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Entwicklungseinflüsse durch frühkindliche Bindung - Interventionsmöglichkeiten in der Kindertagesstätte und im Heim

Diplomarbeit 2009 63 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 John Bowlby - Biographisches
2.1 John Bowlbys Leben
2.2 Die psychoanalytische Ausbildung
2.3 Die Trilogie
2.4 Der Mensch John Bowlby

3 Die Bindungstheorie von John Bowlby

4 Die vier Muster von Bindung

5 Das Kind und seine wichtigsten Bezugspersonen

6 Entwicklungseinflüsse
6.1 Die Persönlichkeit
6.2 Die emotionale Entwicklung

7 Fürsorge in der Familie versus Fürsorge im Heim
7.1 Alternativen zur Heimerziehung: Pflegefamilie und Adoption

8 Bindung im Kindesalter – Interventionsmöglichkeiten
8.1 Bindungsgeleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen
8.1.1 Auswirkungen verschiedener Bindungsmuster auf das Verhalten der Kinder während der Eingewöhnungszeit
8.1.2 Gestaltung der Eingewöhnungszeit aus Bindungssicht
8.1.3 Bindung zu Erzieherinnen
8.2 Anwendungsbeispiel: Fortbildung für Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen zum Thema Bindung
8.2.1 Grundlagenwissen zur Bindungstheorie und –forschung
8.2.2 Verhaltensbeobachtung bezogen auf verschiede Bindungsmuster
8.2.3 Gestaltung der Eingewöhnungszeit
8.2.4 Bindung zu Erzieherinnen und Umgang mit schwierigen Kindern beziehungsweise Situationen aus Bindungssicht
8.2.5 Vermittlung von Bindungswissen an Eltern und bindungsbasierte Beratung
8.2.6 Auseinandersetzung mit der eigenen Bindungsgeschichte und deren Einfluss auf die Gestaltung beruflicher Beziehungen mit Kindern
8.2.7 Ausblick
8.3 Bindungsgeleitete Interventionen im Heim
8.3.1 Heimerziehung und Bindung
8.3.2 Aufnahme und Entlassung
8.3.3 Zeit des Heimaufenthalts
8.3.4 Arbeit mit den Herkunftseltern

9 Schlusswort

10 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Hunger des kleinen Kindes nach der Liebe und Gegenwart seiner Mutter ist so groß wie der Hunger nach Essen… Die Bindungstheorie gibt uns eine Sprache, in der der Phänomenologie von Bindungserfahrungen eine volle Berechtigung gegeben wird. Bindung ist ein ,primäres Motivationssystem’ mit eigenen Funktionsmechanismen und einer Schnittstelle zu anderen Motivationssystemen. (Bowlby, 1973)

In meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich mit der Bindungstheorie von John Bowlby, mit den von Mary Ainsworth und ihren Kollegen entwickelten und ausgearbeiteten Bindungsmustern und vor allem damit, wie die kindlichen Bindungen ausschlaggebend für die Persönlichkeit im Erwachsenenalter sind, was die Bindungstheorie für meine eigene pädagogische Arbeit bedeutet und wie ich sie „anwenden“ kann.

Derzeit arbeite ich in einem Heim für Menschen mit körperlicher Behinderung. Ich bin im Internat tätig und arbeite somit nur mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Nach dem Studium würde ich entweder gerne weiterhin dort arbeiten, oder aber als Erzieherin in einer Kindertagesstätte. Ich habe schon mehrere Praktika absolviert und die Arbeit mit den Kindern hat mir viel Freude bereitet, genauso wie meine Tätigkeit im Heim.

In beiden Einrichtungen spielt die Beziehung zwischen der Erzieherin und dem Kind, beziehungsweise dem Jugendlichen eine große und wichtige Rolle.

Zunächst werde ich Biographisches aus dem Leben von John Bowlby, dem Begründer der Bindungstheorie, wiedergeben. Interessant ist, dass Bowlby selbst nicht, oder kaum die Erziehung seiner Eltern genoss, sondern die von Kindermädchen. Begegnungen in seinem Leben prägten ihn und ließen sein Interesse an Kindern und deren Beziehung und Bindung zu ihren Eltern entstehen.

In Kapitel 3 gehe ich näher auf die Bindungstheorie ein. Bereits zu Beginn der 50er Jahre entwickelte Bowlby die Hauptgedanken der heutigen Bindungstheorie, er begann jedoch erst etwa sieben Jahre später diese in einigen Aufsätzen zu formulieren. In diesem Kapitel werde ich auch den Unterschied zwischen Bindung und Bindungsstreben und die verschiedenen Merkmale der Bindungstheorie herausarbeiten. Außerdem werde ich Entwicklungs- und Aufbauphasen der Bindung aufzählen und die Relation von Bindung und Psychopathologie aufführen.

