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Abtönungspartikeln

Im Speziellen die Partikeln: 'auch' und 'ja'

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 58 Seiten

Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abtönungspartikeln
2.1 Forschung
2.1.1 Grundsätzliche Angaben zu Verwendungsmöglichkeiten
2.1.2 Satzstellung
2.1.3 Grammatikalisierung
2.1.4 Zusammenfassende Darstellung
2.2 Auch
2.3 Ja

3. Analyse
3.1 Auch
3.1.1 Beispiele: Kommerzieller Pflegedienst
3.1.2 Fazit der Analyse
3.2 Ja
3.2.1 Beispiele: Kommerzieller Pflegedienst
3.2.2 Fazit der Analyse

4. Fazit

Anhang
Zusammenfassung der Beispiele von auch
Zusammenfassung der Beispiele von ja

Quellenverzeichnis

Extra: Vollständiges Interview

1. Einleitung

Unter dem Oberbegriff Partikeln werden in den verschiedenen Grammatiken und Arbeiten die unterschiedlichsten Wortarten zusammengefasst. So betrachtet beispielsweise der Duden Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen als Partikeln; wobei unter dem Begriff „Adverbien“ dabei eine sehr uneinheitliche Gruppe von Wortarten zusammengefasst wird, die in anderen Grammatiken als Adverbien, Pronominaladverbien, Modalwörter, Abtönungspartikeln, Gradpartikeln und Intensivpartikeln bezeichnet werden. Helbig/Buscha (1984) beschränken den Begriff ,Partikeln’ auf die Gruppe, die traditionell ,Gradpartikeln’ genannt wird; einen Oberbegriff für eine größere Gruppe von Wörtern gibt es bei ihnen nicht. Für Heringer (1989) sind Partikeln eine (Unter-) Wortartgruppe der unveränderlichen Wortarten. Sein Partikelnbegriff definiert Partikeln somit im engeren Sinne. Dieser umfasst die von Engel (1996) aufgezählten Wortarten: Modalpartikeln (sicherlich, zweifellos), Rangierpartikeln (eigentlich, erstens), Gradpartikeln (sogar), Kopulapartikeln (angst (sein), quitt (sein)), Abtönungspartikeln (doch, eben, wohl). Partikeln bilden keine Satzglieder und sind daher nicht mit Fragewörtern erfragbar. Für die Abgrenzung von den (reinen) Adverbien und den Modalwörtern kann man die Merkmale synsemantisch, nicht satzgliedfähig, nie erststellenfähig, meist unbetont anwenden. Die Abgrenzung von anderen Wortarten wie z.B. den Konjunktionen ist nicht immer ganz eindeutig.

Für die Organisation von Gesprächen haben Partikeln eine außerordentlich hohe Bedeutung, die ganz im Gegensatz zu ihrer ehemals behaupteten Nutzlosigkeit und semantischen Leere bzw. Vagheit steht. Unter gesprächsanalytischem Aspekt lassen sich daher von der Funktion her betrachtet zwei Großgruppen unterscheiden: redeleitende Partikeln und Modal- bzw. Abtönungspartikeln. In dieser Hausarbeit geht es ausschließlich um die Abtönungspartikeln. Hierbei ist zu beachten, dass Abtönungspartikeln auch Modalpartikeln genannt werden, und diese beiden Begriffe in einigen Grammatiken unterschieden werden, in anderen jedoch als eine Wortart bezeichnet werden. In dieser Arbeit wird lediglich der Begriff Abtönungspartikel verwendet, auch wenn in vielen Werken von Modalpartikeln die Rede ist. Insbesondere wird auf die Abtönungspartikeln ja und auch eingegangen. Diese werden innerhalb eines Korpus, genauer einem Interview mit einer 34jährigen Hamburgerin vom 23. April 2001 ausführlich analysiert. Zuvor werden allerdings die Abtönungspartikel im Allgemeinen und die Verwendungsweisen für auch und ja, die sich bisher in der Forschungsliteratur herauskristallisiert haben, aufgezeigt.

2. Abtönungspartikeln

Abtönungspartikeln sind Partikeln wie nur, nicht, doch, halt, eigentlich, ja, schon und auch. Sie haben fast immer Homonyme in anderen Wortarten. Man findet sie häufig in gesprochener Sprache. Sie übernehmen in Gesprächen wichtige, auf den Hörer bezogene Aufgaben. Daher haben Abtönungspartikeln im Unterschied zu den redeleitenden Partikeln weniger gesprächsorganisatorische als (meta-) kommunikative Funktionen.

Die Verwendung von Abtönungspartikeln in der schriftlichen Kommunikation ist eher problematisch. Dies liegt vor allem daran, dass in der mündlichen Kommunikation meistens simultan oder ergänzend, weitere Signale auf nonverbalem, prosodischem und paraverbalem Weg gesendet werden. In schriftlichen Formulierungen müssen sie daher sparsam und gezielt eingesetzt werden, Häufungen von Partikeln sind in der Schriftsprache stilistisch überflüssig.

