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Produktpiraterie: Auswirkungen auf Volkswirtschaft und Unternehmen

Seminararbeit 2008 34 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedrohung „Produktpiraterie“
2.1 Definition und Erscheinungsformen
2.2 Betroffene Branchen und Produkte
2.3 Herkunft der Plagiate
2.4 Situation in der Investitionsgüterindustrie

3. Produktpiraten
3.1 Motivation
3.1.1 Das Ausnutzen fremder Forschung und Innovationen
3.1.2 Der Diebstahl von Marke und Image
3.2 Strategien der Prroduktpiraten

4. Auswirkungen
4.1 Volkswirtschaftliche Schäden
4.1.1 Problematik der Quantifizierung
4.1.2 Arbeitsplätze und -bedingungen
4.2 Betriebswirtschaftliche Schäden
4.2.1 Unmittelbare und mittelbare Folgen
4.2.2 Folgen für Unternehmen am Beispiel der Investitionsgüterbranche
4.3 Folgen für den Staat
4.4 Gesundheitliche Schäden

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

Internet-/ Intranetverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Betroffenheit der Indsutriesektoen der deutschen Wirtschaft

Abbildung 2: Herkunftsländer der beschlagnahmenden Waren in Deutschland nach Warenwert (2007)

Abbildung 3: Growth Domestic Products (GDP) - Wachstumsraten in % (2000 - 2006)

Abbildung 4: Herstellungsländer der Plagiate

Abbildung 5: Absatzmärkte der Plagiate

Abbildung 6: Das Bojenmodell des Markenwertes

1. Einleitung

„Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.“1

Wer heutzutage den leichtesten Weg in der Produktentwicklung geht, hat sogar die Chance einen handelsüblichen Gartenzwerg mit goldener Nase als „Auszeichnung“ für das detailgetreue Kopieren eines Produktes zu erhalten - den Plagarius. Zusätzlich besteht auch die Aussicht ein Platz im Museum Plagarius in Solingen zu ergattern. So schöne eine Auszeichnung und ein Platz im Museum auch sein können, bei dieser Aktion handelt es sich um einen Negativpreis, der auf eine ernsthafte Problematik in der Wirtschaft aufmerksam machen soll. Der Präsident der Internationalen Handelskammer in Deutschland bezeichnet diese sogar als größte kriminelle Bedrohung des 21. Jahrhunderts2. Wird nur der Bereich der Wirtschaftskriminalität betrachtet, könnte er sogar im Recht sein.

Das Kopieren von Produkten - Produktpiraterie im Folgenden genannt - beeinträchtig die Überlebensfähigkeit vieler Unternehmen, denn Plagiate können deutlich günstiger angeboten werden und greifen massiv in die Wettbewerbsfähigkeit der Originalhersteller ein. Eine Umfrage in Deutschland hat ergeben, dass 38% der Befragten bei einem deutlich günstigeren Angebot als z.B. im Einzelhandel das Produkt kaufen würden3. Der Markt für Plagiate lebt ausschließlich vom Preisvorteil. Die Umfrage hat aber auch gezeigt, dass die Hälfte sich zunächst nach der Herkunft erkundigen würde. Bestimmte Herkunftsländer scheinen bei den Konsumenten anscheint schon ein Indikator für Plagiate zu sein.

Im September 2006 hat der Hamburger Zoll 117 Container Waren mit einem Verkaufswert von über 380 Mio. € sichergestellt.4 Dabei handelte es sich um Plagiate von Schuhen, Uhren, Spielzeug und Textilien - klassische Konsumgüter. Auf der einen Seite gilt dieser Fund als weltweit größter, auf der anderen Seite ist dies trotzdem nur die Spitze des Eisberges. Die Produktpiraten agieren organisiert: Sie bauen sich flexible Netzwerke, führen Behörden in die Irre und suchen gezielt ihre Transportwege aus.5 Der Hamburger Hafen wird wohl nicht mehr zu den Bevorzugten gehören.

Diese Arbeit soll zunächst einen Überblick über die Bedrohung durch Produktpiraterie liefern. Wie stark die Wirtschaft von Produktpiraterie betroffen ist und wo die Plagiate hergestellt werden, wird anhand von verschiedenen Studien dargelegt. Weiterhin werden auch zwei Vorleistungen der Originalhersteller erläutert, welche schamlos von den Produktpiraten missbraucht werden. In Europa wird Produktpiraterie im Gegensatz zu Asien nicht als Kavaliersdelikt angesehen und demensprechend konsequent verfolgt. Daher hängt Überlebensfähigkeit von Produktpiraten im Wesentlichen auch von ihrem Vorgehen und den zu erläuternden Strategien ab. Der Kern dieser Arbeit konzentriert sich auf die Folgen der Produktpiraterie. Die Problematik der Bestandaufnahme der verursachten Schäden beginnt schon bei der Quantifizierung. Die volks- und betriebswirtschaftlichen Schäden können daher nur geschätzt werden. Zusätzlich gibt es allerdings bestimmte Formen von Schäden, die schon aufgrund ihrer Qualität (z.B. gesundheitliche Schäden) gravierend sind. Abschlißend wir ein Ausblick für die Thematik gegeben.