Kapitel 4 handelt von den vier Mustern der Bindung, die von Mary Ainsworth und ihren Kollegen ausgearbeitet wurden. Sie entwickelten die „Fremde Situation“, ein standardisiertes Beobachtungsverfahren, mit dem Qualitätsunterschiede der Bindung erfasst werden können. Außerdem werde ich eine Längsschnittstudie von Éva Hédervári aufführen, welche auf den Auswirkungen der Mutter-Kind-Beziehung auf das emotionale Ausdrucks- und Trennungsverhalten von Kindern im Alter von 12 bis 36 Monaten beruht.

Auf das Kind und seine wichtigsten Bezugspersonen werde ich im fünften Kapitel eingehen. Erst einmal sind dies die Eltern. Sie spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Kindes in den ersten anderthalb Lebensjahren. Störungen in der Familie in dieser Zeit können die Selbstbeschreibung des Kindes negativ beeinflussen.

Weitere Entwicklungseinflüsse werde ich in Kapitel 6 darstellen. Dabei gehe ich näher auf die Persönlichkeit und die emotionale Entwicklung ein, wobei ich für letzteres acht Konzepte darstellen werde.

Kapitel 7 handelt von dem Vergleich zwischen Heim und Familie und davon, welche Lebensqualitäten das Kind in beiden Institutionen erfährt. In diesem Kapitel werde ich außerdem zwei Alternativen zur Heimerziehung vorstellen: die Pflegefamilie und die Adoption und einige Vor- und Nachteile aufzeigen.

In Kapitel 8 möchte ich - passend zu meinen Berufswünschen – zum einen bindungsgeleitetes Vorgehen in Kindertagesstätten und zum anderen bindungsgeleitete Interventionen im Heim vorstellen. Die aufgeführten Maßnahmen stammen nicht von mir, entsprechen allerdings meinen Vorstellungen, wie dem Kind ein bindungssicherer Alltag geboten werden kann. Mithilfe von Fallbeispielen möchte ich das Vorgehen veranschaulichen und verständlicher darstellen.

Meine Diplomarbeit endet mit einem Schlusswort, in dem ich die Hauptgedanken meiner Arbeit zusammenfasse und ein eigenes Fazit ziehe.

2 John Bowlby - Biographisches

2.1 John Bowlbys Leben

Sein vollständiger Name lautet Edward John Mostyn Bowlby. Er kam am 26. Februar 1907 auf die Welt. Sein Vater Major-General Sir Anthony Bowlby (1855-1929) war ein erfolgreicher Chirurg. Seine Mutter hieß May Mostyn. Als John geboren wurde, war seine Mutter vierzig und sein Vater zweiundfünfzig. Die Erziehung ihrer Kinder vertrauten sie zahlreichen Gehilfen an.

Die Kinder fielen in drei Altersgruppen: die zwei älteren Mädchen, Winnie und Marion, die von klein auf talentierte Musikerinnen waren; Tony und John, nur 13 Monate auseinander; dann Jim und Evelyn. Tony war Mays Liebling und konnte sich alles erlauben. Er wurde ein erfolgreicher Industrieller und als Erstgeborener erbte er später den Titel seines Vaters. Zwischen John und Tony herrschte, trotz ihrer Freundschaft, eine gewisse Rivalität. Beide machten sich Sorgen um ihren etwas zurückgebliebenen Bruder Jim. Dieser hatte sein ganzes Leben lang zu kämpfen, war nie erfolgreich, noch verheiratet.

Die Kombination von Johns Konkurrenzfähigkeit und seiner Sorge um benachteiligte und kranke Kinder könnte mit seiner Stellung zwischen diesen zwei äußerst unterschiedlichen Brüdern in Zusammenhang stehen. Mit fünfzehn prügelte er sich mit Tony und besiegte ihn, als er herausfand, dass er ein Bild zerstört hatte, das Jim aus getrockneten Blumen gemacht hatte. (Holmes, 2006:32)

Die zwei älteren Schwestern haben nie geheiratet. Evelyn teilte das Interesse ihrer Brüder an der Psychoanalyse und heiratete einen ehrenwerten Volkswirtschaftler.

Bowlby beschreibt seine Familie als eine

offene Familie der Oberklasse, in der sich die Mitglieder ziemlich nahe – nicht zu nahe – aber ziemlich nahe standen, und die ein ziemlich traditionelles Leben, natürlich mit Kindermädchen, führte. (Hunter, 1991)

Das Kindermädchen Nanny Friend kam in die Familie, als Johns ältere Schwester Winnie einen Monat alt war. Sie blieb, nachdem die Kinder erwachsen waren, bei Lady Bowlby, bis sie im Alter von 97 Jahren starb.