2.1 Forschung

Die historischen Wörterbücher, die zumindest ein Minimum an Belegen liefern sollten, sind in bezug auf Abtönungspartikeln wenig aufschlussreich und teils auch nicht zuverlässig genug. Der Grund liegt möglicherweise in der ziemlichen ,Neuheit’ der Wortart Abtönungspartikeln in der sprachwissenschaftlichen Literatur. Erst seit den 1970er Jahren wurden Abtönungspartikeln zum Thema linguistischer Forschung. Ihre Einordnung in die klassische Grammatik und auch ihre Benennung brachte Schwierigkeiten, so dass sich auch in den gegenwärtigen Grammatiken uneinheitliche Ergebnisse finden. „Entweder werden sie innerhalb der Kategorie der Partikeln als eine Subklasse der Adverbien betrachtet oder man versteht unter Partikeln einfach alle unflektierbaren Wortarten und setzt Partikeln als Dachbegriff für Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen und Interjektionen“ (Molnär 2002 : 20).

Eine weitere Schwierigkeit für die Forschung stellt die Verwendung der Abtönungspartikeln vor allem im mündlichen Sprachgebrauch dar. Sie wurden lange Zeit stilistisch abgewertet, als überflüssige Gesprächsfüllsel betrachtet und fanden keinen Eingang in die Schriftsprache. Über diese Tatsache hinaus sind sie in der Schriftsprache auch deshalb unterrepräsentiert, weil ihr Gebrauch auf dialogische Texte beschränkt ist.

Die Wissenschaft ist sich auch heute noch immer nicht darüber einig, welche Wörter zu den Modal- bzw. Abtönungspartikeln zu zählen sind, und welchen Aufgabenbereich einzelne Modal- bzw. Abtönungspartikeln haben. Aus diesem Grunde folgt hier ein Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse aus der bisherigen Forschungsliteratur.

2.1.1 Grundsätzliche Angaben zu Verwendungsmöglichkeiten

Sätze ohne Abtönungspartikel sind „neutral, rein intellektuell“ (Krivonosov 1989: 31). Ihr Ziel ist es, eine Tatsache mitzuteilen oder jemanden zu einer Handlung zu veranlassen. Wenn jedoch in diese Sätze modale Partikeln eingefügt werden, ändert sich ihre Bedeutungen. „Die Sätze sind dann nicht mehr bloße Mitteilungen der betreffenden Tatsache oder Aufforderung zu einer Handlung.“ (Krivonosov 1989: 32)

Zu den Abtönungspartikeln zählen die Grammatiken denn, ja, schon, vielleicht, aber, bloß, eben, eigentlich, etwa, halt, mal, nur, wohl, doch, auch, so/ also. Mit diesen Wörtern wird eine Annahme, oder Erwartung ausgedrückt, sie werden auch als „Einstellungsausdrücke“ oder „Einstellungspartikeln“ (Zifonun 1997: 903) charakterisiert. Sie sollen Haltungen eines Sprechers zum Gesagten anzeigen und Zustimmung beim Kommunikationspartner erreichen. Die eigenen Aussagen können durch die Verwendung einer Partikel eine „bestimmte (subjektive) Tönung“ (Duden 1998: 379) erhalten, weshalb sie auch als Abtönungspartikel bezeichnet werden. Für Zifonun (1997) hat Abtönung dabei nicht den Charakter eines vom Sprecher bewusst eingesetzten Vorhabens, vielmehr wirkt sie auf derselben Ebene, wie Mimik und Gestik, die die sprachliche Handlung begleiten. Durch die Abtönung wird die Art der Handlung nicht geändert. „Eine Feststellung bleibt eine Feststellung, auch wenn sie den Charakter der Anteilnahme hat.“ (Zifonun 1997: 905). Häufig wird in Äußerungen mit MP lediglich auf „gemeinsames Wissen Bezug genommen oder signalisiert, dass etwas bekannt sein sollte bzw. ist“ (ja, doch, auch) (Duden 1998: 379).

Abtönungspartikeln binden sich häufig an bestimmte Satzarten oder Äußerungen. So werden in Aussagen meistens doch, eben, halt und ja, in Fragen jedoch eher denn, eigentlich und wohl verwendet. In einigen Satzmodi können sie nicht auftreten, „Abtönung ist mit allen Modi kompatibel, doch ist nicht jedes Mittel der Abtönung mit jedem Modus vereinbar.“ (Zifonun 1997: 907)

Engel (2004) geht davon aus, dass Abtönungspartikeln unveränderliche Wörter sind, „die nicht allein im Vorfeld von Konstativsätzen stehen können.“ (Engel 2004: 442) Die meisten Autoren und Grammatiken stimmen dem zu, Abtönungspartikeln sind reine Mittelfeldeinheiten, mit relativ freien Positionen. Meist sind sie unbetont und weisen eine ausgeprägte Kombinierbarkeit auf. Es kommt zu Zweier- und Dreierkombinationen, selten aber zu Viererkombinationen (Reich mir doch mal das Salz!, Was hast du denn auch schon geleistet? (Duden 1998: 380)).

