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Historische Entwicklung und aktuelle Situation der Frauenarbeit in Deutschland

Hausarbeit 2000 42 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Historische Entwicklung der Frauenarbeit bis 1980
1.1 Ursprünge der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
1.2 Historische Formen von Frauenarbeit jenseits der Hausarbeit
1.3 Zeit der Industrialisierung und ihre Auswirkungen auf die Definition von Frauenarbeit
1.4 Frauenarbeit in und zwischen den beiden Weltkriegen
1.5 Vier Phasen der Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

2. Aktuelle Situation der Frauenarbeit und zukünftige Entwicklungstendenzen
2.1 Statistische Daten zur aktuellen Arbeitsmarktsituation von Frauen
2.2 Qualitative Analyse der aktuellen Situation und wissenschaftlicher Kontext
2.3 Typisierung von Frauenarbeit anhand unterschiedlicher Lebenslaufmodelle
2.4 Die Zukunft des Frauenarbeit: Dominanz der Erwerbsarbeit oder doppelte Vergesellschaftung?
2.5 Telearbeit – ein Beispiel

Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang: Daten zur Frauenbewegung

Erklärung

Einleitung

Welches Thema bietet sich als Hausarbeit zum Kurs „Geschichte der Arbeit“ an?

Einen der dargestellten Aspekte näher untersuchen?

Sorgfältig studierte ich erneut das Inhaltsverzeichnis des Kurses und wollte mich gerade auf eine vertiefende Behandlung des Themas „die Arbeit im modernen Kapitalismus“ festlegen, als die Überschrift einer Frauenzeitschrift „Wenn ich ein Junge wär... Männerarbeit die Frauen besser machen." meine Aufmerksamkeit erreichte. Das Thema Arbeit hatte ich in den letzten Wochen intensiv bearbeitet, aber eine geschlechtsspezifische Differenzierung von Arbeit war bis dato nicht Gegenstand meiner Auseinandersetzung gewesen.

- Was ist der Unterschied zwischen Männer- und Frauenarbeit?
- Seit wann wird historisch zwischen diesen beiden Bereichen unterschieden?
- Gab es Frauenarbeit schon immer?
- Welche konkreten Veränderungen lassen sich historisch nachvollziehen?
- Wie sieht die aktuelle Situation von Frauenarbeit aus und mit welchen zukünftigen Entwicklungen ist zu rechnen?

Diese Fragestellungen kamen mir spontan in den Kopf und je mehr ich mich auf das Thema Frauenarbeit konzentriert, desto konkreter wurde mein Entschluß, eine Hausarbeit über die...:

„Historische Entwicklung und aktuelle Situation von Frauenarbeit in Deutschland“

zu schreiben.

Die nun vorliegende Arbeit soll unter historischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine brauchbare Begriffsbestimmung von Frauenarbeit liefern und darüber hinaus eine realitätsgerechte Einschätzung der aktuellen Situation geben.

Die Hausarbeit ist, wie schon aus der Überschrift hervorgeht, in zwei Schwerpunkte unterteilt und in beiden Themenbereichen gehe ich auf die konkreten Lebenssituationen von Frauen und Mädchen während der jeweiligen Zeitabschnitte ein.

Diese soziologisch typisierte Realgeschichte der Frauenarbeit wird mit ideellen Bezügen (z.B. christliches Frauenbild) ergänzt. Hier liegt der Schwerpunkt jedoch darauf, wie Frauen selbst „ihre“ Arbeit einschätzen und nicht auf theoretischen oder philosophischen Arbeits-definitionen.

Darüber hinaus wird immer auch die Wechselwirkung zwischen sozial-gesellschaftlichen und individuellen Veränderungen analysiert: Welche gesellschaftlichen Veränderungen haben einen Wandel der Frauenarbeit hervorgerufen und welche gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen hatten Einstellungs- oder Motivationsänderungen der Frauen in Bezug auf Frauenarbeit?