Jeden Frühling und Sommer gab es einen Familienurlaub. Zu Ostern wurden die Kinder mit den Kindermädchen nach Margate geschickt und Sir Anthony und Lady Bowlby gingen zum Fischen nach Schottland. Im Juli nahm May die Kinder immer mit in den New Forest, was damals ein wilder und idyllischer Ort war. Den ganzen August und den halben September lang ging die Familie nach Ayrshire in Schottland, wobei sie mit dem Zug in einem speziell gemieteten Waggon reisten.

John bewarb sich mit einem engen Freund an der Universität von Cambridge, worauf er 1925 ordnungsgemäß als Medizinstudent das Trinity College betrat. An der Universität gewann er mehrere Preise und erreichte einen erstklassigen Abschluss in den Grundlagenwissenschaften und in Psychologie.

Danach nahm er eine Stelle an einer progressiven Schule für verhaltensgestörte Kinder an.

Sein Vater, der zweifelsohne einer solchen Entscheidung widersprochen hätte, war, wie John ausdrückte „glücklicherweise“ schon gestorben, als John 21 war; somit war er frei, seinen eigenen Weg zu gehen. (Holmes, 2006:34)

In der Schule machte er zwei Erfahrungen, welche den gesamten Verlauf seines Arbeitslebens beeinflusst haben. Die erste war die Begegnung mit gestörten Kindern, deren Schwierigkeiten mit ihrer unglücklichen und gestörten Kindheit in Zusammenhang zu stehen schienen. Er fand heraus, dass er mit ihnen sehr gut kommunizieren konnte. Ein Junge folgte Bowlby, wohin er auch ging:

Dort hatte ich einen Jugendlichen gekannt, der wegen wiederholtem Diebstahl aus dem Internat geworfen worden ist. Obwohl er sich sozial anpasste, schloss er keine Freundschaften und schien emotional isoliert zu sein – und das gleichermaßen von Erwachsenen wie Gleichaltrigen. Die Verantwortlichen schrieben seinen Zustand der Tatsache zu, dass sich nie irgendeine mütterliche Person in den ersten Lebensjahren um ihn gekümmert hatte, ein Ergebnis einer unehelichen Geburt. Dadurch wurde ich auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einer längeren Deprivation und der Entwicklung einer Persönlichkeit aufmerksam, die scheinbar unfähig ist, affektive Bindungen einzugehen, und die, da gegen Lob und Tadel immun, anfällig sind, wiederholt delinquent zu werden. (Bowlby, 1981)

Die zweite prägende Begegnung war die mit John Alford, der ebenfalls an der Schule arbeitete. Er hatte selbst eine Therapie gemacht und riet John, nach London zu gehen, um sich zum Psychoanalytiker ausbilden zu lassen.

2.2 Die psychoanalytische Ausbildung

Im Herbst 1929, im Alter von 22 Jahren kam John nach London, um sein Medizinstudium am University College Hospital zu beginnen. Dort trat er in das Institute of Psycho-Analysis ein und begab sich bei Joan Riviere, einer engen Freundin und Verbündeten Melanie Kleins[1], in die Analyse. Er wollte Kinderpsychiater werden, was zu dieser Zeit ein erst aufkommender Beruf war. Im Jahre 1933 erhielt er seinen medizinischen Abschluss und ging ins Maudsley Hospital, um sich in der Erwachsenenpsychiatrie ausbilden zu lassen. 1936 wurde er an die London Child Guidance Clinic berufen. Dort arbeitete er, bis er 1940 Armeepsychiater wurde (vgl. Holmes, 2006:35).

1937 machte Bowlby seinen Abschluss als Analytiker und fing an, sich unter der Aufsicht von Melanie Klein in der Kinderanalyse auszubilden. Er begann, eigene Ideen zu entwickeln, die sich hauptsächlich auf seine Erfahrungen in der Child Guidance Clinic stützten. Dort arbeitete er mit zwei analytisch orientierten Sozialarbeitern, von denen er etwas von der Vorstellung der transgenerationalen Übertragung von Neurosen hörte, in der ungelöste Probleme aus der eigenen Kindheit eines Elternteils eine große Rolle bei der Entstehung und Fortdauer der Probleme ihrer Kinder spielen (vgl. Holmes, 2006:36).

