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Herausforderungen am chinesischen Arbeitsmarkt und die Reaktion der chinesischen Regierung

Seminararbeit 2009 43 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Transformation des Arbeitssystems - vom Arbeitsplan zum Arbeitsmarkt
2.1 Grundelemente des chinesischen Arbeitssystems vor 1978
2.2 Reformen des chinesischen Arbeitssystems ab 1978

3. Chinas Wirtschaftsdaten und der Vergleich mit anderen Ländern
3. 1 Bevölkerung
3.2 Altersstruktur der Bevölkerung
3.3 Bruttoinlandsprodukt / Bruttonationaleinkommen
3.4 Arbeitskräfte
3.5 Beschäftigungsstruktur

4. Herausforderungen am Chinesischen Arbeitsmarkt
4.1 Arbeitslosigkeit
4.1.1 Definition Arbeitslosigkeit
4.1.2 Unvollständigkeit der offiziellen Arbeitslosenquote
4.2 Regionale Unterschiede in Einkommens- und Vermögensverhältnissen
4.3 Wanderarbeiter
4.4 Informelle Beschäftigung
4.5 Sozialversicherung
4.6 Arbeitnehmervertretung – Die Rolle der chinesischen Gewerkschaften
4.7 Ausbildung der Arbeitskräfte

5. Reformen und Maßnahmen der Regierung
5.1 Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung
5.2 Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit von Universitätsabsolventen und
Wanderarbeitern
5.2.1 Hochschulabsolventen
5.2.2 Wanderarbeiter
5.3 Maßnahmen zur Verbesserung des Bildungs- und Sozialversicherungssystems
5.3.1 Sozialversicherungssystem
5.3.2 Bildungsmaßnahmen
5.4 Reform des Arbeitsrechts

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Altersstruktur der Bevölkerung 2008 (World Factbook 2009)

Abbildung 2 Altersstruktur in China (National Bureau of Statistics of China 2008)

Abbildung 3 Bruttoinlandsprodukt im Ländervergleich 2008 (Central Intelligent Agency 2008)

Abbildung 4 Bruttonationaleinkommen 2009 (International Monetary Fund 2009)

Abbildung 5 Beschriftung Bruttoinlandsprodukt (International Monetary Fund 2009)

Abbildung 6 Erwerbspersonen auf der Welt 2007 (Central Intelligent Agency 2008)

Abbildung 7 Anteil der Erwerbstätigen an den Sektoren und ihre Leistungserbringung (Central Intelligent Agency 2008, National Bureau of Statistics of China 2008)

Abbildung 8 Durchschnittliches Jahreseinkommen

(China Statistical Yearbook 2008)

Abbildung 9 Durchschnittliches Jahreseinkommen nach Region (China Statistical Yearbook 2008)

Abbildung 10 Sozialversicherte 2008 (China View 2009b)

Abbildung 11 Sozialversicherungsquoten (Cai 2008, S.188)

Abbildung 12 Bildungsgrad Arbeitskräfte (Schucher 2008, S.22)

Abbildung 13 Aufteilung des Konjunkturprogramms (Economic Observer 2009)

1. Einleitung

Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik sind in den meisten Ländern von großer Bedeutung. Zum einen ist ein Großteil der Bevölkerung vom Thema Arbeitsmarkt betroffen und zum anderen hängen mit dem Arbeitsmarkt noch viele weitere politische Fragen zusammen, wie Bildung oder Sozialsystem. Chinas Arbeitsmarkt zu betrachten, ist deshalb besonders spannend, da er in den letzten Jahren einen enormen Wandel durchlebte. Die wirtschaftlichen Reformen von einer Planwirtschaft hin in Richtung Marktwirtschaft haben auch vor dem Arbeitsmarkt nicht halt gemacht. Hinzu kommen ein starkes Bevölkerungswachstum und die strukturelle Veränderung der Beschäftigungssektoren. Darüber hinaus hat sich China, ebenso wie die westlichen Länder, der Globalisierung zu stellen. Von den Arbeitskräften wird eine viel größere Flexibilität verlangt, da sie mit Arbeitskräften auf der ganzen Welt konkurrieren müssen. Szenarien wie früher, dass man nach dem Schulabschluss in einem Unternehmen anfängt und bei dem gleichen Unternehmen die nächsten 30 Jahre arbeitet, ist heute die Ausnahme. Dies gilt auch für China. Hinzu kommt, dass genauso wie auf der ganzen Welt, die Finanzkrise sich auch auf China auswirkt. Wenn vielleicht auch nicht so stark wie in anderen Ländern, so ist dennoch der chinesische Arbeitsmarkt von den Auswirkungen der Finanzkrise betroffen.