Zeitlich gesehen, beginne ich meine Darstellung mit den unterschiedlichen Formen von Frauenarbeit im Mittelalter über die Zeit der Industrialisierung bis hin zur konkreten Situation von Frauenarbeit heute, aus der sich bereits einige zukünftige Entwicklungstendenzen ableiten lassen.

Der erste Teil meiner Hausarbeit fängt damit an, die Ursprünge der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung aufzuzeigen, da sich dieses Thema wie „ein roter Faden“ durch die gesamte historische Entwicklung bis hin zur aktuellen Situation von Frauenarbeit zieht. Erst mit dem Beweise, daß zwischen Frauen- und Männerarbeit grundsätzlich unterschieden wird, ist die Legitimation geschaffen, das Thema Frauenarbeit zu thematisieren.

Es wird in diesem Teil (Punkt 1.1) nach Gründen für geschlechtsspezifische Arbeitsteilung gefragt; danach, in welcher hierarchischen Beziehung die beiden Bereiche zueinander stehen und welche Arbeitsinhalte in den Zuständigkeitsbereich der Frauen fielen.

Auf Basis der Ergebnisse des ersten Teils stellt ich unter Punkt 1.2 unterschiedliche historische Formen von Frauenarbeit seit dem Mittelalter dar und ordne sie in ihren gesellschaftlichen Kontext ein. An Hand anschaulicher Beispielen werden die unter Punkt 1.1. formulierten Thesen historisch überprüft und in Relation zur Vergleichsebene Männerarbeit gesetzt.

In diesem Teile betrachte ich nur Formen von Frauenarbeit jenseits der Hausarbeit, um einerseits eine direkte Vergleichsmöglichkeit (Männerarbeit) zu haben und da anderseits das Thema Hausarbeit erst im Zuge der Industrialisierung als eigenständige Arbeitsform problematisiert wird.

Die systematische Trennung von Haus- und Erwerbsarbeit im Zuge der Industrialisierung stellt einen wichtigen Abschnitt in der Entwicklung der Frauenarbeit dar. Die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Rahmenbedingungen wandeln sich in dieser Zeit massiv und haben direkte Auswirkungen auf Definition und Inhalt des Themas Frauenarbeit. Diese Veränderungen, ihre gegenseitige Wechselbeziehung und Auswirkungen werden unter Punkt 1.3 problematisiert.

Das Thema Frauenbewegung, das zeitlich gesehen auch an dieser Stelle ansetzen würde, wird inhaltlich nicht separat aufgegriffen, da es sich hierbei um sehr komplexe Zusammenhänge handelt, die alleine Thema für eine Hausarbeit wären und somit den Rahmen dieser Arbeit, deren Schwerpunkt ein anderer (siehe oben) ist, sprengen würden. Viele Aspekte und Errungenschaften sollten jedoch bei der Behandlung meines Themas berücksichtigt werden, so daß im Anhang die wichtigsten Daten zu den Frauenbewegungen aufgeführt sind (Nave-Herz, 1997).

Ich möchte an dieser Stelle dennoch erwähnen, daß es sowohl den ersten (der proletarischen und der bürgerlichen), als auch der zweiten Frauenbewegung in den 60er und 70er Jahren zu verdanken ist, daß Frauenarbeit überhaupt thematisiert und wissenschaftlich behandelt wurde und wird. Anders gesagt: „Ohne die politische und gesellschaftliche Mobilisierung dieser beiden Bewegungen, die beide das Thema Arbeit zum zentralen Anknüpfungspunkt ihrer Analysen und Forderungen erhoben, wäre es wohl kaum zur notwendigen Sensibilisierung der Wissenschaft gekommen“ (Bolognese-Leuchtenmüller / Mittauer 1993, S. 2).

An vielen Stellen meiner Hausarbeit wird deutlich, daß historische Entwicklungen der Frauenarbeit und aktuelle Diskussionen zu diesem Themen wie, berufliche Zugangsmöglichkeiten, ungleiche Aufstiegschancen für Frauen und Männer, Einkommensdisparitäten, Doppelbelastung etc. immer wieder direkt und indirekt in Beziehung zu Theorien oder Ergebnissen der Frauenbewegung stehen.