Mich beeindruckten vor allem zwei Fälle; der eine war ein Fall von Geschwisterrivalität, in dem die Mutter selbst extrem eifersüchtig auf ihre Schwester gewesen war, und in dem anderen war ein Vater zutiefst besorgt um die Masturbation seines siebenjährigen Sohns, und hatte ihn immer unter kaltes Wasser gestellt, wenn er ihn beim Berühren seiner Genitalien erwischte, und er hatte, wie sich herausstellte, selber sein ganzes Leben lang einen erfolglosen Kampf gegen Masturbation geführt. (Bowlby, 1977)

Bowlby musste eine Arbeit vortragen, um sich als vollwertiges Mitglied der analytischen Gesellschaft mit Stimmrecht zu qualifizieren. Sie ging um die „allgemeine Theorie der Entstehung von Neurosen“. In jener sollten Umweltfaktoren in den ersten Lebensjahren ursächlich für Neurosen sein, ganz besonders die Trennung von der Mutter durch Tod oder „zerrüttete Familienverhältnisse“. Er stellt explizit die kleinische Ansicht in Frage, dass Kindheitsfantasien nicht mit der eigentlichen Erfahrung in Verbindung stehen:

Es ist viel über die Introjektion von Eltern mit extremen Fantasien geschrieben worden, wobei eine übermäßige Fantasie selbst das Produkt einer Projektion ist. Weniger wurde vielleicht in letzter Zeit über die Introjektion des wahren Charakters der Eltern geschrieben. (Bowlby, 1940)

Er warnt davor, Kinder unnötigerweise von ihren Eltern zu trennen – „wenn ein Kind ins Krankenhaus muss, sollte die Mutter dazu ermutigt werden, es täglich zu besuchen“ – und besteht darauf,

wenn es zur Tradition würde, dass man kleine Kinder niemals einer kompletten oder längeren Trennung von ihren Eltern aussetzt, so wie regelmäßiger Schlaf und Orangensaft zur Tradition in Heimen geworden sind, […] dass viele Fälle neurotischer Charakterentwicklung vermieden werden würden. (Bowlby, 1940)

Er spricht sich dafür aus, mit den Müttern gestörter Kinder zu arbeiten, um ihre eigenen Schwierigkeiten in der Kindheit aufzuarbeiten. Solche Schwierigkeiten, die mit ihrer Elternrolle interferieren. Er will ihnen dadurch helfen, sich weniger schuldig zu fühlen.

1938 heiratete John Ursula Longstaff, die er während eines Urlaubes in New Forest traf und die sich als eine hingebungsvolle und loyale Begleiterin erwies. Sie war die dritte von sieben Schwestern, intelligent und hübsch, aber schüchterner als die älteren Schwestern.

John und Ursula hatten vier Kinder, deren tägliche Betreuung ausschließlich Ursula selbst übernahm. Die Familie war von Dyslexie[2] betroffen, eine Störung, die damals nicht erkannt wurde. Somit waren die akademischen Probleme seiner Kinder immer eine Quelle des Kummers und der Enttäuschung für ihren Vater, obwohl sie dafür mit ihren praktischen und technischen Fähigkeiten voll entschädigt wurden (vgl. Holmes, 2006:42).

John hatte wenig Erfahrung mit engen Eltern-Kind-Beziehungen und empfand seine Vaterrolle als schwierig. Im Gegensatz dazu war er laut seiner Tochter Mary ein „brillanter Großvater – tolerant, witzig und bewundernd“ (vgl. Holmes, 2006:42).

Unmittelbar nach dem Krieg wurde an der Tavistock Klinik eine Wahl abgehalten und obwohl keiner der beiden je dort gearbeitet hatte, wurde Jock Sutherland zum Direktor gewählt und Bowlby zu seinem Stellvertreter. Ihnen wurde dabei die besondere Aufgabe des Aufbaus einer Kinderabteilung gegeben.

John etablierte einen Klinikservice, in dem er Patienten behandelte, Mütter mit ihren Kindern zusammen traf, einmal in der Woche einen Tag in einer Klinik mit gesunden Kindern verbrachte, supervidierte und bei Fallbesprechungen den Vorsitz führte. Zusammen mit Esther Bick entwickelte er die Kinder-Psychotherapie-Ausbildung und unterstützte diese weiterhin, auch als ihre kleinische Orientierung begann, stark von seinen eigenen Ansichten abzuweichen (vgl. Holmes, 2006:43).

