser Häfen die Vorherrschaft im Ostseeraum zu sichern.[25] Zarin Elisabeth I. beschlich die Angst, Friedrich II. könnte Kurland und die baltischen Provinzen erobern und somit zu einer großen Gefahr für Russland werden. Diesem aus dem Weg zu gehen, wurde von Seiten Russlands die vollständige Unterwerfung Preußens und eine Aneignung möglichst großer Teile des preußischen Königreiches anvisiert.[26]

[...]


[1] Vgl. Kroener, Bernhard: Herrschaftsverdichtung als Kriegsursache. Wirtschaft und Rüstung der europäischen Großmächte im Siebenjährigen Krieg, in: Bernd Wegner (Hrsg.): Wie Kriege entstehen. Zum historischen Hintergrund von Staatenkonflikten, Paderborn 200, S. 147.

[2] Kunisch, Johannes: Die große Allianz der Gegner Preußens im Siebenjährigen Krieg, in: Bernhardt Kroener (Hrsg.): Europa im Zeitalter Friedrichs des Großen. Wirtschaft, Gesellschaft, Kriege, München 1989, S. 86f.

[3] und, wenn auch nicht in diesem Maße, die Preußens gegenüber Österreich.

[4] Vgl. Duchhardt, Heinz: Das Zeitalter des Absolutismus, München 1992, S. 112.

[5] Vgl. Buddruss, Eckhardt: Die französische Deutschlandpolitik 1756-1789, Mainz 1995, S. 70.

[6] Vgl. ebd. S. 71.

[7] Vgl. ebd. S. 70.

[8] Schilling, Lothar: Kaunitz und das Renversement des alliances. Studien zur außenpolitischen Konzeption Wenzel Antons von Kaunitz, Berlin 1994, S. 203.

[9] Vgl. ebd. S. 224.

[10] Vgl. Buddruss: Die französische Deutschlandpolitik, S. 72.

[11] Vgl. Kaplan, Herbert: Russia and the Outbreak of the Seven Years War, Berkley, Los Angeles 1986. S. 16.

[12] Vgl. Buddruss: Die französische Deutschlandpolitik, S. 77.

[13] Vgl. Schweizer, Karl: The Seven Years War: A System Perspective. In: Jeremy Black (Hrsg.): The origins of war in early modern Europe, Edinburgh 1987, S. 249. Vgl. ebenfalls Kroener, Bernhardt: Die materiellen Grundlagen österreichischer und preußischer Kriegsanstrengungen 1756-1763, in: Bernhardt Kroener (Hrsg.): Europa im Zeitalter Friedrichs des Großen. Wirtschaft, Gesellschaft, Kriege, München 1989, S. 54.

[14] Vgl. Duchhartd, Heinz: Balance of Power und Pentarchie. Internationale Beziehungen 1700-1785, Paderborn u.a. 1997, S. 326f.

[15] Vgl. Buddruss: Die französische Deutschlandpolitik, S. 70.

[16] Vgl. ebd. S. 79-81.

[17] Vgl. Duchhardt: Balance of Power und Pentarchie, S. 327.

[18] Vgl. ebd. S. 331.

[19] Vgl. ebd. S. 328.

[20] Russland und Frankreich schlossen im April/Mai des Jahres 1756 ein (geheimes) Abkommen zum gemeinsamen Kampf gegen Großbritannien und Preußen. Der Allianz Österreichs, Frankreichs und Russlands schlossen sich im Verlauf des Siebenjährigen Krieges auch noch Schweden und die Reichsexekutionsarmee des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation an.

[21] Vgl. Duchhardt, Heinz: Altes Reich und europäische Staatenwelt 1648-1806, München 1990, S. 108.

[22] Wenn nicht, die reichste.

[23] Vgl. Kunisch, Johannes: Der Ausgang des Siebenjährigen Krieges, in: ZHF 2 (1975), S. 183.

[24] Kroener: Herrschaftsverdichtung als Kriegsursache, S. 149. Eine völlige Zerschlagung Preußens lag aber dennoch nicht im Interesse Maria Theresias, da dies eine erneute Machtverschiebung innerhalb der Pentarchie zu Folge haben würde (zum Beispiel zu Gunsten Russlands).

[25] Vgl. ebd. S. 150.

[26] Vgl. Duchhardt: Das Zeitalter des Absolutismus, S. 190.

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640568413
ISBN (Buch)
9783640568284
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146821
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Preußen Siebenjähriger Krieg Friedrich der Große Friedrich II. Militär

Autor

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