Unter Punkt 1.5 möchte ich dem Wandel des Frauenleitbilds seit Ende des 2. Weltkrieges in Bezug auf Frauenerwerbsarbeit nachgehen.

Der Schwerpunkt liegt also auf Erwerbstätigkeit, wobei aber im Verlauf der Untersuchung deutlich wird, daß Themen wie Bildung, Haus- und Familienarbeit und soziale Ungleichheit nicht außer Acht gelassen werden können. Die Entwicklungen sind oft so eng miteinander verbunden und fließend in einander übergehend, daß eine Isolation der Erwerbsarbeit aus ihrem sozialen und gesellschaftlichen Kontext, zu einer einseitigen oder unvollständigen Darstellung führen würde.

Basis der Darstellungen ist eine von Feldmann-Neubert (1991) durchgeführte empirische Untersuchung über die meinungsbildende Frauenzeitschrift Brigitte die, um einseitige Berichterstattung zu vermeiden, durch weiterführende Literatur zum Thema ergänzt wird.

Dieser kurze Zeitabschnitt in Relation zur Frauenarbeitsgeschiche vorher, wird besonders ausführlich behandelt, da er veranschaulichen soll, wie viele verschiedene externe Einflußfaktoren und persönliche Motivationen das Thema Frauenarbeit enthält und wie kurzlebig mache Bewertungsmaßstäbe und wie langlebig bestimmte Rollenmuster sind.

Außerdem bilden die Ergebnisse aus Punkt 1.5 die Grundlage für den zweiten Schwerpunkt meiner Hausarbeit: Die aktuelle Situation der Frauenarbeit und zukünftige Entwicklungstendenzen.

Punkt 2. wird mit einem kurzen statistischen Teil (Punkt 2.1) eingeleitet, der einen faktischen Überblick über die aktuelle Situation von Frauenarbeit geben soll. Hier beschränke ich mich zunächst wieder auf Erwerbsarbeit und greife den Aspekt der Haus- und Familiearbeit erst im zweiten, qualitativ-analytischen Teil mit auf.

Im qualitative-analytischen Teil (Punkt 2.2) werden Ergebnisse aus den statistischen Daten abgeleitet und der Versuch unternommen, diese hinsichtlich verschiedener, kritischer Fragestellungen zu interpretieren.

Unter Punkt 2.3 soll durch das Aufzeigen der widersprüchlichen Modernisierung weiblicher Lebensläufe, die Komplexität der aktuellen Situation von Frauenarbeit in Deutschland veranschaulicht werden.

Punkt 2.5 resümiert alles bisher Gesagte und übernimmt darüber hinaus eine richtungsweisende Funktion. Es werden zukünftige Tendenzen und Trends von Frauenarbeit aufgezeigt, die dahin gehend bewertet werden, ob es sich um lineare Ergebnisse der bisherigen Entwicklungen und Veränderungen handelt oder eher ein neues Zeitalter der Frauenarbeit ohne direkten Bezug auf die Vergangenheit im Entstehen ist.

Im Verlauf meiner Ausarbeitungen wird deutlich werden, daß es sehr schwierig ist, alle unterschiedlichen, teilweise widersprüchlichen Entwicklungstendenzen, Trends und Zukunftsprognosen unter einem Oberbegriff oder -thema zusammenzufassen. Aus diesem Grund wird abschließend und stellvertretend ein konkreten Beispiels, das ich persönlich für zukunftsweisend und realistisch halte, diskutiert – Telearbeit (Punkt 2.5).