Aufgrund seiner Erfahrungen vor dem Krieg in der Child Guidance Clinic hatte er sich dazu entschlossen, die Auswirkungen von Trennung auf die Persönlichkeitsentwicklung junger Kinder zu untersuchen. Er rekrutierte James Robertson, einen gewissenhaften Gegner im Krieg, der als Heizer in Anna Freuds Kinderwohnheim in Hampstead gearbeitet hatte, und der später Analytiker und Filmemacher wurde. Mary Ainsworth, die später die Mitbegründerin der Bindungstheorie werden sollte, schloss sich dem Team ebenfalls an, wie auch Mary Boston. Das Ergebnis von Bowlbys Zusammenarbeit mit Robertson war der Film „A Two-year-old Goes to Hospital“, der ein kleines Kind mit großem Kummer zeigt, da es von seiner Mutter getrennt worden war. Der Film trug viel zu einer freieren Regelung der Besuchszeiten im Krankenhaus bei (vgl. Holmes, 2006:43-44).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hielt Ausschau nach einem Experten, der einen Bericht über die psychische Gesundheit von obdachlosen Kindern anfertigen solllte. Bowlby war dafür eine naheliegende Wahl. Durch seine vielen Reisen durch Europa und die Vereinigten Staaten, traf er die führenden Persönlichkeiten auf dem Gebiet des „Child Development“ und verband deren Ansichten mit seiner eigenen in einem Überblick über die weltweite Literatur: „Maternal Care and Mental Health“ (Bowlby 1951). Dieser wurde unter dem Titel „Child Care and the Growth of Love“ (Bowlby 1953) veröffentlicht und wurde durch 450.000 verkaufte Exemplare allein in der englischen Ausgabe sofort zum Bestseller und wurde daraufhin in zehn verschiedene Sprachen übersetzt (vgl. Holmes, 2006:44).

2.3 Die Trilogie

Bowlby verbrachte wenig Zeit in der Psychoanalytischen Gesellschaft nach der Mitte der 1960er Jahre. Einerseits wegen des feindseligen Empfangs, und andererseits wegen seiner wachsenden Reputation außerhalb der Gesellschaft. Seine Mitgliedschaft kündigte er allerdings nicht (Holmes, 2006:46). 1963 wurde er ein Teilzeit-Mitglied des Medical Research Council (MRC), wodurch er dem Schreiben noch mehr Zeit widmen konnte. Die Jahre 1964 bis 1979 widmete er seiner Trilogie „Attachment“ (1969), „Separation“ (1973) und „Loss“ (1980). Diese Bücher sind Bestseller geworden. Colin Murray Parkes und Dorothy Heard schlossen sich ihm 1960 an der Tavistock Klinik an. Parkes war von der Relevanz der Theorien Darwins über Kummer bis zu abnormaler Trauer genauso beeindruckt wie Bowlby, und es entwickelte sich eine fruchtbare Partnerschaft. Bowlby war vor allem in den Vereinigten Staaten als Redner sehr gefragt, denn dort weckte die Bindungstheorie durch die Arbeit von Mary Ainsworth immer mehr Interesse (vgl. Holmes, 2006:46-47).

Seinen 80. Geburtstag feierte Bowlby in London mit einer Konferenz, an der viele berühmte Redner aus aller Welt teilnahmen. Er wurde mit Blumenkränzen geehrt und er umarmte seine zahlreichen Freunde unter lautem Jubel und Beifall. Die Zuneigung, die er empfing, war offenkundig. Ein paar Wochen später brach er mit Herzrhythmusstörungen zusammen, aber erholte sich wieder vollständig und schrieb so seine Biografie über Darwin zu Ende. Drei Jahre später erlitt er einen Schlaganfall, während er mit seiner Familie in Skye war.

Er starb ein paar Tage später am 2. September 1990 und wurde bei Trumpan auf der Halbinsel Waternish beerdigt, einem Friedhof auf einem Hügel mit Blick über die Klippen von Waternish und die Halbinsel Ardmore. Es war einer seiner Lieblingsorte, wild und abgelegen, von dem aus John mit seiner großen Naturverbundenheit seine Spaziergänge begann, und er hatte darum gebeten, dort begraben zu werden. […] Seine Freundin Hyla Holden, eine frühere Tavistock Kollegin, die zu den Sargträgern gehörte, resümiert: „seine Bestattung und Beisetzung stimmten mit der gradlinigen und liebevollen Schlichtheit, die hinter seinem beeindruckenden Intellekt stand, überein“. Seine Treue und Standhaftigkeit bei der Verfolgung seiner Ziele werden in der Inschrift auf dem Grabstein aus hellgrauem Aberdeen Granit mit den Worten „Ein Pilger zu sein“ gelobt. (Holmes, 2006:48)

2.4 Der Mensch John Bowlby

In einem posthum veröffentlichten Selbstportait stellt Bowlby bescheiden fest:

Intuition ist nicht meine Stärke. Stattdessen neige ich dazu, die Theorien, die ich habe, so anzuwenden, dass ich die Probleme des Patienten verstehen kann. Das funktioniert gut, wenn die Theorien anwendbar sind, kann aber ein großes Handicap sein, wenn sie es nicht sind. Vielleicht hat mich gerettet, dass ich ein guter Zuhörer bin, und ich die Theorie nicht zu dogmatisch sehe. Deswegen haben es mehrere meiner Patienten geschafft, mir Vieles beizubringen, was ich nicht wusste … Mich überkommt oft ein Schauder, wenn ich daran denke, wie falsch ich als Therapeut gelegen habe und wie ich das Material, das ein Patient lieferte, ignoriert oder falsch verstanden habe. Die beste Therapie wird eindeutig von einem Therapeuten durchgeführt, der von Natur aus Intuition besitzt und auch von der angemessenen Theorie geleitet wird. Zum Glück treffe ich heutzutage viele solcher Leute in klinischen Seminaren und Supervisionen. (Bowlby, 1991)