Abtönungspartikel dienen auf logisch-grammatischer Ebene „als eine Grenze des „Gegebenen“ (Thema) und des „Neuen“ (Rhema), und sie beteiligen sich dementsprechend an der kommunikativen Gliederung des Satzes“. (Krivonosov 1989: 33). Nach Hentschel und Weydt (2003) steht die Modalpartikel vor dem Rhema. „Wenn allerdings dass finite Verb das Rhema des Satzes bildet, kann die Partikel diese Position vor dem Verb nicht einnehmen und steht meistens am Ende des Satzes“ (Hentschel/ Weydt 2003: 318).

2.1.2 Satzstellung

Laut Hentschel (1983: 46) können Modalpartikeln in vorfeldfähige und nicht-vorfeldfähige Partikeln unterteilt werden, wobei der größere Teil in die zweite Kategorie fällt. Abgesehen von dieser Beschränkung zeigt die Stellung der Partikeln im Satz aber eine hohe Flexibilität auf. Bis auf wenige Ausnahmen können Abtönungspartikeln an allen Stellen des Satzes auftreten, ohne dass sich ein merkbarer Wechsel der Satzbedeutung oder des Mitteilungswertes einzelner Satzglieder ergeben würde. Diese Beweglichkeit wird nur durch die übergeordneten Regeln der deutschen Hauptsatzstellung eingeschränkt. Dementsprechend können Abtönungspartikeln nicht an der zweiten und letzten Stelle des Satzes vorkommen, diese Stellen sind den Verbkonstituenten vorbehalten. Aber neben diesen Einschränkungen gibt es laut Hentschel (1983: 47) noch weitere Einschränkungen. Eine Partikel kann nicht nach einem Objekt oder Subjekt mit unbestimmtem Artikel stehen, bei bestimmten Artikeln, Possessivpronomina und Genitivattributen muss sie hingegen nachgestellt sein. Die Ursache dafür liegt „in der Relation von Thema und Rhema im Satz - Abtönungspartikeln müssen vor dem Rhema stehen“ (Hentschel 1983: 48). Unter dem Rhema verstehen die Autoren jedoch unterschiedliche Satzteile. So sehen einige das Rhema als das, was im Satz vor der flektierten Verbform steht, andere hingegen sehen Rhema als das an, was im Satz auf das Thema folgt. Wobei es auch abweichende Definitionen über das Thema gibt. Hentschel (1983) beispielsweise, versteht unter Rhema den Satzteil mit dem höchsten Mitteilungswert.

2.1.3 Grammatikalisierung

Die Partikelforschung schreibt den Abtönungspartikeln mangelnde lexikalische Bedeutung zu, was bedeutet, dass sie keine Neuinformationen bringen und somit aus dem Satz weglassbar sind. Wenn sie keine wörtliche Bedeutung, aber Pendants mit wörtlicher Bedeutung in andern Wortarten haben, liegt es nahe anzunehmen, dass sie aus diesen Wörtern abgeleitet werden können. Hierin sahen viele Germanisten die Grundlage, dass Abtönungspartikeln als Folge eines Grammatikalisierungsprozesses zu betrachten seien. In der germanistischen Linguistik wurden die Forschungsfelder Abtönungspartikeln und Grammatikalisierung erst in den 1990er Jahren in Verbindung gebracht. Unter Grammatikalisierung versteht man vereinfacht eine

Entwicklung, in der lexikalische zu grammatischen Zeichen werden. Zum Grammatikalisierungsprozess der Abtönungspartikeln gibt es unterschiedliche Forschungsansätze, wobei einige die Herausbildung der gebundenen grammatischen Morpheme aus den autonomen lexikalischen Morphemen, also aus eigenständigen Wörtern beschreiben. Womit dann streng sprachimmanente Sprachprozesse beschrieben werden (vgl Molnär 2002: 12).

Ein anderer Forschungsansatz sieht den semantischen Wandel der Grammatikalisierung pragmatisch motiviert. Der zentrale Begriff dieser Theorie ist die Interferenz, „die einen Folgerungsmechanismus und dessen Ergebnis, d.h. einen logischen Schluß behauptet, mit dessen Hilfe der Hörer die Äußerung des Sprechers für sich interpretiert und dabei auch das vom Sprecher nicht Formulierte aber Mitgemeinte erschließt“ (Molnär 2002: 13). In einer Aussage sind somit semantische und pragmatische Bedeutungen synchron vorhanden. Dieser Forschungsansatz kann auch als Epistemifizierung bezeichnet werden, da es um die Herausbildung von sprachlichen Mitteln geht, mit deren Hilfe Sprechereinstellungen zum Ausdruck gebracht werden.

