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Franz Kafka - Das Urteil: Eine Erläuterung der Erzählsitation

1. Gibt es Prolepsen/Analepsen 2. Erfahren wir etwas darüber, was in den Figuren vorgeht? Wie geschieht dies erzähltechnisch? 3. Lassen sich Binnen – und Rahmenerzählung(en) unterscheiden?

Essay 2008 2 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Erläutern Sie die Erzählsituation!

1. Gibt es Prolepsen/Analepsen

2. Erfahren wir etwas darüber, was in den Figuren vorgeht? Wie geschieht dies erzähltechnisch?

3. Lassen sich Binnen – und Rahmenerzählung(en) unterscheiden?

Die fiktive Erzählung Das Urteil, von Franz Kafka, erschienen im Jahre 1916 beginnt mit einer Beschreibung der Umgebung des Protagonisten Georg Bendemann. Da diese Darstellung sehr objektiv ist, wird der Anschein vermittelt, es handle sich um einen auktorialen Erzähler: „Georg Bendemann, ein junger Kaufmann, saß in seinem Privatzimmer im ersten Stock eines der niedrigen, leichtgebauten Häuser, die entlang des Flusses in einer langen Reihe, fast nur in der Höhe und Färbung unterschieden, sich hinzogen.“[1]

Diese Distanz schaffende Erzählweise beschränkt sich allerdings nur auf den ersten Absatz. Danach wird die Erzählung ausschließlich aus Sicht des Protagonisten, also aus personaler Erzählperspektive geschildert.

Dem Leser werden grundsätzlich nur Georg Bendemanns Gedanken offen dargelegt. Dies geschieht beispielsweise durch die indirekte Rede: „Er [Georg Bendemann] dachte darüber nach, wie dieser Freund, mit seinem Fortkommen zu Hause unzufrieden, vor Jahren schon nach Russland sich förmlich geflüchtet hatte.“[2], einem Inneren Monolog: „Was aber sollte man einem solchen Manne schreiben, der sich offenbar verrannt hatte, den man bedauern, dem man aber nicht helfen konnte.“[3] oder aber mittels der direkten Rede: „ „mein Vater ist noch immer ein Riese“, sagte sich Georg“[4]. Durch diese zahlreiche Anwendung der Techniken zur Gedankenbeschreibung, kann der Leser die Eindrücke, Gefühle, Beweggründe und Gedanken des Protagonisten sehr gut nachvollziehen, sich in dessen Lage versetzen und sich trotz möglicher Diskrepanzen mit ihm identifizieren.

Frieda Brandenfeld, die Verlobte von Georg Bendemann kann ihre Gefühle und Meinung allenfalls indirekt mit der direkten Rede während den vom Protagonisten reflektierten Gesprächen ausdrücken: „Und wenn sie [Frieda Brandenfeld] dann, rasch atmend unter seinen [Georg Bendemanns] Küssen, noch hervorbrachte: „Eigentlich kränkt es mich doch“, hielt er es für unverfänglich, dem Freund alles zu schreiben“[5].

Während dem Vater-Sohn Gespräch wird deutlich, dass der Vater zwar keine besonders hohe Meinung von der Verlobten hat[6], aber dafür den Freund in Russland schätzt: „Er wäre ein Sohn nach meinem Herzen.“[7] Was im Vater vorgeht wird also auch durch die direkte Rede mitgeteilt.

Über erzählte Zeit und Erzählzeit ist festzuhalten, dass sie einander entsprechen, da sich die Handlung ausnahmslos und ohne Unterbrechung weiterentwickelt. Es liegt also eine Zeitdeckung vor, auch wenn der Protagonist in die Vergangenheit zurückblickt, da er währenddessen in seinem Zimmer sitzt und erst hinterher den Raum seines Vaters betritt.
Die Analepsen in Kafkas Erzählung sind für den Handlungsverlauf von Bedeutung. Nachdem Georg Bendemann seinen Brief an den Freund in Russland beendet hat, blickt er auf Ereignisse, wie den Tod seiner Mutter, den Aufschwung seines Geschäfts und die Verlobung mit Frieda Brandenfeld zurück.[8] Des Weiteren reflektiert der Protagonist das Gespräch mit seiner Verlobten, welches der Auslöser für die Bekanntgabe und Einladung des Freundes zur Hochzeit ist.[9]

Abgesehen davon sind die Rückblicke auch für den Leser von großer Relevanz, da sie ihm weitere, tiefe Einblicke in die Gedankenwelt des Protagonisten bieten und sein gegenwärtiges Handeln zumindest teilweise erklären, wodurch der Leser sich besser in Georg Bendemanns Lage hineinver-setzen kann.

Das die Erzählung damit beginnt, dass der Protagonist, nachdem er den Brief an seinen Jugendfreund beendet hat, aus dem Fenster schaut und die Brücke sieht, von der er sich später stürzen wird, kann man als eine Prolepse betrachten.[10].

[...]


[1] Franz Kafka: Das Urteil und andere Prosa. Stuttgart: Reclam 1995, S. 42, Z. 5-9

[2] Ebd., S. 42, Z. 15-17

[3] Ebd., S. 42, Z. 30-32

[4] Ebd., S. 47, Z. 15-16

[5] Ebd., S. 45, Z. 30-33

[6] Vgl. Ebd., S. 52

[7] Ebd., S. 51, Z. 19

[8] Vgl. Ebd., S. 44/45

[9] Vgl. Ebd., S. 45

[10] Vgl. Ebd., S. 42 und S. 55

Details

Seiten
2
Jahr
2008
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146096
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
Schlagworte
Franz Kafka Urteil Eine Erläuterung Erzählsitation Gibt Prolepsen/Analepsen Erfahren Figuren Lassen Binnen Rahmenerzählung(en)

Autor

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