Eine davon war Victoria Hamilton, die Bowlbys Zuhörerqualitäten bestätigt, und dabei ein lebhaftes Portrait malt:

Mein konstantestes Bild von John Bowlby … ist, wie er zurückgelehnt in einem Stuhl sitzt, seine gekreuzten Beine deuten einen Ausdruck entspannter Konzentration an und das Gesicht ist sehr wachsam. Er hatte durchdringende, aber empfängliche Augen unter den gehobenen Augenbrauen, die sowohl Interesse als auch einen kleinen Anflug von Überraschung und Erwartung ausdrückten … eine bemerkenswerte Fähigkeit, den Gedanken und Ansichten Anderer zuzuhören, kombiniert mit einem Blick für Objektivität und einem seltenen Talent für die englische Sprache. Er konnte von einer Idee zurücktreten und sie auf eine prägnante, klare Art umformulieren … Trotz seiner etwas militärischen Art, die in einem gewissen abrupten und steifen Verhalten ihren Ausdruck fand, das sehr weit vom „Smalltalk“ entfernt war, war er absolut in der Lage, sich „abzuwechseln“, was der essenzielle Bestandteil der Konversation ist.“ (Hamilton, 1991)

Jock Sutherland, ein lebenslanger Freund Bowlbys, beschreibt sein erstes Treffen mit ihm während des Krieges, in dem er „etwas formell und sogar zurückhaltend“ wirkte. Sutherland und Eric Trist, ein weiterer von Johns langjährigen Freunden, spekulierten, dass Bowlbys Beschreibung des „bindungslosen Charakters“ auf empathischem Verständnis basierte (etwa wie Freuds Entdeckung des Ödipuskomplexes beruhend auf seiner eigenen Rivalität mit seinem Vater):

Wir spekulieren darüber, dass Johns eigene frühe Erfahrung ein gewisses Maß an Hemmung seiner Bereitschaft, emotionale Zuneigung auszudrücken, beinhaltet haben muss, wenn es nicht eine echte Deprivation war … so dass er bis zu einem gewissen Grad eine Schutzhülle aufbaute, und seine Gefühle nicht so bereitwillig wie viele andere Leute zeigte … Johns etwas formelle und sogar unbeteiligte Art beeindruckte viele Leute beim ersten Kennenlernen. Eric Trist und ich waren immer davon überzeugt, dass er der Besitzer eines großen und mächtigen Schatzes an Zuneigung sei – die Quelle seiner intensiven Fürsorge für die, die mit ihm arbeiteten.“ (Sutherland, 1991)

John Byng-Hall, ein weiterer Tavistock-Kollege, sieht Bowlby als die perfekte Verkörperung seiner Theorie der sicheren Basis, denn er sei fähig, Familientherapeuten und Kinderpsychotherapeuten trotz ihrer sehr unterschiedlichen Philosophien zusammenzuhalten, wachsam gegenüber den wahren Gefahren, mit denen Patienten und Therapeuten konfrontiert sind, und vor allem

sehr zuverlässig. Ich habe ein Bild von ihm, wie er, sogar noch im letzten Winter [d.h. in seinem 82. Lebensjahr] das Wasser von seinem grünen Regenmantel und seinem Hut abschüttelte, wobei er pünktlich zu einem Abendtreffen ankam, während andere sich entschuldigen ließen. (Byng-Hall, 1991).

3 Die Bindungstheorie von John Bowlby

Zu Beginn der 50er Jahre entwickelte der britische Psychiater und Psychoanalytiker John Bowlby die Grundlage für die heutige Bindungstheorie. Bowlby war in einigen Bereichen, wie Freud, ein „Spätzünder“. Obwohl er eine solide Ansammlung zusammenhängender Arbeiten hinter sich hatte, begann er erst mit etwa fünfzig Jahren, in einer Serie von Aufsätzen, die zwischen 1958 und 1963 veröffentlicht wurden (Bowlby 1958, 1960, 1961), die Hauptgedanken der Bindungstheorie zu formulieren.

