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Erziehungskonzepte der BRD und DDR im Vergleich

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erziehung in der BRD
2.1 Politische Erziehung
2.2 Auswirkungen auf den Sport

3 Erziehungskonzepte in der DDR – Die sozialistische Erziehung
3.1 Methoden und Organisationsformen
3.2 Auswirkungen auf den Sport

4 Die Erziehungsvorstellungen im Vergleich
4.1 Ein Vergleich auf politischer Ebene
4.2 Ein Vergleich in Bezug auf den Sport

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges am 08. Mai 1945 formulierten die alliierten Siegermächte (England, Frankreich, die Sowjetunion und die USA) im Juli 1945 im Potsdamer Abkommen neue Inhalte, Richtlinien und Ziele für das zukünftige Erziehungs- und Bildungssystem in Deutschland. Die Siegermächte wollten die Entwicklung demokratischer Ideen ermöglichen und das deutsche Erziehungswesen so überwachen und kontrollieren, „dass die nazistischen und militaristischen Lehren völlig ausgemerzt“ (Peiffer, 2001, S. 372) werden. Möglichkeiten für eine praktische Umsetzung der Erziehungsvorstellungen wurden jedoch noch nicht entwickelt. Ziel der vier Siegermächte war es, das nationalsozialistische Gedankengut für immer zu verdrängen, mittels einer Umerziehung der Deutschen. Von den Alliierten verfolgte die USA dieses Ziel am nachdrücklichsten. Die Umerziehung sollte sich nicht nur auf den schulische Bereich beschränken, sondern richtete sich auch an Eltern und Lehrer, da diese einen besonderen erzieherischen Einfluss auf die Kinder und Jugendlichen haben (vgl. Reinhardt, 2004, S. 15). Man sah den Nationalsozialismus als eine „Eigentümlichkeit des deutschen Wesens“ an, und bezeichnete ihn als Schwäche und Erkrankung, die geheilt werden muss. Er galt als beständige Bedrohung für den Weltfrieden. Es kristallisierte sich allerdings enorm schnell heraus,

„dass das Demokratieverständnis der sowjetischen Besatzungsmacht sich grundlegend unterschied von dem der westlichen Alliierten.“ (Peiffer, 2001, S. 372)

Nicht nur das Demokratieverständnis der Sowjetunion, sondern auch die wirtschaftlichen Ansichten unterschieden sich enorm. So schlossen sich die USA und England im März 1946 zur „Bizone“, einer Vereinigung auf wirtschaftlicher Basis, zusammen, während die Sowjetunion diese Idee missbilligte. Die „Deutsche Wirtschaftskommission“ im Osten war die sowjetische Antwort auf die Bizone. Eine Trennung Deutschlands wurde immer wahrscheinlicher. 1949 kommt es dann zur Gründung zweier deutscher Staaten. Am 24. Mai 1949 wird die Bundesrepublik Deutschland (BRD) gegründet, knappe fünf Monate später die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Angesichts dieser Teilung entwickelten sich auch die Erziehungsziele und -konzepte der BRD und der DDR in eine unterschiedliche Richtung. Anlässlich dieser Entwicklung kommt es zu der bereits angesprochenen unterschiedlichen Auffassung von Erziehung. Unterschiedliche Ziele und Methoden werden entwickelt und entfalten sich. In den folgenden zwei Kapiteln werden die Erziehungskonzepte der BRD und der DDR vorgestellt. Des Weiteren werden die jeweiligen Methoden und Organisationsformen, mit einem besonderen Bezug auf das Fach Sport, erläutert. Im Vierten Kapitel wird sich anschließend mit dem Problem des Vergleichs auseinandergesetzt, sowie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Pädagogiken bzw. Erziehungskonzepte aufgezeigt.

2 Erziehung in der BRD

„Zwölf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft hatten zum Zusammenbruch der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschlang geführt. Unsicherheit und Orientierungslosigkeit waren die Folge [...] Diese allgemeine Stimmung betraf auch den Bereich der Erziehung“ (Vennebusch-Beaugrand, 1993, S.84),

