Lade Inhalt...

Der höfische Ritter. Mittelalterliche Helden am Beispiel des Eneasroman

Hausarbeit 2005 19 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Entwicklung des Ritterbegriffs

3 Das Erscheinungsbild des Ritters

4 Das Leben in höfischer Kultur
4.1 Die Schwertleite
4.2 Das Turnier
4.3 Rache

5 Die ritterlichen Tugenden

6 Die Helden in Heinrich von Veldekes Eneasroman
6.1 Eneas
6.2 Turnus
6.3 Weitere Helden

7 Resümee

Anhang A – Abbildungsverzeichnis

Anhang B - Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Anfänge der höfischen Literatur entstehen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das Interesse des deutschen Hofpublikums richtet sich vorwiegend auf die Literatur, die die höfischen Tugenden darstellt. Darunter fallen Liebeslyrik und der höfische Roman, aber auch Heldenepik. Antike Stoffe werden bearbeitet und in altfranzösischer Sprache vorgelegt.[1] Zu letzteren zählen unter anderem der „Roman de Thebes“, der „Roman de Troie“ und der „Roman d’Eneas“.[2] Dieser wurde zur Vorlage des Eneasroman von Heinrich von Veldeke. Er ersetzt in seiner mittelhochdeutschen Dichtung die antike Welt des vergilischen Epos durch eine mittelalterliche. Veldekes Version ist dabei nicht nur um 3000 Verse länger, sondern konzentriert sich außerdem auf „höfisch repräsentative Beschreibungen und die Ausgestaltung der höfischen Etikette“.[3] Statt der antiken Helden lässt er höfische Ritter auftreten. Infolgedessen wirft sich die Frage auf, was einen mittelalterlichen Ritter eigentlich ausmacht und wie er gelebt hat.

Ziel der folgenden Arbeit ist es, diese Helden des Mittelalters, besonders die des Eneasroman, genauer zu betrachten. Hierzu soll zunächst die Entwicklung des Ritterbegriffs erläutert werden. Im weiteren Verlauf soll das Erscheinungsbild des Ritters im Mittelpunkt stehen. Um sich das Leben eines Ritters vorstellen zu können, werden daraufhin einige Punkte, die jenes mit sich führt, beispielhaft näher erläutert. Wichtigster Bestandteil dieser Arbeit sollen die ritterlichen Tugenden und höfische Werte darstellen. Inwieweit Veldekes Helden diese Eigenschaften aufweisen, wird am Ende überprüft.

2 Entwicklung des Ritterbegriffs

Der Begriff Ritter ruft heutzutage bei wahrscheinlich den meisten das Bild eines adligen Herren hervor, der in einer Rüstung kämpft und nach einem bestimmten Ehrenkodex lebt. Diese Vorstellung trifft allerdings nur auf die Zeit, in der die Ritterkultur ihre Hochblüte erlebte, nämlich die letzten Jahrzehnte des 12. Jahrhunderts zu. Denn ursprünglich bezeichnet der Begriff Ritter einen sozial sehr niedrig gestellten Stand.[4]

Der Ritter wird in den lateinischen Quellen miles genannt. Im klassischen Latein wird damit der Fußsoldat bezeichnet, ein Reitersoldat dagegen wird eques genannt. Das Wort miles trägt aber nicht nur den Gedanken des Kampfes, sondern auch den des Dienstes; militare bedeutet Kriegsdienst tun oder allgemein dienen.[5]

Im Frühmittelalter steht der Begriff miles sowohl für Dienstmann, als auch für Krieger. Ab dem 10./11. Jahrhundert bezieht diese Bezeichnung jedoch auch adlige Vasallen mit ein. Hinzu kommt, dass ausschließlich schwer gewappnete Reitersoldaten im Gegensatz zum Fußsoldaten pedes gemeint sind. Somit hat sich die anfängliche Bedeutung zu einer gegensätzlichen gewandelt, der Aspekt des Dienstes ist aber nach wie vor enthalten.[6]

Das Wort Ritter ist in den Formen ritter und rîter seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts bezeugt. Althochdeutsche Belege fehlen, daher müsste es sich um eine Nachbildung des lateinischen miles handeln. Es bezeichnet einen Krieger zu Pferd, der in einem Dienstverhältnis steht.[7]

Eine entscheidende Bedeutungserweiterung erfahren ritter und rîter im 12. Jahrhundert. Das Adjektiv ritterlich hat keine rein militärische Bedeutung mehr, es steht auch für stattlich, schön, prächtig. Daher findet es auch Anwendung auf die Damen am Hof, welche ritterliche Gewänder trugen.[8] So wendet es Veldeke im Eneasroman beispielsweise in der Beschreibung der Kleidung Camillas an:

„ir gewant al daz si trûch

daz stunt ir ritterlîche,

wande sie was rîch

und mohtez wol gewinnen“.[9]

Ebenso wird das Pferd des Eneas durch dieses Adjektiv beschrieben:

„Ênêas der Troiân

Der saz ûf ein kastelân,

daz in ritterlîche trûch“[10]