Vielleicht verlangt das psychologische Theoretisieren, wie das Schreiben von Romanen, aber anders als Poesie und Mathematik, eine gewisse Reife. (Holmes, 2006:81)

Später beschreibt Bowlby Ursprung und Wesen von Bindung aus ethologischer Sicht im Zusammenhang mit einem systemtheoretischen Kontext. In einem drei Bände umfassenden Werk (Bindung, Trennung, Verlust) fasst Bowlby seine Bindungstheorie zusammen (Hédervári, 1995:26). Das Streben nach einer engen emotionalen Bindung wird in dieser Theorie als spezifisch menschliches Grundelement bezeichnet. Die Bindungsfähigkeit ist für psychisch stabile Persönlichkeiten kennzeichnend.

Mir schwebte eine Theorie vor, mit der ich alle schon Freud wichtig erschienenen Phänomene wie Liebesbeziehungen, Trennungsängste, Trauer, Abwehr, Wut, Depressionen, traumatische Erlebnisse, affektive Abwendungen und frühe sensible Phasen abdecken, die klassische psychoanalytische Metapsychologie korrigieren und neue behandlungstechnische Varianten entwickeln wollte – hochgesteckte, bislang nur zum Teil verwirklichte Ziele. (Bowlby, 1995:35)

Bowlby unterscheidet zwischen Bindung und Bindungsstreben. Die Voraussetzung für die Bindung ist ein starkes Kontaktbedürfnis zu bestimmten Menschen. Dabei widerstreben Bowlby Begriffe wie „Abhängigkeit“ oder „Abhängigkeitsbedürfnis“,

da sie herabsetzend klingen, emotionale Beziehungen nur selten zutreffend beschreiben und auch nie wichtigen biologischen Funktionen attribuiert werden konnten. (Bowlby, 1995:36)

Das Konzept der Bindung unterscheidet sich deutlich von dem der Abhängigkeit:

Zum Beispiel hängt Abhängigkeit nicht unbedingt mit dem Erhalten von Nähe zusammen, bezieht sich nicht auf ein besonderes Individuum, beinhaltet kein überdauerndes Band und ist nicht notwendigerweise mit starken Gefühlen verbunden. Keine biologische Funktion wird ihr zuerkannt. (Bowlby, 1987)

Die Bindung ist ein dauerhaftes und situationsgebundenes Merkmal für das Bindungsstreben. Verhaltensweisen, die darauf abzielen die Nähe eines Menschen zu erhalten oder zu suchen, zählen dagegen zum Bindungsstreben (vgl. Bowlby, 1995:36-37).

Das „Bindungsverhaltenssystem“, welches auf einer stammesgeschichtlichen Grundlage basiert, garantiert das Überleben und die psychische Gesundheit und ist unabhängig von anderen Verhaltenssystemen (zum Beispiel dem System der sozialen Zuwendung, der Furcht oder der Exploration).

Durch das Bindungsverhalten/Bindungsstreben, welches Verhaltensweisen erfasst, die der „evolutionstheoretisch sinnvollen Suche nach Sicherheit und Schutz entsprechen“, entwickelt sich eine gefühlsmäßige Bindung zwischen primärer Bezugsperson und dem Kind und später zwischen den Erwachsenen. Somit sind Bindung und Bindungsverhalten nicht auf die Kindheit begrenzt, sondern setzen sich innerhalb des gesamten Lebenszyklus fort (vgl. Hédervári, 1995:26-27).

Bindungsverhalten umfasst

Weinen und Rufen, die Zuwendung auslösen, Folgen und Festhalten und auch starken Protest, wenn ein Kind allein gelassen oder bei fremden Personen zurückgelassen wird. (Bowlby, 1987)

Obwohl Häufigkeit und Intensität des Bindungsverhaltens im zunehmenden Alter abnehmen, bleiben die Verhaltensformen als wichtiger Teil der Verhaltensausstattung des Menschen erhalten. Im Erwachsenenalter sind sie vor allem bei Angst, Krankheit oder starken Belastungen erkennbar.

Die besonderen Muster des Bindungsverhaltens eines Individuums hängen zum Teil von seinem Alter, seinem Geschlecht, den Lebensumständen und zum Teil von den Erfahrungen ab, die es mit Bindungspersonen früher im Leben gehabt hat. (Bowlby, 1987)

Mary Ainsworth stellte ihre eigene Definition von Bindungsverhalten auf:

Bindungsverhalten ist ein Verhalten, durch das eine differenzierende, gefühlsmäßige Beziehung mit einer Person oder einem Objekt entsteht; es beginnt damit eine Kette von Interaktionen, die dazu dienen, die gefühlsmäßige Beziehung zu festigen (vgl. Grossmann & Grossmann, 2009:102).