Der semantische Wandel ist im Grammatikalisierungsprozess das Ausschlaggebende, denn die Homonyme der Abtönungspartikeln unterliegen der für diese Prozesse typischen semantischen Ausbleichung. Daher werden Abtönungspartikeln von den meisten Forschern auch als Synsemantika oder Funktionswörter bezeichnet. Diese Homonyme weisen „ein Bündel semantischer Merkmale auf“ (Molnär 2002: 18), von denen sie im Laufe der Grammatikalisierung viele verlieren. Durch diesen Verlust von Merkmalen, die semantische Ausbleichung, lassen sich die Abtönungspartikeln von ihren Homonymen unterscheiden. Problematisch ist hier jedoch, dass - wie Heine/ Reh (1984: 67) feststellen - dieser Prozess normalerweise auch mit einem Verlust an pragmatischen Ausdrucksmöglichkeiten verbunden ist, die ja gerade bei den Abtönungspartikeln stark ausgeprägt sind.

Ein weiteres Merkmal für den Prozess der Grammatikalisierung zeigt die Stellungsfreiheit der Abtönungspartikeln. Diese wird in der Grammatikalisierung zugunsten einer festen Stelle aufgegeben. Abtönungspartikeln können nur im Mittelfeld stehen, diese Beschränkung gilt heute als das sicherste Kriterium für die Abgrenzung von ihren Homonymen.

Für Autenrieth (2005: 310) scheint es jedoch fraglich, ob der Begriff der Homonymie überhaupt angebracht ist, „da er keine etymologische Verwandtschaft und prinzipiell auch keine Bedeutungsrelation zwischen den Varianten des betroffenen Lexems voraussetzt“ (Autenrieth 2005: 310).

Bei einigen Abtönungspartikeln ist aber aus rein synchroner Sicht eine verhältnismäßig enge Bedeutungsrelationen zu ihren Pendants erkennbar. Im Falle von aber geht z.B. Diewald (1997: 78) davon aus, dass die Bedeutung der Abtönungspartikel aus der gegensätzlichen Bedeutung der Konjunktion rekonstruierbar ist. Abraham (1991) geht davon aus, dass die Bedeutung der Abtönungspartikel generell aus der Bedeutung der jeweiligen anderen Variante, also nicht als Abtönungspartikel, im aktuellen Kontext abgeleitet werden kann und die Abtönungspartikel an sich daher gar keine eigene Bedeutung hat. Die Bedeutung von nur in (Wenn es nur aufhören würde zu regnen! (Abraham 1991: 223)) ergibt sich folglich durch die Übertragung der Gradpartikelbedeutung auf die Wunschäußerung, was Abraham (1991: 223) durch die Paraphrase ,It does not take more than the ceasing of the rain to make me happy’ wiedergibt (Zitiert nach Autenrieth 2005: 310 f.).

„Da die als Spenderlexeme für Grammatikalisierungsprozesse in Frage kommenden propositional gebrauchten Gegenstücke von Abtönungspartikeln überwiegend Konjunktionen, Gradpartikeln und Adjektive bzw. Adverbien sind, bleibt die Fixiertheit der Wortstellung im Verhältnis von Abtönungspartikel und potenziellem Spenderlexem relativ gleich“ (Autenrieth 2005: 312). Eine Gradpartikel kann zwar mit ihrem Bezugselement im Vor- und Nachfeld auftreten, jedoch ist sie bis auf wenige Ausnahmen festgelegt, vor ihrem Bezugselement zu stehen, bei Abtönungspartikeln ist jedoch solch eine Tendenz zum gebundenen Morphem nicht erkennbar. Abtönungspartikeln haben Skopus über die gesamte Proposition, während beispielsweise eine Gradpartikel meist nur Skopus über ein Wort hat.

Die Obligatorizität ist bei Abtönungspartikeln im Vergleich zu ihren Pendants nicht so stark ausgeprägt. Es gibt zwar viele Texte, in denen die Konjunktion aber notwendig verwendet werden muss, die Abtönungspartikel aber ist jedoch immer beliebig. Autenrieth (2005) spricht auch von phonologischer Abnutzung, „denn Abtönungspartikeln sind typischerweise einsilbig, so dass die Vermutung nahe liegt, dass dies das Ergebnis eines Abnutzungsprozesses ist“ (Autenrieth 2005: 314).

Trotzdem liegt es nahe, dass bei Abtönungspartikeln von Grammatikalisierungsprozessen auszugehen ist. Ausschlaggebend ist dabei der semantische Status der Abtönungspartikeln. „Vergleicht man ihre Bedeutung mit der ihre Heteroseme, so legt dies nahe, dass, wenn sie in einer Heterosemierelation zueinander stehen, im Verlauf der historischen Entwicklung ein semantischer Abnutzungsprozess stattgefunden hat“ (Autenrieth 2005: 315).

2.1.4 Zusammenfassende Darstellung

Abtönungspartikeln färben die Aussagen eines Sprechers in einem bestimmten Ton ein; zeigen dem Gesprächspartner, dass man auf ihn als Person und seine Ausführungen und Argumente eingeht; machen Einschätzungen kenntlich; signalisieren Erwartungshaltungen gegenüber einem Gesprächspartner und Gefühle und Haltungen, wie z. B. Unruhe, Ungeduld oder Unverständnis.