Das Nomen ritter/ rîter wird mit dem Erec von Hartmann von Aue zu einem Adelsprädikat.[11] Die Standesunterschiede zwischen nobiles und ministeriales verschwimmen zur Blütezeit des höfischen Romans. Sie alle sind nun milites/ ritter. Der Dienstgedanke des Wortes wird weitergeführt: Zum einen tritt der Ritter in den Dienst einer Dame und wirbt um deren Minnelohn, zum anderen dient er Gott als miles Christi.[12]

3 Das Erscheinungsbild des Ritters

In der höfischen Zeit lassen sich einige Veränderungen an der Rüstung des Ritters feststellen. Eine davon ist, dass die Helme mit einem Gesichtsschutz ausgestattet waren. Derartige Helme blieben dem Fußvolk verwehrt. Bezeichnungen wie helm, schilt oder swert blieben erhalten. Es gab jedoch Neuerungen, die nach französischem Vorbild getätigt und daher größtenteils mit französischen Fremd- und Lehnwörtern bezeichnet wurden. Die neuartige Eisenplatte am Helm wurde beispielsweise barbiere genannt; der Helmschmuck hieß zimiere und kroier.[13]

Die Entwicklung dieser Helmart zog eine weitere Neuerung nach sich. Da das Gesicht des Ritters durch den Gesichtsschutz verdeckt war, musste er sich durch ein Wappen identifizieren. Zwar waren Schilde schon früher bemalt worden, jedoch nahmen sie in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts heraldische Bedeutung an.[14] Auch Veldeke erzählt vom Wappen des Eneas:

„der lêwe was betalle rôt,

der gemâlet was der ane.“[15]

Auch das Wappen des Turnus wird beschrieben:

„ein zeichen fûrder an der hant,

daz was gele unde rôt.“[16]

Seit 1170 ist in Deutschland auch eine veränderte Form der Schilde belegt. Die Schilde der Fußsoldaten wie auch der Reiter waren dreieckig, kleiner und flacher.[17] Ebenso veränderten sich die Waffen. Beispielsweise wurden früher kürzere, leichte Wurfspeere gebraucht. In der höfischen Zeit war eine Stoßlanze üblich.[18]

Darüberhinaus gab es auch Ausrüstungsstücke, die eher der Repräsentation dienten. Die sogenannten kovertiure waren bunt bemalte Pferdedecken. Auch der wâpenrok sollte prächtig wirken. Es handelt sich dabei um ein ärmelloses Gewand, das meist aus bunter Seide hergestellt und über dem Kettenhemd getragen wurde. In heißeren Gebieten sollte es davor schützen, dass sich das Kettenhemd durch Sonneneinstrahlung zu sehr erhitzte. Einen solchen Waffenrock beschreibt auch Veldeke:

„ouch hete der helt mâre

einen wâfenrok ane

alsô getân als sîn vane

rôt unde gel samît.“[19]

Die folgende Abbildung zeigt das Idealbild eines solchen Ritters, wie er zuvor beschrieben wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-1: Herr Hartmann von Aue

Das Reiten galt als angemessene Art der Fortbewegung. Das Pferd stellte somit eines der höchsten adeligen Güter dar.[20] Der höfische Ritter hatte üblicherweise drei Pferde. Er ritt auf einem Marschpferd und hatte zudem ein gepanzertes Streitross, das vom Knappen geführt wurde. Hinzu kam eventuell noch ein Saumtier, welches die Rüstung trug, sofern der Knappe dies nicht tat.[21]

Als besonders höfisch beschreibt Veldeke das Pferd der Camilla:

„Vernemet scône hovescheit

umbe ein pharît daz si reit.“[22]

[...]


[1] Vgl. Bumke 1990: S. 55f.

[2] Vgl. Kartschoke, Nachwort: S. 851

[3] Vgl. Bumke 1990: S. 142

[4] Vgl. Bumke 1977: S. 136ff

[5] Vgl. Bumke 1986, Bd.1: S. 65

[6] ebd. S. 65

[7] ebd. S. 66

[8] ebd. S. 67

[9] Vgl. Veldeke: 146, 34ff

[10] ebd. 324, 25ff

[11] ebd. S. 67

[12] Vgl. Kaiser : S. 38

[13] Vgl. Bumke 1986 Bd. 1: S. 211

[14] ebd. S. 219

[15] Vgl. Veldeke: 162 12f

[16] ebd. 200, 2f

[17] Vgl. Bumke 1986 Bd. 1: S. 218

[18] ebd. S. 221

[19] Vgl. Veldeke: 200, 6ff

[20] Vgl. Ehrismann: S. 151

[21] ebd. S. 172

[22] Vgl. Veldeke: 148, 15f

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640554614
ISBN (Buch)
9783640554645
Dateigröße
625 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146587
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Schlagworte
Ritter Tugenden Eneas Veldecke Heldenbild Mittelalter

Autor

Zurück

Titel: Der höfische Ritter. Mittelalterliche Helden am Beispiel des Eneasroman