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Erläuterung des Ursprungs und der Funktionsweise des Sympathieprinzips bei Adam Smith, sowie dessen systematische Bedeutung für seine Moraltheorie

Essay 2009 11 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ursprung des Sympathieprinzips

2. Funktionsweise des Sympathieprinzips
2.1. Grundsätzliches über die Sympathie
2.2. Über die „sympathetische“ Urteilsbildung
2.2.1. Grundsätzliches über die „sympathetische“ Urteilsbildung
2.2.2. Die Beurteileiung von einem Handelnden und einem Betroffenen
2.2.3. Über die Selbstliebe und die Selbstbeurteilung

3. Bedeutung des Sympathieprinzips für Smiths Moraltheorie

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Vor knapp zwei Jahrzehnten machten italienische Neurophysiologen[1] eine bahnbrechende Entdeckung: die sog. Spiegelneuronen. Sie werden so bezeichnet, da sie Tiere wie Menschen dazu befähigen, das Verhalten anderer zu spiegeln, d.h. das Verhalten gedanklich nachzuvollziehen. Diese Spiegelung ist für das Lernen durch Nachahmen verantwortlich, bspw. für die Erlernung der Sprache beim Menschen. Kürzlich erst entdeckten sie, dass nicht nur das Verhalten, sondern auch Empfin- dungen gespiegelt werden. Dieses Vermögen wird von ihnen als Empathie oder Einfühlungsvermögen bezeichnet. Das bedeutet aber nicht, dass man die Gefühle des Gegenübers auf gleiche Weise fühlt. Wenn es aber zu einem gemeinsamen Gefühl kommt, bezeichnen sie es als Mitgefühl.[2]

Der schottische Philosoph Adam Smith hat bereits im 18. Jahrhundert dieses Vermö- gen des Menschen und die enorme Auswirkung desselben auf unser Verhalten erkannt. Er entfaltete auf Basis dieses Vermögens eine Theorie, die erklären soll, nach welchen Prinzipien sich der Mensch naturgemäß Urteile über Verhalten und Charakter seiner Mitmenschen und seiner selbst bildet. Für das Mitgefühl verwendet Smith den Begriff der Sympathie. Dieses Essay soll erläutern, worin die Ursprünge des Sympathieprin- zips bei Adam Smith liegen, wie er aus diesem seine Theorie entwickelt und zuletzt, welche Bedeutung es für seine Moraltheorie insgesamt hat.

1. Ursprung des Sympathieprinzips

Etwa zwei Generationen vor Smith lebte der außergewöhnliche, ebenso schottische Philosoph Anthony A.C. Third Earl of Shaftesbury. Er führte eine völlig neue moralische Theorie ein. Seine Behauptung war, dass der Mensch, so wie er einen Sinn für das Schöne, auch einen Sinn für das sittlich Gute besitzt, einen sog. moral sense. Somit ist er der Begründer der „Gefühlsmoral, [...] die im Gegensatz zur Reflexionsmoral die Motive des sittlichen Handelns in den Gefühlen, Neigungen und Affekten sieht“[3].[4]

David Hume, Zeitgenosse und enger Freund Smiths, hat in seinen Büchern A Treatise of Human Nature und Of Morals eine Moralphilosophie entwickelt, die sich auf die natürlichen Anlagen des Menschen bezieht.[5] Außerdem hält Hume, der „[sich] in „methodischer Hinsicht [...] an Newton [orientierte]“[6], nur eine Erkenntnis auf empirischer Basis für sicher und meint, dass „in der Natur des Menschen Elemente auffindbar sein [müssen], die die Grundlage der Moral bilden können“[7]. Somit sieht er, wie Shaftesbury und Smiths Lehrer Francis Hutcheson, nicht „in der Vernunft die Quelle der Moral“[8]. Seiner Meinung nach ist das Handeln des Menschen nicht nur von egoistischen Bestrebungen bestimmt, sondern auch von Sympathie und Menschen- liebe. Dies allerdings aus einem ursprünglich eigennützlichen Verlangen nach positi- ver gesellschaftlicher Resonanz.[9]

Hutcheson war Smiths Lehrer am Glasgower College und beabsichtigte sein Interesse für Moralphilosophie zu wecken. Er machte ihn mit den Theorien von Shaftesbury und Hume bekannt, welche Smith als Grundlage für seine eigenen moralphilosophischen Überlegungen diente. Es kann also behauptet werden, dass Smith in gewisser Weise in der Tradition von Shaftesbury, Hume, und Hutcheson steht. Er übernahm Humes methodische Orientierung an Newton, indem er versucht aus der Wahrnehmung entnommenen Alltagsmaximen ein moralisches Prinzip abzuleiten. Dieses wiederum suchte Smith wie Hume in der Natur des Menschen. Bei dieser Suche ist Smith auf das Gefühl der Sympathie gestoßen.[10]