Die Bedeutung einer Abtönungspartikel ist meist nur im Kontext zu erfassen, dennoch kann man von den Bedeutungen der Homonyme der jeweiligen Partikel auch auf ihre Bedeutung im jeweiligen Satz schließen. Da Modalität oft fälschlicherweise als etwas Subjektives im Kontrast zu der objektiven Grammatik einer Sprache gesehen wird, hat man oft den Eindruck, die Abtönungspartikeln könnten wegfallen, ohne die Bedeutung zu ändern. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn die Wendung, die sie der Satzbedeutung geben, ist auch Teil der Satzbedeutung.

2.2 Auch

Die Partikel auch ist unter den Abtönungspartikeln eine der meist verwendeten. Sie ist, wie die meisten Abtönungspartikeln fest an das Mittelfeld gebunden und stets unbetont. Aussagen mit auch werden immer in einen größeren Kontext eingebettet. In einigen Sätzen ist schwer erkennbar, ob es sich um die Abtönungspartikel handelt oder eher um die Gradpartikel, die auf eine Reihe gleichartiger Elemente verweist, da auch in „beiden Verwendungen konnektierende Funktion hat“ (Zifonun 1997: 1226).

Engel (2004: 129) unterscheidet für die Abtönungspartikel auch drei Varianten. Die erste kommt überwiegend in Konstativsätzen und nichtrestriktiven Relativsätzen vor und dient zur Kennzeichnung einer Äußerung als ,Plausibilisierung’. Daher tritt auch in dieser ersten Variante oft in der zustimmungsheischenden Kombination ja auch auf (Sie hat ja auch fleißig gearbeitet.). Diese Äußerungen bekommen daher erklärenden oder rechtfertigenden Charakter, besonders wenn sich der Sprecher auf eine eigene Aussage bezieht (vgl. Thurmair 1989: 156). Der Sprecher „nimmt an, dass der propositionale Gehalt gültig ist, und er nimmt an, dass der Hörer nicht von dessen Gültigkeit überzeugt ist; der Sprecher drückt seine Intention aus, dass der Hörer auch davon überzeugt sein und dies im Zusammenhang der Argumentation annehmen sollte“ (Sandig 1979: 90). Wenn es sich dabei jedoch um einen nach Ansicht des Sprechers auch dem Hörer bekannten Sachverhalt handelt, wird auch meist mit ja verbunden. Aufgrund der Geltungsbestätigung der vorangegangenen Aussage können auch-Äußerungen nicht mit einer widerspruchsanzeigenden Partikel wie nein eingeleitet werden. Bei dieser Variante ergibt sich nach Franck (1980) eine weitere Möglichkeit, die, der meist monologischen Abtönungspartikel auch. Wobei sich dieses auch von der ersten Variante von Engel nicht unterscheidet, es kommt lediglich hinzu, dass die auch-Aussage „nur eine zusätzliche, keine von vornherein ausschlaggebende Motivation sein muss“ (Franck 1980: 214-216). Wir sollten Katja vielleicht mal wieder einladen. Sie hat uns auch so treu geschrieben und auf den Laufenden gehalten, als wir weg waren. Und sie ist jetzt auch meistens allein. (Franck 1980: 215 Beispiel(11)).

In der zweiten Variante von Engel (2004) wird mit auch ein Sachverhalt als ,normal’ gekennzeichnet, „als den Normvorstellungen entsprechend“ (Engel 2004: 129) und unterstellt außerdem, dass der Hörer das ebenso sieht. Daher findet sich dieses auch vorwiegend in Fragen und Aufforderungen (Sie müssen auch richtig zu hören.). Hierbei drückt der Sprecher aus, dass der Hörer der Aufforderung folgen soll, dabei wird jedoch häufig der Inhalt zugleich eingeschränkt (vgl. Helbig 1999: 22).

Auch in der dritten Variante nach Engel (2004) drückt „bei gemeinsamen Vorwissen von Sprecher und Hörer, Ärger oder Vorwurf aus, negative Bewertung eines Sachverhalts (die auch von Hörer erwartet wird)“ (Engel 2004: 129). Diese Variante tritt nur in rhetorischen Fragen mit w-Element auf (Warum musste sie das auch tun!). Wobei aus rhetorischen Fragen auch leicht elliptische Fragen werden können, die nur mit w-Wort und auch stehen (vgl. Helbig 1999: 22). Die einem auch-Fragesatz vorausgehende Aussage bezeichnet meist einen unerfreulichen Sachverhalt. Dies kommt daher, dass die Fragen als rhetorische Fragen implizite Behauptungen sind, und als erklärende Reaktion auf einen erfreulichen Sachverhalt ist eine derartige Behauptung nicht angebracht. Franck (1979: 218f.) stellt hierbei fest, dass “Beispiele mit auch in Wie-Fragen [...] meist in Kombination mit Wieder-Erinnerungsfragen“ stehen. Hierbei wird impliziert, dass der Sprecher die Antwort seiner eigenen Frage schon einmal gewusst hat, sich scheinbar aber nicht mehr erinnert. Auch dient hier dazu, „eventuelle Gegenreaktionen wie ,Das weißt du doch selbst’“ (Franck 1979: 218f.) zu vermeiden.