Chinas Arbeitsmarkt steht also vor enormen Herausforderungen - diesen Problemen widmet sich diese Arbeit. So werden als Fragen behandelt:

Vor welchen Herausforderungen steht der chinesischen Arbeitsmarkt und wie begegnet die chinesische Regierung diesen? Dabei werden die Herausforderungen und die Maßnahmen der Regierung benannt und kritisch hinterfragt.

Zunächst wird ein Blick in die Geschichte des chinesischen Arbeitsmarktes geworfen und die Transformation des Arbeitssystems von der Arbeitsplanung zum Arbeitsmarkt dargestellt. Anschließend werden die chinesischen Wirtschaftsdaten untersucht, wie

Bevölkerungswachstum, Bruttoinlandsprodukt, Bruttonationaleinkommen, Beschäftigungsstruktur und Anzahl der Arbeitskräfte. Bereits durch die Betrachtung dieser Daten, können wesentliche Herausforderungen für den Arbeitsmarkt erkannt werden.

Im vierten Kapitel wird dann konkret auf die Herausforderungen eingegangen. Zunächst wird erläutert wie Arbeitslosigkeit in China definiert ist, wie sich die offizielle chinesische Arbeitslosenquote zusammensetzt und welche Gruppen in dieser Quote nicht präsent sind. Folgend wird auf die kritische Situation der großen Einkommensunterschiede von Stadt und Land, sowie der Küstenregion zu westlichen Provinzen eingegangen und die möglichen Konsequenzen dieser Situation auf die Akzeptanz der Arbeitsmarktreformen betrachtet. Weiter wird die Wanderarbeitersituation beleuchtet und auf die steigende informelle Beschäftigung eingegangen. Darauf wird erklärt, warum ein stabiles Sozialversicherungssystem für den Arbeitsmarkt von Bedeutung ist und wie der Aufbau dieses Systems in China fortgeschritten ist. Bei der Betrachtung des Arbeitsmarktes eines Landes, darf auch die Rolle der Arbeitnehmervertretung, also der Gewerkschaften nicht fehlen, die in Abschnitt 4.6 beschrieben wird. Zum Schluss des letzten Kapitels und im Hinblick auf die Zukunft des Arbeitsmarkts, wird die Bildungssituation in China betrachtet und Verbesserungen vorgeschlagen.

Schließlich werden im fünften Kapitel die Maßnahmen erläutert, mit denen die Regierung den Herausforderungen zu begegnen versucht. Ein großes Thema ist das in diesem Jahr ausgerufene Konjunkturpaket. Auch die Anstrengungen der Regierung, die beiden Gruppen mit dem höchsten Konfliktpotential, die Wanderarbeiter und die Hochschulabsolventen, in Beschäftigung zu bringen, werden betrachtet. Zum Schluss wird auf die Maßnahmen im Bereich Bildung und Sozialsystem geblickt und das neue Arbeitsgesetz kritisch betrachtet. Im Fazit werden nochmal die wichtigsten Herausforderungen kurz dargestellt, allumfassend die Maßnahmen der Regierung bewertet und Verbesserungsvorschläge gegeben.

2. Transformation des Arbeitssystems - vom Arbeitsplan zum Arbeitsmarkt

Um die heutigen Gegebenheiten auf dem chinesischen Arbeitsmarkt zu verstehen, ist es hilfreich die Geschichte des chinesischen Arbeitssystems zu betrachten. Zunächst wird auf die Grundelemente des chinesischen Arbeitssystems vor 1978 eingegangen und folgend der Wandel des Arbeitssystems von der Arbeitsplanung hin zu einem Arbeitsmarkt erläutert.