Um das Aufrechterhalten von Nähe zu konzeptualisieren, hat die Bindungstheorie die folgenden Merkmale herausgearbeitet:

1. Besonderheit (specificity): Das Bindungsverhalten richtet sich auf eine oder wenige besondere Personen, meist nach einer klaren Präferenz.
2. Dauer (duration): Meistens dauert eine Bindung über einen langen Zeitraum des Lebenslaufs an und kann außerdem durch neue ergänzt werden. Eher selten wird sie durch neue Bindungen ersetzt.
3. Emotionale Anteilnahme (engagement of emotion): Die Ausbildung einer Bindung wird als „sich verlieben“, die Aufrechterhaltung als „jemanden lieben“ und der Verlust des Partners als „über jemanden Trauern“ beschrieben. Ein drohender Verlust löst Angst und der tatsächliche Verlust löst Kummer aus. Der unbelastete Erhalt einer Bindung wird als Quelle der Sicherheit erfahren und die Erneuerung einer Bindung als Quelle der Freude.
4. Individuelle Entwicklung (ontogeny): Während der ersten 9 Monate des Lebens entwickelt sich das Bindungsverhalten der meisten Kinder gegenüber einer bevorzugten Person. Die Person, die für das Kind sorgt, entwickelt sich zur Hauptbindungsperson. Bindungsverhalten bleibt bis zum Ende des dritten Lebensjahres unmittelbar aktivierbar; bei einer gesunden Entwicklung wird es danach allmählich weniger aktivierbar.
5. Lernen (leraning): Ein Schlüsselprozess in der Entwicklung der Bindung ist, das Vertraute vom Fremden unterscheiden zu lernen. Bindung kann sich trotz wiederholter Bestrafung durch die Bindungsperson entwickeln.
6. Organisation (organization): Bindungsverhalten wird anfänglich durch einfach strukturierte Antwortmuster vermittelt, vom Ende des ersten Lebensjahres an dann durch zunehmend komplexe Verhaltenssysteme, die Vorstellungsmodelle der Umwelt und des Selbst umfassen. Diese Systeme werden durch folgende Bedingungen aktiviert: Fremdheit, Hunger, Müdigkeit und alles, was Angst auslöst. Die Aktivität beendende Bedingungen sind die Wahrnehmung der Mutter und besonders fröhliche Interaktionen mit ihr. Bei aktiviertem Bindungsverhalten bedarf es einer Berührung der Mutter, damit das Kind sich ihrer Anwesenheit bewusst ist und die Umwelt erkunden kann.
7. Biologische Funktion (biological function): Bindungsverhalten tritt bei den Jungen nahezu aller Säugetiere auf. Es ist die Regel, dass das Kind Nähe zu einem bevorzugten Erwachsenen, meist der Mutter, hält. Die wahrscheinlichste Funktion des Bindungsverhaltens ist Schutz, vor allem vor „Raubtieren“ (vgl. Bowlby, 1987).

Jeremy Holmes beschreibt in seinem Werk „John Bowlby und die Bindungstheorie“ diese als eine räumliche Theorie. Ist die Bezugsperson in der Nähe, fühlt das Kind sich gut, ist sie weit weg, fühlt es sich einsam. Als Beispiel nennt er das Kind, das auswärts übernachtet. Solange es mit Spielen beschäftigt ist, ist es fröhlich, doch sobald es ins Bett muss oder sich verletzt, verspürt es Heimweh (vgl. Holmes, 2006:87).

Außerdem ist die Erfüllung der Bindung

ein entspannter Zustand, in dem man damit anfangen kann, „sich um Dinge zu kümmern“, eigene Projekte zu verfolgen und zu erkunden. (Holmes, 2006:87)

[...]


[1] Melanie Klein (* 30. März 1882 in Wien; † 22. September 1960 in London) war eine österreichisch-britische Psychoanalytikerin. Sie war eine der Pionierinnen der Kinderpsychoanalyse sowie der Objektbeziehungstheorie. Ironischerweise wird sie auch als Königin der Nacht der Psychoanalyse bezeichnet, weil sie die paranoid-schizoide Position, den frühkindlichen Sadismus und die Polarität zwischen guter und böser Mutterbrust begrifflich prägte. (Grosskurth, 1993)

[2] Unter Dyslexie (altgr.: dys = schlecht, schwer, miss- [hier = Missverstehen], léxis = Sprache, Redeweise, Stil [hier = Redeweise] schlechte/falsche Wiedergabe/Redeweise) versteht man Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Wörtern oder Texten bei normalem Seh- und Hörvermögen der betroffenen Person.

Details

Seiten
63
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640554126
ISBN (Buch)
9783640553570
Dateigröße
697 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146423
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Schlagworte
Entwicklungseinflüsse Bindung Interventionsmöglichkeiten Kindertagesstätte Heim

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Titel: Entwicklungseinflüsse durch  frühkindliche Bindung - Interventionsmöglichkeiten in der Kindertagesstätte und im Heim