2. Bedrohung „Produktpiraterie“

2.1 Definition und Erscheinungsformen

In einem Lexikon für Zoll und Außenhandel wird folgende Definition angeboten:

„Es handelt sich bei Produktpiraterie um das verbotene Nachahmen und Vervielfältigen 'von Waren, für die der Hersteller ein Recht am geistigen Eigentum besitzt, z.B. Designrechte, Erfindungsrechte, u.a. Der Käufer wird über die tatsächliche Herkunft und Qualität der Waren getäuscht. Waren werden mit bekannten Markenzeichen versehen, ohne dass die Erlaubnis des Schutzrechtsinhabers vorliegt.“6

Klassische Pirateren begehen Überfälle auf Seeschiffe, Raubzüge zur See oder räuberische Angriffe auf Küsten. Die modernen Produktpiraten greifen ebenfalls das Eigentum anderer an, allerdings das geistige Eigentum. Doch was bedeutet geistiges Eigentum?

Zunächst muss das geistige Eigentum von dem Sacheigentum abgegrenzt werden, da es sich um keinen Gegenstand handelt und beim geistigen Eigentum im Gegensatz zum Sacheigentum eine zeitliche Beschränkung vorliegt7. Historisch betrachtet gewann der Schutz des geistigen Eigentums in Europa im 15 Jahrhundert mit der Erfindung des Buchdrucks an Bedeutung, da mit diesem der technische Nachdruck von Büchern und somit der Leistung des Autors ermöglicht wurde. Allerdings war der Schutzgrund hier damals noch nicht losgelöst von dem Gegenstand8. Heutzutage ist der Schutzgrund an die geistige Leistung gekoppelt. Für Bücher ist dies heute im Urheberrecht geregelt. Das Kopieren einer intellektuellen Leistung kann heute durch exklusive Verfügungsrechte verhindert werden.9 Diese Verfügungsrechte können Schutzrechte bezüglich des Eigentums an Patenten, Gebrauchsmustern, Geschmacksmustern, Marken oder Urheberrechte sein (vgl. Tabelle 1).10

Aus der Verletzung dieser Schutzrechte resultiert die Problematik der Produktpiraterie. Durch das Territorialprinzip, welches aussagt, dass die Schutzwirkung subjektiver Rechte - und somit auch der aufgezählten Verfügungsrechte - nur im Schutzland verletzt werden kann, bekommt die Thematik eine zusätzliche Dimension.11 Denn Schutzrechte für Produkte und Marken bestehen grundsätzlich lediglich in dem Land, wo sie auch vergeben worden sind. Die Möglichkeit einer Ausdehnung auf multinationaler Ebene besteht aber bereits (z.B. Europäisches Patent). Einer besonderen Stellung in dieser Thematik wird der Verletzung von Markenrechten in der Literatur eingeräumt. Sie wird auch als Markenpiraterie bezeichnet12.

Tabelle 1: Übersicht der Schutzrechte in Deutschland

Quelle: Deutsches Patent- und Marekenamt (2008) (siehe Internetverzeichnis).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ob die Täuschung des Käufers - wie in der Definition beschrieben - gegeben sein muss, um den Tatbestand der Produktpiraterie zu erfüllen, ist allerdings fraglich. Wird beispielsweise dem Touristen in der Innenstadt von Hong Kong billige Uhren bekannter Markenhersteller wie Rolex oder Seiko angeboten, ist diesem durchaus bewusst, dass es sich hier um Plagiate und um genauer zu sein um Markenpiraterie handelt. Anders verhält es sich, wenn in einer Ebay-Auktion die Echtheit umworben wird, wobei hier die Vertrauensfunktion der Marke missbraucht wird (Vermittlung von Qualität, usw.).13 In beiden Fällen handelt es sich aufgrund der Verletzung von Schutzrechten um Markenpiraterie, womit die Täuschung nicht obligatorisch für den Tatbestand ist.

2.2 Betroffene Branchen und Produkte

Vor einigen Jahren hat sich die Produktpiraterie noch auf Konsumgüter wie Textilien und Designeruhren beschränkt. Mittlerweile werden auch zunehmend komplexere Güter - u.a. Investitionsgüter, Maschinenersatzteile, Maschinen und ganze Industrieanlagen - nachgebaut.14 Die OECD geht in einer Studie davon aus, dass international alle Produktsektoren von Fälschungen und unzulässigen Nachahmungen betroffen sind.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Betroffenheit der Industriesektoren der deutschen Wirtschaft

In Anlehnung an: DIHK und APM (2007), S.3 (siehe Internetverzeichnis).