2.1 Grundelemente des chinesischen Arbeitssystems vor 1978

In den 50er Jahren wurden die grundlegenden Entscheidungen für das Arbeitssystem in China getroffen. Eine gravierende Veränderung lag in der Einführung der Arbeitsplanung und der Arbeitsverwaltung. Ab Mitte der 50er Jahre wurden die Arbeitskräfte durch den Staat erfasst und zugeteilt. Arbeitskräfte in Staatsbetrieben durften ihre Arbeitsplätze nicht mehr ohne Genehmigung wechseln; sie wurden sogar bestraft, wenn sie der Zuteilung nicht folgten. Zur Eindämmung der Abwanderung vom Land in die Städte wurde 1951 das hukou-System eingeführt. Durch dieses Haushaltsregistrierungssystem wurden Arbeitskräfte an einen bestimmten territorialen Bereich in einer Stadt oder auf dem Land gebunden. Der Wechsel in ein anderes Territorium war nahezu ausgeschlossen. Neben dem hukou-System entwickelte sich auch das danwei-System, bei dem die Arbeitskraft einer Basiseinheit/Arbeitseinheit zugeordnet wurde. Auf dem Land war die danwei häufig die Dorfgemeinde, in der Stadt die Universität, die Fabrik, das Kaufhaus, das Wohnviertel oder auch das Ministerium. Die danwei war aber mehr als nur der Arbeitsplatz. Sie übte soziale Kontrolle im Bereich der Familienplanung aus und bot zugleich soziale Stabilität durch Medizinische Versorgung und Altersversorgung.

Ein zentraler Bestandteil des chinesischen Arbeitssystems war die Festarbeit. Zur Senkung der Arbeitslosigkeit mussten ab 1950 Entlassungen vom Arbeitsbüro genehmigt werden. Ab 1957 bestand faktisch ein allgemeines Kündigungsverbot. Die Festarbeit kennzeichnete sich durch ein vertragsloses, lebenslanges Arbeitsverhältnis, das durch die Zuweisung zu einem Arbeitsplatz erfolgte.

Auch die Eigentumsordnung änderte sich nachhaltig. Betriebe wurden verstaatlicht oder in Betriebe kollektiven Eigentums umgewandelt. Die Staatsbetriebe wurden zum Leitbild, worunter die Arbeitskräfte der Kollektivbetriebe durch schlechteres Lohnniveau, weniger Sozialleistungen und Beschäftigungsunsicherheit sehr litten (Hebel 1992, S.66-71)

Die Grundelemente des Arbeitssystems wie Arbeitsplanung und -verwaltung, hukou- und danwei-System, Festarbeit und die betriebliche Eigentumsordnung in vornehmlich Staats- und Kollektivbetriebe blieben bis 1978 bestehen.