denn das Menschenbild war nach dem Zweiten Weltkrieg stark geschädigt. Bisher unbekannte menschliche Schwächen waren zum Vorschein gekommen. In den vergangen Jahren hatten die Menschen einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Natur bekommen, so dass die Erziehungsziele, und – aufgaben neu überdacht werden mussten. Im Zuge dessen wandte man sich von den reformpädagogischen Gedanken ab, da man mit ihnen und in Bezug auf den Nationalsozialismus schreckliche und menschenunwürdige Erfahrungen gemacht hatte, jedoch führte dies nicht zur Beantwortung der Frage, wie die neuen Erziehungsziele zu lauten hatten und an welchen Werten man sich zu orientieren hatte. Zu erst musste, so meinten die Pädagogen, die auf Grund der Verunsicherung auftretende Frage, nach den Möglichkeiten und den Grenzen von Erziehung und ob Erziehung eigentlich realisierbar sei, beantwortet werden. Es kristallisierte sich jedoch heraus, dass nicht etwa „die Frage, ob Erziehung überhaupt möglich sei, sondern die Gewißheit, daß Erziehung nötig war“ (Vennebusch-Beaugrand, 1993, S.91) zum Ausgangspunkt des pädagogischen Aufbruchs wurde. Mit diesem Wissen als Basis lassen sich nach Vennebusch-Beaugrand (1993, S. 102) folgende drei Aufgaben von Erziehung festlegen:

1. Leben lernen
2. Erziehung zur Verantwortung
3. Erziehung zum Denken

Die Kinder und Jugendlichen sollten auf das Leben vorbereitet werden, um zum Beispiel ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Dies beinhaltete natürlich, dass die Kinder und Jugendlichen lernen mussten, ihr Leben verantwortungsvoll sich selbst und den anderen Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber zu führen. Hieraus resultiert die Aufgabe, die Kinder und Jugendlichen zu verantwortungsbewussten und selbst denkenden Menschen zu erziehen. Beide geforderten Eigenschaften sind für das persönliche Weiterkommen und das demokratische Leben in der Gemeinschaft unerlässlich (vgl. Vennebusch-Beaugrand, 1993, S.100), denn nur wer sich mit den gesellschaftlichen Werten auseinandersetzt, soziale Kompetenzen entwickelt und sich individuell entfalten kann, ist fähig in einer demokratischen Gemeinschaft zu leben. Es wird somit deutlich, dass der Einzelne nicht in der Masse untergehen sollte, sondern „der Mensch wieder behutsam an die Grundwerte des Lebens herangeführt“ (Vennebusch-Beaugrand, 1993, S.98) werden sollte.

2.1 Politische Erziehung

Angesichts Hitlers Diktatur fehlte den Menschen jegliches Interesse an politischer bzw. an Bereitschaft zu politischer Aktivität. Die bereits erwähnte Unsicherheit und Orientierungslosigkeit erschwerten einen politischen Neubeginn. Jedoch war auch klar, dass man die entsetzliche Zeit des Naziregimes nicht einfach vergessen konnte, oder vor ihr die Augen verschließen durfte (Vennebusch-Beaugrand, 1993, S.164f.). So zählte für die von Erich Weniger angestrebte politische Erziehung, dass sie ohne historischen Standpunkt und ohne direkten Bezug zum staatlichen Leben nicht möglich sei, da ihr sonst wichtige inhaltliche Komponenten vorenthalten würden. Weniger verstand politische Erziehung als eine Art Aufklärung an die Vernunft und Einsicht des Menschen (Vennebusch-Beaugrand, 1993, S.166). Eine der wichtigsten Schlüsse, die man aus der Diktatur Hitlers und dem Zweiten Weltkrieg ziehen konnte und musste, war,

„daß der Friede unter den Menschen nicht so sehr darauf beruht, daß wir uns als einzelne oder als Gesamtheit ins richtige Verhältnis zum Staat bringen, sondern darauf, welcher Art die öffentliche Atmosphäre der Menschen untereinander ist“ (Vennebusch-Beaugrand, 1993, S. 167).

Ein weiterer wichtiger Punkt um das Gelingen der neuen, demokratischen Erziehung zu sichern war, dass sichergestellt wurde, dass die Kinder und Jugendlichen zum selbstständigen Denken erzogen werden und ihnen die Familie, der Kindergarten und im besonderen auch die Schule die Möglichkeit bieten „vorpolitische“ Einsichten und Erfahrungen zu bekommen (vgl. Vennebusch-Beaugrand, 1993, S. 172). Gerade die Institution Schule spielte hier eine große Rolle, da die Kinder und Jugendlichen sich dort in einer Gemeinschaft erleben. So hatte die Schule die konkrete Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler auf die Wahrnehmung ihrer politischen Rechte, sowie Pflichten vorzubereiten. Abgesehen davon sollten Urteilsfähigkeit, Diskussionsführung und eine freie Meinungsäußerung in der Gruppe geübt werden. Diese erzieherische Aufgabe konnte ab 1949 in der BRD mit Hilfe des neu eingeführten Unterrichtsfaches „Sozialkunde“ gelöst werden, wo die Schülerinnen und Schüler auf das von der Demokratie geforderte politische Denken und Handeln vorbereitet werden sollten (Vennebusch-Beaugrand, 1993, S. 173 f.)