Bei den Punkten 2.4 und 2.5 handelt es sich um Bewertungen und Interpretationen, so daß allein durch die Selektion der Inhalte nicht vermieden werden konnte, auch meine eigene Einstellung und Meinung mit darzustellen. Da ich in den vorangehenden Abschnitten sehr darum bemüht war, eine möglichst umfangreiche und objektive Analyse des Themas Frauenarbeit zu geben, hoffe ich, daß diese etwas persönliche Auseinandersetzung als „Betroffene“ mit dem Thema im Schlußteil auf Ihr Verständnis stößt.

1. Historische Entwicklung der Frauenarbeit bis 1980

Frauenarbeit hat es schon immer gegeben, ist die Auskunft, die uns verschiedene Wissenschaftler geben (vg. Lehr 1979, Gottschall 1989, Spieß 1988, Rader 1985).

Die meisten dieser Autoren nehmen jedoch bei der Begründung ihrer These nur Bezug auf statistische Daten der letzten hundert hundert Jahre. In dieser Zeit, genauer gesagt seit 1882, läßt sich hatsächlich eine relativ konstante Erwerbstätigkeit von Frauen zwischen 30% und 35%, an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen gemessen, nachweisen (Spieß 1988).

Bevor man jedoch zur qualitativen Analyse dieser Daten kommt, stellt sich im ersten Schritt die Frage, in welchen Formen und unter welchen gesellschaftlichen und sozial-historischen Voraussetzungen Frauenarbeit vor 1882 stattgefunden hat.

Ein Blick auf die Geschichte, unter der Voraussetzung, daß Frauen tatsächlich immer in irgendeiner Form gearbeitet haben, soll außerdem klären, welche Ursprünge die Unterscheidung zwischen Frauen- und Männerarbeit hat.

1.1 Ursprünge der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung

Die Ursprünge der Aufteilung in weibliche und männliche Arbeit gehen nach Nave-Herz (1972) bis in die frühe Zeit der Christianisierung in Deutschland zurück. Erst die christliche Auffassung, daß Gott die Frau als etwas “für“ den Mann geschaffen hat, veränderte das zuvor bestehende Bild der Ganzheitlichkeit und Gleichheit aller Menschen. Nach biblischem Frauenbild war es nun allein dem Manne vorbehalten, „ein Leben des leistenden Zugriffes auf die Welt zu führen“ (Nave.Herz 1972). Das Bild der “weiblichen“ Frau und des “männlichen“ Mannes wurde in dieser Zeit geprägt und beide Geschlechter hatten sich als gläubige Christen an die vorgegebenen Rollenmuster für ihr Geschlecht zu halten. Hinterfragung oder gar Ablehnung der “gottgegebenen“ Rollenzuweisungen kamen der Ketzerei gleich.

„Zur Frau aber sagte er: Du wirst viele Beschwerden haben, wenn du schwanger bist, und unter Schmerzen wirst du deine Kinder zur Welt bringen. Es wird dich zu deinem Mann hinziehen, aber er wird dein Herr sein" (1. Mose / Genesis 3, 1-16).

Die biblische Auffassung der Geschlechterrollen, sprach demnach dem Mann die Vormundschaft über die Frau zu und führte dazu, daß er auch die Zuteilung der Arbeitsbereich (mit)bestimmen konnte.

Diese Auffassung führte dazu, die Aufteilung in “Frauenarbeit“ und “Männerarbeit“ lange Zeit nicht in Frage zu stellen, sondern als “von Gott gegeben“ hinzunehmen (Nave-Herz 1972).

Im Lauf der Zeit entwickelte sich aus diesem „von Gott gegebenen“ Rollenverständnis ein Glaube an die “Natürlichkeit“ von Geschlechtsunterschieden, der mit scheinbar wissenschaftlich biologischer Legitimation stabilisiert wurde. “No amount of reasoning, complaining or protesting, can alter the fact that woman bears children and man does not“ (Nave-Herz 1972, S. 90).

Diese Sichtweise spiegelt sich auch im Selbstbild der historischen Frau wieder.