2.2 Reformen des chinesischen Arbeitssystems ab 1978

Die chinesische Führung leitete 1978 einen Richtungswechsel in den Zielen der Wirtschaftsentwicklung ein. Ab dem Zeitpunkt sollten nicht nur die Produktionsziele erreicht, sondern auch die Effizienz gesteigert werden. Eine Veränderung war von Nöten, denn 1979 gab es 5,67 Millionen städtische Arbeitslose (Ngok 2008: S. 46) und die Arbeitsproduktivität in den Staats und Kollektivbetrieben war sehr niedrig. Dies veranlasste die Führung, das Arbeitssystem zu reformieren. Von 1978 bis 1983 stand die Beschäftigungsproblematik im Vordergrund. Es wurden Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen beschlossen, wie die verstärkte Gründung von kleinen Kollektivbetrieben, den Ausbau der Eigenerwerbsarbeit, Ermöglichung von Zeit- und Schichtarbeit, Ausweitung der Berufsausbildung und Schaffung von Arbeitsdienstleistungsgesellschaften, zur besseren Vermittlung von Arbeitslosen. Arbeiter bekamen die Erlaubnis in privaten Firmen zu arbeiten und wurden durch Anreize, wie Steuervergünstigungen, dazu ermutigt sich selbstständig zu machen (Ngok 2008: S. 47). So gelang es der Regierung die offizielle Arbeitslosenquote 1984 unter 2% zu senken (Hebel 1992: S. 175f). Der starke Bruch mit dem Maoistischen Arbeitssystem vollzog sich 1986, als die Regierung Bestimmungen zum Arbeitsvertragssystem erließ. Bei Neueinstellungen im städtischen Raum musste nun ein Arbeitsvertrag geschlossen werden, der befristet und kündbar war. Auch bei der Anwerbung und Anstellung von Arbeitskräften wurde mehr auf Effizienz geachtet. Die offenen Stellen mussten öffentlich ausgeschrieben werden. Bei der Einstellung wurde nach Leistung geprüft. Außerdem wurden Probezeit und eine Arbeitslosenversicherung eingeführt. Die Vererbung von Arbeitsplätzen auf Kinder wurde – mit Ausnahmen von wenigen Branchen – untersagt (Hebel 1992: S. 180f). Die sozialen Stützen wie Rente, Wohnung, Gesundheitsversorgung und Schule wurden schrittweise von den Staatsunternehmen losgelöst. (Ngok 2008: S. 48). Staatsunternehmen boten also nicht mehr das „Rundum-Sorglos-Paket“ mit sozialen Vergünstigungen und Wohlstand. Das Ende der „eisernen Reisschale“ zeichnete sich ab.

Zusammengefasst waren die bedeutendsten Veränderungen, dass der Arbeitsplatz auf Lebenszeit von einem auf Vertrag basierenden Beschäftigungsverhältnis abgelöst wurde und die Zuordnung zum Arbeitsplatz, was bis dahin der Staat erledigte, nun durch den Arbeitsmarkt reguliert wurde. Neu war auch, dass die Entlohnung an der Arbeitsleistung und nicht mehr nur an dem Status des Arbeiters gemessen wurde. Hinzu kam der sukzessive Abbau des danwei-Systems, wodurch die Arbeiter sich selbst um die soziale Absicherung kümmern mussten.

3. Chinas Wirtschaftsdaten und der Vergleich mit anderen Ländern

Um ein Arbeitssystem zu analysieren ist es wichtig, vorab die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu kennen; daher wird folgend die aktuelle Lage von China betrachtet. Die chinesischen Daten werden teilweise zur Veranschaulichung mit den Ländern USA, Indien und Deutschland verglichen. Die USA wurde als Vergleich gewählt, da sie die führende Wirtschaftsmacht der Welt ist, Indien weil es von der Bevölkerungsanzahl mit China zu vergleichen ist und Deutschland da es zur Zeit etwa das gleiche Bruttoinlandsprodukt wie China hat, aber von der Größe und der Bevölkerungsanzahl sich deutlich unterscheidet.

3. 1 Bevölkerung

Die Bevölkerung Chinas hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt. Lebten 1962 auf 9,596,960 km2 noch 672 Millionen Menschen in China (National Bureau of Statistics of China 1996), werden es im Jahr 2009 1,338 Milliarden sein (Central Intelligent Agency 2008). Deutschlands Bevölkerung stieg seit 1960 lediglich um ca. 9% auf 82 Millionen bei einer Fläche von 357,021 km2 und die Bevölkerung wird in Zukunft sogar schrumpfen (Bundeszentrale für politische Bildung 2008). Die USA wuchs von 1960 bis 2009, bei ähnlicher Fläche wie China mit 9,826,630 km2, um ca. 60 % auf 307 Millionen Einwohner. Indien erlebt auf 3,287,590 km2 ein stärkeres Bevölkerungswachstum als China, von fast 150% in den letzten 50 Jahren auf 1,166 Milliarden Einwohner in 2009 (Central Intelligent Agency 2008). Das Bevölkerungswachstum in China wird 2009 voraussichtlich bei 0,65% liegen und eine chinesische Frau wird im Durchschnitt 1,79 Kinder haben (Central Intelligent Agency 2008).