2.2 Auswirkungen auf den Sport

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg und entgegen der Tatsache, dass viele Städte zerstört waren und die Menschen unter den außergewöhnlich harten und mühsamen Lebensverhältnissen litten, wollten sie weiterhin Sport treiben. Da England, Frankreich und die USA sportbegeisterte Nationen sind, waren sie ebenfalls der Meinung, dass der Sport auch im Leben der Deutschen wieder einen angemessenen Platz bekommen müsste. Entscheidend war nur, dass die Wehrerziehung und jeglichen Formen von Leibeserziehung, die in Verbindung mit dem Nationalsozialismus standen, keinen Platz im „neuen“, demokratischen, offenen, toleranten und humanitären Sport innerhalb Deutschlands bekommen sollten (vgl. Krüger, 1993, S. 150f.). Das hatte zur Folge, dass Staat und Sport weitestgehend voneinander getrennt werden sollten. Folglich wurde 1950 der Deutsche Sportbund (DSB) gegründet, der die Einheit[1] des Sportes auf freiwilliger Basis wiederherstellen sollte und nach einem Selbstverständnis des Sports suchte, denn erst

„wenn es gelingen würde, dem vereinsgebundenen Sport auch ein neues geistiges und moralisches Fundament zu bauen, könnte dieser Sport als Vorbild und Grundlage zu einer neu zu entwerfenden Praxis und Theorie der Erziehung im und durch Sport [...] dienen“ (Krüger, 1993, S.156).

Des Weiteren bemühte sich der DSB um die Wiederherstellung des verloren gegangenen Vertrauens „in die erzieherische Qualität des Sports“ (Krüger, 1993, S. 157). Das beherrschende Sportverständnis in der Nachkriegszeit wird als „Eigenwelttheorie“ bezeichnet, die vorwiegend von Carl Diem vertreten wurde. Diese Theorie besagte, dass der Sport zweckfrei ist und eine Welt für sich, außerhalb der ernsten Wirklichkeit, sei. Sport sollte uneigennützig und treu den Regeln betrieben werden frei von politischen und wirtschaftlichen Einflüssen (vgl. Krüger, 1993, S. 158ff.).

3 Erziehungskonzepte in der DDR – Die sozialistische Erziehung

Dem persönlichen Erziehungsziel des Einzelnen wurde in der DDR keinerlei Bedeutung zugemessen. Ein persönliches Erziehungsziel des jeweiligen Erziehers hat dem gesellschaftlichem zu weichen, da die Erziehung im Sozialismus in Inhalt, Ziel, Methode, sowie Organisationsform von den Erwartungen der sozialistischen Gesellschaft bestimmt wurde (vgl. Niermann, 1974, S. 84). Das elementare Ziel der Erziehung in der DDR, welches 1965 amtlich in das Bildungsgesetz aufgenommen und später in der Verfassung der DDR festgeschrieben wurde, war es,

„die Kinder und Jugendlichen [der DDR, M.M.] zu allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten, deren wesentliche Merkmale aus dem allgemeineren sozialistischen Menschenbild abgeleitet“ (Vogt, 1977 S.11)

wurden, zu erziehen. Die Herausbildung und Erziehung dieses Persönlichkeitstypus war der Kern aller pädagogischen und bildungspolitischen Bemühungen des Staates und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) (vgl. Bunke, 2005, S. 23). Es wird verdeutlicht, dass die sozialistische Erziehung besonders von patriotischen Merkmalen und Zielen gekennzeichnet ist. Insofern beinhaltet beispielsweise das Programm der SED einen Tugendkodex, der folgende „Zehn Gebote der sozialistischen Moral“ aufzählt:

[...]


[1] Mit Einheit war die Verbundenheit der Vereine und Verbände von Turnen und Sport (vgl. Krüger, 1993, S. 156)

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640554058
ISBN (Buch)
9783640553358
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146094
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Sportwissenschaften und Motologie
Note
Schlagworte
Erziehungskonzepte Vergleich

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