In Helbig (1999: 22) steht unter auch5: „steht unbetont in Ausrufesätzen, die die Form von Ergänzungsfragen (mit Zweitstellung des finiten Verbs), aber weder deren Frageintention noch -intonation haben, sondern eine (negative) Stellungnahme des Sprechers ausdrücken“ (Warum hat er das auch getan!). Dieses einzeln gestellte auch könnte man zu der dritten Variante von Engel (2004: 129) dazuzählen. In diesem Fall bezieht sich das auch zwar auf rhetorische Fragen, jedoch sind sich die Fragen bei Engel und die Ausrufe bei Helbig sehr ähnlich. Insofern kann man diese verschieden gesetzten auch unter einer Variante zusammenfassen.

In Entscheidungs- und Ergänzungsfragen drückt auch laut Zifonun (1997: 1226) aus, dass „der erfragte Sachverhalt dem Fragenden wichtig und erwünscht ist“. Darüber hinaus bezieht sich auch hier nicht auf die vorangegangene Aussage, sondern auf den in der Frage geäußerten Sachverhalt. Erzählst du auch bestimmt nichts? Sonst darf ich wieder nicht raus! (Thurmair 1989: 157 Beispiel (13)). Entscheidungsfragen mit auch zeigen demnach eine bestimmte Antworterwartung an. Wodurch eine Entscheidungsfrage auch zu einer Vergewisserungsfrage werden kann (Haben sie auch nichts vergessen? (Hentschel/ Weydt 1983: 6)). „Der Sprecher vermutet, dass der in der Frage bezeichnete Sachverhalt zutrifft; Er will sich darüber Gewissheit verschaffen“ (Hentschel/Weydt 1983: 6). Weiterhin wird mit einer auch-Frage eine Verbindung zu einer anderen Handlung hergestellt, egal ob sprachlich oder nicht-sprachlich. Der Sprecher versichert sich eines Sachverhalts, der eine Voraussetzung für eine geplante Handlung darstellt. Je nach Einstellung können die Fragen daher auch eine andere Haltung annehmen. Der Sachverhalt der Fragen ist meist erwartbar und insofern Voraussetzung für die geplante Handlung; er kann aber auch aus individuellen Ansichten des Sprechers hervorgehen, die dann nicht immer auch dem Hörer bekannt sind. Ist mein Badewasser auch ganz kalt? (Thurmair 1989: 158 Beispiel (17)).

Darüber hinaus knüpft ein Sprecher, nach Lütten (1977), durch auch an etwas bereits Gesagtes an und stellt dadurch seine gegenwärtige Aussage mit der vorherigen unter einen Blickwinkel. „Auch nach einer längeren zeitlichen Unterbrechung kann ein Sprecher durch [...] auch eine Beziehung zwischen zwei oder mehreren Äußerungen herstellen“ (Lütten 1977: 340).

In der folgenden Funktion liegt die Annahme nahe, dass es sich um die gleiche Funktion der Abtönungspartikel auch handeln könnte, die eben dargestellt wurde. Jedoch ist in der Darstellung von Lütten die Annahme der Bekanntheit für den Sprecher und folgende Begründung nicht gegeben, so dass diese beiden Funktionen als unterschiedlich anzusehen sind.

Thurmair (1989) stellt fest, dass die Abtönungspartikel auch in Aussagesätzen „immer eine Verbindung zur vorhergehenden Äußerung her(stellt)“ (Thurmair 1989: 155). Der Sprecher zeigt damit an, dass der Sachverhalt der vorhergehenden Aussage für ihn erwartbar war. Wobei der Satz mit der Abtönungspartikel auch die Begründung für die Erwartung des Sachverhalts des Sprechers liefert (Elke: Stell dir vor der Peter hat eine Eins im Staatsexamen. Gisi: Der hat auch ziemlich viel dafür geschuftet. (Thurmair 1989: 155 Beispiel (1)). Nach Rost-Roth (1998) kommt die Abtönungspartikel auch „hauptsächlich bei der Formulierung von Argumenten, und [...] vor allem dann, wenn Fakten als Argument angeführt werden, zur Anwendung“ (Rost-Roth 1998: 305). Das Merkmal der Erwartung, dass Thurmair der Aussage mit auch zuspricht, bezieht sich „nur auf den Wissensstand des Sprechers“ (Rost-Roth 1998: 306) und der Begründungsaspekt bezieht sich auf eine Widerspruchsrelation, „auch signalisiert eine implizite Bestätigung der Vorgängeräußerung, wobei jedoch zugleich angekündigt wird, dass bestimmte Folgerungen aus dieser Äußerung bestritten werden“ (Rost-Roth 1998: 306). Die Abtönungspartikel kommt dementsprechend zum Einsatz, um etwas für den Kommunikationspartner Unerwartetes aufzuzeigen. Franck (1979) führt hierzu an, dass durch das auch nicht die Realität der vorangegangenen Aussage angezweifelt wird, „sondern indem die gegen-argumentative Kraft, die angreifende, kritisierende Qualität des Vorgängers entkräftet wird“ (Franck 1979: 213f.). Damit nimmt der zweite Sprecher dem Ersten den Beleg für eine negative Eigenschaft. In dieser Funktion von auch ist die Unterscheidung von Abtönungspartikel und Gradpartikel besonders schwer zu fassen, da in einigen Fällen lediglich der Kontext und die Intonation Aufschluss über die genaue Funktion geben können.