Die der Abbildung 2 zugrundeliegende Studie hat gezeigt, dass vor allem Sektoren, in der die deutsche Wirtschaft eine führende Rolle spielt (Automobilindustrie, Maschinen-/Anlagenbau und Bauindustrie) stark von Nachahmung betroffen sind. Entsprechend den Erwartungen leidet auch der Konsumgüterbereich stark unter Plagiaten. Der Betroffenheitsgrad der Umwelttechnik ist aufgrund der geringen Datenbasis nicht aussagekräftig.16

Produktpiraten konzentrieren sich nur bedingt auf bestimmte Sektoren, ausschlaggebend bei der Auswahl eines Produktes sind für sie letztendlich der Aufwand zur Nachahmung und die potentiellen Gewinnmargen17. Dass die starken Branchen betroffen sind, liegt daher an den hohen Gewinnerwartungen. Produkte für die ein großer Markt besteht und/oder hinter denen einen starke Marke steht, werden daher bevorzugt nachgeahmt bzw. kopiert18. Produktpiraten konzentrieren sich dabei auf die Produktion von Massengütern (z.B. Musik-CDs), da hier die Produktionsvoraussetzungen überschaubar sind. Serienproduktionen wie beispielsweise der Flugzeugbau sind schwieriger zu fälschen und abzusetzen.19 Allerdings spiegelt die Betroffenheit der deutschen Automobilbranche auch die Bereitschaft wieder, sich bei entsprechenden Gewinnaussichten am geistigen Eigentum von Serienproduzenten zu bereichern. Jüngstes Beispiel ist das Modell Noble des chinesischen Autoherstellers Diamonds on the Corwn, welches äußerlich dem Smart sehr stark ähnelt, allerdings schon für einen Preis von ca. 2.000 Euro erhältlich ist20. Das potentielle Risiko und die damit verbundenen Strafen sowie die logistischen Anforderungen an Produktion und Transport gelten ebenfalls als Kriterien für die Auswahl der potentiellen „Kopiervorlagen“.21

Tabelle 2: Beispiele für Plagiate nach Industriesektoren

In Anlehnung an: OECD (2007), S.10 (siehe Internetverzeichnis).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Herkunft der Plagiate

Laut OECD gehören zu den Top 20 der Quellenländer von Plagiaten 14 asiatische Staaten, wobei aus Afrika und Europa jeweils nur zwei Länder in dem Ranking vertreten sind.22

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Herkunftsländer der beschlagnahmenden Waren in Deutschland nach Warenwert (2007)

Quelle: Der Zoll (2007), S.5 (siehe Internetverzeichnis).

Auch die beschlagnahmten Waren an den deutschen Grenzen bestätigen die Aussage der OECD- Studie. Die Europäische Kommission nennt zusätzlich noch Indien und Georgien als Quellenländer für Piraterieware23. Asien und vor allem China ist die Produktionsregion, welche die Welt mit Plagiaten „versorgt“.

Hier stellt sich die Frage, warum asiatische Staaten so stark an der Produktion von Plagiaten beteiligt sind. Dazu werden im folgendem das Wirtschaftswachstum sowie die politische Situation der Länder China, Indien, Malaysia, Thailand und Vietnam untersucht. Zunächst wird das Wirtschaftswachstum anhand des Bruttoinlandsproduktes der Staaten von 2000 bis 2006 dargestellt. Als Durchschnitts- und Vergelichswert dient das Wachstum der Weltwirtschaft.

[...]


1 Konfuzius (551-479 v.Chr.).

2 Vgl. Denkler, Thorsten (2007) (siehe Internetverzeichnis).

3 Vgl. TNS Emnid (2007), S.1 (siehe Internverzeichnis).

4 Vgl. Trummer, Paul (2007) (siehe Internetverzeichnis)

5 Vgl. Dahlkamp, Jürgen u.a. (2007), S.32f.

6 Keller, Klaus u.a. (Hrsg.) (2007), S.391.

7 Vgl. Jänich, Volker (2002) S.2f.

8 Vgl. ebenda, S.38.

9 Vgl. Hachenberger, Jan (2003), S27.

10 Vgl. Von Danwitz, Thomas u.a. (2002), S.263.

11 Vgl. Hye-Knudsen, Rebekka (2005), S.7.

12 Vgl. Göpfert, Wolfgang W. (2006), S. 20.

13 Vgl. Sokianos, Nicolas P. (2006), S.96.

14 Vgl. OECD (2007), S.3 (siehe Internetverzeichnis).

15 Vgl. ebenda, S.3 (siehe Internetverzeichnis).

16 Vgl. DIHK und APM (2007), S.4 (siehe Internetverzeichnis).

17 Vgl. OECD (2007), S.11 (siehe Internetverzeichnis).

18 Vgl. ebenda (siehe Internetverzeichnis).

19 Vgl. BASCAP (2007), S.16 (siehe Internetverzeichnis).

20 Vgl. Grundhoff, Stefan (2008) (siehe Internetverzeichnis).

21 Vgl. OECD (2007), S.7 (siehe Internetverzeichnis).

22 Vgl. OECD (2007), S.11 (siehe Internetverzeichnis).

23 Vgl. European Commission (2008), S. 11 (siehe Internetverzeichnis).

Details

Seiten
34
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640573509
ISBN (Buch)
9783640573431
Dateigröße
745 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146112
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Produktpiraterie Plagiate Raubkopie Patent Urheberschutz Plagiat

Autor

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