3.2 Altersstruktur der Bevölkerung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Altersstruktur der Bevölkerung 2008 (World Factbook 2009)

Im Jahr 2007 waren in China 9,3 % der Bevölkerung über 65 Jahre, 72,8 % 15 bis 65 Jahre und 17,9% unter 15 Jahre alt (National Bureau of Statistics of China 2008). Dieser Prozentsatz liegt in der Altersgruppe der unter 15 Jährigen sogar unter den USA mit 20,2 % (Central Intelligent Agency 2008). 1996 waren noch ca. 27 % in China 0 bis 14 Jahre alt (National Bureau of Statistics of China 1996). Dies zeigt, dass die chinesische Ein-Kind-Politik Wirkung zeigt und weniger Kinder in China geboren werden. Gleichzeitig fällt auf, dass die Gruppe der 15 bis 64 Jährigen im Vergleich mit den USA, Deutschland und Indien am höchsten ist. Der Anteil der Erwerbsfähigen in China ist also international betrachtet überproportional hoch. Heute ist in China im internationalen Vergleich noch ein geringer Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre. Dieser Anteil wird in Zukunft allerdings steigen, insbesondere wenn die geburtenstarken Jahrgänge der heute 35 bis 45 Jährigen das 65. Lebensjahr erreichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Altersstruktur in China (National Bureau of Statistics of China 2008)

3.3 Bruttoinlandsprodukt / Bruttonationaleinkommen

China hatte 2008 ein Bruttoinlandsprodukt von 4.222 Milliarden US Dollar und rangierte damit, wenn man die EU nicht als einen Staat betrachtet, auf dem dritten Platz weltweit (Central Intelligent Agency 2008).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Bruttoinlandsprodukt im Ländervergleich 2008 (Central Intelligent Agency 2008)

Betrachtet man aber das Bruttonationaleinkommen von China, so zeichnet sich ein anderes Bild ab. Chinas Pro-Kopf-Einkommen liegt im Jahr 2009 nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds bei 3622 US Dollar. Dies ist weit entfernt von dem Weltdurchschnittseinkommen von 8248 US Dollar. Im internationalen Vergleich des Bruttonationaleinkommens rangiert China auf dem 99. Platz, also weit hinter Luxemburg (Platz 1), USA (Platz 7) und Deutschland (Platz 16), aber vor Indien (Platz 143) (International Monetary Fund 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Bruttonationaleinkommen 2009 (International Monetary Fund 2009)

Im Bereich Wirtschaftswachstum war China unter den Großmächten in den letzten 30 Jahren Spitzenreiter. So wuchs Chinas Wirtschaft in diesem Zeitraum im Schnitt um jährlich 8,8 Prozent. Im April 2009 prognostizierte der Internationale Währungsfond (IMF) selbst im

Krisenjahr 2009 für China ein Wachstum von 6,5 Prozent; auch in den kommenden Jahren wird China unter den Großmächten das stärkste Wachstum verzeichnen können (International Monetary Fund 2009). Im Oktober 2009 prognostiziert der IMF sogar ein Wachstum von 8,5% für China im Jahr 2009 (International Monetary Fund 2009b).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Beschriftung Bruttoinlandsprodukt (International Monetary Fund 2009).

3.4 Arbeitskräfte

Auf Grund des Bevölkerungswachstums in China, stiegen auch die verfügbaren Arbeitskräfte stetig an. China hatte 1978 ein Arbeitskräftepotenzial von ca. 400 Millionen Menschen (National Bureau of Statistics of China 1996) und 2008 ein Arbeitskräftepotenzial von 807 Millionen Menschen (Central Intelligent Agency 2008). Das bedeutet eine Verdoppelung der verfügbaren Arbeitskräfte innerhalb von 30 Jahren. Die Beschäftigten in den Städten verdreifachten sich sogar im gleichen Zeitraum von 95,14 Millionen 1978 auf 293,5 Millionen Arbeitskräfte im Jahr 2007 (National Bureau of Statistics of China 2008). Im Vergleich dazu wuchs die Erwerbspersonenanzahl der USA seit 1978 von 100 Millionen auf 150 Millionen, also insgesamt um nur 50 % (Bureau of Labour Statistics 2008). Damit wird die große Herausforderung deutlich, welcher China in den letzten Jahrzehnten gegenübergestanden ist und noch gegenübersteht, schließlich sind in den letzten 30 Jahren zusätzliche 400 Millionen Menschen auf den chinesischen Arbeitsmarkt geströmt (China besitzt heute ein Viertel des Arbeitskräftepotenzials der Welt).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Erwerbspersonen auf der Welt 2007 (Central Intelligent Agency 2008)