Wie wenig die Beschränkung der Frauenarbeit auf bestimmte Arbeitsbereiche biologisch zu erklären ist, weist unter anderem Nave-Herz (1972) mit kulturanthropologischen und sozialhistorischen Studien nach. Sie zeigt anhand verschiedener Kulturen, daß die Bereiche der „Frauenarbeit“ maßgeblich vom sozial-gesellschaftlichen Umfeld abhingen und je nach politischer und sozialer Lage der Frauen unterschiedliche Ausprägungen hatte. Sie zieht aus ihren Forschungen den Schluß, daß fast alle modernen Gesellschaften “in ihren sozialen Verhaltenskonstanten und Institutionen auf dem Unterschied von Mann und Frau beruhen (und daß dieser Unterschied) über seine biologische Festlegung sozial fixiert und mit allen Mittel aus dem Bereich der verfügbaren Verhaltensänderungen ausgeblendet (wird)(...) Die wirklich vorhandenen biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind demgegenüber verhältnismäßig belanglos und mehr Anlaß als Ursache für die sozial verschiedenartige Formung der Rolle des Mannes und der Frauen im sozialen und kulturellen Leben“ (Nave-Herz 1972, S. 8f.).

Die vorangegangen Ausführungen sollten verdeutlichen, daß bei der kritischen Betrachtung und Bewertung von historischer Frauenarbeit, immer auch beachtet werden sollte, daß die Rollen der Geschlechter zutiefst historische Erscheinungsformen sind und eine wesentliche Rolle bei der Zuschreibung von Arbeitsbereichen spielen.

Oft können aus diesen sowohl gesellschaftlich, als auch individuell verinnerlichten geschlechtsspezifischen Charakter- und Verhaltensmustern, mögliche Erklärungen für die Ausprägungen von Frauenarbeit abgeleitet werden. Zumindest jedoch hilft die Aufdeckung dieser Legitimationsmechanismen, ein Bewußtsein für die Vielschichtigkeit und Komplexität des Themas zu schaffen.

1.2 Historische Formen von Frauenarbeit jenseits der Hausarbeit

Um einen Einblick in die historische Arbeit von Frauen im bzw. seit dem Mittelalter zu geben, wird im Folgenden beispielhaft eine Veröffentlichung des Landes Bayern (1999) zusammengefaßt, die auf die verschiedenen Bereiche der weiblichen Arbeit jenseits der Haus- und Familienarbeit in Deutschland eingeht.

Über 90 % der bayrischen Bevölkerung arbeiteten bis ins 20 Jahrhundert hinein, in der Landwirtschaft. Dort wirtschafteten sie als selbständige Bäuerinnen mit eigenem Hof oder arbeiteten als Tagelöhnerinnen bzw. Mägde bei benachbarten Bauern.

Im einzelnen bestand ihre Arbeit im Versorgen der Kühe, dem Melken und der Weiterverarbeitung der Milch. Frauen versorgten das Kleinvieh, bestellten den Garten und verarbeiteten Flachs und Hanf.

In Handwerk, Handel und Gewerbe nahmen Frauen seit dem 12 Jahrhundert (Hülsenbeck 1988) vor allem als Lohnarbeiterinnen, aber auch als Meisterinnen, eine aktive Rolle einnahmen.

Als sich die Gewerbe seit dem 16. Jahrhundert in Zünften organisierten, wurden die Frauen immer mehr aus dem Handwerk zurückgedrängt und im 17. und 18 Jahrhundert wurden Frauen aus den Zünften generell ausgeschlossen (Hülsenbeck 1988, Quataert 1985).

Legitimiert wurde dieser Ausschluß mit dem Argument, die Zusammenarbeit mit Frauen sei “unehrenhaft“ (Hanawalt 1986, S. 204).

Hülsenbeck ist jedoch der Ansicht, daß es hierbei “in erster Linie um die Frage nach der Verfügbarkeit über die Arbeit, nicht primär um die Qualifikation.“ (1988, S. 64f.) ging.