Auch tritt oftmals in Aussagen auf, die die Relevanz der vorangegangenen Aussage abschwächen sollen, wobei in dieser eine, meist eigene, Schwäche dargestellt wird: Ich weiß ja gar nicht, wat da drauf is, hab ich schon wieder längst vergessen, na ja, is ja auch egal (Thurmair 1989: 157 Beispiel (11)).

Weiterhin kann auch in selbstständigen, mit dass eingeleiteten Nebensätzen, die keinen Hauptsatz haben, stehen. Hierbei bestätigt es den Sachverhalt, versieht ihn aber synchron mit einer zusätzlichen Bewertung, „die der Bedeutung des weggelassenen Hauptsatzes entspricht“. Dass er auch gerade heute kommt! (Helbig 1999: 22-23).

2.3 Ja

„Die Funktion von ja ist in gesprochener Sprache fast ausschließlich auf den Bereich des Rekurses auf die gemeinsame Basis beschränkt, [...]. Jedoch tritt ja auch, wenn auch sehr selten, als Affirmationsmorphem auf“ (Lütten 1977: 359f.). Lütten hat in ihrem Corpus, von insgesamt 100 000 Wörtern in 5 Textsorten (Erzählung, Reportage, Interview, Unterhaltung und Diskussion) bei der Untersuchung der ,Affirmations- und Modalpartikel’ ein ungewöhnlich hohes Vorkommen von ja festgestellt, welches sie darauf zurückführt, dass „ja einerseits sehr häufig einer Äußerung vorausgeht, andererseits eine gleichzeitig mit der Äußerung eines Gesprächspartners erfolgende Zustimmung bewirkt oder überhaupt erst den Kontakt aufrechterhält“ (Lütten 1997: 191). Auch Hentschel (1986: 149-164) sieht in ja die „vermutlich häufigste deutsche Abtönungspartikel“. Ja ist wie auch unbetont und reines Mittelfeldelement. Wobei es im Bezug auf die Betonung unterschiedliche Meinungen über die Abtönungspartikel ja gibt, was im weiteren Text noch erläutert wird.

Engel (2004: 131) unterscheidet für ja wiederum drei Varianten. Wobei die erste Variante in Mitteilungen einen Sachverhalt als allgemein bekannt und akzeptiert kennzeichnet (Du weißt ja wie sie ist!). In der Regel setzt der Sprecher in Aussagehandlungen voraus, dass dem Hörer das Mitgeteilte nicht bekannt ist. Das ja in Aussagesätzen setzt genau diese Annahme außer Kraft. „Ja indiziert auf der Weise die umgekehrte Annahme, dass die Proposition wahrscheinlich oder sicher dem Hörer schon bekannt ist“ (Foolen 1989: 313). Hinzu kommt, dass dieses ja auch im nicht-bewerteten dass-Satz und im durch da, weil oder zumal eingeleiteten Kausalsatz als eine subjektive Rechtfertigung vorkommen kann. „Vorkommensbedingungen für ja ist dabei meist, dass diese Sätze eine Konstatation enthalten, dass in ihnen also kein Mangel an Gewissheit bezüglich eines erwünschten Eintretens/Nichteintretens des in ihnen bezeichneten Ereignisses besteht.“ (Borst 1985:13). Somit fungiert ja laut Borst als begründendes oder beweisendes Relationsglied, das meist sprachlich realisiert ist (Du weißt ja, dass bei Hans die Liebe durch den Magen geht.). Jedoch kann ja auch in Argumentationen genutzt werden, wenn „es sich um weniger faktische Aussagen handelt“ (Rost-Roth 1998: 304) und somit auch die Übereinstimmung des Gesprächspartners nicht vorausgesetzt werden kann. „Dies ist z.B. dann der Fall, wenn persönliche Einschätzungen als Begründung angeführt werden“: Werden ja sicherlich nicht viele machen (Rost-Roth 1998: 304). Auch wenn es sich hierbei eindeutig um eine subjektive Meinung handelt, so wird mit ja eine Übereinstimmung des Wissens mit dem Hörer suggeriert. Ja ist aber auch in Situationen verwendbar, in denen sich der benannte Sachverhalt gerade erst vor der ja-Aussage ergeben hat. „Ja zeigt dann [...] an, dass eine Entscheidung im positiven Sinne sich gerade erst ergeben hat“ (Zifonun 1997: 1220). Sie tun ja gerade so, also ob Europa ohne uns zurechtkäme (Zifonun 1997: 1220 Beispiel (1) aus (taz, 6.5.1994, 3)).