3.5 Beschäftigungsstruktur

Betrachtet man die Verteilung der chinesischen Arbeitskräfte nach Wirtschaftssektoren zeigt sich ein starker Wandel in den letzten 30 Jahren. Waren 1978 noch 70 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt (National Bureau of Statistics of China 2008), waren knapp 30 Jahre später nur noch 43% (Central Intelligent Agency 2008). Dabei ist bedenklich dass der Landwirtschaftssektor, der 43% der Arbeitskräfte beschäftigt, nur 11% des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet (Central Intelligent Agency 2008). Der Industrie- und Dienstleistungssektor ist seit 1978 sehr stark gewachsen, wobei letzterer von 12% im Jahr 1978 (National Bureau of Statistics of China 2008), auf 32% im Jahr 2007 (Central Intelligent Agency 2008) das stärkere Wachstum aufweist. Es ist anzunehmen, dass der Anteil des Dienstleistungssektors in China in Zukunft noch steigt, wenn man einen Blick auf die Wirtschaftssektorenverteilung der USA wirft. In den USA sind 0,6% der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 22,6% in der Industrie und 76,8% im Dienstleistungssektor tätig. 79,2 % des BIP der USA werden aus dem Dienstleistungssektor erwirtschaftet (Central Intelligent Agency 2008). China hat also in den letzten 30 Jahren einen enormen Strukturwandel durchgemacht, der noch nicht abgeschlossen ist. In Deutschland waren im Vergleich hierzu, bereits 1950 nur 7,8% in der Landwirtschaft tätig, 55% in der Industrie und 37,3 % im Dienstleistungssektor (Statistisches Bundesamt 2009b). Der Wandel der sich in der der Zeit der Hochindustrialisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts in den westlichen Ländern vollzogen hat, vollzieht sich jetzt in sehr komprimierter Zeit in China. Dabei verschieben sich die Arbeitskräfte aber nicht zunächst nur zum Industriesektor hin, sondern auch gleich zum Dienstleistungssektor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Anteil der Erwerbstätigen an den Sektoren und ihre Leistungserbringung (Central Intelligent Agency 2008, National Bureau of Statistics of China 2008)

Zusammengefasst werden mehrere Brennpunkte für den chinesischen Arbeitsmarkt bereits aus der Betrachtung der Wirtschaftsdaten deutlich:

- China rangiert mit seinem Bruttoinlandsprodukt zwar auf Platz 3 in der Welt, mit seinem Bruttonationaleinkommen aber auf Platz 99 und damit weit unter dem Weltdurchschnitt
- Der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre wird in Zukunft in China stark ansteigen
- Das Arbeitskräftepotenzial hat sich innerhalb von 30 Jahren auf 800 Millionen Menschen verdoppelt
- Die Beschäftigungsstruktur hat sich stark gewandelt (waren 1978 noch 70% in der Landwirtschaft tätig, sind es heute weniger als 43%)

In den letzten 30 Jahren hat in China also nicht nur ein gewaltiger Wandel des Wirtschaftssystems von der Plan- zur Marktwirtschaft stattgefunden, sondern die Wirtschaftsfaktoren haben sich auch strukturell enorm verändert. Mit dieser doppelten Herausforderung ist der Arbeitsmarkt in China konfrontiert worden.

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Details

Seiten
43
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640568871
ISBN (Buch)
9783640569205
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146293
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
Arbeitsmarkt Finanzkrise China Arbeitslosigkeit

Autor

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Titel: Herausforderungen am chinesischen Arbeitsmarkt und die Reaktion der chinesischen Regierung