Im mittelalterlichen Deutschland waren Frauen oft in Heilberufen, wie Naturheilkunde und Volksmedizin tätig, doch mit der Entstehung der Universitäten im 13. und 14. Jahrhundert, zu denen nur Männer zugelassen waren, begann auch hier ein Prozeß der Institutionalisierung und Professionalisierung, der die Frauen verdrängte und schließlich ausschloß.

Die Klosterapotheken stellten das letzte Refugium der Frauen dar, Pharmazie wissenschaftlich betreiben zu können. Im Gegensatz zu den Männerklöstern, führten viele Frauenklöster eine eigene Apotheke, die jedoch durch den Kampf der bürgerlichen Apotheker gegen die (angebliche) Konkurrenz stark eingeschränkt wurden. Mit der Säkularisierung wurden jedoch die meisten Klosterapotheken aufgelöst.

Seit dieser Zeit verfestigten sich auch die Auffassungen von “männlicher“ Medizin und “weiblicher“ Pflege (Bischoff 1992, S. 32f.) und die damit verbunden geschlechtsspezifische Rollenzuweisung.

Zum Lebenslauf vieler Frauen in Deutschland gehörte außerdem in früheren Jahrhunderten die Arbeit in fremden Diensten als im Familienverband der Hofbesitzer lebende Mägde (Sullerot 1971).

Die Darstellungen zeigen, daß Frauen physisch und psychisch durchaus in der Lage waren, Arbeiten zu verrichten, die über den Bereich Hausarbeit hinaus gingen.

Der massive Ausschluß von Frauen aus bestimmten Funktion, machte jedoch auch deutlich, daß geschlechtsspezifische und –hierarchische Rollenmuster nur dann eine aktive Beteiligung der Frauen am öffentlichen Leben zuließen, wenn „Not am Mann war“.

„Die Asymmetrie der Geschlechter (ist also) keineswegs ein Sündenfall des Kapitalismus (...) Ihre Wurzeln sind sehr viel älter“ (Kreckel 1992, S. 252).

Gegenteilige Auffassungen sind zum Beispiel bei Feldmann-Neubert (1991) zu finden, welche die vorindustrielle Zeit durchweg positiv für die Frauen bewertet und die bereits vorhandenen Ungleichheiten in der Arbeitsverteilung nicht erwähnt, sondern auf die Zeit der Industrialisierung zurück führt.

1.3 Zeit der Industrialisierung und ihre Auswirkungen auf die Definition von Frauenarbeit

Definition Industrialisierung:

Unter Industrialisierung ist die “Umwandlung einer vorwiegend auf landwirtschaftlicher Produktion beruhenden Gesellschaft durch industrielle Produktion“ gemeint. “Die Industrialisierung geht historisch mit der Herausbildung kapitalistischer Produktionsverhältnisse und einer verstärkten technologischen Entwicklung zusammen. Zu den bedeutsamsten Erscheinungen der Industrialisierung seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zählen die Entwicklung der Arbeiterklasse, der Land-Stadt-Wanderung, die Entwicklung stattlicher und industrieller Bürokratien sowie die Entwicklung eines auf Leistungs- und Wirtschaftlichkeits-orientierung beruhenden Wertsystem“ (Fuchs-Heinritz, Lautmann, Rammstedt, Wienold 1995, S. 294).

„Das historisch Neue der entstandenen kapitalistischen Arbeitsgesellschaft war die systematische Trennung von Familien- und Erwerbsleben“ (Kreckel 1992, S. 252).

Nicht mehr das private Wohnumfeld, sondern die Fabrik, das Büro, die Kaserne wurden für immer mehr Menschen zur Arbeitsstätte und zum einzigen Ort, wo der Lebensunterhalt verdient werden konnte.

[...]

Details

Seiten
42
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638199964
ISBN (Buch)
9783638837903
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14654
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
sehr gut (Kommentar)
Schlagworte
Historische Entwicklung Situation Frauenarbeit Deutschland

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Titel: Historische Entwicklung und aktuelle Situation der Frauenarbeit in Deutschland