In Konstativsätzen drückt die von Engel (2004: 131) entwickelte Variante Zwei, Überraschung und Erstaunen über etwas schon Bekanntes aus (Es schneit ja!). Nach Borst (1985: 13) wird dieses auch meist durch eine sprachlich nicht realisierte Sprecheremotion gebildet ((Erstaunen, denn) Es schneit ja.). Weiterhin schreibt Borst (1985) der Abtönungspartikel ja in diesem Falle eine satzmerkmalspezifische Affirmation zu. Ja bildet hier nach Borst einen „Spezialfall des Satzäquivalents Ja. Und zwar bildet ja den Rest eines im Rahmen eines Sprechermonologs entstehenden, sprachlich nicht realisierten Frage­Antwort-Paares“ (Borst 1985: 32). Dieser Rest kann dann als Abtönungspartikel integriert werden (Sprecher: Trifft es zu, ...? Ja es trifft zu, dass Peter begabt ist. ^ Peter ist ja begabt. (Borst 1985: 32, Beispiel 3/43)).

Die beiden bisher genannten Verwendungsmöglichkeiten unterscheiden sich auf der Ausdrucksebene lediglich durch die Intonation.

Nur unter Vertrauten oder bei einem Autoritätsgefälle ist Variante drei von Engel (2004: 131) verwendbar. Sie verstärkt Drohungen, Warnungen und Bitten oder Ratschläge. Hierbei wird ja stets betont und gedehnt gesprochen. Nach Hentschel/ Weydt (1983: 13f.) sind in diesem Fall elliptische Formen möglich, können jedoch nur in der Verneinung verwendet werden. (Kann ich reinkommen? Ja nicht!). Die Betonung von ja hat zwei mögliche theoretische Beschreibungen: Einerseits kann man der Betonung eine eigenständige verstärkende Funktion zuschreiben oder andererseits sagen, dass ja und Betonung hier miteinander verschmelzen, als eine kontextuell konventionalisierte Variante des unbetonten ja. Das betonte ja kommt auch in Aufforderungen vor, die mit anderen Satztypen realisiert werden (Ich hoffe, dass wir ja nichts vergessen haben). Die Äußerung kann in beiden Fällen als eine starke Aufforderung an den Hörer oder auch an den Sprecher selbst aufgefasst werden (vgl. Foolen 1989: 314). Weiterhin tritt laut Helbig (1999: 71) ja in Entscheidungsfragen in Verbindung mit auch auf und ermöglicht dem Sprecher stärker hervorzuheben, wie wichtig ihm der erfragte Sachverhalt ist. Der Sprecher erwartet hier eine positive Antwort. (Warst du auch ja höflich zu ihm?). In diesem Fall tritt ja wiederum betont auf.

Innerhalb beliebiger Satztypen kann ja auch zur Verbindung inhaltlicher Steigerungen verwendet werden (Mut, ja Verwegenheit). Hierbei wird ja, zur Kennzeichnung des Höhepunktes oft mit sogar verbunden (ja sogar die Katze fiel in tiefen Schlaf). „In dieser Verwendung ist die alleinstehende Partikel ja archaisch; die Kombination mit sogar ist hingegen noch gebräuchlich“ (Hentschel/ Weydt 1983: 13f.).

Weber (1983: 304-306) stellt fest, dass ja hingegen anderer Meinungen im Vorfeld stehen kann (aa: Ja du musst also ein bisschen Ton nehm, mußts zu ner Kugel form. ab: Ja wie mit Wasser?). Hier ist auffällig, dass ja vom Satzverband nicht losgelöst, jedoch auch nicht integriert ist. Und es „hat weder affirmative noch verstärkende oder abschwächende Funktion“ (Weber 1983: 305). Weber bezieht sich auf die Arbeit von Lütten (1977), die diesem ja „konsensus-konstituierende“ (Lütten 1977: 274) Funktion zuschreibt, welche mit der einer dialog-konstituierenden Funktion einhergeht. „Damit erfüllt dieses ja gleichzeitig zwei Aufgaben: Es konstituiert durch seine Partnergerichtetheit die Verständigungsebene und dient zugleich der Organisation des Dialogverlaufs“ (Weber 1983: 305).

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Details

Seiten
58
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640577583
ISBN (Buch)
9783640577989
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146815
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Germanistisches Seminar
Note
2,7
Schlagworte
ja auch Partikel Grammatikalisierung Satzstellung

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Titel: Abtönungspartikeln