2. Funktionsweise des Sympathieprinzips

2.1. Grundsätzliches über die Sympathie

„Das einfachste Bauelement“[12] mit dem Smith in seiner Moralphilosophie arbeitet, ist die Sympathie (sympathy). Er geht von einem „Seelenvermögen“ aus, mit Hilfe dessen wir uns in unserer Vorstellung in die Lage einer affektierten Person hineinversetzen können.[13] Die Sympathie bleibt aber „unvollkommen“, solange wir nicht über die entsprechenden Ursachen der Affekte informiert sind:[14] „Sympathie entspringt also nicht so sehr aus dem Anblick des Affektes, als vielmehr aus dem Anblick der Situation, die den Affekt auslöst.“[15] Smith behauptet sowohl, dass jeder, „selbst der ärgste Rohling“, das Bedürfnis hat „an dem Schicksal anderer teilzunehmen“[16], als auch, dass jeder danach strebt, Mitmenschen zu finden, die mit ihnen ihre Affekte teilen.[17] Manche Affekte aber, wie z.B. Zorn oder Hass, sind wir nicht gewillt zu teilen, „vielmehr [haben sie] eher die Wirkung [...], unseren Widerwillen und unsere Abneigung zu erwecken, solange wir nicht mit der Ursache der Affekte bekannt sind“[18]. Aus der der Tatsache, dass das Einfühlungssvermögen des Beobachtenden eingeschränkt ist, somit gewöhnlich das Gefühl nicht so stark verspürt wie der direkt Betroffene, jedoch beide das Bedürfnis haben zu sympathisieren, ergeben sich zwei Tugenden, die das „affektive[.] Mitschwingen[.]“[19] erleichtern: Die Selbstbeherr- schung (self-command) des Betroffenen und das Einfühlungsvermögen (sensibility) des Beobachters.[20][11]

2.2. Über die „sympathetische“ Urteilsbildung

2.2.1. Grundsätzliches über die „sympathetische“ Urteilsbildung

Nach Smith bilden wir uns ein Urteil über die Angemessenheit eines Affektes auf gleiche Weise, wie wir über Ansichten anderer urteilen: Das Urteil hängt davon ab, ob wir mit ihnen übereinstimmen oder nicht. Die Übereinstimmung wird dadurch bestimmt, inwiefern wir den Affekt in Bezug seine Ursache angemessen oder unangemessen, verhältnismäßig oder unverhältnismäßig erachten. Folglich billigen (approve) oder missbilligen (disprove) wir Affekte, insofern wir mit ihnen übereinstimmen oder nicht übereinstimmen. Die aus dem Affekt resultierende Hand-lung wird dementsprechend als anständig oder unschön gewertet.[21]

Allgemein aber können Affekte, denen eine Handlung folgt, von zwei Gesichtspunkt- en betrachtet werden: „in Beziehung auf [...] den Beweggrund [...] und in Beziehung auf den Endzweck“[22]. Der Endzweck bzw. die schädliche oder wohltätige Wirkung ist ausschlaggebendes Kriterium für Verdienstlichkeit oder Verwerflichkeit bzw. für Belohnungswürdigkeit oder Strafwürdigkeit der Handlung, da die entsprechende Wirkung eine Beurteilung erst ermöglicht.[23] Bei der Beurteilung der Handlung wird jedoch ebenso die Schicklichkeit des bewegenden Affekts berücksichtigt, d.h. die Angemessenheit oder Unangemessenheit der schädlichen oder wohltätigen Wirkung in Bezug auf die Bewegursache. Aufgrund dessen hängt unsere subjektive Beurteilung der Handlung auch davon ab, ob wir mit den Beweggründen des Beurteilten sympathisie-ren können oder nicht.[24]

[...]


[1] V. Gallese, G. Rizzolatti, L. Fogassi und L. Fadiga.

[2] Klein 2008, 29-33.

[3] Regenbogen 1999, 240.

[4] Vgl. Lutz 1989, 728.

[5] Ebd., 378.

[6] Ebd., 732.

[7] Ebd., 379.

[8] Ebd., 379.

[9] Vgl. Ebd., 379.

[10] Vgl. Ebd., 732f.

[11] Siehe hierzu auch Schaubild 1 im Anhang.

[12] Rühl 2005, 173.

[13] Vgl. TMG, 2.

[14] Vgl. Ebd., 6.

[15] Ebd., 6.

[16] Ebd., 1.

[17] Vgl. Ebd., 9f.

[18] Ebd., 5.

[19] Tugendhat 1993, 284.

[20] Vgl. TMG, 27ff.

[21] Vgl. Ebd., 14-19.

[22] Ebd., 17.

[23] Ganz im Gegensatz zu einer deontologischen Ethik ist für Smith die Wirkung genauso entscheidend wie die Triebfeder.

[24] Vgl. Ebd., 18f.

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640549740
ISBN (Buch)
9783640552740
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145983
Institution / Hochschule
Hochschule für Philosophie München
Note
1,0
Schlagworte
Sympathieprinzip Adam Smith Theorie der moralischen Gefühle Ursprung des Sympathieprinzips systematische Bedeutung Funktionsweise des Sympathieprinzips unparteiischer Beobachter unparteilicher Betrachter Spiegelneuronen

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